Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

laterne, f.

laterne, f.
1)
lichtbehälter, aus dem lat. laterna übernommen: latern, laterna, lucerna. voc. inc. theut. m 2ᵃ; lucerna ein latern, lucern. Alberus dict. Kk 4ᵃ; auʒ dem stain macht man ain künstendingel (etwas künstliches) zuo ainer latern oder zuo ainer lucern, daʒ allzeit print. Megenberg 434, 20; so hat ein erberger rat im nechsten (letzten) krieg furgenomen und bevalhe zu geben in die hernach geschriben eckhäuser grosz latern, die man ausz henken solt und liecht dorein stecken, wenn fewer ausz kem oder sust bei der nacht ein geleuft wurd. Tucher baumeisterb. 145, 21; und wil her aus nemen allen frölichen gesang, die stim des breutgams und der braut, die stim der müller, und liecht der latern. Jer. 25, 10; zur selbigen zeit, wil ich Jerusalem mit laternen durchsuchen. Zephanja 1, 12;
er öffnet der laterne reifen,
es zupfen finger lang und fahl
am dochte.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 145;
die magische laterne, laterna magica:
nirgend seh ich ein gedränge;
farbig glitzerts in der ferne,
irrend leuchten bunte sterne,
wie von magischer laterne,
schnaubts heran mit sturmgewalt.
Göthe 41, 42.
in der form lateiren: am ersten an des Laubingers haus am Heumarkt ein lateyren. Tucher 145, 30; nasaliert lanterne, dem span. prov. ital. lanterna, franz. lanterne entsprechend: von der vrouwen, diu dâ enzunte eine lanterren, umbe daʒ, daʒ si funde den zehenden pfenninge, den si dâ verlorn habe. Germ. 7, 339 (13. jahrh.); kärntn. lunteare, rhein. lanteer Lexer 173. — vgl.blend-, diebs-, hand-, haus-, stall-, straszen-laterne, und nach dem material aus dem sie vorzugsweise verfertigt, blech-, glas-, horn-, papierlaterne.
2)
in bildern und redensarten: also muͦst du ewiglich pletzen an deinem leichnam als an einer zerbrochen laternen oder zerbrochen fasz. Keisersberg Marie himelfart 12ᵈ;
es glänzet dein verstand, Aesopus, weit und ferne;
wie schade, dasz ihn fast (faszt) so schmutzige laterne.
Logau 3, 9, 22;
wer der natur laterne
geht nach, jrrt selten ferne.
3, 140, 18;
das auge wird einer laterne verglichen: dʒ aug dasz des lybes latern ist. Cyrill bl. 22ᵇ;
erscheint, erscheint mir doch, ihr fünkelnden laternen!
P. Fleming 603 (auf deroselben augen);
du mehr als göttlichs liecht zwei himmlischer laternen.
611.
sprichwörtlich: die laterne leuchtet andern, sich selber nicht. Simrock sprichw. 329; einen treuen freund musz man mit der laterne suchen (ist schwer zu finden); mein kopf ist wie eine laterne (wüst, gleichsam durchlöchert); von einem trunkenen sagt man er hat etwas in der laterne.
3)
laterne, in der architectur die runde kuppel auf einem dach, die wie eine laterne mit glasfenstern versehen ist. Jacobsson 2, 562ᵃ.
4)
laterne, der aufsatz von blech, den man über eine feuermauer stellt, damit der widrige wind den rauch nicht zurück treibe. ebenda.
5)
laterne, der drilling an einer zwirnmühle, worauf die wolle gezwirnt wird. ebenda; sonst ein kleines rad in einer maschine von rädern, welches von den zähnen oder kämmen der eigentlichen räder bewegt wird, diese räder unter einander zur bewegung verknüpft, und zugleich die bewegung beschleunigt; auch getriebe, trieb, drilling. 2, 76ᵃ.
6)
laterne, eine muschel des indischen ozeans, solen anatinus. Nemnich 4, 1321.
7)
laterne oder wüste blässe nennt man die blässe eines pferdes, wenn selbige weiter geht, als die nase. 5, 348.
8)
laterne des Aristoteles, laterna Aristotelis, das beingerüst eines seeigels. 5, 348. 2, 1460; das heiszt aber auch laterne des Diogenes: laterne des Diogenes wird ein sonderbares knöchernes gestell im innern der seeigel ... genannt. Blumenbach naturgesch. (1802) 455.
9)
laterne, der entfiederte körper einer gans oder ente, nach hinwegnahme des sogenannten jungen, d. h. des kragens, kopfes, der extremitäten von flügeln und füszen und der eingeweide. Schm. 1, 1526 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 276, Z. 17.

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Zitationshilfe
„laterne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/laterne>, abgerufen am 03.08.2020.

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