Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lörlein, m.

lörlein, m.
diminutiv zur koseform Lori von Lorenz: Lörli neben Lenz Lorenz, als vorname im Aargau. Fromm. 6, 459ᵇ. er steht, wie Lenz sp. 752, als name eines narren: Lörlein, der narr, lauft ein, schlegt mit seinem pengel umb sich. J. Ayrer 261ᵇ (1305, 6 Keller); dann aber auch appellativ, wie gauch, narr: tirol. der lörl, ungeschickter, dummfauler mensch. Fromm. 6, 445; in bestimmten verbindungen, so lörleins knabe, thörichter, närrischer junger mann, spaszmacher; in der form laurles knabe, die noch den diphthong der lat. namensform Laurentius zeigt:
ich wil mit in lustspil haben,
als dann thun die laurles knaben.
Germ. 3, 273;
lörleins man, lörles man:
der neund sicht mich grimmikleichen an,
der zehent spricht: du rechter lorles man,
wilt du singen, du solt aus hin gan.
314 (= lieder der Kolmarer handschr. 183, 12, woselbst lorlîns man);
o der selbs lorlis man
muos och in min segi gan!
teufels netz 11237;
woneben die form lormann gleicher bedeutung, die sich an die form Lori (s. oben) anlehnt: der lormann bringt schaden dem menschen, indem er sie lachen macht, so macht er sie zu narren. Keisersberg sünden d. munds 53ᵇ;
schickten vorhin dar den win
mit eim fatzman zu der stund ...
der houptman von Bern sprach
do er den lorman ane sach:
ich bin hie, was wilt du myn?
der gutt gsell sprach: nim hin den win u. s. w.
Lenz Schwabenkr. 76ᵇ;
lörleins wirth, der die narren unterhält:
auch ist mein mann ein lörleswirth,
der tag und nacht gern mit burschiert.
H. Sachs 5, 366ᵈ;
das lörleinsbad scheint spottname eines bades für arme leute gewesen zu sein, dessen benutzung nichts kostete:
wolauf, wolauf ins lörlins bad,
do schwitzen wir on allen schad.
L. Culmann sünder (1539) C 7ᵇ;
ich mus ein mal zu euch herfür,
ob ich was köndt bekommen mehr,
wil keiner mit ins lörleins bad,
er sol schwitzen ohn allen schad,
kein geldt sol er do nicht ausgebn,
umb sonst wil ich seiner wol pflegn.
Wittel Zelotypia (1571) H 6ᵃ;
wann laufst her, so nacket und blosz,
ich mein, wölst im lörlesbad baden.
H. Sachs 5, 359ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1151, Z. 46.

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Zitationshilfe
„lörlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6rlein>, abgerufen am 27.10.2021.

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