Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lache, f.

lache, f.
risus, das lachen, ein wort das ursprünglich nur über das östliche Mitteldeutschland verbreitet gewesen zu sein scheint, wo es sich in der volkssprache noch findet, so düringisch, wie schon in alten quellen, ridiculum, ein schimp lache Dief. 498ᵇ, obersächsisch, schlesisch, wo es auch dichter des 17. jh. gelegentlich verwenden: die lache, risus, risio Steinbach 1, 956; was das vor eine lache ist, qui risus?; die lache nicht halten können, risum tenere non posse. ebenda;
wo ist die schöne lach (der braut?) wo ist der trotze gang?
C. Kirchner bei Opitz (1624) 185;
die die lache mit der greine stets in einem säkklen hat.
W. Scherffer 559;
wenn sich auch in einem gedichte aachenschen dialekts das gleiche fem. findet (Fromm. 2, 545), so wird es wahrscheinlich erst aus der schriftsprache eingedrungen sein, da es sich sonst rheinisch sowenig wie oberdeutsch belegen läszt. Klopstock hat, wie es scheint, das wort, das er in Pforta, Jena oder Leipzig angenommen haben mochte, zuerst in der höheren schriftsprache, und gern und häufig gebraucht: die laute lache ist (bei den strafen in der gelehrtenrepublik) voller, herzlicher spott. 12, 23; der schmerz, Thusnelde, hat eine lache, die dann überfällt, wenn er am bittersten ist. 10, 288; nichts sehe ich, als seine bleiche gestalt und seine bittere lache. 191; dasz sich sein bitteres lächeln nicht in eine hohnlache verwandle. 9, 269; die lache der verzweiflung und des spottes wandelt mich zugleich an. 353;
tritt ihr fusz auf immer die grosze
nazion, mit des hohns bitterer lach, in den staub!
2, 137;
vor der sprengung des bluts
und der lache des hohns.
147;
die wilde lache des hohns stieg
ihm in die mienen empor, und tönt in des redenden stimme.
4, 29 (Mess. 6, 406, 1760 noch das wilde lachen);
er hatt .. mit furchtbarer lache
blinken gesehn den verderber (einen dolch).
6, 19;
ihr habt die schäumenden becher
eurer gifte, die wollust kränzt, und die lache des hohnes
unter die leute getragen.
123;
wecke denn ganz dein gefühl, entehrt von dem wahne, zu dem die
trügenden dich erniederten mit sardonischer lache.
7, 7;
und nach seinem beispiele wird es von andern verwendet: sein erstes war, dasz er eine laute lache aufschlug. Wieland 27, 7; der schäker risz bei seiner langsamen lache das maul bis an beide ohren auf. Bode Tristr. Sh. 7, 29;
die lache, die des feindes höhnt, ist süsz.
Stolberg 14, 172;
es labt dich die lache des lauten hohns nun.
189;
ha welche lache der Achäer nun
erheben wird.
Bürger 151ᵇ;
unauslöschliche lache befiel die seligen götter.
193ᵇ;
ihnen folgete Hans, und trug schwerfällig den brummbasz,
schlau, mit verbissener lache.
Voss 1, 195;
drauf mit herzlicher lache zur schaar der genossen begann er.
Odyssee 16, 354;
und sie alle mit herzlicher lache vernamens.
21, 376;
so sprach lachend die prinzessin
und sie tänzelt im gemache,
und die zofen und eunuchen
hoben wieder ihre lache.
H. Heine 18, 22.
im gemeinen leben ist gewöhnlich nur die formel eine lache aufschlagen gebraucht. lache, auf den ort des lachens bezogen:
alte lachten wie die jungen —
eine einzge lache nur
war ganz Wittenberg.
H. Heine 18, 122.
lache ist (düringisch, meisznisch) auch die art und weise, wie man lacht: eine wunderliche lache haben. Adelung; Gretchens kommen, Mephistopheles' lache sind treu nach den Retschischen zeichnungen. dieser hat die lache beibehalten, aber es ist wilde hohnlache, im übrigen ein katholischer teufel. Göthe an Zelter 5, 146.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 12, Z. 28.

lache, f.

