Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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lüften, adj.

lüften adj
aus luft bestehend, von luft: er hab auch mit eim unbeweglichen luft ein zaun ... gemacht, wie ein nebel und ein lüftine bruck. S. Frank chronica 112ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1251, Z. 29.

lüften, verb.

lüften verb.
nach luft in mehreren bedeutungen.
1)
nach luft 1 und 3, c, bewirken, dasz etwas in den luftzug oder in die frische luft komme: lüften ventilare Schottel 1359; lüften, ventilare, aëri exponere, insolare Stieler 1183; ich lüfte, laxo, aërem admitto, ventulum facio Steinbach 1, 1083; kleider, betten, zimmer, das haus lüften; heimgekehrt, öffnete und lüftete sie ihr haus von oben bis unten. G. Keller leute von Seldwyla 1, 280;
jungfer Susanna
hat mit pfeffer und milch die fliegen gedrängt, auch das mäuschen
hübsch in die falle gelockt und den alkov fleiszig gelüftet.
Voss Luise 1, 96;
ganz unerträgliche schwüle, so sehr ich die kammer gelüftet,
störte den schlaf.
2, 589;
bildlich: wenn .. alle moral einmal gelüftet wird. Lichtenberg 2, 212 (1800 1, 75); so lange also .. wurde des jünglings herz von der satyre zugesperrt .. als es sich nun endlich im acht und zwanzigsten jahre öffnen und lüften durfte. J. Paul uns. loge 1, vorr. xxxi; vgl. auch auflüften, auslüften, durchlüften, verlüften (verluften).
2)
ohne object, zugluft oder frische luft herführen:
haben aber alle götter, hat nun Helios vor allen,
lüftend, feuchtend, wärmend, gluthend, beeren-füllhorn aufgehäuft ...
Göthe 41, 249;
vom winde selbst: muszte langsam neben der schleichenden bahre waten und noch dazu einem lüftenden wind entgegen. J. Paul lit. nachlasz 4, 87.
3)
luft zulassen zu etwas, luft geben; in der unumgelauteten form luften: noch erinnere ich mich, aalen als ein kunstwort unserer röhrmeister gefunden zu haben; für: eine verschlemmte röhre luften, indem man einen lebendigen aal durchschlüpfen läszt. Lessing 11, 654; als lüften auch in technischer sprache.
a)
den wein lüften: den wein lüften, oben ein zäpflin ufziehen, wann er geführt worden, da er dann herausspritzt. Keisersberg bei Frisch 1, 627ᵃ.
b)
bei den gärtnern die bäume lüften, im herbste das über den wurzeln der obstbäume um die stämme befindliche erdreich aufgraben, damit das regen- und schneewasser den winter durch desto besser zu den wurzeln eindringen könne. öcon. lex. 1461; auch die überflüssigen äste ausschneiden, zu besserer entfaltung: einen baum lüften, arborem interlucare Steinbach 1, 1083.
c)
getreide lüften, durch umschaufeln verhindern, dasz es modere; bildlich: aber nicht so unsre heutigen kirchenlehrer. auch von der christlichen spreu soll kein hülschen verloren gehen! lieber wollen sie die körner selbst nicht lüften und umwerfen lassen. Lessing 10, 181.
d)
bei den färbern die küpe lüften, den waid in der küpe mit einer krücke umrühren. Jacobsson 2, 642ᵇ.
4)
lüften, aus dem boden an die luft bringen, heben: zu Cöln liegen noch grosze schätze, die endlich einmal lüften möge wer es versteht. J. Grimm kl. schriften 5, 323.
5)
lüften, nach luft 3, in die luft, die höhe heben; und hier nach dem grade der bewegung unterschieden.
a)
hoch in die lüfte heben, hoch heben: und wie denn der kluge feuerwerker seine blendenden darstellungen gewöhnlich mit einer raketengarbe zu enden pflegt, so hat auch unser freund, was bisher einzeln, oder paarweis, an der erde in der mittelhöhe erschien, nun zur dreiheit erhoben und in die höchste atmosphäre gelüftet. Göthe 39, 207; wie mhd.:
sô diu lerche lüftet ir gedœne,
daʒ ir schal ûf dur diu wolken dringet.
minnes. 1, 23ᵃ Hagen;
hoch heben, von gliedmaszen und dingen:
dô begunde sie zu lufte
die arme und ersufte.
Albr. v. Halberstadt 24, 216;
und nun, nachdem auch unser held ..
mit gelüftetem sper an seinen platz sich stellt,
nun glaubt ihr, werden wir stracks, die zeit euch zu vertreiben,
den schrecklichsten kampf, der je gewesen, beschreiben?
Wieland 5, 104 (n. Amadis 15, 31);
ihm brechen die knie, er sinkt betäubt
an einem stuhl zu boden, bleibt
wohl eine halbe viertelstunde
so liegen, lüftet dann und wann
die augen nach ihr.
21, 130;
es hatte ein junger mann
pfeile geschiftet,
dann wie er konnte und kann
flügel gelüftet;
doch im dädalischen flug
kam er zu sinnen.
Göthe 56, 87.
b)
