Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

larifari

larifari,
1)
interj. zurückweisung eines leeren geredes. das wort selbst müssen wir als eines sinnes entbehrend ansehen. wie ähnliche gebilde nur schallnachahmungen sind, vgl. charivari Diez 2, 251: schnadderten, tadderten, kläpperten und schnäbelten zusammen, wie die vögel wann sie dem garn entwischen und etlich gesellen dahinden lieszen: carymary garymary, scharifari scharfiara, hammira hummira, danderlo, dunderlo, ketten für. Garg. 149ᵇ (im orig. nur commençarent a renier et iurer, les ungs en cholere, les aultres par rys. carymary carymara. Garg. 1, cap. 17); so dürfen wir auch larifari als etwas gleiches, als blosze trällersilben in liedern, wol zunächst französischen, ansehen, wobei höchstens die anlehnung an die alte solmisation, an la, fa und re in frage kommt: während dasz der imam diese schöne rede hielt, sang der sultan im tone der langen weile und mit halb geschlosznen augen, la faridondäne la faridondon, dondäne dondon dondäne, dondäne dondäne dondon — denn er wuszte sich etwas damit, stark in gassenhauern zu sein. Wieland 6, 143 (gold. spiegel 1, cap. 5); vergl. die franz. refrains:
lafarira dondaine
gai!
lafarira dondé!
chants populairs in Herings archiv bd. 56, s. 210;
ha! ha! ha! larira!
hé! hé! hé! lariré!
ebenda;
aber auch in alten deutschen liedern begegnet ähnliches:
da vant ich drie juncfrouwen stân,
si wâren so wol getân,
diu eine sanc vür, diu ander sanc nâ:
harba lôri fâ,   harba lôri fâ,
harba lôri fâ!
minnes. 1, 15ᵃ Hagen. Uhland volksl. 950;
Abr. a S. Clara braucht larifari wortspielend mit anlehnung der beiden ersten silben an bair. lár leer: dein nachbar war in der jugend fleiszig, emsig und arbeitsam, du hingegen schläfrig und faul, daher setzt es bei ihm alle tage laetare, bei dir überall lari fari. werke 11, 9. seit dem 18. jh. sind die belege nicht selten: Finette. ah, herr Philipp, ich wäre des todes, wenn uns jemand so sähe. was würde er denken? so unter vier augen? bei der bouteille? Philipp. lari fari! fari lari! (indem er ihr das glas reicht) nimm, Finette! Lessing 2, 549;
Zeisig. zwar sagt mein gewissen,
dasz ich heut auf krummen wegen bin.
Wachtel. ach, larifari! bei ihren küssen
schlägst du den spuk dir bald aus dem sinn.
Körner nachtwächter, 8. auftr.
2)
namentlich auch seit dieser zeit in substantiver verwendung, wie dummes zeug, unsinn: ich sage nehmlich: es ist mit seiner erlaubnis, einwürfe gegen religion und bibel, gegen das, was er religion und bibel nennt, machen zu dürfen, nur larifari. Lessing 10, 190; doch wenden wir die ohren ab von diesen larifari. Heinse Ardingh. 1, 303.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 202, Z. 15.

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Zitationshilfe
„larifari“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/larifari>, abgerufen am 01.03.2021.

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