Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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lummel, f.

lummel, f.
messerklinge, aus lat. lamina. mhd. lâmel und mit verdunkelung des vocals lômel: lamina lamel, messer, lomel Dief. 316ᶜ; woraus sich durch zwischenformen das verbreitete lummel bildet: schwäb. das laumel Schmid 344; bair. die und das lammel, lämmel, lommel Schm. 1, 1470 Fromm.; im fürstenthume Lippe dat lämmel Fromm. 6, 351; in Appenzell die lommera Tobler 304ᵇ; im Birseck d'lummele Seiler 195ᵇ; in Nordböhmen die lummel Fromm. 2, 32; in Schlesien die lummel und lummer, schlechtes messer Weinhold 55ᵃ. bei den töpfern heiszt lummel eine schiene mit kerben an einer seite, welche gebraucht wird, um ein bauchiges gefäsz beim drehen auf der auszenseite mit reifen oder furchen zu versehen. Jacobsson 2, 645ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1289, Z. 62.

lümmel, m.

lümmel, m.
flegelhafter mensch.
1)
das wort ist seit dem 16. und 17. jahrh. nachgewiesen, in verschiedener form; als lümpel: so bald der lümpel wider aufgestanden, zündet er ein licht an. Kirchhof wendunm. 296ᵇ; als lemmel und limmel, vgl. oben sp. 742; und in der heutigen form lümmel:
schau! da kommt der faul lümmel rein.
J. Ayrer fastn. sp. 105ᵈ (2869, 21 Keller);
es ist mit rücksicht auf diese verschiedenheit und auf den umstand, dasz oberdeutsche schriftsteller das substantiv zuerst zeigen, zweifelhaft, ob eine bisher behauptete niederdeutsche abstammung und der zusammenhang mit dem adj. lumm schlaff (sp. 1289) richtig sei; eher würde die form lümpel, wenn sie nicht eine blosze umdeutung ist, auf zusammenhang mit lump, lumpen hinweisen; doch vergl. wegen der bedeutung auch nachher no. 3.
2)
seit der mitte des 17. jahrh. erscheint lümmel als oft gebrauchtes, in allen wörterbüchern aufgeführtes wort: lümmel, homo sine acumine Schottel 1359; lümmel, homo nauci, nihili, sine acumine, iners, vecors, inverecundus, os durum Stieler 1140; lümmel, bardus, homo agrestis Steinbach 1, 1083; hastu nicht gehöret, was einmal ein magerer aber ein weiser mann einem fetten und ungeschickten lümmel gesaget. pers. rosenth. 1, 4; warumb kamen die lümmel nicht und thäten im solche präsent, da er (Hiob) auf dem misthaufen sasz. Schuppius 176; absonderlich hätten ihr (der braut) die junggesellen, oder die herren brautlümmel bald den kopf mit band und haaren abgerissen, weil sie den kranz mit starkem drate unter den haaren fest verwahret hatte. Chr. Weise erzn. 158 Braune; ich werde mit einem solchen limmel keinen staat machen. comöd. 106; schützet mich nur wider den groben bauerlümmel. causenmacher 155; ich wundere mich .. dasz die professores auf academien die gradus solchen unwürdigen lümmeln austheilen. Paulini philos. luststunden (1709) 1, 525; die schläge, die uns die groben lümmel gaben. Wieland 12, 25; ei du fetter schmeerbauchiger lümmel. Fr. Müller 1, 166; schau, wie sich der faule lümmel heran schleppt als zöge er einen frachtwagen. Arnim schaub. 1, 4; wenn der widerlichste, wüsteste, selbstsüchtigste lümmel mehr glauben, mehr anhang findet, als der aufrichtigste menschenfreund. J. Gotthelf Uli der knecht 215; diesz ist ja ein netter kerl, obgleich er ein grober lümmel ist! G. Keller leute von Seldwyla 2, 154;
dasz sie (die mutter), mit aller ihrer müh,
aus ihrem lieben sohn Pervonte
nichts ziehen, und zu nichts den lümmel brauchen konnte.
Wieland 18, 129;
der ungeschlachte lümmel.
153;
nun ist der lümmel zahm.
Göthe 12, 195;
geld! rief, mein edelster herr! ein armer. der reiche versetzte:
lümmel, was gäb ich darum, wär ich so hungrig wie er!
H. v. Kleist werke 5, 36.
3)
in einigen festen redensarten des 17. jahrhunderts aber steht lümmel nicht in persönlicher bedeutung, sondern im sinne von buhlerei, bemühung um weibliche zuneigung: der alte krippenbeiszer ist der erste, ... seinen lümmel anzubringen. kunst über alle künste 59, 14; ich will hinein und sehen, was meines herrn signoris jungfer dame für ein kammerkätzchen hat. ist sie der arbeit werth und applicabel, will ich mich bemühen, meinen lümmel anzubringen und mich in ihre gute gunst einzuschreiben. 63, 30; er danzet wohl, doch suchet er wenig gelegenheit, bei frauenzimmer dardurch seinen lümmel anzubringen. er kan einen dichten rausch vertragen, doch säufet er nicht. ped. schulfuchs 70; die fürstin übergab ihn den kammermädgen, da mochte er seinen limmel anbringen, wie er wollte. Chr. Weise niederl. bauer 64;
ihr herren gute nacht!
wie haben wir den limmel
zusammen angebracht?
ders., zwiefache poetenzunft, schlusz;
ich gedachte, es solte nach meines lümmels sinn gehen, aber es wolte diszmal nicht. ein solcher ehrbarer baum fällt nicht von einem streiche. kunst über alle künste 89, 22; den lümmel verschütten:
was kunt Amyntas thun? die sache war verhaust.
solt er den limmel gar verschütten
und noch einmal um gnade bitten,
so lachte nur sein feind vor freuden in die faust.
ders., reife ged. 481.
schles. den lümmel läuten: so bald sich im schweidnitzischen keller in Breslau ehedem ein gast lümmelhaft benahm, wurde eine glocke geläutet, die lümmelglocke, und der betreffende muste strafe geben. man fragt daher noch bei ungezogener aufführung: soll ich den lümmel läuten? Weinhold 55ᵇ;
wenn etwan eens uf seinem platze
sich unmanierlich ufgeführt
und anne sitte haderkatze
karei und händel eigerührt,
gleich sprach der krätschemknecht und frate:
sol ich a lümmel läuten? mein,
wie warn se stille!
Holtei schles. ged. (1874) 316.
Diese fügungen, zusammengehalten mit den oben erwähnten formen lemmel und limmel, ermöglichen die annahme, dasz das wort mit einem von Schm. 1, 1471 Fromm. beigebrachten, sonst weiter nicht bezeugten subst. lemmen: aus lemmen und mutwillen. bair. landtagshandlungen von 1429—1513, wofür die lat. fassung gewährt ex levitate et pertinacia, zusammenhängt, welches freilich seinen etymologischen bezügen nach auch nicht aufgeklärt ist, aber doch schwerlich zu den oben unter 1 genannten wörtern in beziehung steht, sowenig als zu dem nachher folgenden neutr. lümmel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1289, Z. 74.