lache, f.
lacuna, palus. ahd. lacha und laccha (in cruntlaccha bei Notker ps. 77, 44, vgl. die stelle unten unter 4), neben einem wahrscheinlichen masc. lach, mhd. lache, nhd. kommt neben die lache noch vereinzelt der lach vor: die lachen, güllen, palus Maaler 258ᵈ, aber der kaatlach, volutabrum 239ᵃ. das wort ist weiter über die german. dialekte verbreitet: niederl. laeck, lack neben lake lacus Kilian, jetzt lak, engl. lake, landsee, lache, pfütze, niederdeutsch lake (auch in der bedeutung pökelbrühe, vgl. unten unter lake). die niederdeutsche lautstufe hat das wort auch im bair.-östreich. sprachgebiete: wils doch nicht einem jeden .. leyen geraten seyn, .. ausz einem jeden kiele, flüszlein, laken oder cistern zu trinken. Mathes. Sar. 68ᵇ; bair. die lacken, kleines stehendes wasser, lache Schm. 1, 1432 Fromm.; in Tirol lak, laken, f. lache, kleine menge stehenden wassers, auch das bad, dim. lakl, kleine quantität einer flüssigkeit. Fromm. 6, 437; kärntnisch lagge lach, dim. laggele ein wenig, ein bischen, von flüssigen gegenständen. Lexer 171; niederöstr. laͦkn, dimin. lakl. Castelli wb. 188. Die entlehnung von lache aus lat. lacus ist abzuweisen, es hängt vielmehr mit dem verbum mhd. lechen, austrocknen, vor trockenheit risse bekommen und flüssigkeit durchlassen (Lexer wb. 1, 1849), altnord. leka tröpfeln, tropfen, mnl. leken flieszen oder triefen machen, zusammen, urverwandt scheint litthauisches laszeti, lasznoti tröpfeln, lászas der tropfen. lache bezeichnet:
1)
ein stehendes kleineres gewässer, pfuhl, mundartlich mit mancherlei nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heiszt lache gern eine sumpfige wiese, oder ein niedrig gelegener, der überschwemmung häufig ausgesetzter landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende feldvertiefung, in der einmal wasser stand (Kehrein 253), oder auch das stehende wasser in einem alten oder durch austreten erbreiterten fluszbette (Schambach 118ᵃ), und es erscheint das wort auch nicht unhäufig in flurnamen (vgl. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 302ᵇ). palus ein lache oder pfytz. gemma gemmarum (1505) s 1ᵇ; lacus .. ein gruob oder ein pfitz oder ein lach. o ijᵈ; lachen oder gruͦben daryn sichs wasser versamlet, lacuna. Maaler 258ᵈ; die lachen tröchnen, siccare paludes. ebenda; lach, eine dreckechtige pfütz. voc. von 1663 bei Schöpf 362; ein frosch der in der tiefe des wassers geborn was und alle zeit in den lachen het vertrieben. Steinhöwel Esop (1555) 82; etlich visch nement geren die egel, die in den laken geend, sind gestalt als die rossegel. Tegernseer angelbüchlein bei Haupt 14, 171; die teiche und lachen daneben, werden nicht gesund werden, sondern gesalzen bleiben. Hes. 47, 11; so ist der Jordan auf einer seiten, auf der andern lach und gebirg. 1 Macc. 9, 45; er nahm die lachen um die ufer des Strymon in augenschein. Heilmann Thucyd. 641; die wassergewölbe wodurch .. die gegend bis zur untern Subura, und das thal des circus, bis dahin sümpfe und lachen, oder busen des fluszbettes, trocken gelegt wurden. Niebuhr röm. gesch. 1, 400; hierauf fing der storch an, ihm jede lache und jede feuchte wiese zu nennen. Lessing 1, 138;
wenn man von Ortenburg will gehn
auf Frankfurt zu, da soll noch stehn
von alters her ein breite lach.
Alberus Esop 17;
wem ist nicht hier der entenpfuhl bekannt,
die dir, wie mir, so sehr verhaszte lache?
Hagedorn 2, 155;
den hölzernen becher,
aus der stehenden lache gefüllt.
Klopstock 6, 21;
rein komm ich (der strom) aus der mutter schosz,
und keine trübe lache flosz
mit meinem strom zusammen.
Rückert 5;
giftige lache, aus der giftige dünste aufsteigen:
halb wurm erschiens (das bild), halb molch und drache,
gezeuget in der giftgen lache.
Schiller kampf mit d. drachen v. 124.
2)
lache heiszt daneben auch die kleine pfütze, wie sie sich von starken regengüssen auf straszen und plätzen augenblicklich, und bald wieder verschwindend, bildet: im aprill gibts viel lachen, mense Aprili cadunt imbres. Stieler 1103; wann der karch oder wagen durch ungeschickte fuhrleut in tiefe böse weg und lachen geführt. Lehmann 181;
der wagen stund in einer lagken.
fastn. sp. 566, 3;
die pfützen, die (bei regenwetter) voll wasser stehn,
die lassen uns das licht noch stärker sehn,
indem so gar die wagen-gleisz und lachen,
sammt jeder fusz-spur, sich zu kleinen spiegeln machen.
Brockes 2, 446;
selbst bezüglich einer ungeschickt vergossenen flüssigkeit, die sich am boden sammelt, eine wahre lache von milch stand auf den dielen, vergl. ferner blutlache; in der kindersprache heiszt es tirolisch und kärntnisch lakl machen, a laggele machen, mingere; in demselben sinne:
giesz eine lange lach daher.
grob. D 4.
3)
lache bildlich: in jener kindlichen zeit, wo die seele auf der regenbogenbrücke der phantasie trocknes fuszes über die lachen und mauern der untern erde wegschreitet. J. Paul Tit. 1, 78;
ihr millionen oder milliarden,
die ihr genippt aus Hippokrenes lache.
Platen 291.
vielfach mit hervorhebung des unreinen: wol ûf mit dînem muote ûsser dem horwe und der tiefen lachen lîplîcher wollust. Suso in Wackernagels leseb. 1 (1873) 1220, 31; mhd. der helle lach. Lexer wb. 1, 1808, und ähnlich auch nhd.: herr Jesu Christe, .. erlösz alle glaubige abgestorbene seelen ausz der macht der höllen, und ausz der tiefen lachen. Fischart bienk. 116ᵃ; der tod und die hell sind geworfen worden in die lachen desz feuwrs. Reiszner Jerus. 1, 125;
dasz ihn Lauras zauberblick
nicht lockt in der wollust lache.
Schubart ged. 2 (1787) s. 66;
allmählig dorrten seine kräfte,
zur faulen lache wurden seine säfte.
82.
obscön:
sein folen in fremde lachen er schwemt.
fastn. sp. 144, 33.
4)
lache, für landsee, wie engl. lake: schwäbisch die grosze lach, der Bodensee. Schmidt 336; für quelle, wie ahd.: suohten scaturigines aquarum (cruntlaccha waʒʒerô). Notker ps. 77, 44; da ist zwischen dem flussz Indo und Gange ein lach oder brunnenpfütz wunderbarlichs geschmacks. Frank weltb. 191ᵃ. auch für ein flieszendes wasser, bach: die Weidelache ist ein zuflusz der Katzbach (Weinhold schles. wb. 50ᵃ), die Steinlake heiszt der untere lauf der in die Ruhme flieszenden Oder bei Lindau, nordöstlich von Göttingen (Schambach 118).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 13, Z. 16.

