Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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laufen, läufen, verb.

laufen, läufen, verb.
wie läufeln sp. 314, nüsse schälen: die nusz, so sich leichtlich lassen laufen und ausz der schalen thun, sein gemeinlich bösz und wurmecht. Keisersberg bei Höniger narrensch. 12ᵇ. in Breslau heiszt lœfen die frucht aus den hülsen, schalen herausnehmen, die kerne aus dem obste ausmachen und die harten fasern von den bohnen abziehen. Fromm. 4, 176.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 325, Z. 72.

laufen, läufen, verb.

laufen, läufen, verb.
wie läufeln sp. 314, nüsse schälen: die nusz, so sich leichtlich lassen laufen und ausz der schalen thun, sein gemeinlich bösz und wurmecht. Keisersberg bei Höniger narrensch. 12ᵇ. in Breslau heiszt lœfen die frucht aus den hülsen, schalen herausnehmen, die kerne aus dem obste ausmachen und die harten fasern von den bohnen abziehen. Fromm. 4, 176.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 325, Z. 72.

laufen, verb.

laufen, verb.
currere.
I.
Formelles.
1)
goth. hlaupan; alts. altnfr. hlôpan, loupan, niederd. niederl. lopen; ags. hleápan, altengl. hlepen, lepe, engl. leap; altfries. hlâpa; altn. hlaupa, schwed. löpa, dän. löbe; ahd. hloufan, mhd. loufen. als urverwandt wird hingestellt litt. klumpù, klùpti stolpern, klìpytuͦti schwankend gehen, griech. κραιπνός (für κραπινος), καρπάλιμος reiszend schnell, κάλπη trab, lat. carpentum wagen (Fick² s. 348).
2)
die formen der 2. und 3. sg. des präsentialen indicativs verschlieszen sich im mhd. dem umlaut, und diesem brauche folgen bis auf heute die oberdeutschen und einzelne mitteldeutsche mundarten, auch schriftsteller, die solchen mundarten einwirkung auf ihre sprache gestatten:
wer sich zukauft,
der lauft
weit vor.
Zinkgref apophth. 1, 187;
namentlich die Schlesier:
sieht alles unter sich, lauft seinem tod entgegen.
Opitz 1, 158;
sie macht ein feuer auf, ist mühsam und geschwinde,
lauft hin und milkt die küh.
157;
ein flusz verräth durch rauschen sich, dasz er sehr tief nicht lauft,
ein bothe, dasz er müde sei, wann er sehr schwitzt und schnauft.
Logau 1, 223, 24;
der stiefel lauft schon von den füszen.
Günther 167;
bei Göthe wechselt die unumgelautete und die umgelautete form: sie läuft wieder nach dem schranke. 14, 260; beides lauft auf eins hinaus. 56, 218;
das läuft mir durch das rückenmark,
bis in die grosze zeh.
1, 20;
das arme kind im schrecken
es lauft, es kommt als wie im traum.
224.
die umgelautete form du läufst, er läuft ist zunächst eine mitteldeutsche: item ist esz, das ymant, es sij tag odir nacht, leufet gewappent zu einem gereüfe (rauferei). Mone zeitschrift 7, 18 (Mainzer friedensbuch um 1430); ihr entspricht aber in oberdeutschen quellen, die au in â verwandeln, also für laufen lâfen sagen (im bairischen und schwäbischen, vergl. Weinhold alem. gramm. § 87. bair. gramm. § 40), läfst, läft: der dromedar läfft und arbait mer in aim tag wann ain rosz in dry tagen. Schm. 1, 136 Fromm. (von 1477). durch Luther erlangen die umgelauteten formen verbreitung und maszgebendes ansehen: zum ersten leuft er zu gott. 3, 1ᵇ; wenn du einen dieb sihest, so leufestu mit jm. ps. 50, 18; sein wort leuft schnell. 147, 15, und so immer; die grammatiker des 17. jh. (z. b. Schottel 589) führen keine andere formen auf.
3)
die präteritalformen treten in mehrfacher gestalt auf.
a)