auch nur ein wenig empor heben: wird (bei der tortur) die schraube einmal oder vier gelüftet, damit die daumen nicht bald verstocken, dasz sie nichts mehr fielen (fühlen). Adrian mittheil. 300; und letztlich wird auch nebenst dem andern nur die eine beinschrauben angesetzet, welche aber über 1⁄4 stunde niemahls zubleibet, sondern oft gelüftet wird. 301; so aber wuste ich nicht, was ich davon denken sollte .. lüftete meinen hut und seufzte. Thümmel 3, 104; der graf setzt sich und behält .. den hut auf dem kopfe, den er höchstens nur, um jemand zu grüszen, lüftet. Göthe 14, 157; sie säumte nicht ihn (den koffer) zu eröffnen. da zeigte sich alles so schön gepackt und geordnet, dasz sie es nicht auseinander zu nehmen, ja kaum zu lüften wagte. 17, 163.
c)
endlich heben, empor heben, ohne dasz der grad desselben näher bestimmt werde: die sättel lüften, um die pferde gehörig zu putzen. Pölitz jahrb. der gesch. u. politik (1847), juli, s. 85; einen schleier, einen vorhang lüften; bildlich das dunkel lüften, das über dieser geschichte liegt;
ihr andern lüftet rings umher den rasen (zum ziehen eines grabens).
Göthe 41, 319;
lasz als deiner tochter
ehgemahl mich ihren schleier lüften!
Platen 322;
mit adverbien, die die richtung des hebens näher angeben: ich bin es so überdrüssig, überall wo ich mich blicken lasse, schon auf dreihundert schritte weit, alle zeigefinger und spitznasen nach mir hingelüftet zu sehen. Wieland 35, 115; ein eiserner stift neben dem ambosze (des nagelschmids), an welchem man den geschmideten nagel von unten aus seiner krone herauslüftet oder hebt. Jacobsson 2, 643ᵃ;
aber erschrocken zog den leib Aineias zusammen,
lüftete dann den schild von sich ab.
Bürger 233ᵇ (Il. 20, 278);
wär das ding einzurichten, so müste der hochherzige und hochgeistige die schriften der letzten zu zeiten lesen, um sich etwas zu temperieren ... dem diesem entgegengesetzten müszte man die schriften der ersten in die hände geben, um ihn etwas aus dem koth zu lüften. Klinger 11, 136.
6)
lüften, luft machen, zum athmen und sich regen (vergl.luft 5, besonders 5, e); in der ältern sprache vom nachlassen einer vergünstigung: doch so ist hierinne den glasern gelüftet und zugegeben, das sie ire abschnit und abgank von dem gezogen plei bei einzigen pfundsweis verkaufen mogen. Nürnb. poliz.-ordn. 140; doch so ist den plechsmiden zugeben und geluftet, das sie ire paisz und raihwasser ... in die Pegnitz schüten lassen mügen. 278; hiebei so hat ain erber rat geluftet, das ain prewtigam, ob er will, sein vermehelte prawt zu dem heftle mit ainer guldin ketten .. vereren und begaben mag. 73; später aber frei machen, regung lassen, in bezug auf menschliche organe: die feigen, erdbeeren, brumbeeren, himbeeren, welsche heidelbeeren, bickebeeren, laxieren, lüften (machen offenen leib). Comenius sprachenthür v. Docemius § 123;
und dieses digestiv solt dem verstande lüften,
dasz es das christenthum rein auspurgiren solt.
Wiedemann febr. s. 35;
'herr ritter, drückt sie der magen? sie gähnen
ja einmal übers andre!' ...
der arme schwört, .. es sei
blosz seine art oder unart, vielleicht durch feerei,
bei mährchen vor lauter vergnügen den magen so zu lüften.
Wieland 4, 47 (n. Amadis 2, 34);
dann auch in durchaus edler sprache: so war er so glücklich, einer von der natur selber zusammengedrückten seele ... einen goldnen abend gegeben zu haben und ein gelüftetes herz und eine frohe lange erinnerung. J. Paul Hesp. 1, 113;
drum frisch, cameraden, den rappen gezäumt!
die brust im gefechte gelüftet!
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
reisen soll ich, freunde, reisen?
lüften soll ich mir die brust?
Uhland ged. 55;
doch that mirs gut, auf felsen und in klüften
umherzuklettern und die brust zu lüften.
430;
reflexiv, sich lüften:
ein ziemlich weites feld
nach nothdurft sich zu rühren und zu lüften.
Wieland 21, 293;
bei seinem weben lüftet
sich das beklommne herz.
Bürger 8ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1249, Z. 32.

luften, verb.

luften verb
nach luft 1, wehen: alem. luften, wehen, winden, zunächst von einem gelinden winde, einer leicht bewegten luft; dann auch fächern Stalder 2, 182; in Appenzell es loftet, es windet Tobler 303ᵃ; von einem heftigen winde: es hat ja gestürmt und geluftet, dasz man nicht einmal mehr ins unterdorf hinab hat sehen können. Felder Nümmamüllers 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1249, Z. 26.
Zitationshilfe
„lüften“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%BCften>, abgerufen am 28.02.2020.

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