Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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laub, n.

laub, n.
frons, folia.
1)
goth. laufs, plur. laubôs als masc., in allen andern germ. sprachen aber neutr.: alts. lôf, ags. leáf, fries. lâf, altn. lauf; niederd. lôf, niederl. loof, loove, frons, frondes, coma, folium arboris (Kilian), engl. leaf, dän. löv, schwed. löf. als urverwandt wird angeführt litt. lapas blatt Fick² 850.
2)
das wort war in der ältern sprache noch nicht ausschlieszlich, nicht einmal vorwiegend collectivum, sondern bezeichnete auch (wie noch heute schwed. löf und engl. leaf) das einzelne blatt: folium laup, laub, niederd. blod ł lof Dief. 241ᵇ, vgl. auch unten läubchen und läublein;
dâ wirt gedrucket   von zwein herzen sô nâ,
loup wart nie sô dünne,   des stat man vunde da.
minnes. 1, 112ᵃ Hagen;
ein abgefallnes laub, ein saures tröpflein wein,
was hat es mit dem baum, was mit dem most gemein?
Angelus Silesius cherub. wandersmann 6, 46,
und noch heute, wenn es im sprichworte heiszt zittern wie ein laub (vgl. auch unter espenlaub theil 3, 1158):
Phorbas gieng zu seinem lieb, als er kam für derer thür,
zittert er als wie ein laub.
Logau 2, 81, 11;
erschrocken hält er still,
fängt wie ein laub
euch an zu beben.
Wieland 18, 311;
vgl. mhd.: unser leben und unser jugent
ist ein nebel unde ein stoup,
unser stæte bibent als ein loup.
a. Heinrich 724;
namentlich im häufigen plural, der manchmal in der singularform auftritt:
eʒ was in einen zîten,   sô diu loup entspringent.
Gudr. 11, 3;
gewöhnlich aber als mhd. löuber, ahd. loubir: inti gisah einan fîgboum .. inti ni fand niouuiht in imo nibi ekkorôdo thiu loubir. Tatian 121, 1;
ich grüener walt wil abe mîn lôuber brechen.
minnes. 1, 11ᵃ Hagen;
er wære alsô zerfüeret,
reht als diu leuber tuot der wint
immer sôs ervalbet sint.
frauendienst 146, 6;
mnl. lover: het was in enen sinxen daghe
dat bede bosch ende haghe
met groenen loveren waren bevaen.
Reinaert 43 Martin;
welche pluralform auch im nhd., vereinzelt selbst bis in die neue zeit, dauert: dieselben (sträucher und bäume) bringen blüte, lauber und fruchte. A. v. Eybe 42ᵇ; do panten sie in (sich) zusamen die lewber der feigenbaum und machten in wedel und bedeckten sich. bibel von 1483 6ᵃ (1 Mos. 3, 7: und flochten feigenbletter zusamen Luther); und sie (die taube) kam zu im am abent bringend ein zweig des ölbaums mit grünen laubern in irem mund. 8ᵇ (1 Mos. 8, 11: ein oleblatt hatte sie abgebrochen);
dafür sollst du beständig rauschen müssen,
und dich in allen deinen zweigen regen,
und selbst im allerstillsten wetter
mit deinen grünen läubern zittern!
Tieck 2, 337;
bei Klopstock ein pl. laube (vgl. dazu auch technisch unter 6):
so umwinden sein haupt
laube des hains.
7, 10.
bair. ist die pluralform auch im sing. gebrauch: en laber a'reiszn, auf enn laber pfeiffen. Schm. 1, 1404 Fromm.
3)
laub ohne plural, das blattwerk an bäumen und sträuchern (an stauden und kleinen pflanzen heiszt es kraut th. 5, 2105. 2106, daher ungewöhnlich erdäpfellaub J. Gotthelf Käthi die groszm. 2, 95, doch vergl. auch das compos. hauslaub hauswurz): goth. jah gasaíhvands smakkabagm faírraþro habandan lauf. Marc. 11, 13 (ἔχουσαν φύλλα griech., der bletter hatte Luther); ahd. noh sîn (des baumes) loub ne rîset. Notker ps. 1, 3; mhd.
der (walt) ist nû niuwes loubes vol,
der winter hât ein ende.
Neithard 3, 25;
nhd. ein cederbaum auf dem Libanon, von schönen esten, und dicke von laub. Hes. 31, 3; hawet den bawm umb, und behabet jm die este, und streift jm das laub abe. Dan. 4, 11; sein (des rüsterbaumes) laub nicht so lustig und köstlich ist wie der eichen und des kestenbaumspletter. Sebiz feldb. 538; nur dasz es (das holz der esche) etwas härter, das laub aber merklich kleinbletterichter ist. Göchhausen not. ven. 178;
bäume ziert so laub als blüthe.
Günther 176;
wie lieblich flistert dort im hain
der schlanken espen furchtsam laub.
E. v. Kleist (1765) 105;
gebet den kühen die kälber, und gebet die fersen den stieren,
dasz sie weiden zusammen, und irren im laube der büsche.
Stolberg ged. (1779) 222;
bekränzt mit laub den lieben vollen becher!
Claudius;
der wind im hain, das laub am baum,
saust ihm entsetzen zu.
Hölty 187 Halm;
auch stand, den manen des gemahls geweiht,
im hause eine marmorne kapelle,
verehrt von ihr mit frommer zärtlichkeit,
geschmückt mit manchem laub und glänzend weiszem felle.
Schiller Dido 84
(velleribus niveis et festa fronde revinctum.
Virg. Aen. 4, 459).
ein baum bekommt laub, steht im laube, läszt das laub, das laub schlägt aus, fällt ab: disz geschlecht der bäume (haselnuszstaude und hagendorn) ist das jenig, welches im früling zum aller ersten laub uberkommet. Sebiz 539;
die pomeranze, die citrone steht
im dunkeln laube und die feige folgt
der feige.
Göthe 57, 318;
die birken lassen gehn ihr laub die grüne ziehr.
Opitz 2, 284;
die wälder trauern entblöszt; das laub der geselligen linde