lache, f.

lache, f.
ein in einen baum eingehauenes zeichen. ahd. lâh, masc. (vgl. rechtsalt. 544. J. Grimm kl. schr. 2, 43), mhd. lâche, lauche, lâchene (Lexer wb. 1, 1807), bair. das geläck, gelack Schm. 1, 1432 Fromm. eine umdeutung des wortes zu loch kommt vor (vgl. dazu lachbaum sp. 11): so erinnert Oettinger, dasz die löcher (an den grenzbäumen) aufs wenigste in 5 jahren einmal erneuret und wieder ausgehauen werden sollen, dann sie sonsten verwachsen. J. J. Beck de jure limit. 1, 57. lache bedeutet
1)
ein zeichen das in einen baum gehauen wird: lache, .. ein hieb den ein baum bekomt, dasz der harzscharrer daran erkennen kann, dasz er den baum zum harzscharren brauchen kann, oder die grenzscheidung dadurch zu bemerken. Jacobsson 2, 530ᵇ; auch den einschnitt an nadelbäumen, der zur gewinnung des harzes dient: laachen nennt man die streifenweise verwundungen an fichten, wodurch harz gewonnen werden soll. Hartig (1821) 35.
2)
grenzzeichen, grenze überhaupt: bäume, welche .. lochen oder lochbäume genennet werden. J. J. Beck a. a. o. 1, 27; und hebt die lâchi (von Schluchsee) an als diu Swartza ûs dem Schluͦchsê ze tal fliusset, und dannan unz an den Stouffen da der Fûstenbach entspringt. weisth. 4, 498 (von 1373); alle lehen und guͦter, die in den vorgeschribenen zilen und lâchinan ligent. 499; in den lâchinan und gemerken, die ze Kinaberg und in das vorder holz und in das hinder holze hörent. 506 (v. 1352); susz wurden die zwing und ben, marchen und lochenen entscheiden und theilt, und wurden zu allen theilen die markstein gesetzt. Basler chron. 1, 128, 13.
3)
lache, auch lachsteig, ein durch ein buschholz gehauener steig, die haue dadurch abzutheilen. Adelung. vgl. unten lachen, incidere.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 14, Z. 49.

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Zitationshilfe
„lache“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lache>, abgerufen am 18.10.2021.

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