Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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löffel, m.

löffel, m.
narr, thor, gauch u. ähnl., in der ältern schreibung leffel, weiterbildung von laffe sp. 56, mit der dort dargelegten bedeutungsentwickelung; ein früher zumal im oberdeutschen sprachgebiete geläufiges scheltwort: ineptum hominem vulgo vocant ein läffel. Alberus y 2ᵃ; der leffel, ineptus, insulsus. prompt. von 1618 bei Schm. 1, 1451 Fromm.; ich main nit die unrain liebe, als ain löffel ain närrin lieb hat. Keisersberg spinnerin 1510 c 8ᵃ; da luͦget der leffel wie er der metzen wolgefall und lauft jnen nach wie der stier der kuͦ. e 1ᵇ; er het niemands bei sich im schifflin, dann den schiffman und graf Bernharts von Eberstain schreiber, ein jungen, versoffnen löffel. Zimm. chr. 3, 558, 33; bald darnach zeucht der gut löffel wider zu der jungfrauwen. Frey garteng. 2; ein lellmaul und rechter löffel war ein bauer, der nichts denn von seiner schönen jungen frauen und wie die so freundlich were, zu sagen wuszte. Kirchhof wendunm. 295ᵇ; die weistu, was zu scheiszen dienet und kotzen, was aber die heilung antrifft und trifft die arcanen, die da gemelt worden sind von allen, bistu bruder löffel. Paracelsus 1589 2, 70; jetzt noch in der Schweiz: löffel laffe Stalder 2, 177; in Vorarlberg: Andreas, sagte er gemüthlich, ist eigentlich ein guter löffel und thut fast immer was ich will. Felder reich u. arm 272;
so kompt sy haim und spricht (zu ihrem manne): du leffl!
kauf mir auch, daʒ an tregt mein gespil.
Keller erzähl. aus altd. handschr. 188, 24;
die löffel,
die gassentretter, und die göffel,
de durch die nacht kein ruͦw went han
ann sie nit uff der gassen gan
und schlagent luten vor der tür
ob gucken well die mätz har für.
Brant narrensch. 62, 3;
als eigenname eines von neun angeredeten narren:
darumb, Lapp, Götz, Löffel und Droll,
Maulfrank, Haunolt, Schlauraff und Knoll,
Molkenpauch und wer ir seit,
seit mit eur pulschaft vor ungeheit.
fastn. sp. 287, 3.
vgl. rotzlöffel und gänselöffel 2, theil 4¹, 1274.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1120, Z. 20.

löffel, m.

löffel, m.
cochlear.
1)
ahd. leffil, lephil, lepfil, mhd. leffel, aber auch schon, wiewol ausnahmsweise, mit gedunkeltem vocal löffel, wie sich umgekehrt die alte echte schreibung leffel bis ins nhd. des 17. jahrh. hält; mnl. nnl. lepel, mnd. nnd. leppel. ein isländ. lepill cochleare v. lingula Biörn Haldarson 2, 23ᵃ, scheint ein neueres lehnwort, da sonst im nordischen, ebenso wie im angelsächsisch-englischen, für das geräth ein ganz verschiedener name existiert. löffel, alt leffel, ist das instrument zum laffen (sp. 57) schlürfen; und wenn das vorher aufgeführte löffel narr als ein völlig anderes wort angesehen werden musz, das zunächst laffe narr zur voraussetzung hat, während löffel cochlear aus der verbalwurzel laf entstammt, so wird immerhin das letztere von dem grösten einflusz auf das erstere gewesen sein, insofern als allgemein das bestreben waltet, schimpf-, schelt- und fluchworte durch anlehnung an ähnlich klingende unschuldiger bedeutung etwas zu verhüllen. wortspiele zwischen beiden fehlen nicht: herbei, herbei, was löffel sei, zu diesem brei, gar bald und frei: ich hoff uns soll gelingen, hetten wir nur löffel, stöffel, lang löffel, so wöllen wir den Schweizer hauptmann frölich singen, und höfisch löffel, baurenlöffel: vor freuden wolten wir springen, und muslöffel, busenlöffel, bubenlöffel, stubenlöffel, die thut uns auch herbringen, und gewaschene löffel, eng jungfrawlöffel, ein futer mit löffel, und unsere löffel: sind löffel do, so sind wir fro, ginlöffel, maullöffel, faumlöffel, beinenlöffel, milchlöffel, löffelmäuler, gänslöffel: nun sing mir lieber stöffel, ho ho lieber löffel u. s. w. Garg. 88ᵇ.