lummel, m.

lummel, m.
lendenfleisch, aus lat. lumbalis übernommen, ahd. lumbal Graff 2, 214, mhd. und später lumbel: lumbus lunbel, lumbel, lumben Dief. nov. gloss. 241ᵃ; der nem fleisch, daʒ do ge von dem lumbel oder von dem wenste. buch von guter speise 26; dann zu lummel assimiliert: wiltu gut hirschen lumelproten machen. küchenmeisterei b vij; lumbi, die lenden, der lumel. Gersdorf feldbuch d. wundarzn. 97; bald sucht man hammelskopf und schlegel, rindbacken, hammelebugen, castraunenfleisch, lummel, wammen .. Fischart podagr. trostb. (1577) D 6ᵇ; hammelsschlegel, stockfischpläwige eingemachte lumel, ... bug vom rech, hirschenlummel. Garg. 53ᵇ; schweiz. der lummel, stück fleisch am ochsen, worin die nieren liegen Seiler 195ᵇ; auch das hessische die lummer, der lummerbraten, das fleisch auf der innern seite der kurzen rippen des rindviehs (Vilmar 255) wird hierher gehören und nur äuszerlich an das adj. lumm angelehnt sein. in Schlesien sind lummern die hoden (Weinhold 55ᵇ); niederl. lumme, fem., lendenbraten. das wetterauische fem. lumpe, früher masc. lumpe, lende, weiche (Weigand wb. 1, 978, vergl. unten) hat den lippenlaut des lat. lumbus bis jetzt bewahrt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1289, Z. 42.

lümmel, n.

lümmel, n.
eingeweide, geschlinge bei thieren: lümmel, intestina animalium, auch minutal, gehakkelse Schottel 1359; das lümmel, intestina animalium, ilia, viscera, omasa, it. minutal. Stieler 1185 (als nebenformen lümpel und lümle); lümmel, intestina, als lunge, leber Frisch 1, 628ᵃ; lümmel, geschlinge Nemnich neben lumpel, lunge. vgl. unten lümmelmus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1291, Z. 11.

lümmel, m.

lümmel, m.
schuhfleck, für limmel, limbel sp. 1026: dasz einem feldflüchtigen im sprung uber ein zaun mit eim schlachtschwerd unversehrter fuͤsz alle vier schuhlümmel seien hinweg gehawen worden. Garg. 105ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1291, Z. 17.

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„lümmel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%BCmmel>, abgerufen am 14.08.2020.

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