lagel, lägel n. und f
Fundstelle: Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 61, Z. 32
gefäsz, fäszchen.
1)
ahd. lâgela, lâgella als fem., mhd. lâgel und lægel neutr., und lâgele, lægele fem., aus dem lat. lagena mit tausch des n und l (sp. 3) entlehnt, wie schott. laiglen, laiglin melkeimer (Motherby 1, 107ᵃ), schwed. lägel, dän. legel und leile; die nebenform lagen (s. unten) hat diesen tausch nicht. die alte länge des stammvocals zeigt sich noch durch seine im rheinpfälzischen und alemannischen öfter erfolgte verdunkelung, pfälz. logel, weinmasz von vierzig litern; elsäss. logel, lojel, tragfäszchen;
und e logel voll wî.
Hebel 1 (1853), 147;
schles. ist die form loge, log fasz. Weinhold schles. wb. 54ᵇ;
die mutter nahm die brandweinlog
und heffts em Malcher offa rock.
schles. lied des 17. jahrh. bei Fromm. 6, 136, 10.
die vertauschung des ursprünglichen femininen geschlechtes des wortes mit dem neutralen vollzieht sich erst im mhd., sicher unter einwirkung des begriffsgleichen fasz; noch im nhd. aber dauert auch vielfach der feminine gebrauch: die lägel, ein langes weingeschirr, seria, lagena Maaler 260ᵇ; ein läre lägel. Keisersberg schiff d. pen. 11ᶜ; frauw wirthin, der wein schmeckt nach dem fasz, die lägel ist nicht wol und sauber gewäschen. Frey garteng. 95; nimm zu einer lagel oder einem eimer zwo oder drei doppelte gaufen waizes (beim bierbrauen). Hohberg 2, 88ᵃ; eine verschlossene lagel voll brandwein. 401ᵃ; als er (ein kranker) eine legel mit starkem gutem wein erwischt. hat er solchen rein ausgetrunken. 498ᵇ;
wo der wein darinnen steht (im keller)
stützet mir die legel unter.
Opitz 3, 12;
weitere belege s. unter 2 und 3.
2)
die allgemeine bedeutung eines behälters für flüssigkeiten modificiert sich landschaftlich: nassauisch das legel eine unten engere, oben weitere weinbutte mit zwei ohren. Kehrein 260; das lagel im österr. salzkammergute eine kleine geschlossene bütte, oben mit einer röhre zum trinken. Andree globus 1869 s. 282; siebenbürgisch-sächsisch lögel ein eimer. Fromm. 4, 194; schweiz. lägela (fem.) ein rundliches hölzernes gefäsz, besonders um nasse waare darin auf packpferden fortzuschaffen. Tobler 290ᵃ; elsässisch lojel, löüel, logel, tragfäszchen, welches mit ins feld genommen wird. 469, 21, wie niederdeutsch:
(indem ich) bei den schnittern ungefehr
an einem orte stille stehe, ..
seh ich bei ihnen, mit vergnügen,
den bäuerischen hausraht liegen.
die kleine feld-stühl, ihr gewand,
die legel, kober, und noch mehr.
Brockes 7, 230;
lägel, ein kleines, rundes, hölzernes gefäsz, in gestalt einer tonne, nur dasz es weiter als hoch ist. Jacobsson 2, 548ᵃ; drü lagel mit pulver. Diebold Schilling beschreib. der Burg. kriegen (1743) 279; (er) nam den schatz, liesz ihn in vierzehen lägel machen, die auf beiden seiten möchten gefüllet werden mit salz, und in die mitten setzet er den schatz. b. d. liebe 41ᶜ; da nam Isai einen esel mit brot und ein legel weins. 1 Sam. 16, 20; es sollen alle legel mit wein gefüllet werden. Jer. 13, 12; Moab ist von seiner jugent auf sicher gewest, und auf seinen hefen still gelegen, und ist nie aus einem fas ins ander gegossen .. darumb sihe, spricht der herr, es kompt die zeit, das ich jnen wil schröter schicken, die sie ausschroten sollen, und jre fasse ausleren, und jre legel zerschmettern. 48, 12; das sich die frowen darüber mit den eimeren, logelen und fleschen zu dem kopf wuͦrfen. Ulensp. 70 s. 103 Lappenb.; ich hab darin etliche legeln Veltleiner wein. Th. Plater 96; ein zugespitztes fasz mit wasser, worvon ich ein erträgliches lägel füllete. Felsenb. 1, 144;
sie funden eine meng an gold, geld und geschirr,
und andre sachen mehr von einem groszen preisz,
auch legel wein, mit brodt, und fleisch und andrer speisz.
