landsmann m.
Fundstelle: Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 140, Z. 44
plur. landsleute,
1)
mann, eingeborener eines landes: wildpret ... kostlich den landsleüten zu essen. Frank weltb. 192ᵃ; zu dem sind wir Teutschen nicht Spartaner, die von andern lands-leuthen nichts lernen könten. Olearius pers. reisebeschr. 1, 1; bisz der fürst fragte was das vor ein landsmann wäre. Chr. Weise erzn. 225; in dieser formel noch heute lebendig: was sind sie für ein landsmann? ein Düringer.
2)
eingeborener des eigenen landes: landsmann, conterraneus, qui ejusdem est patriae, mein landsmann, ausz meinem land und heimat, civis meus Maaler 261ᵈ; erwirb mir ouch den wege mit üch, ist daʒ unser gemain haimant daʒ wir sament lantzlüt sint des ützit rechts oder billichkait haben mag. N. v. Wyle 234, 6; dasz es besser sei einem landsmann die schuh putzen dann einem ausländer die füsz küssen. Opel u. Cohn 381; ich musz vor meiner abreise noch zwei schriften zu stande bringen, die ich meinen landsleuten, aus barmherzigkeit, noch zurücklassen will. Lessing 1, 301 (bei ihm auch in vollerer form landesleute: es werden wenige von meinen landes leuten sein, welche nicht jezo das wort pantomimen unzehlichemal gehört [sollten haben]. 11, 8); ich bin kein reicher mann, und euere landsleute, die Franzosen, haben mich auch nicht dazu gemacht. Hebel 3, 146;
hier wo der Geten schaar,
die auch dich (Mars) landtsmann nennt, zuvor daheime war.
Opitz 1, 89;
vertrauliche anrede an einen nicht näher bekannten, gesellschaftlich gleich oder niedriger stehenden desselben landes ist landsmann: Buyck. das sollt ich übel nehmen. Jetter. auf euch ists nicht gesagt, landsmann. Göthe 8, 178; herr landsmann, sagte er zu einem, mit eurem weiszzeug siehts windig aus. Hebel 3, 91;
wo her mein landsmann nun so spat?
Schmelzl lobspruch ⅬⅩⅩⅠⅠ;
da landsman, das ist dir gsundt,
das brich ich ab von meinem mundt.
grobian. (1568) B 5ᵇ (b. 1, cap. 4);
und stosz ein andern an ein seiten,
sprich landsman, hebah, gib mir weiten.
C 4ᵇ (cap. 5);
und so dich einer drüber schilt,
spricht, landsman wo hast du gelehrt,
das farzen auf die gasz gehört?
C 5ᵃ (ebenda).
Sprichwörtlich: es kan keiner den anderen mit warheit loben odder schelten, er kenne jhn denn ... darumb ist auch ein landsmann seines landes ein schandes man, der jhn recht schenden und ehren kan. weisz sich nun jemandt einer that schuldig, und wil sie bergen vor seinem landsman, der wol darumb weisz, der muͦsz freilich guͦte wort geben, und sagen: landtsman, schandsman, weist du was so schweig, halt an dich, und unehr mich nit, wie du doch wol kündest. Agr. spr. 32ᵃ. vgl. auch landmann sp. 124.
3)
landsmann, personificiert für landesart: Meichsner, sagen auch die auslender, wenn sie untern leuten gewesen und ihres landsmans vergessen, reden ein gut deutsch. Mathesius Luthers leben (1583) 141ᵇ.
4)
landsleute, unterthanen, landeskinder, im munde eines sterbenden königs an seinen sohn: so erweise denn die liebe an deinen landsleuten umb dein selbst willen. pers. baumg. 1, 2.
Zitationshilfe
„landsmann“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/landsmann>, abgerufen am 20.10.2019.

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