2)
der löffel in seiner einfachsten und ältesten form ist hölzern (löffel, cochleare, cochlear, schnabelhölzle. Maaler 274ᵈ), wie auch altnord. spânn und spônn, ags. spôn, engl. spoon löffel auf den begriff des holzspans zurückgeht; noch jetzt ist er, vielleicht nicht mehr als eszgerät, aber zum küchenbedarf in diesem material gebräuchlich:
kunstreich schnitzt er dabei zum verkauf spillbäumene löffel.
Voss Luise 1, 227;
darum der löffel als bild für etwas wertloses, eine kleinigkeit:
dehein roup was im ze kleine;
im enwas ouch niht ze grôʒ ...
er nam daʒ ros, er nam daʒ rint,
er lie dem man niht leffels wert.
Meier Helmbr. 671;
ouch ist mîn hûs von nihte vol.
vernt koufte ich leffel umb ein ei, die sint noch hiure niuwe.
Kolmarer meisterl. 134, 20;
auf den holzlöffel bezieht sich die sitte, dem gast einen neuen zu reichen: ich lob den sitten der bei graf Endressen zeiten auch gewesen, so frembde gest in der fasten zur Scheer kommen, so bringt der kuchenbueb dem gast ainen newen löffel ... darfur schenken dann die gest dem kuchenbuben was fur die löffel. Zimm. chron. 2, 118, 19; er wird ersetzt durch ähnliches: für die löffel brauchen sy ein blat von einem baum. Frank weltb. 200ᵃ; sie vergaszen der fast fürstlichen mahlzeit und eileten zu einer lust, welche nicht länger währet als ein löffel von brodte. polit. stockf. 154;
nehmen sie mirs nicht übel, mama hat die löffel vergessen (zum kaffee).
also sagte Luis'; und des mütterchens lachten sie alle,
schadenfroh ... aber der jüngling
sprang zu der birke behende, der hangenden, und von den zweiglein
glättet er zierliche stäb, und vertheilte sie rings der gesellschaft.
Voss Luise 1, 347;
sonst gibt es bleierne, metallene, zinnerne, blecherne, eiserne, kupferne, silberne, goldene löffel: einen gülden leffel, zehen sekel golds werd. 4 Mos. 7, 20; schalen, schüssel, becken, leffel und pfannen von lauterm golde. 1 kön. 7, 50; darin (in einer truhe) fandt man ... ain wunderbarlichen hürnin lefel, welcher, wie das von den alten herkommen, von aim horn eins unerkannten wurms gemacht ... worden. Zimm. chron. 4, 86, 14; als man wieder in den saal kam, und nicht ein einziger leffel, geschweige etwas anders von silber-geschirr nicht mangelte. Simpl. 3, 269 Kurz; die esz-löffel werden insgemein von silber, prinz-metall, zinn, blech u. d. gl. gemacht. öcon. lex. (1731) 1448; ein dritter spielte (an der wirthshaustafel) mit dem messer oder mit der gabel, oder mit einem silbernen löffel. Hebel 2, 134; aber wer in selbiger nacht dem goldschmied auch noch 4 dutzend silberne löffel, 6 silberne salzbüchslein, 6 goldene ringe mit kostbaren steinen holte, das war der Frieder. 3, 55. nach der verwendung sind unterschieden eszlöffel, kochlöffel, faumlöffel, schaumlöffel, schöpflöffel, rührlöffel, kaffeelöffel, theelöffel u. ähnl.; es heiszt mit dem löffel rühren, essen, schöpfen; rüer eʒ wol all tag mit ainem löffel. Megenberg 345, 3; zuͦ letst als der tisch aufgehaben, bracht die beürin erst ein grosz kar mit guͦter süszer milch; darinn stigen sy mit den löfflen. Wickram rollw. 112, 12 Kurz;
kein edeler man selbander sol
mit einem leffel sûfen niht.
des Tannhausers hofzucht bei Haupt 6, 489, 34;
swer mit leffeln eʒʒe gern,
kan er dâ mit niht heben ûf,
der sol den unflât verbern,
daʒ erʒ iht schieb mit vingern drûf.
