Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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loch, n.

loch, n.
latibulum, cavum, foramen.
1)
dasz das wort mit dem verbum ahd. lûhhan liohhan, mhd. nhd. liechen schlieszen zusammenhängt, ist schon unter bloch theil 2, 135 betont worden. liechen aber (vgl. oben sp. 981) bezeichnet nur eine besondere art des schlieszens, mehr ein zusperren durch keil oder balken, im ags. selbst ein flechten und knüpfen, und gerade hiervon geht das subst. loch (was seiner bildung nach sich ganz dem ahd. mhd. sloʒ clausura, pessulum, sera zum verbum slieʒen gehörig vergleicht) sehr bestimmt aus. es bezeichnet zunächst einen derartigen verschlusz, dann das derartig verschlossene, wie die bedeutung in den einzelnen alten dialekten ausweist: altfries. lok riegelverschlusz, lok-stef riegelstab, riegel (Richthofen 230, 5), ags. loc, plur. locu hürde, riegel und verschlusz (mandras locu gloss. in Haupts ztschr. 9, 476ᵃ; clustello loce ł fästene 527ᵇ), neben dem masc. loca clausura und claustrum; altnord. lok deckel, neben dem fem. loka verschlusz, riegel; und noch das heutige engl. lock, das sonst das thürschlosz bedeutet, erinnert an seinen alten sinn, wenn es auch das schutzbret einer schleuse bezeichnet. eine begriffswandlung des wortes stellt sich im hochdeutschen sprachgebiet schon seit alter zeit ein, da es nur selten mehr das mittel des verschlieszens oder sperrens (valvas loh Steinmeyer u. Sievers ahd. gloss. 1, 262, 23, die alte bedeutung des sperrenden balkens blieb auch in pi-loh, später bloch, unserm block), vielmehr den so gesperrten oder zu sperrenden raum ausdrückt: ahd. loh ist versteck, höhle, schlupfloch, vgl. Graff 2, 140, aber auch schon foramen; ebenso das mhd. loch; alle diese bedeutungen leben im nhd. weiter.
2)
loch, ein vor feinden leicht zu sperrender enger zufluchtsort, versteck, höhle u. ähnl.: spelunca loch ł hole Dief. 546ᵃ; da das sahen die menner Israel, das sie in nöten waren (denn dem volk war bange) verkrochen sie sich in die höle und klüften und felsen und löcher und gruben. 1 Sam. 13, 6; da sie nu der Philister lager beide ins gesicht bekamen, sprachen die Philister, sihe, die Ebreer sind aus den löchern gegangen darin sie sich verkrochen hatten. 14, 11; als sie nun an den berg kamen, ... fand Jeremias eine hülen, darein versteckt er die hütten und die laden, und den altar des reuchopfers, und verschlos das loch. 2 Macc. 2, 5; das man nicht sehen sol, wo die ochsen, so er (Cacus) rücklings in sein loch zeucht, hinkommen. Luther 7, 385ᵇ;
einsiedler in löchern, schäfer im grünen.
Göthe 14, 38;
in der redensart loch suchen, ein versteck suchen: ich achte aber, neben der (angeführten) ursache sei auch diese, das die propheten alda an der Saal raum und loch suchten, jren geist und gift auszubreiten, das sie zu Wittemberg nicht kondten die lenge, so sich verkriechen und im finstern mausen. Luther 3, 48ᵃ; zu loche kriechen, ins versteck: die papisten aber meinen, und ich gleube es schier auch, wo der Luther nicht were, die schwermer solten gar bald dünne werden und zu loch kriechen. 335ᵇ; zu loche treiben: wir zerstreuten ihn (den feind) völlig, richteten eine gewaltige niederlage an, und trieben ihn .. in seine festung zu loche. Münchhaus. 46; zu loche sitzen, im sichern, verborgenen:
und wann er erst zu loche sasz,
so schlug mein graf von Rips,
— denn hier that ihm kein teufel was —
gar höhnisch seinen schnips.
Bürger 24ᵇ.
