Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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laube, f.

laube, f.
vorbau; sommerhäuschen eines gartens u. ähnl.
1)
das ahd. louba, das wie die nebenform louppa und das spätere umgelautete leube lehrt, für loubja steht, und das zweifellos auf laub frons zurückzuführen ist, bezeichnet eine besondere art des nationalen bauwesens, das aus reisig, ästen, hürdenwerk errichtete kleinere oder schlichtere werk (im gegensatz zu dem festeren gebäu, welches aus stämmen oder bohlen zusammengefügt ward), wie solches öfters erwähnt wird, Gregor von Tours weisz z. b. von dem so construierten vorbau eines königlichen hauses und einem kleinen bethause zu berichten: stabat rex juxta tabernaculum ramis factum. 5, 19; oratorium .. intextis virgultis in sublime construxerat. 8, 33. man musz in den südgermanischen gegenden (im norden fehlt ursprünglich der name) diese bauart in manigfachem gebrauche gehabt haben: ahd. louba umschreibt umbraculum, scena, propolas (propolas louppun ł tranchus Dief. 466ᵃ), mappalia, proscenia, auch tempis, wobei zu bemerken, dasz später ein tempa kemenade, kemenate ł kammern glossiert erscheint (Dief. 576ᵇ). in das romanische ist das wort aufgenommen, churwälsch als laupia emporkirche, lombard. piemont. lobia, sonst mit zischlaut, franz. loge, ital. loggia, nasaliert span. lonja, hütte, zelt, gallerie u. ä. (vgl. Diez wb. 1, 253). die italiänische form kehrt später zu uns als letsche zurück: in den dingen hatt sich genähert das fest der loubertag, in dem die Juden vor iren heusern letschen oder hütten von loub machten. Keisersberg post. 2, 104ᵃ. — Mit der ausbildung der deutschen bauart unter einwirkung altrömischer tradition verschwindet wol die alte bedeutung des wortes als eines von ästen zusammengefügten baues, nicht aber der name, der nun für einen offenen, leichter construierten raum, meist in verbindung mit einem hause, genommen wird: porticus vorlauben Dief. 448ᶜ; cenaculum lǒbe, lauben ł soler, dar uff man gewonlich iszt 111ᶜ; solarium sumer- ł eszlaub, ein don ł lobe 540ᵇ; tabernaculum leube, loub-hut, summerhusz 571ᵃ; lauben, vulg. ein soler, lobium, .i. cenoculium, hutte. voc. inc. theut. m 2ᵃ; lauben, coenaculum, darinn man znacht iszt. Maaler 264ᵈ; lauben, trinklaub, diaeta. ebenda; in der manigfachsten art, wie in oberdeutschen landstrichen bis auf heute: an den bairischen und schweizerischen bauernhäusern ist die laube ein äuszerer gang, altane, gallerie um ein oberes stockwerk. Schm. 1, 1405 Fromm. Stalder 2, 159; an städtischen und adlichen häusern eine galerie an der hinterseite eines obern stockwerks, für esz- und wirtschaftszwecke benutzt, dasselbe was in mitteldeutschen gegenden der gang heiszt (vgl.gang II, 1, f, α theil 4¹, 1226): do wischt das volk auf und begunde zu rauschen und zu eilen von der lauben auf dem slos zu Nuremberg ein stygen nyder. d. städtechron. 3, 273, 9; in verbindung mit einem abtritte, laube bairisch und schweizerisch auch der abtritt selbst; sonst ein luftig gebautes obergeschosz, söller, estrich, bühne, boden eines hauses und ähnliches (im Allgäu und der Schweiz selbst die hausflur): da er nun hinaus war, kamen seine knechte hinein, und sahen das die thür der sommerleube verschlossen war, und sprachen, er ist vieleicht zu stuel gangen in der kamer an der sommerleube. da sie aber so lange harreten, bis sie sich schemeten, denn niemand thet die thür der leuben auf, namen sie den schlüssel und schlossen auf. richt. 3, 24. 25; stiege er auf die läuben. Kirchhof wendunm. 102ᵇ; obwol jr kästen und leuben von allerlei zu diesem leben notwendigen dingen uberflüssig angefüllet und versehen (waren). 185ᵃ; in Hessen läube, der obere theil des hauses, oberes stock und bodenraum, bôrläube emporkirche. Vilmar 238. in Appenzell heiszt die lauba auch im stalle ein raum (bühne), z. b. zur aufbewahrung des laubes. Tobler 294ᵇ, vgl. auch kornlaube. der begriff des dachraumes verbindet sich so mit dem worte, dasz man es mit dach synonym braucht: er bringet seine kinder auch unter jr dechlin, und bleibt unter jrer (der weisheit) lauben. Sir. 14, 25. laube als steinbau, vorhalle einer kirche, eines tempels, eines thores, ist weiter verbreitet als in der vorher angegebenen bedeutung: haben ein hall oder laube für der pforten, Trigemina genannt, aufgeführt. Rihel Liv. 494; halle unter der gericht