wird weit umher in die thäler gejagt.
Ramler ged. 1, 12;
das laub fällt von den bäumen,
das zarte sommerlaub.
A. Mahlmann;
grünes, dunkles, gelbes, welkes, falbes, dürres laub:
kennst du das land, wo die citronen blühn,
im dunkeln laub die gold-orangen glühn?
Göthe 1, 177;
dem falben laub.
Rückert ged. 2, 448;
die bäume stehn der frucht entladen,
und gelbes laub verweht ins thal.
Voss 5, 7;
du, welkes laub, das niederschauert.
s. 9;
da rauscht das dürre laub empor.
Hölty 38 Halm;
auf des dürren laubes bräune
hat der tod sein bild geprägt.
Matthisson in Wackernagels leseb. 2 (1876), 1262, 9;
laub harken, laub rechen; laub streifen, das laub einiger baumarten als viehfutter abstreifen. formelhaft verbunden ist laub und gras: der kurfürst von Sachsen schrieb ihm, wo diese gesellen (die Jesuiten) immer hinkämen, da sei laub und gras verdorben. Beckers weltgesch. 8, 225;
ich sach swaʒ in der werlte. was,
velt walt loup rôr und gras.
Walther 8, 31;
da Jesus in den garten gieng
und er sein leiden anefieng,
da trauret alles das da was,
es trauret alles laub und gras.
Uhland volksl. 886;
wo sich zwei verliebte scheiden,
da wächst nicht mehr laub und gras.
Vilmar handbüchl. d. d. volksl. 184;
laub und gras das mag verwelken,
aber treue liebe nicht.
ebenda;
in einer rechtsformel laub und gras versagen, das heimische land versagen, verstoszen: als .. Segesthes Thusznelden auf den fall fernerer weigerung laub und grasz versagte. Lohenstein Arm. 1, 1251ᵇ;
fehl-trettenden wird nicht stracks laub und grasz versagt.
Sophonisbe 65, 248.
laub in bildern und vergleichen: er zittert, bebt wie laub; das mädchen zitterte wie äspenlaub. Wieland 8, 135 (über zittern wie ein laub vergl. oben unter 2); geld haben, verdienen wie laub: wenn du ihn (den bau) nach diesem überschlag erhältst, so verdienst du geld wie laub. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 20; der geneigte leser sagt: ein könig hat geld wie laub, warum kauft er dem nachbar die mühle nicht ab, und läszt sie niederreiszen? Hebel 3, 125;
den loubes sî an boume.
Herbort 2243;
ihr konntet euch ... erfrechen, gegen euer gewissen die geheimnisse zweier bedeutender brüder und eltern aus dem laub heraus zu ziehen? J. Paul flegelj. 1, 48.
4)
wir unterscheiden laub von den nadeln der tannen-, fichten- und lärchenbäume, während die Engländer ihr leaf, plur. leaves auch vom nadelholz brauchen. doch ist auch bei uns der unterschied nicht durchaus festgehalten:
Cicellens fichte bringt
ein neues laub herfür.
Opitz 2, 284.
5)
laub, im forstwesen auch die jährliche belaubung eines waldreviers: der schlag steht im dritten laube; die jungen häue bis auf das vierte oder fünfte laub verbieten (auf so viel jahr als das holz braucht wieder nach zu wachsen, damit es sonderlich vom vieh nicht beschädigt werde). Frisch 1, 583ᵃ. laub, usus sylvae caeduae, ratione majoris aut minoris praedii rustici: ein hof als das gröszere bauren-gut, hat das ganze laub. ein gütlein das halbe laub am holze. ebenda (aus Besolds thesaur. practicus), in bezug auf einen gemeindewald.
6)
laub, bei den winzern: wein vom vergangenen laub. Schm. 1, 1404 Fromm. vgl. schweiz. läubrig, löbrig, jährig, nur vom weine: dreilöbriger (dreijähriger) wein. Stalder 2, 160. vergl. auch dreigläuber, dreiläuber oben theil 2, 1383. 1385.
7)
laub, in künstlerischer nachbildung:
sîn helm was mit zwein hornen
gezieret wol in fürsten wîs ..
ûʒ in gesloʒʒen und gezogen
von golde löuber wâren,
diu glast der heide bâren
rîlîchen und schône,
und mit ir klanges dône
gefröuten maniger muoter kint.
Konr. v. Würzb. turnei 493 Bartsch;
solches laub als ordensschmuck: der rothe adlerorden mit eichenlaub; bildlich: für die schleife oder das laub das sie mir an meinen französ. orden gehängt haben, danke ich schönstens. J. Grimm Germ. 11, 510, brief an Hoffmann von Fallersleben mit bezug auf ein die ordensertheilung besingendes gedicht des letzteren; bei schlossern das blätterwerk an zierschlössern und gittern, wo auch (nach Adelung) der plur. laube üblich; in der baukunst das blätterwerk an säulen, kapitellen, friesen; bei malern und kupferstechern der baumschlag; laub von silber- oder goldflittern am weiblichen kopfschmuck. Frisch 1, 583ᵃ (aus der Rostockischen kleiderordnung von 1585); vgl. schweizerisch läubeli, läubli flittergoldblättchen Stalder 2, 160.
8)
laub im kartenspiel: laub in der karte, familia viridium Stieler 1079; laub oder grün im chartenspiel, folium frondis Frisch 1, 583ᵃ.
9)
schweiz. laub, nesselfieber oder vielmehr der ausschlag desselben, rotlauf (Stalder 2, 159, vgl. auch unten laubfleck) gehört nicht zu laub frons, sondern ist das ahd. lîh-lâ varix, lîh-lauui cicatricem, lîh-lôi cicatrix, vestigium vulneris Graff 2, 162. 163, fries. niederd. lîklâve Dief. 117ᵃ, das wol den begriff des brennenden oder beizenden enthält, und am nächsten dem neutr. lau gerberlohe verwandt ist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 287, Z. 31.