3)
namentlich auch die in der erde oder sonst wo befindlichen engen zufluchts- und schlupfräume der thiere: fohûn habênt loh. Tatian 51, 2 (vulpes foveas habent, bei Luther Matth. 8, 19 die füchse haben gruben);
der degen ruofte lûte,   als eim helde wol gezam:
hêr wurm, sît ir hie heime?   ir sult von iuwerm hol gân.
iuch suochet vor dem loche   ein werder schiltman.
Wolfdietr. B. 664, 1;
die löcher der meulwürfe und der fleddermeuse. Jes. 2, 20; die jungen lewen, ... wenn aber die sonne aufgehet, heben sie sich davon, und legen sich in jre löcher. ps. 104, 22; die meuse erschracken, und liefen davon, die stadmaus fand bald jr loch. Luther 5, 272ᵇ; des fuchs loch ist sein reich, wenn er das nicht mehr hat, so sind alle seine königreiche dahin, und er auch mit hin, denn on loch kan er nicht bleiben. 6, 154ᵇ; das (vorher hingelegte) brett von dem loch, da der dachsz ligt, hinweg heben. Sebiz feldb. 600; es musz eine schlechte mausz sein, so nicht mehr als ein loch weisz. Pistorius thes. par 10, 1; es ist ein armer fuchs, der nur éin loch hat. Simrock sprichw. s. 152;
(die wildkatze) klettert in ihr loch zurücke.
Hagedorn 2, 45;
ein hamster machte sich ein loch.
Gleim 3, 267;
aus ihren hohlen ästen keucht
die düstre fledermaus,
trinkt kühle luft, und kreischend fleugt
sie aus dem loch heraus.
Stolberg 1, 411;
es heiszt in der jägersprache der bär .. gehet vor oder zu loch, oder lug (s. d.). Becher jägercabinet (1778) s. 911.
4)
loch, das enge niedre gefängnis der schlechtesten art in früherer zeit: welche burgere, einwoner und geste aber, so also betretten, den knechten dazu geordent unbekannt weren und nit burgschaft hetten, die sollen in das loch gefürt werden. Nürnb. pol.-ordn. s. 55; da kamen zwen edelman gen Nuremberg .. dy legten sich bede gefangen zu Nuremberg in das loch als von mortprantz wegen. d. städtechron. 1, 378, 1; man tet das loch und die türn (wo die besseren gefängnisse waren) auf und liesz all gevangen ledig. 2, 43, 7; diser zeit wurden die juden in allen reichsteten und auch zu Nuremberg gefangen und daselbs die reichen auf die burg und die armen in das loch gelegt. 3, 291, 38; da sandte Pharao hin, und lies Joseph rufen, und lieszen jn eilend aus dem loch (ἀπὸ τοῦ ὀχυρώματος sept.). 1 Mos. 41, 14; den vater zwingen, und wo er nicht wil, bei dem kopfe nemen, und ins loch werfen. Luther 5, 253ᵇ; also schied ich (nach einem verhör) ab in mein loch, darinnen ich meuse und stanks gnug hab. L. Keiser ebenda 3, 414ᵃ; den solten die nachbarn ins loch werfen. Pape bettel- u. garteteufel (1586) P 6ᵇ; weil er ... mit in das loch wandern, und bisz auf desz liberalen vaters kostbare auszlösung allda verpausiren muste. Chr. Weise erzn. 117 Braune; steig ab ins loch — droben dein helfer, dein rächer (Hermann zum alten Moor). Schiller räuber 4, 5; bürgermeister. was geht ihn die stadt an, ist er vom rath? soll ich ihn ins loch stecken? Arnim schaub. 2, 345;
da mustu in, wolst sein mit rue,
dein hut und mantel in do geben,
und xxxv d. zu pade daneben,
das sie in das loch nit furten dich.
fastn. sp. 35, 26;
gar pald verantwurt hie die clag,
die über dich geet von uns allen,
ee du must ins richters loch vallen.
