Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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langeweile, f.

langeweile, f.
zusammenrückung aus lange weile sp. 159; über die entwickelung dieser form vergl. auch unter kurzweile theil 5, sp. 2856.
1)
die zusammenrückung zeigt sich erst in den schriften des vorigen jahrhunderts, jedenfalls als folge einer theilweise veränderten betonung der alten verbindung, dergestalt dasz man nicht mehr blosz lange weíle sprach, sondern mit hervorhebung des adjectivs, das hier dem sinne nach wichtiger ist als das substantiv, lánge weile; indes, da noch heute die betonung ganz schwankend ist, darf für dieselbe aus der zusammengerückten schreibung beider worte nichts gefolgert werden, wie denn die beiden nachher aus Göthe 2, 246 mitgetheilten stellen trotz éiner schreibung beide betonungsarten haben: ich entdeckte zwang, verdrusz und langeweile, wo ich vorhin nichts als zufriedenheit gesehn hatte. Gotter 3, 35;
des winters langeweile tödten.
1, 418;
du bist uns kaum entwichen und schwermüthig ziehen
aus dumpfen hölen ...
verdrusz und langeweile.
der junge Göthe 1, 87;
langeweile! du bist mutter der musen gegrüszt.
Göthe 1, 354;
langeweile ist ein böses kraut,
aber auch eine würze, die viel verdaut.
2, 246;
wird uns eine rechte qual zu theil,
dann wünschen wir uns langeweil.
ebenda.
für langeweile, für nichts, umsonst, vgl. oben sp. 159: ihr seht doch nicht aus, als ob ihr nur für langeweile herumgehen wolltet; ihr müszt etwas wichtiges an einem orte vorhaben. Hebel 2, 14.
2)
die beiden bestandtheile bewahren auch ihre eigene flexion, wie man aus den dativ- und genitivfügungen sieht: den tod der langenweile sterben. Klinger 6, 270; sollen wir nichts thun, um uns aus der erbärmlichen langenweile zu retten? Göthe 18, 203; er unterhält uns in zeiten, wo wir vor langerweile umkommen oder zu leidenschaftlicher unterhaltung greifen müszten. 26, 27; die gesellschaft, die eigentlich nur von der langenweile beunruhigt wird. 36; (der schiffer der) vor langerweile sich etwas vormodulirt. 38, 195; wir wollen sehen, welcher theil den druck der langenweile und des unbefriedigten gefühls am längsten aushält. 57, 8; sogar die damen machen sich hundertmal aus bloszer platter langerweile — kurzweile. J. Paul Hesp. 1, 141;
hätt ich nicht meinen Amadis,
mich zu desennüyiren,
ich müszte schier vor ärgernis
und langerweil krepiren!
Voss 4, 44.
3)
seltener erstarrt das adjectiv in seiner nominativform: ich will indessen hier bleiben, und vor langeweile ihre schriften lesen. der himmel weisz es, ich habe recht wenig musze, aber viel langeweile. Mendelssohn bei Lessing 13, 12;
(es) ändern jene,
die über meer der langeweil entlaufen,
die luft, nicht ihren sinn!
Wieland Horaz briefe b. 1, br. 11.
4)
neben dieser bloszen zusammenrückung und früher als diese hat sich auch ein eigentliches compositum langweile, mit dem adjectiv langweilig, und ein verbum langweilen gebildet, über welche an alphabetischer stelle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 173, Z. 5.

langweile

langweile,
eigentlich componierte form neben dem blosz zusammengerückten langeweile und dem unverbundenen lange weile, vgl. oben sp. 173; die ältere sprache verwendet das wort häufiger, die moderne bevorzugt die loser verbundenen formen, läszt aber das von langweile gebildete, schon im 16. jahrh. vorkommende langweilig (s. unten) uneingeschränkt gelten, während das in der unten folgenden bedeutung 1 erst im 18. jahrh. auftauchende verbum langweilen, das jetzt auch ausschlieszlich gilt, eine zeit lang seine stelle mit langeweilen (s. d.) theilt. belege für langweile s. auch unter kurzweile theil 5, 2856:
oft aigner nutz, fürwitz, langkweil
machen den laiff über vil meil.
Schwarzenberg 132ᵇ;
langweil, otium taediosum, horae quae videntur alicui longiores. Frisch 1, 576ᵇ; ihre seele stumpft sich, und die langweile wird herr. Göthe 36, 58;
hier träte nun der fall der alten seelenpein,
der langweil, augenscheinlich ein.
Wieland 18, 201;
die herren generäle und commendanten ...
sind nicht für die langweil herbemüht.
Schiller Wallenst. lager, 2. auftr.
bairisch heiszt langweil auch anhaltender oder groszer jammer. Schm. 1, 1490 Fromm.; vgl. dazu unten langweilen 2 und langweilig 4. — langweile auch der name eines dünnen bieres: langweil oder kofent. Coler hausb. bei Frisch 1, 576ᵇ; langweil, nachbier Vilmar 237, das ist aber eine umdeutung aus langwelle, langwell, welche letztere form neben langwel hessisch auch begegnet. vergl. unten das zweite langwelle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 184, Z. 14.

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Zitationshilfe
„langeweile“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/langeweile>, abgerufen am 22.09.2020.

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