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lasse, lässe, f.

lasse, lässe, f.
laszheit, müdigkeit, mhd. laʒʒe Lexer 1, 1845: Galoar, welcher bisz dazumal sich nicht zu seinem widersacher, seinem begern nach, von wegen seines pferdts lasse, nähern und fügen mögen. Amadis 406;
wie die verzärtelte lässe so ganz durch das innerste leben
vergessenheit mir ausgeströmt.
Voss Horaz epod. 14, 1;
mollis inertia cur tantam diffuderit imis
oblivionem sensibus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 212, Z. 56.

lässe, f.

lässe, f.,
mhd. lâʒe, das lassen.
1)
das aderlassen: die lässe, das aderlassen, detractio sanguinis vel missio, phlebotomia. Maaler 261ᵃ; ein lässe thuͦn, aderlassen, emittere sanguinem, exolvere venas. ebenda; (zu einem fieberkranken) kam diser arzet des orts auch nach, fieng an, sein process furzunemmen mit digestivis, einer purgation und darauf ain lesse zu der leber. Zimm. chron. 3, 327, 29; (der arzt hatte) mit der lesse erst das gepluet gar erzurnt. 328, 3; die erste ursach betreffende, beschicht solche lässe die überflüssigkeit aller feuchten hinwegzunchmen oder allein die vile des geblüts. Ryff chirurgie 5ᵇ; so die lässe beschehen, soltu ihm verbieten, dasz er nit darauf schlafe. 8ᵇ; die balbierer pflegen ein stücklein von diesem schwamm auf die ader zu legen nach der lässe. Tabernaemont. 1522; sonderlich so jhr nach dem trank ein lässin zur lungen thund. Paracelsus opp. 1, 689 C; es ist die lässe den vögeln sehr bequem. falconaria 1617 s. 111;
kompt da ain arm man,
und spricht: maister, ist guot lan?
und spricht: ist aber die lässi guot?
des teufels netz 10183.
wortspielend: das ist die letst läsz im jahr (nämlich wenn man einen ins grab hinabläszt, vorher ist die rede vom aderlassen). Fischart groszm. 123. das wort ist noch jetzt bairisch und schweizerisch. vgl.aderlässe, ↗fuszlässe.
2)
die zeit des aderlassens: der vier lesse eine (ist der 1. mai). deutsches calendarium aus dem 14. jh. bei Haupt 6, 356; wiewol die gemainen laserregeln (regeln der aderlässer) am maisten dahin deuten, das man sich die läse ordenlich und mesig halte. Zimm. chron. 4, 271, 28; der baur schruw mit heller stimm: es ist niemant in dem hausz; das gesind ist auf dem veld und ich ligen hinder einem umbhang, bin ein lässer (der zu ader gelassen hat). spricht der kaufmann (der des bauern gatter aufgethan haben will): wie lang bist ein lässer geweszt? antwort der baur: morn ist der neündt tag. also thuͦt der kaufmann mit übelzeiten den gatter selb auf und spricht zum bauren: sehin, da auf dem gatter ligt ein taler, und thuͦ der lässy gnuͦg! Wickram rollw. 23, 15.
3)
lässe, im kartenspiel: die letzte lässe, der letzte stich, in folge dessen der gegner den gewinst des ganzen spieles lassen musz:
die letzte läsz wird das genennt,
wenn einer gleich all karten gwinnt,
und aber doch die letzt verleust,
der ganz gwin jhm damit erfrewst.
Birck doppelspiler 122;
behalt ein guͦt blat auf die letzsten lässe. Agr. spr. 303ᵃ;
geduld allein, erhelt im leben mich,
in diesem spiel allein ich dessen sich,
die letzte läsz gewint allzeit den stich.
Mittler nr. 712, 8;
lässe für ein ganzes einzelnes kartenspiel:
mein sach ist nichts;
ich hab des ersten stichs
ein gutes spill verlorn,
und kartet ich heut oder morn,
so gewinn ich doch kein lesz.
Zimm. chron. 4, 328, 13.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 212, Z. 64.

lasse, lässe, f.

lasse, lässe, f.
laszheit, müdigkeit, mhd. laʒʒe Lexer 1, 1845: Galoar, welcher bisz dazumal sich nicht zu seinem widersacher, seinem begern nach, von wegen seines pferdts lasse, nähern und fügen mögen. Amadis 406;
wie die verzärtelte lässe so ganz durch das innerste leben
vergessenheit mir ausgeströmt.
Voss Horaz epod. 14, 1;
mollis inertia cur tantam diffuderit imis
oblivionem sensibus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 212, Z. 56.

lasse, m.

lasse, m.
höriger, mhd. laʒʒe, vgl. Grimm rechtsalt. 306 ff. Haltaus 1195: derselbe stund in hader und feindschaft mit dem compter zu Danzig wegen etlicher verlaufener bauren und lassen. Schütz Preuszen (1599) 66; indem auf den lassen übertragen ward, was zwischen dem schirmherrn und dem schützling der sich ihm freiwillig untergeben hatte, galt. Niebuhr 1, 359; aus clienten, sowohl freier herkunft als lassen. 452; ein lasz, ein einwohner dem ein stück land überlassen wird, dem herrn den zins an getreide zu liefern. Frisch 1, 577ᶜ. vgl.late.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 212, Z. 47.

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Zitationshilfe
„lasse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lasse>, abgerufen am 04.08.2020.

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