784, 8.
bildlich vom leibe, der als gefängnis der seele gedacht wird: so .. unser lieben brüder uns absterben, und einer zum andern sage, wolan, du ferest aus diesem engen finstern loch, in einen weiten himel, und aus dem unfletigen stinkenden kerker, in ein schönes lüstiges paradis. Luther 7, 120ᵇ.
5)
loch, ein enger oder zur seite liegender raum, der sonst auch einer höhle oder einem winkel verglichen wird: wie denn ein groszer Niclas bischof zu Augspurg selbs gesagt hat, er möchte leiden, das allenthalben so gehalten würde, wie zu Wittemberg, aber das aus dem loch und winkel solche lere solt anfahen und auskommen, das sei nicht zu leiden. Luther 5, 276ᵇ; denn was sol doch das schreckliche gaukelspiel sein? darin sie das volk wollen leren, und sagen jnen doch nichts, sondern weisen sie ins finster loch, und sprechen, gleube was Christus meinet, was aber Christus meinet, wollen sie nicht sagen. 6, 106ᵇ. in gebirgsgegenden heiszt loch der enge, oft nur spaltartige freie raum zwischen zwei bergen oder auch gebirgszügen, der den wolken den zug frei läszt, auch wetterloch, insofern von daher das schlechte wetter kommt;
der mythenstein zieht seine haube an,
und kalt her bläst es aus dem wetterloch;
der sturm, ich mein, wird da sein, eh wirs denken.
Schiller Tell 1, 1;
und auch in der ebene heiszt man die gegend, wo unwetter herzukommen pflegen, das wetterloch, hier nunmehr ohne alle gedanken an eine enge öffnung, bergspalte oder ähnliches.
6)
loch, verächtlich für einen höhlen- oder gefängnisartigen schlechten wohnraum: im hingehn bemerkte ich, dasz die schulstube, wo ein ehrliches altes weib unsere kindheit zusammengepfercht hatte, in einen kramladen verwandelt war. ich erinnerte mich der unruhe, der thränen, der dumpfheit des sinnes, der herzensangst, die ich in dem loche ausgestanden hatte. Göthe 16, 111; (der heil. Alexius) habe sich als ein armer bettler vor seiner eltern hausthür gestellt, diese, ihn auch dafür haltend, haben .. einem bedienten aufgetragen, ihn mit quartier im schlosz und den nöthigen speisen zu versehen. dieser bediente, verdrieszlich über die mühe und unwillig über seiner herrschaft wohlthätigkeit, habe diesen anscheinenden bettler in ein schlechtes loch unter der treppe gewiesen. 280; mich sollten sechs pferde nicht in euer altes raucheriges loch (das wohnzimmer) bringen. Arnim schaub. 1, 29; will man arbeiter, so musz man sie suchen, musz mit aller kraft sie aus ihren löchern klopfen. J. Gotthelf schuldenb. 75;
bin kommen in ein garstig loch (Satyros von der einsiedlerhütte).
Göthe 13, 82.
7)
loch, nicht sowol die höhle, als die grube:
ein jüngrer und ein ältrer bube ..
geriethen beid an eine grube,
in der der schnee noch nicht zerlief.
ach bruder! sprach der kleine bube,
was meinst du, ist das loch wohl tief?
ich hätte lust .. was? lust hinein zu springen?
Gellert 1, 205;
den reinen quell der wahrheit verlieszen oft
die menschen, gruben mühsam sich löcher aus.
Stolberg 2, 2;
besonders auch das grab: das herzog Hans von Sachsen wird wider erfür komen aus dem loch (bei der auferstehung). Luther 5, 500ᵇ; das mir nicht zweivelt, er werde, wenn die posaune des erzengels gehen wird, gar frölich in einem augenblick aus diesem loch faren, Christo entgegen. 506ᵇ;
denn solche weisen müssen doch
sowol als wie die narren
sich lassen in des grabes loch
versenken und verscharren.
P. Gerhard 189, 39 Gödeke;
die hölle (vgl. höllengrube und höllenloch theil 4², 1752. 1753):
Dycearchus der fleisz sich des
das er die höh der berg uszmesz, ...
doch masz er nit mit syner handt
die alpen hoch jm Schwitzer landt,
masz auch nit wie tief wer das loch
do hin er muͤst, und sitzet noch.