gehalten wird, vgl. gerichtslaube (die Berliner gerichtslaube ward erst anfang 1871 abgebrochen): fügten sie sich, eh sie etwas aszen oder tranken, zu dem capitolio oder der gemeinen laub und hallen uber dem statthor und trugen daselbs jhr klag für bei dem könig Picrocholo. Garg. 199ᵇ; am häufigsten jedoch als bedeckter gang einer strasze oder eines marktes mit verkaufsplätzen: unser herre der künig hat sogetan gnade der stat getan, daʒ man von seiner haiʒe die kelrs helse und die lauben hat vor den judenhewsern abe gebrochen. Nürnb. pol. ordn. 288; in Marienburg und andern städten Preuszens kommen noch am markte bedeckte gänge vor, die den namen lauben führen. Sturm übersetzung der Vignola (Amsterdam 1700) 34; (die) volksmenge, die in den gewölbten lauben, welche man fast durch alle straszen verbreitet sieht, geschützt vor sonne und witterung, hin und herwandeln, gaffen, kaufen und ihre geschäfte treiben kann. Göthe 28, 164. noch in vielen städten gibt es dergleichen, die den namen vermehren mit dem, was in ihnen feil geboten wird, vgl.brotlaube, tuchlaube; kauflaube, gewerbslaube. von der wölbung solcher gänge her wird laube mit gewölbe identisch genommen:
der ist so gut ein thor,
wer seine kunst zur laube
des himmels hebt empor,
als wer herab zum staube
der kegelbahn sie stöszt.
Gökingk 2, 87.
2)
wenn ahd. louba auch die in garten und feld zur wacht errichtete hütte bezeichnete (magalia louba ł hutta Prudentiusgl. in Haupts zeitschr. 16, 25, 174), so übernahm eine zur entwickelung gelangte gartenkunst, indes wol schwerlich vor dem 16. jh., den namen zunächst für bedeckte gartenpartien, die durch sträuche oder ranken gebildet wurden: pergula, ein gang in eim garten, zuͦ beiden orten mit räben oder bluͦmen, und stauden eingeschlossen, ein laube Dasyp.; durch eine laube gehen, per pergulam ambulare Steinbach 1, 990; die hügel am fusze der berge sind mit wein bebaut (um Botzen). über lange, niedrige lauben sind die stöcke gezogen, die blauen trauben hängen gar zierlich von der decke herunter und reifen an der wärme des nahen bodens. auch in der fläche des thals .. wird der wein in solchen eng an einander stehenden reihen von lauben gebaut. Göthe 27, 33; und in diesem sinne ist laube bis ins 18. jh. hinein gewöhnlich: lauben sein gewisse in groszen lustgärten angelegte und bedeckte gänge mit untermischten hütten oder lusthäusgen. öcon. lex. (1731) 1370;
itzo tritt er am hohen mittage mit seiner gesellschaft
aus den kühlen lauben, und dunklen schattigten gängen.
Zachariä tagesz. 43,
vergl.laubengang. für das, was wir heute laube nennen, war der name seit dem 16. jahrh. gewöhnlich lauberhütte, laubhütte, obschon auch laube in diesem sinne schon begegnet und von Stieler, später von Steinbach, Kramer, Frisch verzeichnet wird: es war eine sommerleube, oder lauberhütten. Luther 3, 223ᵃ; vgl. niederl. loove, umbraculum frondeum Kilian; doch ist das wort erst in der dichtersprache des vorigen jahrhunderts zu rechter geltung gekommen: die ganze familie war in einer groszen laube versammelt, die von rosengebüschen und etlichen in die runde gepflanzten bäumen formiert wurde. Wieland 8, 131; lauben von schasmin und vielfarbigen rosen. 11, 193; so würde er doch .., hätte er sich mit ihr in einer einsamen laube befunden, ihre liebkosungen wahrscheinlich nicht unerwiedert gelassen haben. Göthe 18, 213;
sie pflanzten lauben hin, wo er zu weiden pflag.
Wieland 10, 139;
dein (der phantasie) allmächtiger wink ..
streut eine tempe mir hin, bauet mir lauben auf.
Hölty 117 Halm;
küsse flüstern aus den lauben
um die abenddämmerung.
140;
es grüne die laube,
die küsse verschlieszt.
177;
du (mond) blickst umsonst so hell und klar
in diese laube nieder;
nie findest du das frohe paar
in diesen schatten wieder.
181;
wo, von jasmin umgittert,
die laube traulich winkt.
Matthisson ged. (1794) 17;
'ist nicht eine stille laube dabei (beim garten)?'
sogar ihrer zwei,
an beiden ecken.
Göthe 1, 206;
und nachtigallen schmettern,
die jede laube hegt.
Platen 30;
wenn du sammelst goldne trauben ein,
hüllen reben dich in lauben ein.
73;
bei Klopstock laube wie hütte, kleines ländliches haus:
deiner friedsamen laube, der jungen tugenden wohnung,
hat kein sturm, kein donner, kein todesengel geschonet.
3, 51;
du hütte,
wo er weinete, sei mir die laube der ersten unschuld!
ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 290, Z. 64.