laub, m. oder n.

laub, m. oder n.
erlaubnis. neben dem fem. laube gleicher bedeutung (s. an alphabetischer stelle) kommt ein laub in quellen des 15. und 16. jh. vor (wie es sonst in erlaub, verlaub, urlaub erscheint), allerdings nicht immer von laube scharf auseinanderzuhalten: es entspricht dem engl. leave, ags. leáf permissio, niederl. lof, .i. verlof, copia, permissus, permissio, venia (Kilian), altn. leyfi, schwed. lof, dän. lov; ein einfaches loup venia ist ahd. mhd. nicht belegt. das geschlecht läszt sich mit voller sicherheit nicht bestimmen, weil das wort meist in formeln erscheint, die des artikels mangeln: e. f. g. wollt uns gnädiglich dieses nothbaus gunst und laub erzeigen. Luther br. 1, 283; dasz er doch .. ein ampt .. mit gonst und laub e. k. f. g. uberkomen mochte. 381; bei euch laub zu erwerben. Aimon bog. T; ich .. gib euch laub zu reiten wann euch geliebt. bog. X 1; mit laub zu reden. Katzip. h 3;
da hupft ich her ümbher, das ich mich stiesz,
das ich mit laub ain clains fürzlein liesz.
fastn. sp. 729, 18;
heur hört ich von im mit laub ainn fist.
737, 3;
wer entlich glaybet sölcher mer,
das gott zuͦ sünden zwinger wer,
der fleyszt sich warlich päser dück,
und ist mit laub ain ketzerstück.
Schwarzenberg 155ᵇ;
ich reit nicht gern so ferr hindan,
wölt irs zuͦ fuͦszen wagen
mein laub habt ir daran.
Uhland volksl. 346.
Luthers mit laube zu reden 6, 499ᵇ kann hierher oder zum fem. laube gehören. laub erlaubnis ist ein seit erst etwa 150 jahren aus der hennebergischen volksmundart verschwundener ausdruck. Fromm. 2, 212 anm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 287, Z. 1.

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Zitationshilfe
„laub“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/laub>, abgerufen am 10.08.2020.

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