Brant narrensch. 66, 35.
Auch das grübchen am kinne heiszt ein loch: loch am kinbacken, cavernula. voc. inc. theut. n 1ᵇ.
8)
loch, die immerhin enge gedachte öffnung, die den zugang zu einem raume vermittelt; so zu einem brunnen, einer höhle, einem ofen: und lag ein groszer stein fur dem loch des bruns. 1 Mos. 29, 2; so walzet grosze steine fur das loch der höle. Jos. 10, 18; Nebucad Nezar trat hin zu, fur das loch des glüenden ofens. Dan. 3, 26; eine grosze schlang verfiel sich in einer höle, und schrie jämmerlich. ein bawr kompt zum loch, fragt, was da sei, sie bitt, er wölle jr heraus helfen. Mathesius bei Gellert 1, xxxiv; ferner die zugangs- oder lüftungsöffnungen eines hauses:
dône vant er (der in ein gadem gesperrte löwe) loch noch tür,
daʒ er kœme hin vür,
und suochte al umbe unz er vant
bî der erde an der want
eine vûle swelle.
Iwein 6741;
hört! seht! und steigt empor! macht alle löcher weiter!
dort fliehen helden her, dort laufen dreiszig reuter,
die greifen kühnlich an ein wüstes gärtnerhaus
und schmeiszen ofen ein und schlagen fenster ausz.
Logau 1, 84, 47.
die thüröffnung ist gemeint in der scherzhaften redensart wo der zimmermann das loch gemacht oder gelassen hat: jnen (den schmarotzern) das loch, so der zimmermann gemacht, zeiget und bein hals die stegen abhin wirfet. Kirchhof wendunm. 212ᵇ; werdet ihr mir noch einmal eins (von den kindern) mit dem finger anrühren, so will ich euch das loch weisen, welches der zimmermann im hause offen gelassen hat. Jucundiss. 119; ich suchte also, so oft der informator wegging, ebenfals wo der zimmermann das loch gelassen hatte. avantur. 1, 34; ja, ja, dem major will ich weisen, wo meister zimmermann das loch gemacht hat. Schiller kabale u. liebe 1, 1; ihr habt es gehört, dort machte der zimmermann das loch, wenn ihr es nicht seht und macht, dasz ihr draus kömmt, so kann man es euch zeigen. J. Gotthelf schuldenb. 268. Sprichwörtlich auch ein loch haben, einen ausweg, wie der fuchs aus seiner höhle: item wenn man ie mer kriegen müst, daʒ man denn vor, als feren man möcht, ein fürsten oder zwien bestellet, wie man möcht, daʒ man ein loch het, daʒ wir nit ganz umbgeben weren als in dem vergangen krieg. d. städtechr. 2, 330, 13; anders ist gemeint ein loch finden, das zu unten 12 gestellt wird.
9)
loch, öffnung im oder am körper, vergl. augenloch, ohrloch, mundloch, nasenloch, schweiszloch u. ähnl.: jr fleisch wird verwesen, also, dasz sie noch auf jren füszen stehen, und jre augen in den löchern verwesen. Sacharja 14, 12. ohne nähere bezeichnung versteht die derbe rede darunter den mund, so alemannisch: halts loch! hep 's loch zue! Seiler 192ᵇ; der got Venter und das closter Maulbrunn (ich mein das loch under der nasen) treibt und lert uns fast alle, alles was wir thuͦn, reden und könden, des lied ich sing, des brot ich esz. und singt iederman das bettelliedlin, dem loch under der nasen zu lieb. S. Frank sprichw. 2, 51ᵇ; zu loch fahren, essen, schlingen:
soltu der erst in dplatten greifen,
und nemen rausz bei guter zeit
das best, an welchem ort es leit,
das nicht ein andrer greife dar,
und alsobald zu loch mit fahr.
grob. (1568) B 4ᵃ (1, 4);
und wer die platten sauber raum,
und wer weidlich zu loch zu fahr.
