Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

lau, m.

lau, m.
für leu, löwe: hastu nie gehört die fabeln? da der esel mit dem lawen in die wette schrei, und etliche thier für seinem geschrei flohen, das sich der law zu jm wand .. Luther 1, 360ᵇ;
das füchszlin ward gwar eins lawen.
B. Waldis Esop 1, 58, 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 285, Z. 22.

lau, n.

lau, n.
beizende flüssigkeit, lohe, gerberlohe (vgl.loh): aluta la, laa, läa, lo, alutum lohe, loe, lae Dief. 27ᵇ; cerdonium lowe 114ᵃ; low, lo, louch nov. gloss. 86ᵃ; nimm ein hafen voll safts, essig, alaun, kupferschlag, lasz mit einander sieden, stosz in das law das garn oder tuch, so ist es blau. Tabernaemontanus kräuterb. 1488. vgl. dazu auch unten laub 9.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 285, Z. 27.

lau, adj.

lau, adj.
tepidus.
1)
ahd. lauuêr tepidus, lauueʒ uuaʒʒer tepens aqua (Graff 2, 294), mhd. lâ, gen. lâwes, später erscheinen landschaftlich verschiedene formen, die durch die leicht veränderliche art des consonanten w veranlaszt werden: tepidus lawe, lae, law, lau, laͤw, la (und mit verhärtung des w) lab Dief. 578ᶜ; tepere lau, lae werden, tepescere law sin 578ᵇ; tepidus lew, low, lab nov. gloss. 361ᵇ, die aber alle seit dem 16. jahrh. zu gunsten der schriftgemäszen form zurücktreten: lauw, warmlächt, zwischend kaltem und warmen, tepens, egelidus, tepidus Maaler 265ᵈ. auch niederl. findet sich lau, lauw tepidus (Kilian), engl. landschaftlich lew, lau, lauwarm, auch blasz, verschossen. weitere bezüge des wortes sind unsicher, und weder das herangezogene nord. hlær, hlŷr lau, mild (vom wetter), noch das ags. vläc tepidus, goth. þlaqus weich, zart, das von Wackernagel handwörterb. 172ᵃ angeführt wird unter annahme, die ahd. form von lau sei aus hlâo entstanden, können sich als verwandte genügend ausweisen.
2)
lau ist was nicht oder nicht mehr entschieden warm empfunden wird: laues wasser; laue milch; der ofen ist nicht mehr warm, nur noch lau; lauwe oder kuͤwarme milch, tepidum lac. Maaler 265ᵈ; lauw wasser, congelida aqua. ebenda; lauw machen, wärmen bis es lauw wirt, tepefacere. ebenda; wiltu dasz esz wol gel sei, so czwer (rühre) saffran in ein labe milch und temperir es. küchenm. c. viij; das thuͦn in ein suber häfelin und geusz distelwasser dorüber, und lossze also ein wall darüber gon, und lossz es dann läb werden, also das es nitt zuͦ warm sei. Gersdorf feldb. d. wundarzn. 73; der wein wird lau, vinum tepescit. Steinb. 1, 990; dasz dieser feurige geist nicht immer sprüete und loderte, sondern unter ruhiger und lauer asche auch wieder nahrung an sich zog. Lessing 10, 3;
(der mörder) trug noch lau von blut
der fürsten, heisz entbrandt mit toller flammen glut
uns cron und heirath an.
A. Gryphius 1698 1, 139;
dort spielt ein wilder fürst mit seiner diener rümpfen,
sein purpur färbet sich mit lauem bürgerblut.
Haller (1768) s. 44;
das schwert ward lau vom blute des Troers.
Stolberg 12, 132;
gern von der witterung, namentlich in der dichterischen sprache:
nu was der wintir alsô lâ.
Jeroschin 10291;
laues wetter, tempestas moderata. Steinbach 1, 990; die luft ist lau, aura tepet. ebenda; laue abendwinde. Gotter 1, 73; laue weste. 185; mitten in lauen sommerdüften. Bettine br. 1, 131;
(die nymphen) die oft, bei lauer abendluft,
die dämmerung zu jungfräulichen scherzen,
und, wenn sie sicher sind, zum frischen bade ruft.
Wieland 10, 245;
da, wo der Kaukasus sein fabelhaftes haupt
den sternen zeigt, da liegt, von steilen felsenwällen
vermaurt, ein stilles thal, voll leicht bekränzter quellen, ...
lau wie der hain wo sich Dionens tauben gatten,
und dämmernd wie das land der schatten.
17, 133 (Idris 3, 1);
aber vollen blüthenregen
schüttelt schon der laue west.
Göthe 1, 132;
und ihr, wachset und blüht, geliebte lieder, und wieget
euch im leisesten hauch lauer und liebender luft.
292;
