Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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loth, n.

loth, n.
stück blei; gewicht.
1)
stück blei als geschosz: (hat) Vitolds bruder mit einem lot erschossen. Schütz Preuszen 86;
nit minder ist ein statt zuͦ breisen,
den find sie auch thet von jr weisen,
mit bulver und auch guͦtem lot.
Wickram pilger, S 3 bl. 68;
wer mit gaben kämpfen wil, und wil haben sieg und glücke,
schiesze nicht mit kleinem loth, schiesz aus einem groben stücke.
Logau 2, 109, 52;
o sehnsucht, welche büchse führest du!
wie süsz, wie schrecklich treffen deine lothe!
Arndt ged. (1840) 423;
häufig in der verbindung kraut und loth, wofür zahlreiche beispiele theil 5, 2110 fg. gegeben sind, vgl. auch krot und loth unter krot ebenda 2412:
paar gelt, kraut, loth und proviant,
allzeit soll sein wol bei der hand,
ehe man den krieg will fangen an.
Philander 2 (1665) 571;
es ist ein schnitter, der heiszt tod,
der mäht dies jahr mit kraut und loth.
Freiligrath dicht. 3, 30.
2)
richtblei der maurer: lot, libella fabrilis, qua altitudines explorant, bleiwage Stieler 1181; niederl. loot, pas-loot, libella, perpendiculum Kilian; man bedienet sich des loths in allen den fällen, wo zu untersuchen nöthig ist, ob ein körper, z. b. eine mauer, senkrecht stehe. Jacobsson 2, 635ᵃ;
dorten laszt uns hütten bauen,
wo die freiheit hält das loth.
Freiligrath dicht. 1, 67;
dann auch die lothrechte stellung einer mauer: die mauer steht ganz im loth; die wand ist aus dem loth gewichen; diesen grundstein, der mit seiner ecke die rechte ecke des gebäudes, mit seiner rechtwinklichkeit die regelmäszigkeit desselben, mit seiner wasser- und senkrechten lage loth und wage aller mauern und wände bezeichnet. Göthe 17, 97.
3)
senkblei der schiffer: wie ... die schiffleut jr bleiende loth haben, damit sie die tief des meers abmessen. Mathes. Sar. 98ᵃ; solche instrument werden noch bei uns ausz blei gemacht, wie sich der text (2 Mos. 10, 15) auch ansehen lesset, das er vom bleiwurf oder loth rede. ebenda; das lot ins meer werfen, demittere bolidem in mare Stieler 1181; niederl. loot, grondloot, dieploot, bolis, perpendiculum nauticum Kilian; mnd. loͤt und lôt: item wille gy insegelen de Borne, so moge gy ten toren myddels landes bringen van der Schellinge, unde lopet dan an de Borne up dre vademe, ... unde ghat dan in langes landes by juwen lode. seebuch 11, 18 s. 49; gaet dan sutost, want dat gy krygen 10 vademe, werpet dat loͤt. 12, 6 s. 52.
4)
eine metallmischung zum verbinden (löthen) metallener dinge, die zumal aus blei und zinn besteht: loth der klempner, dieses besteht aus gleichen theilen zinn und blei. Jacobsson 6, 472ᵇ; loth für zinn, loth für blei (aus derselben mischung zusammengesetzt). 473ᵃ; auf andere metallmischungen übertragen: loth für gold (ein gemenge von gold und silber, oder von gold und kupfer), loth für kupfer (reines zinn, oder zinn und kupfer), loth für silber (gemenge von silber und kupfer). ebenda; vgl. auch hartloth, schlagloth, schnellloth; und hat die arbeit (gestickter und zusammengesetzter teppiche) etwas ähnliches mit den bunten fensterscheiben, welche auch zuerst aus ganz kleinen farbigen glasstückchen ihre bilder zusammengesetzt haben. bei den teppichen vertrat nadel und faden das loth und die zinnstäbchen. Göthe 29, 22. die glaser, welche die alten mit blei gefaszten fenster machten, unterschieden blei (fensterblei theil 3, 1523) als die stäbe, worein die scheiben gelegt wurden, und loth, die löthmasse, die solche stäbe verband: dem glaser, wann der meister blei, loth und glasz verschafft, von jeder scheiben 1 creutzer. taxordnung von Frankfurt a. M. 1623.
5)
loth, ein gewicht, gemeint ist wol ursprünglich ein bleistück von bestimmter schwere.
a)
gewicht im allgemeinen:
mhd. er wac rehter wâge lôt.
minnes. 2, 253ᵇ Hagen;
nhd. falsches loth und masz haben. Adelung;
o scheue dich nicht, dasz nicht du bist,
was unser prophet gebot zu sein;
wie schön, in der wage Mustafas,
wenn auch nur ein leichtes lot zu sein.
Platen 77ᵇ;
vgl.gelöthe für gewicht.
b)
ein bestimmtes gewicht: lota lot, loth .i. dry schilling Dief. 336ᶜ; lot, loto, est genus ponderis, uncia. voc. inc. theut. n 2ᵃ; lot, semuncia, eins lots schwär, semuncialis Maaler 274ᵈ; hat ein solches pfund 16 unzen oder 32 loth. Hübners handlungslex. (1722) 1404; der preisz fing an zu sinken (des kornes), und es fehlte nur noch an éinem lothe, um den ausschlag auf der waage zum nachtheil der kornhandlung hervorzubringen. Möser phant. 2, 54; ein loth silber. 1, 207; von der schwere eines halben lothes. Hebel 2, 22;
gewissenhafter leuth ist kaum ein loth zu finden.
Rompler 35;
kein irdisches vergnügen
soll uns, wie loth und centner schwer,
einst auf dem herzen liegen.
Gleim 2, 179;
in einem sprichworte: freunde in der noth, gehen 25 auf ein loht. Schuppius 235;
fründschaft, wann es gat an ein not,
gant vier und zweinzig uff ein lot.
Brant narrensch. 10, 32;
wann gutter gsellen in der not
gehn vier und zweinzig auf ein lot.
H. Sachs 2, 2, 48ᵇ;
trew freund gehn viel auf ein loth.
Stricker schlemmer (1584) H 6ᵇ;
denn grosze leut die feilen auch,
nicht viel besonders wigen,
sie halten den gemeinen brauch
und wie die menschen liegen:
zwölf in der noth
gehn auf ein lot.
B. Ringwald in Wackernagels d. kirchenl. 4, s. 983.
in Appenzell heiszt es die loth: es kommt bei der loth und geht beim pfund. Tobler xiii.
6)
loth ist das mhd. (ahd. nicht nachgewiesene) lôt, niederd. lood, altfries. lâd, isländ. lôđ, schwed. dän. lod, überall mit der bedeutung des gewichtes; die ursprünglichere bedeutung tritt im ags. leád, engl. lead blei hervor, ebenso in niederl. lood, auch loot: loot, plumbum, plumbum nigrum Kilian. die meinung, dasz lôt mit griech. λίθος, kirchenslav. ledu eis, lit. lédas, lett. ledus, preusz. ladis (dasselbe) urverwandt sei (Bezzenbergers beiträge 2, 271), ist wenig wahrscheinlich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1204, Z. 69.

löth, n.

löth, n.
löthmasse, wie loth 4, vergl. auch unten löthe: gleichwie ein gelöthet eisen im feuer geprüft wird, und das löht gehet auf, also gehet das herz und maul im weinsaufen auf. Mathesius Syrach 2, 48ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1206, Z. 27.

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Zitationshilfe
„löth“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6th>, abgerufen am 26.10.2021.

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