D 3ᵇ (1, 7);
aber auch cunnus: ist es nicht besser, so ist es doch schöner, sagt einmal ein blinder, zeiget jhm die fraw das loch fürs liecht. Garg. 148ᵇ, vergl. auch Göthe 12, 216, wo das wort im reime auf doch nur durch gedankenstrich angedeutet ist; oder gewöhnlicher anus und podex: ein muter, die irem kind schlecht (schlägt) das loch vol, die ist nit sein feind, man sol kind zimlich schlagen. Keisersberg herr kunig 83ᵃ; das bier schlegt eim fürs loch. Garg. 86ᵇ; seszen sie daheim auf dem loch beim wein, so brechen sie kein schuch und zerstieszen kein bein. 116ᵃ;
wann sich ein narr do bald bedächt,
und ein kübel mit wasser brächt,
das man dem buren das loch berib,
und jm die böse hitz vertrib.
P. Gengenbach gouchm. 1254;
jr küst mich auf das loch all bed.
H. Sachs 5, 345ᵇ;
es wird auch nur durch einen gedankenstrich angedeutet:
scheint oben deine nase doch
durch alle welten vorzudringen,
so seh ich unten hier — —
das universum zu verschlingen.
was duftet aus dem kolossalen mund! u. s. w.
Göthe 57, 273.
eine übertragung der letzteren bedeutung ist es, wenn loch die polsterung genannt wird, welche die modische weibertracht bis gegen die mitte des 17. jahrh. unter dem rocke hinten um beide hüften gehen liesz: wasz unglücks stellen ewere weiber und töchter aufs newe jetzt an, mit den groszen gepulsterten, gefüterten löchern? als ob sie sich durch solchen wust, eine bessere leibesgestalt und feiste machen wolten. Philander 2 (1643) 87.
10)
loch, die mit einem instrumente bewirkte öffnung in irgend einem dinge: ôdirâ ist olbentûn thuruh loh nâldûn zi faranne (per foramen acus transire), thanne ôtagan zi ganganne in himilô rîchi. Tat. 106, 4;
doch sît ich niht wînes tranc
des ist mêr danne ein woche:
des gürte ich drîer loche
an dem gürtel mîn hinhinder.
Helmbr. 1130;
loch in einem holz, einer metallplatte; die löcher in einer flöte; die löcher an einem billard, in die die kugeln laufen; die löcher eines fischkastens; pfaff, das dich botz schweisz schende! ich will dich so voller lecher, als ein vischbehalter, stechen. Zimm. chr. 2, 351, 26. solche löcher sind durch bohren hergestellt: da nam der priester Joiada eine laden, und borte oben ein loch drein .. und die priester die an der schwelle hüteten, theten drein alles gelt. 2 kön. 12, 9; ein loch durch die ohren bohren. Möser patr. phant. 1, 142; in der sprache der handwerker auch durch schlagen: ein stückchen dickes messing, worinnen verschiedene nicht durchgehende löcher mit einem groben körner eingeschlagen sind. Jacobsson 6, 465ᵃ; durch graben: loch, so gegraben, als: brunnenloch, os putei Frisch 1, 618ᵇ; loch in der erde, zum setzen von bäumen und kleinen pflanzen; bergmännisch loch das bohrloch, und der durchschlag (die offene verbindung zwischen zwei grubenbauen). Veith bergwörterb. 327.
11)
an die löcher eines blasinstruments knüpft an auf oder aus dem letzten loche pfeifen, am ende sein (mit seiner kraft, seinem leben, seinem vermögen u. ähnl.): und pfieffen selbige (hühner, gänse, schafe und schweine) bereits schon auf ihren letzten löchern. Simpl. 1 (1713) 19; mir aber verwiesz er meine frechheit (angesichts eines bevorstehenden duells) und sagte unverholen, er besorge, ich werde aus dem letzten loch pfeifen. 283; Lissemo, der nun selbsten vermeinte er pfiffe auf dem letzten loche (müste sterben). Salinde 134;
da lachte die vergiftrin noch:
ha! sie pfeift auf dem letzten loch.