D. v. d. Werder Ariost 45, 81, 8;
in desz bringt der knecht das legel
angefüllt mit kaltem bier.
P. Fleming 426;
hinter euch liegt mein lägel im kraut, mit kühlendem breihan.
Voss 2, 178.
lägel wie flasche: Abraham gadt hin, nimpt brot in ein sack und wasser in ein lägel, legts Agar auf jr achszlen, und dem knaben das plünderlin auf sein halsz:
Agar nimm hin für ewer noth
die fläsch mit wasser und das brot.
Haberer Abrah. 1592 F vᵇ.
sprichwörtlich: da setzt er ein gugelkappen auf und sihet herausz wie ein spinn ausz einer logel. Frank weltb. 130ᵃ; diese schulfüchse, .. welche, wann sie zu unsers gleichen kommen, sich stellen, wie ein kuhe, die ein neu thor anblarret, oder wie ein gansz, die in ein logel sihet. Philander 1, 582; noch jetzt in Kolmar er luegkt wie-n-e gans in lojel (er schielt). Fromm. 4, 469, 96.
3)
lägel als masz, zunächst für fremde weine, die in solchen kleineren gefäszen importiert wurden: weil aber welsche und andere süsze weine, als malvasier, reinfall, Veltliner und derogleichen in fassen (so unterschiedlichen halts sein) anhero bracht werden; als soll davon entrichtet werden, wie folget: der verkäufer soll .. von jedem eimer niderlag-gebühr entrichten 14 gr., von einer lagel groszband 10 gr., von einer lagel kleinband 8 gr. der stadt Leipzig ordn. (1701) 398, vgl. dazu unter kleinband th. 5, 1105; dann auch im einheimischen weinbau: in Edesheim (Pfalz) wurden die gemosteten trauben zu 7 fl. die lagel (40 liter) verkauft. Frankf. journ. vom 23. oct. 1873; in Bingen und umgegend gehen 4 eichen oder legel auf 1 ohm, 1 eiche oder legel hält 6 viertel. in Baiern werden eiserne nägel beim verkauf nach lägeln gemessen, wovon bald eins, bald zwei, bald vier auf einen saum gehen. Schm. 1, 1453 Fromm.
lagel, lägel n. und f
Fundstelle: Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 61, Z. 32
gefäsz, fäszchen.
1)
ahd. lâgela, lâgella als fem., mhd. lâgel und lægel neutr., und lâgele, lægele fem., aus dem lat. lagena mit tausch des n und l (sp. 3) entlehnt, wie schott. laiglen, laiglin melkeimer (Motherby 1, 107ᵃ), schwed. lägel, dän. legel und leile; die nebenform lagen (s. unten) hat diesen tausch nicht. die alte länge des stammvocals zeigt sich noch durch seine im rheinpfälzischen und alemannischen öfter erfolgte verdunkelung, pfälz. logel, weinmasz von vierzig litern; elsäss. logel, lojel, tragfäszchen;
und e logel voll wî.
Hebel 1 (1853), 147;
schles. ist die form loge, log fasz. Weinhold schles. wb. 54ᵇ;
die mutter nahm die brandweinlog
und heffts em Malcher offa rock.
schles. lied des 17. jahrh. bei Fromm. 6, 136, 10.
die vertauschung des ursprünglichen femininen geschlechtes des wortes mit dem neutralen vollzieht sich erst im mhd., sicher unter einwirkung des begriffsgleichen fasz; noch im nhd. aber dauert auch vielfach der feminine gebrauch: die lägel, ein langes weingeschirr, seria, lagena Maaler 260ᵇ; ein läre lägel. Keisersberg schiff d. pen. 11ᶜ; frauw wirthin, der wein schmeckt nach dem fasz, die lägel ist nicht wol und sauber gewäschen. Frey garteng. 95; nimm zu einer lagel oder einem eimer zwo oder drei doppelte gaufen waizes (beim bierbrauen). Hohberg 2, 88ᵃ; eine verschlossene lagel voll brandwein. 401ᵃ; als er (ein kranker) eine legel mit starkem gutem wein erwischt. hat er solchen rein ausgetrunken. 498ᵇ;
wo der wein darinnen steht (im keller)
stützet mir die legel unter.
Opitz 3, 12;
weitere belege s. unter 2 und 3.