laube, f.

laube, f.
erlaubnis, mhd. loube, besonders auch in mitteldeutschen quellen häufig: venia laube Dief. 610ᵇ; wenn ein genosse buwen wil, so soll er komen gen Swarzach zue eim apt mit hangender hant, und by jm die loube gewinnen. weisth. 1, 427 (Schwarzwald, 15. jh.); auch sullen sie kein holz, pretter noch anders von der arbeit on laube nit tragen. Tucher baumeisterb. 39, 29 (on laub 42, 28); zum andern folget, das lauter büberei des teufels ist, das der bapst briefe verkeuft und laube gibt, butter, fleisch etc. zu essen. Luther 2, 109ᵃ;
daʒ si im vrîe loube
gab mit irre holde,
daʒ er sich munchen solde.
Jeroschin 22615;
dem wil ich die laub geben
das er eur lob sol wol erzelen.
fastn. sp. 704, 22;
so bit ich gnediger fürst und herr,
dasz ich mit euer laub zu hand
besuchen möge mein vaterland.
historia Magelonae E 3ᵃ;
wie sehr bin ich erfrewet doch
weil ich des herren laube hab.
E 4ᵃ.
auch als schwaches masc. der laube: wer dan dem arm man korns noth, so soll er lauben heischen, den lauben soll man ihm geben. weisth. 2, 165 (Hundsrück, v. 1498); vielleicht auch im folgenden: item weist man auch mit recht, dasz die gemein zue Bockenau holz hab macht zu hawen in dessen abts wälden .. doch mit wissen des hoffmans, gibt er lauben, wohl, wo nit, so hats gemein doch von alters her zue thuen. 168. vergl. auch laub oben sp. 287. seit dem 17. jahrh. ist das wort in der schriftsprache verschollen; doch noch bair. die laube, laub Schm. 1, 1406 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 292, Z. 61.

laube, lauben, f.m.

laube, lauben, f.,m.
der weiszfisch, cyprinus leuciscus. Nemnich 2, 1364; bair. die lauben Schm. 1, 1405 Fromm.; bei Hohberg öfter erwähnt, z. b. 2, 468ᵃ. 490ᵃ. 507ᵃ; deszgleichen vergasz er sich auch nicht mit frischen fischen ... weisz und gangfisch, rüdling, kelchlin, lauben, truschen, ropelen. Garg. 56ᵃ; lauben, libex, est quidam piscis. voc. inc. theut. m 2ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 293, Z. 8.

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Zitationshilfe
„laube“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/laube>, abgerufen am 14.08.2020.

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