492, 121.
3)
löffel als masz: ein löffel voll, der kranke nimmt von der medicin stündlich einen löffel voll; vgl. cochlearium, ein zimlicher löffel voll, est minima apud Romanos mensura. Dasyp. 283ᵈ; ligula, ein zimlicher löffel voll. 284ᵈ;
ein löffel voll that
ist besser als ein scheffel voll rath.
Simrock sprichw. 350;
nehmen sie uns das unsre in scheffeln,
müssen wirs wieder bekommen in löffeln.
Schiller Wallensteins lager, 1. auftr.;
in der Schweiz ist löffel ein gewisses hohlmasz oder gewicht für milch, der grosze und der kleine löffel Stalder 2, 177.
4)
zahlreiche sprichwörter und redensarten. den löffel aufheben und die schüssel zertreten, kleines hüten und groszes vernichten: so geschicht es, das heute zu tage in dem grausam verkeretem wesen, die banner (die einen bann verhängen) den leffel aufheben und zutretten die schüssel. Luther 1, 285ᵃ; doch das solcher schutz (der obrigkeit für die unterthanen) geschehe nicht mit viel gröszerm unraht, und ein leffel aufgehaben werd, da man ein schüssel zutrit. 492ᵃ; hie gehören her, von denen man sagt, sie heben einen leffel auf, und zutretten eine schüssel. 6, 146ᵇ; da sind die pauren münchen und pfaffen so feind worden; wenn sie uns in eim leffel künden ertrenken, sie thetens gern. Schade sat. 3, 101, 8; wenn sie mich und die meinigen in einem löffel hätten können ersäufen, sie hätten keinen zuber dazu genommen. Schweinichen 2, 137; o jr latzdeckige bäuch, die mit eim kind essen, das ein rotzige nasen hat: ja den löffel widerholt, den man euch hinder die thür wirft. Garg. 17ᵃ; die können nicht gesättigt sein, so man ihnen mit gleichem löffel wollt anrichten. Lehmann 75; er war gern, da man mit groszen löffeln aufgieszet (wo es reichlich hergeht). Garg. 45ᵇ;
du must genewer hauszhalten,
mit dem groszn löffl nit richten an.
H. Sachs 3, 3, 38ᶜ;
keiner kann zweien herren dienen wie nit auch in einem löffel auf einmal zwo suppen versuchen. Lehmann 146; etwas mit löffeln gefressen haben, bezüglich etwas dessen man reichlich besitzt, gleichsam in groszen mengen eingenommen hat: ihr bildet euch oftmals ein, ihr grosze reiche und gewaltige leut, ihr habt Salomons weiszheit mit löffeln gefressen. Schuppius 145; wir sein gelehrte leut, wir haben die witz mit löffeln gefressen. 650; ich bin desz trures so sat, as hätt is mit löfflen gfressen (sagt ein Elsässer). Philander 2 (1665), 300; ich habe es so genug, als wenn ich es mit löffeln gefressen hätte, supra omne odium mihi odiosum est. Serz 92ᵃ; den geringsten löffel dazu nit zu waschen haben (gar nichts dabei zu thun haben). Schottel 1117ᵃ; nimm einen löffel und schmecke was du sagst. 1118ᵇ; weil der löffel neu ist, so brauchet ihn der koch, wan er alt ist, so wirft er ihn ins feuer. 1130ᵇ; ein solcher löffel gehört in solch futteral. steck deinen löffel nicht in andrer leute töpfe. wo der löffel ausreicht, bedarf man der kelle nicht. man soll den löffel nicht aus der hand geben, bis man selbst gegessen hat. eh man den löffel zum munde bringt, kann sich viel begeben. man musz es nehmen weils der löffel gibt. Simrock sprichw. 350; nun weisz ich meines löffels keinen stiel mehr. 351;
dasz glück ihm günstig sei,
was hilfts dem Stöffel?
denn regnets brei,
fehlt ihm der löffel.
Göthe 2, 266;
schickt sichs grad als äsze das schwein mit löffeln die suppe.
