Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lündisch, adj.

lündisch, adj.,
aus London stammend. das adj. erscheint seit der 2. hälfte des 15. jahrh. in verbindung mit tuch oder kleid, beides den englischen stoff bezeichnend, der vom stapelorte London aus versendet wurde, und seiner güte wegen den niederländischen tüchern, die noch im 14. jahrh. den deutschen markt beherscht hatten, ein empfindlicher rival war: nym die Bernarder erfür, die solten noch ir regel krank schlecht kleider tragen, aber nun ist es do zuͦ kommen, das sie lündisch und mechelsch tuͦch tragen, und wellen nume münch, sunder thuͦmherren sein. Keisersberg bilg. 42ᵇ; drei ellen rot lündisches tuch ... eine elle lundisches weisztuch. preise beim Zürcher freischieszen 1465, Zachers zeitschr. 1, 462; du must mir in diser nechsten mesz einen lündischen rock kaufen. de fide conc. 116;
die buren went kein gyppen me,
es musz sein lündsch, und mechelsch kleit,
und ganz zerhacket und gespreit.
Brant narrensch. 82, 15;
ein armer müller mein vatter war,
mit staub und kley bestaubet gar,
nehrt sich seinr teglichen arbeit,
war nicht mit lündschem thuch gekleidt.
B. Waldis Esop 2, 54, 74;
dafür: ein schneider kauft ein tuch von Lunden.
4, 43, 1;
es hiesz dies tuch auch kurzweg lündisch, und da es vielfach scharlachfarben war, roth lündisch, löndsch, verderbt lünsch, lindisch: einer frauen einen zwickmantel .. (wie viel wird dazu gebraucht) lundisch, Besenecker, meisnisch, purpuranisch, gerisch tuch, Leipziger tuch, gut zwickisch, Giesner kiersingk, gut grimmisch, leidisch tuch? hallische meisterstücks-fragen von 1579, mittheilungen des sächs.-dür. alterthumsvereins 11, 468 (lündisch s. 466 u. ö., lindisch s. 464);
(ihr reichen) gond har in sammat und syden,
jr tragen lünsch und wir den zwilch.
U. Eckstein rychstag 841;
ich bitt dich, züch mit mir, jungs mendsch,
ich wil dich bkleiden in guͦt löndsch
von füeszen an bis uf die scheitle;
du wärist grad für mich ein meitle!
H. R. Manuel 322, 498 Bächtold;
ach bruder, liebster bruder mein,
las dir die red befohlen sein,
rot lindisch wil ich dich kleiden.
Ambraser liederb. no. 115, 28;
wann er nun hinuf kombt, soll er ain schwarzen lindschen mantel umb haben. Zimm. chron. 3, 472, 9;
dan da muͦs er ins büchslen blosen,
er kauft wol drum zwei lündsch par hosen.
Schade sat. u. pasqu. 2, 219, 834.
lündisch später vom tuche auch blosz fein, ohne dasz man mehr an die herkunft von London denkt: und selde ich meen neu hütt und den lündischen rauck druff setzen (dran wenden, an die erwerbung eines hundes). A. Gryphius Dornrose, 1. druck, s. 13; schweiz. lündsch, weich, zart, fein, zunächst von wolle und wollenem tuche Stalder 2, 185. redensart: nicht von lündischer tuch wegen mit einem handeln, etwas ungewöhnliches, verdächtiges mit ihm abmachen. Schm. 1, 1488 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1302, Z. 29.

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Zitationshilfe
„lündisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%BCndisch>, abgerufen am 14.06.2021.

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