Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lappe, lapp, m.

lappe, lapp, m.
1)
homo stolidus, ineptus. ein in den oberdeutschen volksmundarten weit verbreitetes (Schm. 1, 1496 Fromm., lappes Kehrein 256), schon dem späteren mhd. eigenes, und mit laffe sp. 56 aufs engste verwandtes wort, das, wie letzteres auf laffen lecken, schlürfen, so auf das gleichbedeutende lappen (s. unten) sich stützt, und vom leckenden, naschenden kinde ausgeht; wobei aber der begriff in den eines schlaffen, weichlichen, und hernach geradezu thörichten menschen um so leichter umschlägt, als neben dem verbum lappen schlürfen ein in der form ganz gleiches lappen schlaff hangen steht (s. unten), beide wol im grunde éin wort, und nur zu verschiedener bedeutung später auseinandergegangen. die schriftsprache verschmäht das substantiv zu gunsten von laffe, doch hat sie die adjective ableitung läppisch beibehalten. lappe, iners, fatuus, stultus, vulg. narr. voc. inc. theut. m 1ᵇ; lappe, fatuus, agrestis, homo stolidus, er ist ein lappe, homo est fatuus Steinbach 1, 976; höret nur ferner, wie der lappe hat hungern müssen. unw. doct. 375; drei söhne, von denen der jüngste Hans hiesz, und ein rechter lappe war. Zingerle hausmärch. 2, 17; schalten ihn einen lappen, dasz er sich so etwas einfallen lasse. 21;
die vasnacht machet vil lappen,
das sich mancher macht zu eim ackertrappen.
fastn. sp. 91, 19;
richter, ich klag euch uber disen lappen,
der get mir des nachts umb mein haus trappen.
221, 7;
das wendt mir an mein weib von Säckhendorf
und spricht: laap dich soll nun gar benüegen,
und lasz ein jungen werben
nach werder min.
Püterichs ehrenbrief bei Haupt 6, 36;
so henkt si mir zwuͦ schellen dran,
so heb ich an und gnappe,
ain groszes klinglen ich da han,
gleich als ain ander lappe.
Uhland volksl. 642;
das er in seiner spanschen kap
nicht herzög als ein ander lap.
froschm. 2, 2, 3, bl. Y 3ᵇ.
die eigentliche vorstellung des kindischen, die in lappe liegt, zeigt sich in der häufigen verbindung junger lappe (vgl.junger laffe sp. 56 fg.): so wir jungen lappen müszig gehn, pflegen wir der wollust. A. v. Eyb philogenia 109ᵃ; da nun die nechsten stett hörten was sich verloffen hett, und die jungen lappen das regiment der statt beseszen. Keisersberg narrensch. 168ᵃ; du siehest wol, er ist ein junger aufgewachsener lapp (che egli è un cotal giovanaccio sciocco). Bocc. (1535) 58ᵃ; kurz, die allerklügste müssen mich ohn allen zweifel vor einen jungen lappen gehalten haben, dessen hoffart nothwendig nicht lang dauern noch bestand haben würde. Simpl. 1, 292 Kurz; hiermit wandte er sich zu dem jungen lappen, der viel wuste was der krieg vor ein ding wäre. Chr. Weise erzn. 195; er, als ein junger lappe. pol. näscher 108;
man findet manchen jungen lappen
der auf der gassen get her gnappen.
fastn. sp. 315, 20;
du junger lapp, du wirst mir geben
die meit! es gilt dir sust mein und dein leben.
549, 29;
und stiesz den jungen lappen inn dreck.
756, 20.
sonst ist lappe mit thor und narr formelhaft verbunden: sollich lappen und dildappen seind wir under dem christlichen namen. S. Frank trunkenheit Gᵃ;
ach du verheiter lapp und tor.
fastn. sp. 686, 17;
sprach so sol man bedören
sollich lappen und doren
die geren hören schmaichlerei.
Nürnb. meisterl. fol. 23 no. 98;
(die weiber) setzen ihm (dem manne) auf die eselohrn,
machen zu eim lappen und thorn.
H. Sachs 3, 4, 75ᵈ;
wiewol ich bin ein groszer lapp
und mich die narren gar hand bsessen.
trag. Joh. A 2;
oder es treten adjective oder andere beisätze ähnlichen sinnes hinzu: dasz der gute lapp nichts thun darf, er musz sein weib erst drumb begrüszen. Creidius 1, 427;
