Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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lätsch, m.

lätsch, m.
ein schweizerisches, dem ital. laccio entlehntes wort, schleife, zumal an einem hals- oder brusttuche: das halstuch (war) scharf gebunden und ein groszer lätsch stand bolzgrad use (heraus). J. Gotthelf Anne Bäbi (1866) s. 14; dann auch die schlinge eines bandes:
sie windet rothe bendeli dri,
und macht e letschli dra.
Hebel 1, 136;
eines strickes, eines drahtes oder fadens zum vogelfangen; dann auch der brustlatz einer weiberschürze; bildlich ein verzogenes maul. vgl. Stalder 2, 158. Tobler 289ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 277, Z. 77.

latsch

latsch
[lâtsch].
1)
adj. latschend, breit:
so ging er gleich frisch querfeldein,
und zwar nicht über stock und stein;
sondern über äcker und gute wiesen,
zertrat das alles mit latschen füszen.
Göthe 13, 116.
in der Zips látsch schlaff. Schröer nachtr. 280.
2)
subst. masc., mundartlich in mehrfachem gebrauche.
a)
latsch ein mensch von schlürfendem, nachlässigem gange; düringisch du bist ein latsch, auch in der mehr scherzenden formel ein path (pathe, pathenkind) latsch; in Aschaffenburg latsch der die beine im gehen, die zunge im sprechen nicht recht aufhebt. Schm. 1, 1542 Fromm.; kärntnisch latsch träge unbeholfene person (mit dem fem. latsche). Lexer 173; tirol. latsch und latscher, mensch, der alles so gehen läszt, gutmütig-einfältig. Fromm. 6, 442; in der Zimm. chron. umgelautet lätsch: derselbig, nachdem er dann halb mentsch und halb lätsch, wie man sprucht, kam er uf ein zeit in Frankreich. 3, 536, 21. — Am Harz in der kunstsprache der finkenzüchter heiszen latschen solche finken des waldes, die schlecht singen und zur ausbildung unbrauchbar sind.
b)
latsch, plur. latschen, in Düringen und Obersachsen bequeme oder alte fuszbekleidung im hause, hausschuhe, pantoffeln; auch hauslatschen genannt; auch wol der fusz selbst, wofür aber mehr das fem. latsche (s. unten) gebräuchlich ist.
c)
latsch obersächsisch dünner, schlechter kaffe, kaffelatsch; in Siebenbürgen aber ist latsch dünner, wässeriger koth, dünne flüssigkeit. Kramer idiotismen des Bistritzer dialectes (1876) s. 79.
3)
das wort, das mit seinen verwandten (vgl. unten latsche, latschen u. s. w.) erst seit dem 17. jh. häufiger zu sein scheint, ist wol ableitung mittels -isch von einem älteren lat, das in der umgelauteten form let in dem compositum let-fuszer scarus (für scaurus, mit der erklärung schuchabtreter) Dief. 517ᵃ, plotus letfuszige, trutten 442ᵇ (beides 15. jh.) hervortritt, auch im bair. die lettfeige, zaghafter tropf, memme enthalten ist, und in verwandtschaft zu ahd. lotar, mhd. loter, mit dem grundbegriffe des lockern, wankenden, steht. hierbei erklärt sich, wie latsch sowol auf den gang, als auf kothiges und flüssiges bezogen werden konnte, ebenso wie das daran sich anschlieszende adj. latschig theils schlürfend im gange, theils schlotternd, schlaff (schwerfällig und einfältig, plump. Tobler 290ᵃ); theils aber auch wässerig, koticht bedeutet (vgl. Kramer a. a. o.), während die umgelautete nebenform lätschig in der Schweiz von fleische gilt, das zu weich, zu gelinde gekocht und hiemit ohne kraft ist (Stalder 2, 158), in Düringen aber von einem süszlich-faden geschmacke überhaupt gebraucht wird; henneberg. letschet, nicht ausgebacken Fromm. 3, 307.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 277, Z. 31.

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Zitationshilfe
„latsch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/latsch>, abgerufen am 06.08.2020.

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