Göthe 12, 106;
auf ein lindes loch pfeifen, sich lind zeigen:
ein feind hat mit dem nahmen
sein leben schon verbührt. so bleibt er stets bei samen,
wenn man ihn ab läszt ziehn. und er gedenkt es doch,
und pfiff er einmahl noch so auf ein lindes loch.
Fleming 109.
12)
häufig wird bei loch zugleich an verletzung oder zerstörung eines gegenstandes gedacht, so wenn (auszerhalb der fälle no. 9) von löchern im körper die rede ist: er hat sich ein loch in den kopf gefallen; er hat seit lange ein loch im bein, welches eitert; loch eines schadens oder wunde, os vulneris, sinus ulceris. Stieler 1101; ich glaube, wenn mal die thaler vom himmel herunter regneten, so bekäme ich davon nur löcher in den kopf. H. Heine 1, 27;
so viele wunden, löcher, beulen.
Lichtwer fab. 4, 17;
was legst du mir die kohle
aufs haupt? ein loch zu brennen?
Freiligrath dicht. 1, 141;
von solchen eines zerrissenen oder zu zerreiszenden dinges: und er füret mich zur thür des vorhofes, da sahe ich, und sihe, da war ein loch in der wand. Hes. 8, 7; bricht mir der teufel ein ander loch herein, .. damit er mir das liecht schier ausgewehet hette, als aber Christus das loch auch schier verstopfet, reiszet er mir etliche scheiben aus dem finster. Luther 7, 288ᵇ; seine kleidung .. war an verschiednen orten dergestalt zerrissen, dasz sie nicht einmal seine blösze völlig bedeckte, welchem übel er dadurch abzuhelfen suchte, dasz er über die löcher verschiedne sinngedichte und heldenoden klebte, welche seine anhänger ihm zu ehren verfertigt hatten. Rabener sat. 2, 242; dasz verordnungen dieser art einem spinngewebe glichen, worin die mücken sich fingen, und die wespen grosze löcher rissen. Möser phant. 2, 138; einem loche im strumpfe. 223; des herzogs beutel hatte aber gar ein groszes loch, das wir bauern mit unserm schweisz nicht zuleimen konnten. Hauff werke 6, 104; eine halbe stunde von dort lag das alte spritzenhäuschen ... die wolken des himmels schauten durch die öffnungen im dache und die lüfte des feldes fuhren zur thüröffnung hinein und zu den löchern im lehmernen fachwerke wieder hinaus. Immermann Münchh. 4, 73; wenn das elend durch grosze löcher in die häuser dringt. Freytag ahnen 5, 56;
die hosen solln zerrissen sein,
als hetstu gfressen ein begein.
das gsesz vol löcher ist ein lust.
grob. (1568) A 8ᵃ (b. 1, cap. 3);
an seinem speer das fähnlein war
zerrissen, voller löcher.
Freiligrath dicht. 1, 138.
