Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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leu, m.

leu, m.
löwe. neben der ahd. form leo, gen. leuuen, mhd. lewe, gen. lewen, hier auch gekürzt zu lew, was noch heute im bairischen fortdauert (Schm. 1, 1544 Fromm.), oder zu leb (dar umb hât der leb niht marks. Megenberg 22, 34, neben in des lewen painen 23, 2), verhärtet ist, entwickelt sich schon mhd. die form leu, gen. leuen, leun:
und sîn leu, der sîn dâ pflac.
Iwein 5226;
von des leun beswærde.
5418;
ein slâfender leu.
Tit. 99, 4.
als mittelformen erscheinen leuwe, löuwe: von stunt an leite sich der grimmege leuwe vor im nider als ein zameʒ hundelin. Ködiz 19, 3;
und was ein löuwe drûf geleit (auf das schild)
von zobele swarz alsam ein kol.
turnei v. Nantheiʒ 468 Bartsch,
letztere form alemannisch als löuw (Maaler 275ᵃ) fortdauernd, heute in leu (Tobler 297ᵇ. leu, lai, lei Seiler 189ᵇ) verlaufen. die lutherschen formen in der bibel sind lew (5 Mos. 33, 20 u. ö.) und lewe (1 Mos. 49, 9. 1 Macc. 3, 4 u. ö.; vgl. dazu law unter lau sp. 285); aber schon vor und zu dieser zeit entwickeln sich die formen löw und löwe als die in der schriftsprache herschenden: der hellisch löw. titel eines tractats von Keisersberg (in einer andern ausgabe lew); löw, leo, das zu eim löwen gehört, leoninus Dasyp.; ein löw schlief in eim wald. Agr. spr. 363ᵃ;
der löw ward krank; als das vernamen
die andern thier, bald zu jm kamen;
ein jedes thet erzeigen sich
gegen dem löwen ganz dienstlich ..
der fuchsz thet nicht, wie ander thaten.
dem schickt der löwe eilend boten.
B. Waldis Esop 1, 43, 1 ff.
diese formen beweisen indes für das 16. jahrh. wol die ausbildung einer allgemeinen schriftform, nicht aber die consonantische aussprache des w; dieselbe musz wenigstens vorwiegend noch vocalisch gewesen sein, wie reime lehren:
nur darumb das hoffet der lewe
das Reinick würd mit groszer trewe
ihm anzeigen ein reichen schatz.
froschmäus. V 5ᵃ (2, 1, 7);
die straszn von wolfen, beern und löwen
von räubern und mördern befreyen.
Gg 3ᵇ (2, 3, 6);
gegenüber:
ja wir wollen auch auf dem platz ...
ein schlosz bawen und thurm darneben
mit namen zu den wasserlewen,
das wir daselbst die meus umbracht
mit lewenmuth und lebenskraft.
Ss 3ᵃ (3, 1, 12);
wo aber, wie eine randbemerkung lehrt, eine anspielung auf den ort Gatersleben gemacht werden soll. bezeichnend für das 17. jahrh. sind die dichter Schlesiens (wo noch heute die volksmäszige form leu ist: sin leuen oder bären do? Holtei schles. ged. 1, 227), welche wol löwe schreiben, aber in den reim auf diphthongische eu-formen stellen:
als wie ein edler löwe
sich mit gerechter reue (im ersten druck rewe)
sehnt nach der jungen zucht.
Opitz 2, 123;
man musz sich für dem fuchs und seiner arglist scheuen (erster druck schewen),
von wegen groszer macht vermeidet man den löwen.
237;
das rauhe jägerhorn schreckt gemsen, keine löwen,
die welle keinen felsz: uns kein erhitztes dreuen.
Lohenstein Sophonisbe s. 2, v. 31;
es schien
Serapis mir zu sein ein hund, ein wolf, ein löwe,
der biesz, zerfleischung, tod und untergang uns dreue.
Kleopatra s. 14, v. 495.
bei A. Gryphius eine durch reim und schreibung gesicherte doppelform:
der abrisz stellt uns vor ein ebenbild des löuen:
der mit entbranntem muth und klauen scheint zu dreuen.
1, 10;
(ich hoffe, ihr werdet uns) eine kleine verehrung geben,
deszwegen tragir ich den löwen.
743;
und noch bei Brockes formenschwanken: das pferd und der löu. 1, 571; des löuen majestät. 573; der löwe. 6, 244; in des leuen augen. ebenda; leuen-seele ... löwen-schaar. ebenda; während bei anderen leu und leue im reime:
o lebensfürst, o starker leu
aus Judä stamm entstanden,
so bist du nu wahrhaftig frei
vons todes strick und banden.
P. Gerhard 57, 211 Gödeke;
er ist ja kein bär noch leue (: treue)
der sich nur nach blute sehnt.
62, 17;
Steinbach 1734 theil 1 s. 1081 bezeugt, dasz leu gegen löwe die häufigere form sei. Aber bei den wenig späteren fabeldichtern hat sich löwe als die einzig gebräuchliche form ergeben, leu ist veraltet und kommt erst später wieder in der gehobenen sprache auf:
ihm zu füszen legt sich der leu.
Schiller das glück v. 35;
sie reinigten von ungeheuern
die welt in kühnen abenteuern,
begegneten im kampf dem leun.
kampf mit dem drachen v. 81;
gefährlich ists den leu zu wecken.
glocke v. 374;
und im kreise scheu
umgeht er den leu.
handschuh v. 28;
da fällt von des altans rand
ein handschuh von schöner hand
zwischen den tiger und den leun
mitten hinein.
v. 46;
wie schreitet königlich der leu!
Uhland ged. 386;
da sprengt herab der königssohn,
umwallt vom fell des leuen (: streuen).
387;
ach ich bin, was nachtigallen nach dem lenz,
was im engen kerker leuen, ohne dich!
Platen 77;
als sternbild: der löuw, eins der 12. zeichen, leo, signum celeste. Maaler 275ᵃ;
der welten erschuf, dort den leun! heiszer ergieszt
sich sein herz! widder, und dich kaprikorn, pleionen,
skorpion, und den krebs.
Klopstock 1, 164;
wer ermüdet hinauf zu der heerschaar der gestirne,
in die höhen zu schaun, wo der lichtfusz sich herabsenkt,
wo den blitzglanz fomahant und antar, wo des leun herz
sich ergeuszt, ins gefild hin, wo die ähr und die winzerin strahlt!
193;
(gott) welcher die orione,
des leun herz, die hohe wagschaal,
den adler, die urne, den lichtaltar,
die ros in dem kranz, auch unsre rose
gemacht hat.
2, 23;
name der farbe eines im feuer flüssigen metalls, bei den alchymisten:
(mein vater) der in gesellschaft von adepten,
sich in die schwarze küche schlosz ...
da ward ein rother leu, ein kühner freier,
im lauen bad, der lilie vermählt,
und beide dann, mit offnem flammenfeuer
aus einem brautgemach ins andere gequält.
Göthe 12, 58.
vgl. weiteres unter löwe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 825, Z. 29.

lün, n.

lün, n.
achsnagel, s.lünse.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1302, Z. 22.

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„lün“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%BCn>, abgerufen am 18.06.2021.

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