Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lase, f.

lase, f.
henkelgefäsz für flüssigkeiten mit einem ausgusz am obern rande; im östlichen Mitteldeutschland. als mittelniederd. form des wortes erscheint late: urceus late Dief. 630ᵃ (voc. von 1424, vgl. hor. belg. 7¹, 29ᵇ), und weist deutlich auf den zusammenhang mit dem verbum niederd. lâten, mhd. lâʒen hin, so dasz ein auslaszgefäsz gemeint ist. die etymologisch richtige schreibung wäre lasze, wie Stieler auch schreibt, Adelung gibt als 'oberdeutsch' die form lasse, neben dem zusammengesetzten der eigentlichen bedeutung nach noch ganz durchsichtigen laszkanne (s. d.); indes ist die schreibung lase allgemein. der lange vocal schlägt auch in o um: die bisherigen bierloosen. Knauth beschreib. des klosters Altenzell bei Frisch 1, 623ᵃ; ein einschenk oder loszkannen wie sie die pauern in meiner heimet nennen. Sylvander feld- oder hirtenlieder (1670) bei Fromm. 4, 175. lasze ingens urceus, cantharus, obba Stieler 1072; lase cirnea, vas Steinbach 1, 977; wobei er eine laase Merseburger (bier), ja damit ich nichts vergesse, eine bouteille wein vor sich stehen hatte. avantür. 1, 148;
der conjugiert bei vollem glase
das teutsche τύπτω nach gebrauch;
und jenem trichtert eine laase
des bieres weiszheit in den bauch.
Günther 170;
drei lasen waren stets von Wurzner nasse voll.
Zachariä 1, 10;
sogleich brüllt Raufbold laut: schafft bler! der hausknecht kam,
der in den krummen arm zwo grüne lasen nam.
s. 13;
wenn Nickel, unser Ganymed,
die volle lase aufgedreht,
und unser nektar, schäumend bier,
in gläser stürzt.
Weisze kom. opern (1768) 2, 216.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 211, Z. 71.

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Zitationshilfe
„lase“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lase>, abgerufen am 08.08.2020.

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