40, 175,
nach: so voget eme doch dat sulve gelate
alse einer sogen, de mit leppelen et.
Reinecke fuchs 5147;
mit jemandem am löffel sein, zunächst essen, dann leben, umgehen überhaupt: dieser klatschfink hat eine feine nase und macht sich comme il faut. man sieht unter was für leuten er am löffel gewesen; mit cabinetsaugen nach innen und auszen und der fähigkeit es nicht ungeschickt von sich zu geben. Zelter an Göthe 687; einem nicht einen löffel schwenken, nicht den geringsten dienst verrichten: wenn die das volbringen, das sie im schuldig sint, so swenken sie eim nit ein löffel darüber, wann das sie müssen und söllen thuͦn. Keisersberg bilg. 8ᶜ; ein hochzeitbrauch war um den löffel reiten, rennen: an etlichen orten reitt man umb den löffel, als gelt es leib und leben, wer vorkompt, und der braut den löffel bringt, der hat von jr ein geschenk, und disz ist ein ehr. S. Frank weltb. 129ᵇ; ach es war ein jämerliche ungestalte unordnung, als ob sie umb den löffel renten, welcher jhn am ersten der braut bring. Garg. 201ᵇ;
auf hochzeit, teufen, kirmisbrauch,
beim leffel und beim knobelauch (vgl. 5, 1450, 2, d),
da überkömpt manch gut gesell
sein aller gröstes ungefell.
B. Ringwald laut. warh. 120;
dorfbarbiere des vorigen und noch dieses jahrhunderts hatten den brauch, die eingefallenen und faltenreichen wangen ihrer bauern für das bartscheren dadurch zu glätten, dasz sie an die innenseite der wange das hohlrund eines löffels führten und so die wange aufblähten. die hieran ansetzende, aber erst spät zu belegende redensart über den löffel barbiert werden geht danach von der vorstellung aus wie ein bauer behandelt werden, ohne umstände und nicht zart, und verliert sich in den begriff des betrogenwerdens: als der fremde eine zeitlang da war, und dem zirkelschmied weniger pfiffig als ehrlich aussah, dachte der zirkelschmied: ich will ein gespräch mit ihm anfangen. vielleicht läszt er sich über den löffel balbiren. Hebel 3, 57; wir kannten .. einen alten bauer, so einen rechten Emmenthaler mittlerer grösze, breit und sonst gut am leibe, mit rundem gesicht, grauen haaren, ganz ehrlich im aussehen und dahinter den schalk in allen zügen, der, sammt allen fremden gesandten, die sieben höchsten eidgenossen vor dem morgenbrot über den löffel balbiert hätte. J. Gotthelf schuldenb. 237.
5)
löffel heiszen löffelartig geformte geräthe; bei den karrengängern ist es ein in gestalt einer kleinen schaufel geschnittener, dünner hölzerner spadel, um die im karren klebende nasse und thonige deicherde damit auszuräumen; bei den bleiarbeitern ein rundes mit stiel versehenes gefäsz, um das geschmolzene und gereinigte blei aus dem kessel in den gieszlöffel zu übertragen; bei den chirurgen ein instrument, womit man das niedergefallene zäpfchen wieder aufzuheben pflegt; bei den wachsziehern ein gerät, um das flieszende wachs aus der pfanne heraus zu nehmen, und es auf die dochte zu schütten. Jacobsson 6, 466ᵇ. bei den bergleuten heiszt löffel, bohrlöffel, ein bohrer für erdlöcher mit löffelartigem vorderstück zum aufholen der bohrmehle. vergl. auch ohrlöffel, zum reinigen der ohren, schuhlöffel.
6)
löffel, die ohren des hasen: des hasen ohren werden auch löffel genannt. Döbel jägerpr. 32; der rammler in seiner sasse leget seine löffel, welche an den spitzen ganz schwarz sind, gerade auf dem rücken beisammen .. die hasin hingegen leget in der sasse die löffel ganz auseinander und lässet sie zu beiden seiten des leibes herabhangen. Heppe leithund 104. 105; er hat indessen den hasen nachgestellt und einen erwischt und bringt ihn an den löffeln hervor. Göthe 11, 210;
ein hase wird vor furcht und wachem kummer grau ...
kaum können hasen selbst im busche haseliren,
so wird auch jener gleich die löffel ängstlich rühren.
