Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lünse, f.

lünse, f.
achsnagel: dieser entzog den rädern die lünsen. Stolberg 13, 321;
jetzo geh ich zum schmiede, dem zauderer! ob er nicht endlich
an die zerbrochene lünse mir neu den nagel geschweiszt hat.
Voss Luise 3, 2, 51.
Die älteste und einfachste form des vielgestaltigen wortes ist lun und lune, beides fem., ahd. lun, luna. Graff 2, 221. 222. Lexer wb. 1, 1982; jenes verändert zu lan (vgl.lannagel sp. 188), und zu laun, was auf die länge des a in der vorhergehenden form hinweist: luno, laun, clavis axi anteriori parti infixus. Dief. nov. gloss. 241ᵃ; ferner zu lon und lün ebenda; dieses zu lünne, lönne, lehne (deck-lehnen, -lönnen, -lünnen oder lunsen. öcon. lex. 498; vgl. auch lehne sp. 547); davon ergeben sich einige weiterbildungen: laner (vgl. unter lannagel sp. 188), loner Schm. 1, 1482 Fromm.; ferner lüning: humeruli luninge Dief. 206ᵇ; und lünse, alts. lunisa, ags. lynis Graff a. a. o., mhd. nhd. mit leicht wechselnden nebenformen, als wort der landwirtschaft weithin gehend: obex schalder ł lunse Dief. 387ᵃ; furcale lunse, luns, lonse, lonsz, leins 253ᵃ; opex lonsche, lonze, lenze, lunze (neben luchse, vgl.leuchse sp. 826) 397ᵃ; lünze, lumse, linse, neben decklehne, löne, lünne Jacobsson 1, 405ᵃ; vier lunschen und vier wide zu vier lunschen. weisth. 5, 253 (Wetterau, von 1433), vgl. auch lonse sp. 1145; hessisch lüns neben lunn, lünn Vilmar 255; im Waldeckschen lünse Curtze 483ᵃ; im Lippeschen lünz Fromm. 6, 354; auch sonst allgemein niederdeutsch: lunse, lünze, mit dem sprichwort: he ringet noch so lange na den vergulden wagen, bet he de lunse daarvan krigt, er treibt seinen kützel soweit, bis er endlich übel anlaufen wird. brem. wb. 3, 100; lüns, lünze, mit dem sprichwort: wer nâ'n goldenen wâgen ringet, de krigt gewisz 'ne lünze dervon. Schambach 127ᵇ, was in den Froschmäuseler aufgenommen ward:
wer nach eim gülden wagen ringet,
zu wenigsten ein lünsz davon bringet.
L 5ᵇ (1, 2, 12);
niederl. luns und lens; die formen mit ableitendem s erstrecken sich, wie man sieht, im allgemeinen über den norden, während der süden die einfache form lun und ihre veränderungen verwendet. im englischen gilt linch-pin, mundartlich link-pin, im dänischen lunt-stikke für den achsnagel, formen die wieder andere ableitung zeigen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1306, Z. 71.

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Zitationshilfe
„lünse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%BCnse>, abgerufen am 14.08.2020.

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