Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

landvolk, n.

landvolk, n.
1)
volk auf dem flachen lande, im gegensatz zu den stadtbewohnern: lantvolk, .. vulg. feltvolk voc. inc. theut. m 1ᵇ; da ward nun zu ende novembers eine jagdpartie auf wilde schweine, nothgedrungen auf das häufige klagen des landvolks, ... unternommen. Göthe 30, 218; die mägde sind meist schöne stark und fein gebildete mädchen und geben einen begriff von der bildung des landvolks. 43, 74;
uraltes landvolk, eure hütten
verschont der städter stolz und neid.
Hagedorn 3, 55;
laszt mich das fröhliche landvolk in dicke haine verfolgen,
und mit der nachtigall singen.
E. v. Kleist (1765) s. 218.
2)
eingeborene eines landes: das landvolk, volk in einem land erborn, natio, gens Maaler 262ᵃ; wer eʒ, daʒ daʒ lantfolk in der zent ermant würde von einem amptman von Hohenburg, so solt sich daʒ lantfolk bereiten und solte nirgen ziehen, bis daʒ ein amptman unsers herren von Wertheim zu in keme. weisth. 6, 21 (Franken, von 1384); Sopher den heerfürsten, der das landvolk zu mustern pflegt, dazu sechzig man landvolks, so in der stad funden wurden. Jer. 52, 25; da Nebucadnezar der könig zu Babel weggefüret hatte den Jechanja, und die fürsten, und die gefangenen, und die gewaltigen, und das landvolk von Jerusalem, und hatte sie gebracht gen Babel. Baruch 1, 9; (Antiochus der grosze) wolt gros geld holen zu Elimaide, aus einem tempel. aber das landvolk war auf, und schlug jn mit seinem ganzen heer, rein zu tode. Luther vorr. über Daniel (Bindseils bibel 7, 373);
daʒ lantvolc ich an im (einem landverheerenden riesen) gerach,
ich sluoc in wærlîchen tôt.
Biterolf 6484;
als Meurab unser ach, und heiszes leid erblicket,
wurd endlich auf sein wort der eine fürst beschicket,
der uns das blosze schwerdt an herz und hälse setzt.
welch rasen, rief er, hat aufs landvolk dich verhetzt?
warum sieht man dich stets unschuldig blut vergieszen?
A. Gryphius 1698 1, 112.
3)
landvolk wie landtruppe 1, sp. 147: mit den landvölkern den angrif auf das fort thun. Heilman Thucyd. s. 473; landvölker (πεζός) und flotte, und alles, ward, wie man zu sagen pflegt, mit stumpf und stiel vertilget. b. 7, cap. 87.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 148, Z. 49.

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Zitationshilfe
„landvolk“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/landvolk>, abgerufen am 06.08.2020.

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