Hagedorn 2, 123;
bereits mhd. werden die ohren des hasen löffeln verglichen:
'oder soldest worden sîn ein koch (spricht ein thörichter mönch),
wan dû treist die löffel noch
bereit, als ein ander man,
der wol ze eʒʒen machen kan'.
nû prüevet an dem tôren:
er meint des hasen ôren,
diu er ûf gerecket sach.
ges. abent. 2, 65, 400.
löffel nennt der jäger ferner die zunge des hirsches. Kehrein 266.
7)
löffel, das hufbein. Nemnich.
8)
löffel, name der schnecken patella cochlear und murex haustellum.
9)
die pflanze drosera rotundifolia heiszt auch unseres herrn gottes löffel. Nemnich 2, 1447. vgl. löffleinkraut.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1120, Z. 58.

löffeln, verb.

löffeln, verb.
1)
sich als ein löffel, narr, geck geberden, narrending treiben: schweiz. löffeln, sich wie ein laffe betragen. Stalder 2, 177; scherze und löffle nicht zu viel, denn solchen falls wirstu deine eigene würdigkeit zu boden richten. pers. baumgarten 7, 3. transitiv einen löffeln, einen zum narren haben, als narren behandeln: in Kärnten ân löffeln, einen zum besten haben Lexer 180;
was wöll wir dann, wöll wir carnöffeln?
sie sprach, ich förcht ir möcht mich löffeln.
H. Sachs 1, 518ᶜ;
dergleichen ein spil heiszt das carnöffeln,
thet mich auch oft effen und löffeln.
5, 357ᵇ.
2)
löffeln scheint zunächst in derber studentischer rede auf einen burschen gewendet zu sein, der gegen das andere geschlecht gern schön thut, sich darum bemüht und ihm 'aufwartet', und den man deswegen als einen thoren hinstellen will; es erscheint gleicher bedeutung mit dem feineren hofieren (no. 4, theil 4², 1682 fg.): die vier und zweinzigst schell ist hoffiren des nachts auf den gassen, mit lauten und groszen welschen violen löffeln. Höniger narrensch. 43ᵇ; sie ziehen von einer mitternacht zu der anderen mit lauten, geigen, harpfen, zittern und pfeifen herumb zu löfflen und vagieren. 98ᵇ; wird aber dann auch allgemein in dem sinne unseres heutigen der niedrigen sprache angehörigen pussieren, liebeln, buhlen gebraucht, welches ja auch studentischen kreisen entstammt: da ich satt gelöffelt, ritt ich wieder nach dem Hanau zu. Schweinichen 2, 11; es gibt der wankelmüthigen gesellen viel, die nur die jungfrawen auf dem narrenseil führen, und bald hie, bald da anfangen zu löffeln. Creidius 1, 287; dieser cavallier löffelt gern. Simpl. 3, 184 Kurz; weisz ich nichts denkwürdigs von mir zu erzählen, ich wolte dann sagen, wie ich leffeln gangen, und den bayerischen diernen aufgewartet. 250; löfflen macht hochzeit. Lehmann 2, 212; mein herr thut es nur, dasz er nur so seine lust und kurzweile und so was zu löffeln hat. Schoch stud. leb. C; damit sie (die magd) mich .. ein halbes stündchen löffeln lasse. mägdelob 65; sollt fühlen, was das heiszt, hinter deinem vater löffeln, du canaille! (ein vater zu seinem sohne). Fr. Müller 1, 369;
ein student unter einer thür
löfflen thet.
L. Sandrub kurzweil 117;
kein mensch hats wohl gemerkt,
dasz wir gelöffelt haben.
Chr. Weise überfl. ged. 2, 113;
traut, mädchen, leichten rittern nicht!
manch ritter ist ein bösewicht.
sie löffeln wohl und wandern
von einer zu der andern,
und freien keine nicht.
Bürger 29ᵇ;
im wortspiel mit dem folgenden löffeln:
was hat er nun von dir? (der eroberer der jungfräulichen festung Magdeburg). hat dir zwar abgenommen
dein kränzlein mit gewalt, nichts mehr hat er bekommen,
das fleisch war ihm zu theur, die suppen thuts ihm wol,
hett er gelernet vor, wie man recht lefflen sol.