sy sprach: du magst ain lapp wol sein
mit deinem torochten wesen.
Hätzlerin 282, 252;
so haisz ich der Ackertrapp
und bin auch ein müesalig lapp.
fastn. sp. 398, 5;
herr der wirt, ich heisz der Tiltapp,
ich bin gar ein einveltiger lapp.
857, 11;
heimlich anlegen die narrenkappen,
gleich einem unsinnigen lappen.
H. Sachs 3, 2, 47ᶜ;
und hab Simson dem groszen lappen
an hals gestreift die narrenkappen.
3, 1, 54ᵃ;
doch musz man vor den armen lappen
verstelln mit einer narrenkappen.
E. Alberus 190;
denselben geiln bulerischen lappen
bring ich auch in die narrenkappen.
J. Ayrer 457ᵇ (2298, 18 Keller);
ihr schwestern, lacht jhr nicht der alber-klugen lappen,
die damen sperren ein als wie in blinde kappen.
Logau 2, 10, 37.
in Baiern ist der lapp ein blödsinniger, taubstummer. Schm. a. a. o.
2)
lappe, auch als fem. gebraucht, närrin:
(die jungfrau spricht zum schneider auf seine werbung)
schweig, du böser schneider-knapp,
ich bin nit ain solche lapp.
fastn. sp. 618, 12.
3)
lappe für einen weibischen, schlaffen menschen, unter einflusz des verbums lappen hangen (s. oben unter 1) entstanden: es lief in mir herum, ich würde, wenn ich mein schülerleben so fortsetzte, zu einem weichlichen und liederlichen lappen werden. Arndt leben 66. Logau braucht das wort für kapaun:
du stacktest, Veit, nechst unterm dache
in einer unvergunten sache.
wofern du mehr wirst drinnen stecken,
so magst du dich wol besser decken,
sonst möcht es sein vergunte sache
dasz man den hahn zum lapen mache.
3, 95, 99.
hierzu steht ein schles. adjectiv lâpe schwach, untüchtig (Weinhold 50), das düringische adjectiv lappe, lapp bezeichnet schlaff: ein lapper kerl; die arme hängen ihm ganz lappe am leibe; auch von gegenständen, die nicht fest schlieszen: der deckel auf dem kruge ist lappe geworden; lapp werden, flaccescere, lapp oder lappicht sein, flaccere Frisch 1, 576ᶜ. vergl. hierzu auch das adj. schlapp.
4)
ganz im entgegengesetzten sinne scheint lappe in der Zimmerschen chronik zu stehen: herr Johanns freiherr zu Zimbern, herrn Wörnhers selligen son, ward ain groszer starker herr, also das er in seiner jugendt umb der ungewönlichen lenge willen und sterke der lap von Zimbern gehaiszen ward. 1, 205, 2. doch wird bei dieser bezeichnung nicht sowol auf die stärke, als auf die ungewöhnliche länge betonung gelegt, weil die glieder und die haltung langer menschen den eindruck des schlaffen machen, oder die ganze erscheinung an einen halbwüchsigen knaben erinnert; vgl.schlank, ↗schlankel undschlingel.
5)
sprichwörtliches. amor excaecat etiam Argum, die lieb macht lappen. S. Frank sprichw. 1, 10ᵃ; die welt ist voll lappen und diltappen. Simrock sprichw. 329;
jedem lapp
gefällt seine kapp.
ebenda.
wortspielend mit dem folgenden subst. lappen: denn unzüchtige liebe macht lappen, und wie jener schriebe, so ist es schneiderwerk. Mathesius Syrach 1, 117ᵇ;
lieben macht lappen,
von disem tuech tragt manicher ein kappen.
Schm. 1, 1496 Fromm.;
mit dem volksnamen Lappen: zum beschlusz ist nicht zu vergessen, dasz es in dem mondreich viel Lappländer gibt, sind aber nicht von denen, die den wind verkaufen und mit rehnen und schlitten fahren, sondern man nennet sie bald Lappen, bald Lappländer, bald Lappenhäuser und Lappenmäuler. Simpl. 1684 3, 804.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1,2 (1877,1878), Bd. VI (1885), Sp. 192, Z. 28.

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Zitationshilfe
„lapp“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lapp>, abgerufen am 14.08.2020.

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