Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lühen, verb.

lühen, verb.
brüllen; ein nur in älteren nhd., in Oberdeutschland entstandenen schriftquellen begegnendes wort, einst aber sowol nieder- wie oberdeutsch, und zum theil noch nicht vergessen: ags. hlôvan, prät. hleóv, rugire, boare, engl. low brüllen; altniederfr. hluojan, luojan, gewährt durch luoginda rugiens gloss. Lips. 656. luonde rugientes 657; niederl. loeien, loeijen, loeyen mugire Kilian; ahd. hlôjan, lôhan, luon rugire, mugire, mhd. mit verschiedenem inneren consonanten lüejen, lüegen, lüewen, lüen, welche verschiedenheit sich auch im ältern nhd. fortsetzt, beispiele unten; hier seit dem 16. jahrh. untergegangen, hat es sich in verschiedenen, auch örtlich weit aus einander liegenden mundarten erhalten: alemannisch in Appenzell luja, lüeja, von der kuh, brüllen Tobler 308ᵇ; lüen, lüjen, lüwen, lywen Stalder 2, 182; bei den Walsern lüja, laut schreien, mugire Bergmann bei Schm. 1, 1402 Fromm.; in Vorarlberg lüeja laut schreien, besonders vom rindvieh Fromm. 5, 485; in Tirol liejen, lienen, leise plärren, brüllen, heulen überhaupt Schöpf 391; in Kärnthen lüen vom rindvieh muhen, brüllen Lexer 182; cimbrisch lüen, lün, lünen, lusernisch lüenen, lüernen brüllen Zingerle 41ᵇ; niederd. leuen, bölken wie ein rind brem. wb. 3, 56. als urverwandt entspricht griech. κλαίω für κλάϜιω, κλαύσομαι heulen, weinen (Fick² 355). lühen wird zumal bezüglich der rinder gebraucht: luͤyen oder bruͤlen wie ein ochs, demugire, boare, emugire, mugire Maaler 275ᵃ; da der ritter reden wolt, da ward er lüwen als ein ochs. heiligen leben 1472 181ᵇ; Aristoteles hort gern ein lügenden ochsen, nit das es im in den oren kützlich wer, das er das lügen gern horte .. Keisersberg brösaml. 1, 53ᵃ; und (der ochs) fienge an nach seiner art mit starker stimm zu lühen. der alten weisen exempel (1565) 21ᵇ; so die rinder gegen mittag sehen, und die lefzen stäts lecken, und mit luhen zu dem stall gond, das zeigt regen an. Herr feldbau 3ᵃ; und wenn ich sie (die bettler) auf den gassen hör so wol und artlich singen, ja vielmehr lüen wie die ochsen. facet. Bebelii (1589) 270ᵃ; (die rohrdommel) sol den schnabel ins wasser stoszen und am boden des wassers grausam luͤyen als ein stier. Heuszlin vogelb. 207ᵇ; so etwer herzu wandlet, ward er ohne verzug gemäldet, von dem stier mit luͤyen, dem rosz mit wichlen, von dem hirzen mit seiner eignen stimm mit brüllen. Forer thierb. 81ᵃ; zwingt sie zu luͤyen wie ein stier. fischb. 101ᵇ; die nachbauren, welche die kuͦh darinn (im hause), vor hunger und durst sehr luͤyen gehöret, darzuͦ sonst niemands gesehen, brachen das hausz auf. Wurstisen 445;
secht, lieben freund, dem golzen zu!
er lut und heult sam ein ku.
fastn. sp. 538, 10;
das er (der Cyclop) bröllen det und luͤgen
glich wie ein ochs.
Brant narrensch. 108, 50;
bald solcher wind erhört von kuͤyen,
streckens die schwenz auf und fast luͤyen.
Rebmann 406;
vom esel: onager haiʒt ain waltesel oder ain stark esel oder ain grimmer esel. der lüeget zwelf stunt in der naht an dem fünfzehenden tag des merzen, sam Isidorus spricht, und lüet als oft an dem tag. Megenberg 153, 24;
die nahtegal dicke müet,
swâ ein esel od ochse lüet.
Freidank 142, 10;
vom löwen: das lüen des lewen und die stimm der lewin. bibel 1483 251ᵃ (Hiob 4, 10); die welfen der lewen lüen. 286ᵇ (ps. 103, 21);
der löw zu lühen anefing,
darvon der herzog auferwacht.
H. Sachs 4, 2, 58ᶜ;
von dem heulenden tone der alten heerhörner: wenne aber diu hölr lank und weit sint, so lüeget er (der dunst, der aus der erde zieht) sam diu grôʒen herhorn. Megenberg 108, 31; des gelichen lüyet das horn von Ury, ouch die harschorne (harsthörner) von Luzern, und was ein sölich tosen, das des herzogen von Burgund lüt ein grusen darab entpfiengent. Etterlin 204; und von anderen ähnlichen tönen: nach im (gott) lüet der don, er dönet in der stym seiner grösze. bibel 1483 261ᵃ (Hiob 37, 4; post eum rugiet sonitus vulg., dem nach brüllet der donner Luther);
sie (die sänger) werdent alle nimmer nuoht (nüchtern),
und lüejent doch die herren an.
Helbling 2, 1363.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1285, Z. 70.

lühen, verb.

lühen, verb.
wäsche spülen, gewaschene wäsche durch reines wasser ziehen, schwenken; ein oberdeutsches, aus Schwaben und Nordfranken bezeugtes wort Schm. 1, 1467 Fromm. ahd. steht dazu: luit (soluit poenas) irluhit, arhluit, luere luhhen luhen Steinmeyer u. Sievers ahd. gloss. 1, 203; lotus, lavatus liuhhit, luhit 204.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1286, Z. 61.

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Zitationshilfe
„lühen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%BChen>, abgerufen am 12.05.2021.

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