13)
eine grosze reihe von sprichwörtern und redensarten lehnen an diese bedeutung an. es heiszt ein loch bohren in eine sache, die man zerstören oder auch nur stören will: als nu die schrift also ein zerrissen netz war worden, das sich niemand damit lies halten, sondern ein jglicher boret jm ein loch, wo jm seine schnausze hin stund, und fuhr seinem sinn nach, deutet und drehet sie, wie es jm gefiel. Luther 3, 337ᵃ; das ist abermal ein dürrer heller text, von der gottheit Christi wider die Arrianer, wiewol sie sich doch unterstanden haben, ein loch dadurch zu boren. 6, 180ᵇ; und haben .. durch diesen artikel wollen ein loch boren, mit jren glosen und deuten. aber gottes wort leszt sich nicht also mit drehen und deuteln umbstoszen. 7, 308ᵃ; — ein loch machen: wo ist jemals ein vertrag, recht, handel, siegel oder brieve gemacht, gestellet, oder aufgericht, da man nicht hat wider disputirn mügen, oder ein loch dadurch zu machen fürgenomen? 5, 496ᵃ; wenn es der churfürst zufrieden, wolte er seinem bruder Wilhelmo bald eine kugel schenken, so wäre dem kriege ein loch gemacht (so wäre es mit dem kriege aus). Schuppius 389; der baugeist, ein guter tisch .. machten ein solches loch in mein vermögen. Pierot 3, 21; aber so hat Nigritius mir alles verschworen, und ein grosz loch durch unsere anschläge gemacht. causenmacher 96; meine theologischen händel, denke ich, haben ein loch in unser gutes verständnis gemacht. Lessing 12, 526; und gern wird dieses loch machen in beziehung zum fell der pauke gebracht, deren gebrauch dann aufhört: gedacht dieser pauken, dasz sie den klang verlür, ein loch zu machen (die sache zu vereiteln). Kirchhof wendunm. 128ᵇ; der Bayer gedachte der pauken, wie man spricht, ein loch zu machen. 200ᵃ; die narrenspossen dauern zu lange. ich musz der pauke nur ein loch machen, damit ich doch erfahre, woran ich bin. Lessing 1, 498 (d. h. ich musz sorgen, dasz die narrenspossen aufhören); — ein loch reiszen: nu er (der teufel) aber sihet das man ein loch in sein regiment wil reiszen. Luther 4, 145ᵃ; — etwas erlangt, gewinnt, bekommt ein loch, geht zu grunde, geht ein: wie aber der krieg nit lang wäret, sunder, wie man sagt, ein loch gewan und die knecht geurlaubt wurden. Wickram rollw. 43, 13 Kurz; nachdem der teutsche krieg ein loch bekam. Ettner hebamme 4;
der obergott war froh, befahl nun ab zu blasen,
und bei der lust zu sein, dieweil die schlacht ihr loch
und gutes end erlangt.
Opitz 1, 98;
stets hatt er schaf um sich, stets einen hirtenstab.
sein lernen kriegt ein loch! kein amt war mehr zu hoffen.
A. Gryphius 1698 1, 660;
etwas hat ein loch, ist schadhaft, unvollkommen: dein register hat ein loch. du hast das gift weggelassen. Schiller räuber 1, 2; ein loch im fasz, prinz! Fiesko besucht keinen senat mehr. Fiesko 2, 14; oder auch ist zu grunde, ist aus:
unser freundschaft hat ein loch.
H. Sachs 2, 2, 42ᵃ;
nun hat der schottisch krieg ein loch.
doch frew ich mich von herzen noch
dasz wir erlangt haben den sieg.
5, 236ᵃ;
ir brüder, der krieg hat ein loch,
dem ich bei hundert meil nachzog.
J. Ayrer fastn. sp. 122ᵇ (2947, 8 Keller);
ein loch reden, schlafen, leben u. ähnl., durch reden u. s. w. gleichsam etwas schadhaft machen: es sei kein brief so gut, sie wölen ein loch darein reden. Keisersberg narrensch. 55ᵃ; si wöllen gelt von einem nemen und helfen ein sach gewinnen und wöllen darnach gelt nemen von dem andern und wöllen inn ein jeglichen brief ein loch reden. Pauli schimpf 30ᵇ; (advocaten) welche beiden theilen dinen, heimlich geld von ihnen nehmen, durch alle brife ein loch reden. Butschky Patm. 286; der bauer .. streckt sich auch wol in die sonne und schläft ein loch in die zeit hinein. gespenst 13; wenn ich ein loch von achtzig jahren in die welt lebe, so kann ich schon noch ein ganzer kerl werden. Lessing 1, 248;
mancher verläszt sich uff syn schwätzen
dasz er ein nusz redt von einr hätzen,
des wort die sindt so stark und tief
das er ein loch redt in ein brief.
