Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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lasz, adj.

lasz, adj.
müde, matt; die eigentliche bedeutung zurückstehend, die mit der verbreitung und den verwandten des wortes bereits auf sp. 215 gegeben, ist nhd. auf das schlaffwerden der körper- und geisteskräfte eingeschränkt worden, so weit sich bairisch nicht auch der sinn nicht dicht, nicht gedrängt, herausgebildet hat: laʒ, rarus, laʒ werden, rarefieri Schm. 1, 1504. der umstand, dasz lasz, obwol gleichmäszig in Ober- wie in Niederdeutschland gekannt, doch ein selteneres und mehr der gewählten sprache angehöriges wort ist, musz es erklären, wenn es im glossar zum Basler neuen testament (1523) umschrieben wird: lasz, mied. Fromm. 6, 43ᵃ; alemannischen lexicographen des jahrh. ist es sonst nicht fremd: lasz, lassus, lasz sein torpere, lasz werden lassescere Dasyp.; lasz, müd, lassus, defessus, defatigatus Maaler 264ᵇ. Das wort hat verschiedene stellung.
1)
am seltensten attributive: ein lasser kerl, homo lassus, eine lasse magt, ancilla lassa, ein lasses thier, animal fessum, lasse leute, homines remissi Steinbach 1, 978; in der ältern sprache aber mehr im sinne von faul, träge: goth. us munþa þeinamma stôja þuk, unsêlja skalk jah lata (πονηρὲ δοῦλε). Luc. 19, 22; ahd. ubil scalc inti laʒʒo (serve male et piger). Tat. 149, 7; mhd.
der træge unt der laʒʒe,
die hât si (die welt) ze haʒʒe.
warnung in Haupts zeitschr. 1, 516, 2837.
von körpertheilen: aber widerumb spüre ich an vielen und auch an mir selbs, das der böse geist ... lasse und trege herzen macht, das sacrament zu nemen. Luther 3, 161ᵃ; sihe, du hast viel unterweiset, und lasse hende gesterkt. Hiob 4, 3; wie eine emsige und arbeitsame hand reich wird und gedeiet und gott hilft ir immer aus, so überfellt alles unglück ein lasse hand und gefaltene finger. Mathes. Sar. 23ᵃ;
ich strecke tag und nacht zu dir die lassen arme.
P. Fleming 27;
was kann man bessers finden,
wenn uns der trauermuht die lassen geister binden,
und ganz ümmneebeln wil, als wenn bei guter kost
man ümm sich haben kann der musik süsze lust.
58;
was nützt doch aller menschen wissen:
wenn wir die lassen augen schlieszen!
A. Gryphius 1698 2, 115;
kein tief athem schwillt
die lassen bälg (lungen) empor.
Lohenstein Ibrah. 54, 114;
mit lassem kniee wandert heim
der mensch aus kühlen auen.
Voss 4, 271.
2)
gewöhnlicher in prädicativen verbindungen; lasz sein, schlaff, saumselig, träge sein:
menschen helfe diu ist laʒ.
Barl. 242, 14;
da warent die von Switz nit ze lasz, die nament das gastal mit sampt den vier höfen yn. Etterlin 165; ob einer oder mehr under der gemeind so lasz were, der sein zinsz nit auszrichtet zu derselben zeit. weisth. 2, 171 (Hundsrück, 16. jh.); und Josua sprach zu den kindern Israel, wie lange seid jr so lasz das jr nicht hingehet das land ein zu nemen, das euch der herr ewr veter gott gegeben hat? Jos. 18, 3; als sein volk lasz was und in bedaucht zaglichen stritten, braucht er ein neuen und ungewonlichen fund. Livius von Schöfferlin 39ᵃ; ob sie nit bedechten, das sie auch lasz und wund weren. 90ᵃ; ich bin nicht lasz, so lang ich auf der erde bin erobre ich wenigstens gewisz meinen schritt lands täglich! Göthe an Lavater 8; hernach schlang er eins von den seilern über die achsel und half (das schiff) ziehen, was er nach leibeskräften vermochte. wir kommen eher an ort und stelle, dachte er, wenn ich nicht lasz bin. Hebel 3, 95;
es ist die spur des hirschen ja für mir.
wie lasz bin ich! ach! wär er doch allhier.
Opitz 1, 76;
ich träumt, ich wär ein vögelein,
und flog auf ihren schoos,
und zupft ihr, um nicht lasz zu sein,
die busenschleifen los.
Hölty 35 Halm;
in der form lesz:
welcher man wer als faul und als lesz,
das er uf ainer wagenlais sesz,
bis jm ain rad ain fusz abdruckt,
ee er ain wenig hinder sich ruckt.
Keller alte gute schwänke 33.
schlaff, abgespannt sein: darumb werden alle hende lasz, und aller menschen herz wird feig sein. Jes. 13, 7; alles lasz und niedergedrückt. Fr. Müller 1, 7;
ich überliesz hierauf das weitre meinen hunden (auf der jagd),
und, wie mein klepper, endlich lasz,
stieg ich herab.
Bürger 104ᵇ;
ihn peinigte der schweisz,
der unterm breiten schildgehänge troff;
und lasz war ihm der arm.
167ᵇ;
von einem kraftlosen greise:
der herr war alt und lasz.
Uhland ged. 299;
lasz werden: denn es ist alles zu thun umb gottes wort, das dasselb im schwang gehe, und die seelen imer aufrichte und erquicke, das sie nicht lasz werden. Luther 2, 258ᵃ; da aber der son Saul höret, das Abner zu Hebron tod were, wurden seine hende lasz, und ganz Israel erschrack. 2 Sam. 4, 1; las deine hende nicht lasz werden. Zephanja 3, 16; er saget jnen aber ein gleichnis davon, das man alle zeit beten und nicht lasz werden solt. Luc. 18, 1 (goth. jah ni vaírþan usgrudjans); indem kam er dazu, das die Romer etwas lasz wurden und nachlieszen. Livius von Schöfferlin 86ᵃ; lasz werden, von einem brunnen, im flieszen nachlassen:
