Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lasten, verb.

lasten, verb.
intransitiv und transitiv.
1)
intransitiv als ein erst der neueren sprache angehöriges wort, in mehrfachem gebrauche.
a)
absolut, eine last sein, bedeutende schwere haben: bücher lasten sehr (haben viele last nach maszgebung ihrer masse). Adelung; vorzugsweise der gewählten sprache eigen: das weib ging mit langsamem schritt, denn der korb drückte sie aufs haupt, und es war doch nicht der onyx der so lastete. Göthe 15, 224;
was quält ihr euch und uns, auf jähem stege
nur schritt vor schritt den lästgen stein zu wälzen,
der rückwärts lastet, immer neu zu mühen?
2, 16;
wie übers haupt schiffbrüchigem
die welle sich wälzt und lastet.
3, 214;
bildlich: obs auf immer laste? dein joch, o Deutschland,
sinket dereinst.
Klopstock 2, 8 (von 1773);
euer lasten, euer streben,
ihr verhaszten, ist kein leben.
Göthe 13, 294.
b)
vorzüglich gern im part. präs. lastend:
o wärt ihr zu gräbern,
lastende felsen, geworden!
Klopstock 6, 131;
Kain sah ich in riesengestalt, in riesengestalten
helden; die hatte Kain mit lastendem eisen gefesselt.
133;
aber es kehrete bald in die seel ihm wieder des leidens
furchtbare kälte, senket auf ihn den lastenden, starken,
eisernen arm.
52;
erde, dich, mit allen deinen bergen,
allem lastenden metall darin,
allen riesen drauf und allen zwergen,
haucht er bald, wie flaum, vor sich dahin.
Bürger 87ᵇ;
bald klirrten die lastenden ketten
näher.
Pyrker Tunis. 8, 151;
bildlich, von der zeit: in jenen lastenden jahren, .. wo weiter keine andern federn kühn und stolz sich bewegen durften als die auf helmen. J. Paul polit. fastenpred. 51;
lastende jahre lang troff ihm die wunde schon fort.
Klopstock 2, 143;
voll der rachsucht will er die hölle,
daur es auch lastende ewigkeiten, doch endlich vernichten.
3, 74;
der blick ermüdet, der auf die wage schaut.
wie säumts! wie viel der lastenden zeit entschleicht,
bevor im gleichgewicht die schalen
schweben, und endlich der weiser ausruht!
7, 28;
schlängelt, ihr blitze
mit wüthendem eilen,
rastlos, die lastenden
nächte zu theilen!
Göthe 11, 195;
von anderem: nach einer pause, lang und lastend .. sagte das fräulein. Immermann Münchh. 1, 93;
leicht kann ich dir erzählen, welch ein übel
mit lastender gesellschaft uns verfolgt.
Göthe 9, 38;
wozu noch länger tragen
des siechen lebens lastendes gewicht.
Schiller zerstörung von Troja v. 110;
nein, niemand schalt sie — man verhüllte sich
in ein so lastend feierliches schweigen.
Piccol. 2, 2;
ach, vom geschick war
noth ihm selber bestimmt, doch mir stets lastender jammer,
seinethalb, des so lang abwesenden.
Odyss. 4, 108;
völlig gebrochen ihm war das herz vor lastender wehmuth.
Pyrker Tunis. 7, 444.
c)
selten lasten mit persönlichem dativ, einem höchst drückend sein: ihm lastete schon lang dieser unthätige traum künftiger thaten. Dya Na Sore 3, 8;
Meph. von hier aus — Faust. das verfluchte hier!
das eben leidig lastet mir.
Göthe 41, 306.
d)
häufiger in verbindung mit auf und dativ; in ganz eigentlicher bedeutung: er zeigte mir sorgfältig die spuren obgedachten gesteins, welches nicht leicht zu finden ist, weil die gebäude des schloszbergs darauf lasten. Göthe 31, 268; gewöhnlich in freierem sinne: sie declamirte nicht übel, und wollte immer declamiren; allein man merkte bald, dasz es nur eine wortdeclamation war, die auf einzelnen stellen lastete, und die empfindung des ganzen nicht ausdrückte. Göthe 18, 169; alles diesz wäre zu tragen und fortzuführen gewesen, hätte nicht das was Herder mir auferlegt, unendlich auf mir gelastet. 26, 8; überdiesz lastete noch das vehmgericht auf einem groszen theile des vaterlands. 125; auf diesem (dem niedern volke) .. lasteten die unwissenheit und der aberglaube, die stützen der alten kirche, mit doppeltem gewicht. Wackernagel gesch. d. d. litt. s. 385; mit über: nach dieser explosion athmeten alle frei auf und fühlten sich von dem zauber erlöset, der über ihnen gelastet zu haben schien. Immermann Münchh. 1, 37.
e)
mit auf und accusativ: was hat der bauer .. für einen hauptanlasz, den besitz des edelmannes für weniger gegründet anzusehen, als den seinigen? nur den, dasz jener nicht belastet ist, und auf ihn lastet. Göthe 20, 146; ich mag durch wiederholung auf diesen punct nicht lasten. an Zelter 799.
2)
transitives lasten ist das mhd. lesten, als last wohin legen, belasten (Lexer wb. 1, 1890); mitteldeutsch: kumet zcu mir alle di arbeidet und gelestet sit, und ich irquicken uch. Matth. 11, 28 bei Haupt 9, 271; was aber im niederrheinischen des 15. jh. auch als lasten erscheint: exonerare entlasten Dief. 217ᵇ; sarcinare lasten 512ᵇ (gemma gemm.); das wort ist in den zusammensetzungenbelasten, ↗entlasten, überlasten üblich, als einfaches selten: was richtet ein bluttgieriger fürst anders aus, als das er die strafe des himmels auf sich lastet? Butschky Patm. 830; in der gehobenen sprache seit der 2. hälfte des vorigen jahrhunderts, im sinne von drücken, beschweren:
die blumenkette, die du anlegst,
klirret nicht, aber umringelt fester,
als jene, die den bleichen gefangenen
im thurme lastet.
Klopstock 7, 34;
hast jene ketten nicht gesehn, die ehrnen? ..
sie sollen dir die glieder lasten.
Göthe 40, 396;
setze mich, wo weit in erstarrten feldern
keinen baum anathmet die sommerfrischung,
wo die welt mit nebelgedüft ein harter
Jupiter lastet.
Voss Horaz od. 1, 22, 20;
quod latus mundi nebulae malusque
Juppiter urget;
du zauderst? wie? lasten deine wünsche dich schon? ist dir dein wollen, dein vorsatz eine bürde? Göthe 42, 432;
liegen will ich ihn dann, dann will ich, rächer, vor dir ihn
liegen sehn, wie ihn lasten dein zorn, und unnennbare qualen.
Klopstock 3, 241 (Mess. 5, 25,
wie ihn dein grimm und ewige nacht drückt.
frühere ausg.);
komm, wir harren dein, uns lasten der süszen erwartung
freud und unruh.
6, 186;
allein, o ihr, die noch nicht der schlummer lastete,
was warft ihr so schnell die lanzen weg?
8, 203;
uns lastet schon genung des elends!
9, 301;
im sinne von belasten:
hier starr ich,
last ich die höll, ein todtengeripp!
6, 44;
und Gloster da, der feind der bürgerschaft,
der immer dringt auf krieg und nie auf frieden,
mit steuern eure freien beutel lastend.
Shakesp. Heinrich VI 1, 1, 3;
o'ercharching your free purses with large fines.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 251, Z. 23.

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Zitationshilfe
„lasten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lasten>, abgerufen am 15.08.2020.

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