Brant narrensch. 19, 14;
ein loch stopfen: wo aber ein ordnung were, das sie müszten im gehorsam gehen, und sie niemand aufneme an andern orten, hette man diesem ubel ein gros loch gestopft. Luther 1, 250ᵇ; wer schulden bezahlt, von dem sagt man, er stopfe ein loch oder löcher zu; wer es mit fremdem gelde thut, stopft an einem orte ein loch und reiszt an einem andern orte ein anderes, oder macht hier ein loch zu und dort wieder eins auf; ein loch auf-, das andere zumachen, versuram facere Frisch 1, 618ᶜ; einen oder etwas vors loch schieben, als deckung oder abwehr; immer musz dieser verächtliche theil der christen vor das loch geschoben werden, durch welches der bessere theil zu dem lichte hindurch will. Lessing 10, 187; ein loch finden, eine schadhafte, angreifbare stelle: er findet schon ein loch, wo er durchschlüpfen kann; ein loch finden zu entgehen, viam evadendi invenire Frisch 1, 618ᶜ; er (der teufel) ist gleich wie der wind, der findet (wie man sagt) gar enge löcher. Luther 3, 447ᵇ; schweizerisch, ohne artikel, loch geben, in bezug auf das durchbrechen einer starren gesinnung: verklaget ihn, antwortete der mann. geht zum regierungsstatthalter, aber thut wüst, sonst hilft es nichts, die meisten haben es wie Pontius und Pilatus, wer wüst thut, wird bei ihnen meister .. dein mann soll gehen und es anzeigen, und aufreden (aufbegehren) dazu, da gibt es wohl loch. J. Gotthelf schuldenb. 308; saufen, schlucken können wie ein loch, unersättlich, da ein loch in einem gefäsz die eingegossene flüssigkeit immer wieder verlaufen läszt:
so 'ne musikantenkehle die sauft als wie ein loch.
(Geibel) lied „ein lustiger musikante“.
14)
ein loch im kegelspiele, wenn die kugel zwischen dem letzten und mittelsten kegel durchgeht, ohne einen zu treffen.
15)
loch nennt der maler eine allzudunkle und ins schwarze fallende masse, welche unrecht auf dem vorgrunde des gemäldes angebracht ist, und der leinwand das ansehen gibt, als wenn sie durchlöchert wäre. Jacobsson 2, 623ᵃ.
16)
die vielen kleinen nebenarme und natürlichen wasserkanäle der Niederelbe, welche besonders zwischen Hamburg und Harburg befindlich sind, nennen schiffer und fischer löcher. 6, 465ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1093, Z. 11.

loch

loch,
vgl. unter lachbaum sp. 11, und lache sp. 14.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1099, Z. 4.

loher, löher, m.

loher, löher, m.
lohgerber; in der älteren sprache gewöhnlich lôwer, nach dem früher häufigen stammschlieszenden consonanten von lohe (vgl. oben): cerdo louwer, lauwer, lower Dief. 114ᵃ; der lauwer (gibt dem abte zoll) zwo solen. weisth. 5, 600 (Limburg 15. jahrh.);
der becker beckt ze klein daʒ brôt,
der lôwer ze dünn daʒ leder.
Kolmarer meisterl. 96, 22;
hessisch noch jetzt der löwer lohgerber Vilmar 254; mniederl. louwer:
louwers die haer leder louwen.
Haupts ztschr. 1, 265;
auch lober, löber: cerdo lober Dief. 114ᵃ; löber, lober Schm. 1, 1467 Fromm. (wirzburg. verordnungen von 1615 und 1572); mit verlust des consonanten: loer, rotgerber, fruniator, frunitor. voc. inc. theut. n 1ᵇ; alutarius löer odder weiszgerber. coriarius crassiorum (pellium) ein lör. Alb. CC 1ᵃ; endlich in der form loher, löher: loher Dief. a. a. o.; man soll kein leder kaufen von den lohers es sei denn ersten getreuget bei wetter und winde. Danziger willkür von 1598; nassauisch löher, löhr, lieher, liehr, lüher, lühr gerber, lohgerber Kehrein 266; auch lohrer (in einer wirzb. verordn. von 1720) Schm. a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1131, Z. 7.

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Zitationshilfe
„löher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6her>, abgerufen am 27.10.2021.

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