Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lampen, verb.

lampen, verb.
schlaff hängen: dasz ich weidwund ward und mir das krösz herausz lampt. finkenritter A 6ᵃ; wo auch sonst an einem andern theil desz leibes ein groszer schlempen (wie ich es nenne) heraber lampet, welches von mir ein schlempwunden geheiszen wirdt. F. Würz pract. d. wundarzn. 8; macht auch die lampende brüst wieder hart. Tabernaem. 1281; dasz das tuch bei faulem dunkelm und nassem wetter blüter, lidweicher und lampender oder linder werde. Thurneiszer von wassern 225; es werden gar leicht von auszen her zufallenden widerwärtigkeiten die gewächse welk und lampend. Muralt eidg. lustg. 54; flaccidus lampend, lampächtig Dief. 237ᶜ. lampen ist naher verwandter zu dem sp. 55 aufgeführten vornehmlich niederdeutschen laff flaccidus, von dessen stammform es wesentlich nur der eingeschobene nasal und die durch diesen bedingte andere lautstufe der labialis trennt. das verbum ist zumal oberdeutsch: schweiz. lampen hängen, welken, sich schlaff bewegen Stalder 2, 154; in Appenzell lampa schlaff herabhängen Tobler 290ᵇ; bair. lampen dependere mobiliter prompt. von 1618 bei Schm. 1, 1474 Fromm.; auch hess. lampen nachlassen, nachlässig sein Vilmar 235; hat aber eine auch weit durch Mitteldeutschland gehende sippe, in welcher der ursprüngliche begriff des schlaffen manigfach modificiert erscheint: schweiz. lämpi liederlicher, nachlässiger mensch, der lämpen der lappen, abgerissenes stück von einem ganzen, wampe beim rindvieh; bair. die lampen, zitzen an der weiberbrust, auch wol am euter eines schweines, und daher lampen an der mutterbrust trinken; lampel, einfältiger tropf; in Nürnberg heiszt lampel der covent, in Meiszen lampfel ein bier, welches besser als covent und schlechter als tischbier, oder ein gemisch von halbbier und covent ist. Jacobsson 6, 409ᵇ. 2, 554ᵃ; vgl. ferner unten lampicht. verbreitet ist namentlich die iterativbildung lampeln (s. oben): nassauisch lampeln, langsam, nachlässig einhergehen, schlecht, nachlässig arbeiten, auch lämpeln Kehrein 254; schweiz. gilt dafür das assimilierte lämmelen ein bischen schlumpen (neben unassimiliertem lämpelen sehr schlumpen), welche assimilation wieder das nassauische in lammel, person die nachlässig umhergeht und die kleider gleichsam nachschleift, und das oberhess. lammel der beschmutzte untere rand des weiberrockes, belammeln den rock am untern ende beschmutzen, zeigen. nächst verwandt mit lampeln ist lampern, das in belampern (theil 1, 1435) auch den sinn hat sich beschmutzen, sonst aber auch den sinn plaudern, schwätzen entwickelt, wol aus der vorstellung des müszig oder faul seins heraus: bair. lämpern plaudern Schm. 1, 1474 Fromm.; ich will auf die seite treten, damit der narr nicht etwa drinne was her lampere. causenmacher 105; auch hierzu die assimilierte form lämmern, nicht nur in belämmern beschmutzen (vgl.belemmern theil 1, 1445), sondern auch als einfaches verbum, düringisch in der bedeutung nach etwas verlangen, begierde haben nach einem guten essen das man sieht oder von dem man hört, dann auch einem verlangend folgen, wohinter die sinnliche vorstellung der verlangend aushängenden zunge steht. Stieler 749 verzeichnet lämmern als placide ire, suspenso gradu incedere, nachlämmern, lente, molliter et sedato nisu aliquem sequi, wie die schafe nachlämmern, womit leicht das von ihm seiner bedeutung nach misverstandene düringische wort gemeint sein kann. Die weiteren verwandten der wortfamilie, das unnasalierte lappen und die nasalformen lumpen, lumpicht u. s. w. werden an alphabetischer stelle behandelt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 88, Z. 69.

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Zitationshilfe
„lampen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lampen>, abgerufen am 10.08.2020.

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