2)
die allgemeine bedeutung eines behälters für flüssigkeiten modificiert sich landschaftlich: nassauisch das legel eine unten engere, oben weitere weinbutte mit zwei ohren. Kehrein 260; das lagel im österr. salzkammergute eine kleine geschlossene bütte, oben mit einer röhre zum trinken. Andree globus 1869 s. 282; siebenbürgisch-sächsisch lögel ein eimer. Fromm. 4, 194; schweiz. lägela (fem.) ein rundliches hölzernes gefäsz, besonders um nasse waare darin auf packpferden fortzuschaffen. Tobler 290ᵃ; elsässisch lojel, löüel, logel, tragfäszchen, welches mit ins feld genommen wird. 469, 21, wie niederdeutsch:
(indem ich) bei den schnittern ungefehr
an einem orte stille stehe, ..
seh ich bei ihnen, mit vergnügen,
den bäuerischen hausraht liegen.
die kleine feld-stühl, ihr gewand,
die legel, kober, und noch mehr.
Brockes 7, 230;
lägel, ein kleines, rundes, hölzernes gefäsz, in gestalt einer tonne, nur dasz es weiter als hoch ist. Jacobsson 2, 548ᵃ; drü lagel mit pulver. Diebold Schilling beschreib. der Burg. kriegen (1743) 279; (er) nam den schatz, liesz ihn in vierzehen lägel machen, die auf beiden seiten möchten gefüllet werden mit salz, und in die mitten setzet er den schatz. b. d. liebe 41ᶜ; da nam Isai einen esel mit brot und ein legel weins. 1 Sam. 16, 20; es sollen alle legel mit wein gefüllet werden. Jer. 13, 12; Moab ist von seiner jugent auf sicher gewest, und auf seinen hefen still gelegen, und ist nie aus einem fas ins ander gegossen .. darumb sihe, spricht der herr, es kompt die zeit, das ich jnen wil schröter schicken, die sie ausschroten sollen, und jre fasse ausleren, und jre legel zerschmettern. 48, 12; das sich die frowen darüber mit den eimeren, logelen und fleschen zu dem kopf wuͦrfen. Ulensp. 70 s. 103 Lappenb.; ich hab darin etliche legeln Veltleiner wein. Th. Plater 96; ein zugespitztes fasz mit wasser, worvon ich ein erträgliches lägel füllete. Felsenb. 1, 144;
sie funden eine meng an gold, geld und geschirr,
und andre sachen mehr von einem groszen preisz,
auch legel wein, mit brodt, und fleisch und andrer speisz.
D. v. d. Werder Ariost 45, 81, 8;
in desz bringt der knecht das legel
angefüllt mit kaltem bier.
P. Fleming 426;
hinter euch liegt mein lägel im kraut, mit kühlendem breihan.
Voss 2, 178.
lägel wie flasche: Abraham gadt hin, nimpt brot in ein sack und wasser in ein lägel, legts Agar auf jr achszlen, und dem knaben das plünderlin auf sein halsz:
Agar nimm hin für ewer noth
die fläsch mit wasser und das brot.
Haberer Abrah. 1592 F vᵇ.
sprichwörtlich: da setzt er ein gugelkappen auf und sihet herausz wie ein spinn ausz einer logel. Frank weltb. 130ᵃ; diese schulfüchse, .. welche, wann sie zu unsers gleichen kommen, sich stellen, wie ein kuhe, die ein neu thor anblarret, oder wie ein gansz, die in ein logel sihet. Philander 1, 582; noch jetzt in Kolmar er luegkt wie-n-e gans in lojel (er schielt). Fromm. 4, 469, 96.
3)
lägel als masz, zunächst für fremde weine, die in solchen kleineren gefäszen importiert wurden: weil aber welsche und andere süsze weine, als malvasier, reinfall, Veltliner und derogleichen in fassen (so unterschiedlichen halts sein) anhero bracht werden; als soll davon entrichtet werden, wie folget: der verkäufer soll .. von jedem eimer niderlag-gebühr entrichten 14 gr., von einer lagel groszband 10 gr., von einer lagel kleinband 8 gr. der stadt Leipzig ordn. (1701) 398, vgl. dazu unter kleinband th. 5, 1105; dann auch im einheimischen weinbau: in Edesheim (Pfalz) wurden die gemosteten trauben zu 7 fl. die lagel (40 liter) verkauft. Frankf. journ. vom 23. oct. 1873; in Bingen und umgegend gehen 4 eichen oder legel auf 1 ohm, 1 eiche oder legel hält 6 viertel. in Baiern werden eiserne nägel beim verkauf nach lägeln gemessen, wovon bald eins, bald zwei, bald vier auf einen saum gehen. Schm. 1, 1453 Fromm.
lägel n
Fundstelle: Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 62, Z. 51
kleiner fallstrick, zuggarn zum vogelfang, dim. zu lage 7 (sp. 61): der tüfel würft ym ein weisz lägel für, etwan ein lust, damit er sol gauklen. Keisersberg brösaml. 57ᵇ.
Zitationshilfe
„lagel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lagel>, abgerufen am 09.12.2019.

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