oft hab ich diesen weg gemacht,
wann goldner sonnenschein gelacht,
bei lauer lüfte kosen.
Uhland ged. 58;
in schönen sommertagen, wenn lau die lüfte wehn.
358;
und, hieran angeschlossen, in die bedeutung lind, milde übergreifend: o, wie sanft flosz es, wie eine weiche tonart, in Albanos liebewundes herz — das der hellere und lauere mond, und der insularische dämmernde kindergarten seiner ersten vorzeit, und die in seiner seele laut fort- und nachklingende stimme seiner mutter gewaltsam auflöseten. J. Paul Tit. 1, 38; (dasz er) serenissimum auf jahre in das lindeste laueste schlafen zu setzen .. verhoffe. herbstblum. 3, 265.
3)
übertragen auf das innere leben des menschen, lässig, nicht feurig oder thatkräftig, ohne rechte theilnahme oder begeisterung.
a)
vom menschen selbst: bistu aber trêge und laʒ und lêwe zuo gottes dienste und vihtet dich der lîp an oder diu welt oder der tiufel, und wilt du danne frisch werden und gewillig und unverdroʒʒen, so gedenke an vier ding. Germ. 3, 234ᵇ, 38 (14. jh.); forcht ist gut und nütz den hörten (harten) mönschen, den gotlosen und läwen, liederlichen menschen. Keisersberg irrig schaf c 3ᵃ; ich wolt das du heisz oder kalt wärest, aber darum das du läw bist, so fach ich dich an auszuwerfen aus meinem mund. seelenpar. vorred iijᵃ (nach offenbarung 3, 16); gott will uns kalt oder warm haben, läbe speiet er ausz. Philander (1642) 1, 285; lauwer, zager, forchtsamer mensch, tepidus homo Maaler 265ᵈ;
der dunst zerflieszt, der sein gesicht geblendet,
er staunt, er fühlt sich träg und lau,
und zürnt sich selbst, dasz er an eine fremde frau
so viel entzückungen verschwendet.
Wieland 10, 215;
sankt Käthe .. sie, die gewisz nicht lau
im punkt des wohlstands ist.
21, 315.
b)
in bezug auf gesinnungen, vorsätze, thaten und verrichtungen: ein mensch mag und sol etwenn sein gelübd oder fürnemen andren (ändern) .. nach eines andren erfarnen gottsförchtigen rat in ein nützers und bessers. aber nit in ein läwers als etliche tuond. Keisersb. seelenpar. 92ᶜ; also thuͦstu ouch wie ein ochsz, du zühst so iemermeder anhin in einem löuwen tregen und lassen willen. bilg. 133ᶜ; alle gericht sind lauw, und gond schlächtlich von statt, frigent judicia omnia. Maaler 265ᵈ; lauw kraftlosz predignen, conciones intermortuae. ebenda;
ein lauer kusz.
Gökingk 1, 219;
da, wie fast ich musz vermuten, deine liebe lau geworden.
Platen 86;
und, mit bezug auf die verwendung von lau bei witterungsverhältnissen (oben no. 2):
kaum merkte sie also, dasz der wärmemesser
von seiner liebe bis auf lau
zu fallen droht, so stimmt die schlaue frau
die saiten um.
Wieland 18, 180.
c)
in adverbialer stellung: das ist als von dem ich red, das wir also löuwe anhin gon hüt und morn. Keisersb. bilg. 133ᶜ; aber es geht lawe zu mit ewerem fromb werden, dʒ vil reiche leut werden, aber wenig fromb. Petr. 198ᵃ; weil das gesetz die ausländer betreffend, so lau beobachtet würde. Klopstock 12, 112;
wie
ihr mich empfingt — wie kalt — wie lau — denn lau
ist schlimmer noch wie kalt.
Lessing 2, 339;
die ihren gatten nicht lau, vor der welt nur, ehret.
Gotter 1, 254.
4)
lau auch mehr körperlich, schlaff, ohne anstrengung, abgeschmackt, fade, bair. en lawer bue, gegensatz des frischen, en labs redn, en laws gsang Schm. 2, 1400; der lew (schlaffe, kraftlose) mensch wärmet sich bei dem feuer und erflammet als ein hafen bei dem feuer. Keisersb. evang. 1517 88ᵇ; eine laue minute, eine minute in der man schlaff wird:
was ist ein vorsatz, was beständigkeit,
was männertreue, wenn in einer lauen
minute eine sechzigjährge regel
wie eines weibes laune schmilzt.
Schiller Carlos 5. 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 285, Z. 33.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
landmark lauffrohne
Zitationshilfe
„lau“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lau>, abgerufen am 07.08.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)