Opel u. Cohn 262, 44;
es heiszt mit einer löffeln: er hat mit ihr geleffelt, ergo ist er ihr schatz. facet. facetiar. 140; von zweien bulern, die zugleich mit einer dirnen löffelten. anm. weiszh. lustg. 282; als der ander mit der putanen leffelte. Simpl. 3, 87 Kurz; ich schämte mich recht, dasz ich so dumm gewesen war, und mit einer solchen alten abgestandenen muhme gelöffelt hatte. Wieland 11, 310; da sehe ich nun mitunter, dasz die neugeheiratheten ... mit einander ein anblicken und anblinzeln, löffeln und schlecken treiben, als seien sie mutterseelen allein (worte des hofschulzen). Immermann Münchh. 1, 185;
setzt sich zur jungfrau guter mas,
und mit derselben löffelt was (ein wenig).
B. Ringwald laut. warh. 76;
und leffel nicht mir jr zu sehr.
179;
ich wil jhn dapfer den beutl schwanken,
sie bulen lassen in gedanken,
sie löffeln lassen mit den mäiden.
J. Ayrer 457ᶜ (2299, 14 Keller);
um, nach, bei einer löffeln: in solchem kleid leffelte ich um meine Euridice. Simpl. 1, 365 Kurz; dasz es dem hofmann ein schande sei, wann er nach seines wirths weib löfflet. Albertini hofschul 1610 23ᵃ;
ich will bei meiner kolben traun
leffeln bei der schönsten jungfraun.
Sommer plagium 1616 B 1ᵃ;
im scherz auch freier gebraucht: die grosze fette schweinspersonen, die faulheit halber bei nacht nicht räisen mögen, wuste ich auch meisterlich fort zu bringen, wann sie schon grunzten und nicht daran wolten; ich machte ihnen mit meel und wasser einen wolgesalzenen brei, an welchen ich einen starken bindfaden gebunden hatte, liesz nachgehends diejenige, um welche ich löffelte, den schwamm voll musz fressen und behielt die schnur in der hand, worauf sie ohn fernern wortwechsel gedultig mitgiengen. Simpl. 1, 248 Kurz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1125, Z. 42.

löffeln, verb.

löffeln, verb.
mit löffeln schöpfen: leffelen, sorbere liquida ex cochleari Stieler 1061; o, sprechend sy (die klosterleute), wir gebend grosze almuͦsen .. aber merk, wie sie grosz sind. ist es ein köcht, so habends die jaghund nit mögen fressen und die stubenstänker, oder aber es wäre den armen nit worden; es muͦsz ein leipscheten (überbleibsel) syn, darin gelöfflet oder ggeifret sye, und um den wuͦst muͦsz der arm dennoch vor dem thor erfrüren. Zwingli 2, 1, 400; sie küssen sich nicht lang, sie sehn sich freundlich an, und setzen sich zum topf und löffeln drein so zug um zug. Arnim schaub. 1, 62; auch transitiv: die suppe löffeln, mit dem löffel ausessen; das sie dazu verurtheilt, einen theil der von ihnen eingebrockten suppe persönlich auszulöffeln. Frankf. journal vom 1. aug. 1871; vgl. auch einlöffeln (Luther 6, 147ᵃ) unter ausscheffeln th. 1, 947. bergmännisch heiszt löffeln aus einem bohrloche das bohrmehl oder den bohrschmand mit dem löffel (oben sp. 1123 unter no. 5) herausschaffen. Veith bergwb. 329. in der Schweiz wird löffeln von schuhen oder einem deckel gesagt, die nicht gehörig schlieszen, nicht genau einpassen, die schuhe löffeln aus, wenn sie ausgetreten sind und nun am fusze klappen, er hat die schuhe ausgelöffelt, vgl. Stalder 2, 177. in Kärnten heiszt ân löffeln einen bei den ohren zerren. Lexer 180, vergl. dazu löffel 6, sp. 1123.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1126, Z. 51.

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Zitationshilfe
„löffeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6ffeln>, abgerufen am 04.08.2021.

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