ach aus diesen wonnefüllen,
(nimmer wird ihr brunn dir lasz!)
schöpfe, deinen durst zu stillen,
guter jüngling, volles maasz!
Overbeck verm. ged. 59;
lasz machen u. ähnl.: die billigkeit das recht und disciplin nicht lasz macht. Luther tischr. 406ᵃ;
bringts kühnlich aus, ihr lüfte, was ihr wiszt,
wie vielmahl wir uns haben lasz geküszt.
P. Fleming 534.
adverbial: also gehen sie lasz und sicher dahin, denken nicht, das sie gottes gebot zwinget und nötiget zum ehestande. Luther 4, 462ᵇ;
an all den wasserfällen ...
wo ich sonst mich lasz gelagert habe.
Gökingk 3, 53;
wie einer, der im traume liegt,
versank ich still und lasz,
mir wars, als hätt ich obgesiegt,
bezwungen lieb und hasz.
Platen 11.
3)
mit hinzutritt näherer bestimmungen.
a)
einen grund angebend, der durch den genitiv ausgedrückt wird: als ob sie schwerer arbeit müd und lasz weren. Thurneiszer von harnen (1571) 34; gewöhnlich aber durch präposition: bald darauf legt er (könig Perion) sich in ein köstlich zugericht bett, darinn er gleich entschlief, als der, so desz ferren wegs und gethanen reisz halber sehr lassz war. Amadis 409; aus forcht, dasz er etwas lasse möcht sein, von des vergangnen streits wegen, darinn er sehr genöthiget worden. 189;
als ein bestürzter pfleget,
der lasz von todesangst in tief erstarren fällt.
A. Gryphius 1688 1, 51;
wann meine hände lasz vom streiten sind.
Bürger 144ᵃ;
dort zwo nächte nunmehr und zween der tag auf einander
rasteten wir unmuthig, von arbeit lasz und betrübnis.
Odyssee 9, 75;
jetzt wich ich der gewalt, mir folgt, vor alter lasz,
Iphyt und, schwer von wunden, Pelias.
Schiller zerstörung von Troja 76.
b)
eine bestimmung und einen zustand bezeichnend, mit präpositionen: lasz zur arbeit; das evangelium ist in Deudscheland komen, viel verfolgen es, wenig begeren es, viel weniger nemen es an, und die es annemen, stellen sich so las und faul dazu. Luther 3, 147ᵃ;
die schwermut macht zum guten lasz.
Voss 5, 167;
wer lasz ist in seiner erbeit, der ist ein bruder des, der das seine umbbringet. spr. Sal. 18, 9; wer daher in bestreitung aller arten von vorurtheilen niemals schüchtern, niemals lasz zu werden wünschet. Lessing 8, 336; mit abhängigem infinitiv: sei nicht lasz, almosen zu geben. Sir. 7, 11; und wurden jre händ lassz gewalt anzulegen. buch d. liebe 199ᵈ;
nun, ihr herren allzumahl, noch sag ich das:
wo man sich, zu rechen dies, ferner stellet las,
wo man weiter noch zuläszt, dasz des königs schriften
werden von dem dieb geschwecht, wird man warlich stiften
groszes unglück in dem land.
Reinecke fuchs (Rostock 1650) 26.
4)
lasz mit ähnlichen begriffen formelhaft verbunden: wöllen nit faul, träg oder lasz sein. Keisersberg seelenpar. 29ᵃ; ich will .. David nachiagen bei der nacht, und wil jn uberfallen, weil er matt und lasz ist. 2 Sam. 17, 2; die das sacrament verachten und so faul und lasz sind zu gebrauchen. Luther 5, 192ᵇ; zum warhaftigen gottesdienste als lasz und kalt sein. tischr. 3ᵃ; dasz sein feind anfieng lasz und müde zu werden. Amadis 290; auf diese jetzt gehörte weise ward Amadis ausz seiner feinde hende erlediget, doch so lasz und müde, dasz er kümmerlich aufrecht stehen mocht. 242; war sein pferd so lasz und müd, dasz es weder umb schlagens noch stechens willen mehr fortgehen wolte. 354;
hilfst mir nie bei meiner arbeit!
schweifst im sommer lasz und träge
in den feldern und den forsten.
Freiligrath ges. dicht. 6, 56.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 268, Z. 12.

lasz, m.

lasz, m.
das lassen, in verschiedenen bedeutungen des verbums lassen; als einfaches wort selten und nur der ältern sprache eigen; wie unterlasz:
die gerechtigkeit ist ein sonderlich fasz,
und gibt jedem das sein sonder lasz.
Limburger chr. bei Kehrein 257;
verlassenschaft, nachlasz und die abgabe davon: ain herr von Petershusen sol nach dem ymbis niedersitzen und richten, umb erb, aigen, fäll und läsz. weisth. 1, 245;
väll und läsz muoszends swerlich geben,
die umb ir libnar tag und nacht tuond streben.
teufels netz 3429;
in der neuern sprache in compositen erhalten, vgl.ablasz, ↗aderlasz, ↗durchlasz, erlasz, nachlasz, unterlasz, verlasz u. a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 267, Z. 79.

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Zitationshilfe
„lasz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lasz>, abgerufen am 08.08.2020.

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