die ahd. form, wie sie sich aus der ehemals reduplicierenden (goth. hlaihlaup) herausgebildet hatte, war hliof, liof, liaf, lief, auch liuf: uuec dînerô gebote liuf ih. Notker ps. 118, 32; eine form, wie sie neben dem überwiegenden lief auch im mhd. sich noch findet:
er liuf fon in in allen gâhen.
genes. in den fundgr. 2, 66, 36;
wie liufen die hunde?
Seifr. Helbling 4, 406;
im lewff wol gelukches rad.
Suchenwirt 43, 47;
und während lief in der spätern zeit zu lêf (geschr. leff) wird:
er leff do hin in schneller eil,
do ain beck schöns prot hett fayl.
Keller erzählungen 106, 12;
und leffen zu in baiden her
und fragten, wie in gschehen wer.
108, 30;
musz die spätere form lûf, plur. lûfen, die sich, wegen der unten unter b aufgeführten form loff wahrscheinlich bald kürzt und in der schreibung luff auftritt, als ausläufer der form liuf angesehen werden: als das eis ergieng, das mocht zuͦ Regenspurg sein rechten gang nit gehaben und luff durch den hoff. d. chron. 4, 113, 11; also dasz wer zur selbigen bildnusz luff, wann er auch ein unredliche that begangen hätte, so wurd er gefreiet, wegen desz bilds Beli. J. Nas warnungsengel 51;
eins mals ich gern zum bruͦder luff.
Funkelin Lazarus F iijᵃ;
ebenso die alemannische nebenform lüf: (Tell) lüff durch Switz usz schatten halb. Etterlin in Wackernagels lesebuch 3, 1, 73; schosz inn (den Geszler) ze tode, und lüff wider hindersich über die berg gen Ury. ebenda; er hatt sein brauch an jm, das er von einem dorf zuͦm andern lüff. Wickram rollw. 80, 21. unterbairisch ist die form liff (Schmeller mundarten 2, 443).
b)
die bis in dieses jahrhundert gebräuchliche form loff, plur. loffen, part. prät. geloffen bringt das verbum in die reihe der ablautenden. sie hat sich offenbar nach saufen, prät. soff verhältnismäszig erst spät gebildet, und in den gegenden, in denen bei dem letzteren verbum der alte präsentiale û-laut (ahd. sûfan, mhd. sûfen) in au übergetreten war; seit dem 15. jahrh. ist sie dann häufig nachzuweisen: do verloff sich gar vil tayding. d. städtechron. 1, 76, 26 (Nürnberg); da loffen sie mit groszem sturm in das geschlosz. 5, 291, 31 (Augsburg); nochdem der Cuncz Preusz, müller, .. mich als der stat paumeister etwen oft hot angeloffen. Tucher baumeisterb. 317, 24,
und kompt zem wirt geritten und geloffen.
teufels netz 12757;
nun bin ich ouch lang nachin geloffen (: hoffen).
N. Manuel 362 Grüneisen (ähnlich 405);
als Eva hort des segens wort,
da loff sie fort,
holt ire kinder iegliches von seinem ort.
H. Sachs dicht. 1, 213, 29 Gödeke;
denn ich bin meim herrn entloffen.
J. Ayrer 360ᵈ (1808, 16 Keller);
aber heut an dem morgen fru
da loff mir ein edler hirsch zu.
453ᶜ (2279, 17);
hätte man aber erst die stücke und alle zugehör von Münster oder Ham herholen sollen, so wäre gar viel mühe, zeit und unkosten darauf geloffen. Simpl. 1, 283 Kurz; hat sich aus dem athem geloffen. Mattheson kleine generalbaszschule 62; wenn dir nur ein finger weh that, kamst du zu mir geloffen. H. L. Wagner kindermörderin 60; von fremden werd ich auch stark überloffen. Wieland in Mercks briefs. 2, 202; vor einer citation gegen eine verlaufene frau, steht (in der zeitung) eine dame im reisehute; und ein wilder mann mit einer keule bedeutet, dasz in dem artikel von einem verlornen oder verloffenen menschen die rede sei. Möser patr. phant. 1, 182;
bis endlich, wider verhoffen,
nachdem sie beide, sich suchend, die erde rund umloffen,
sie, vor dem thor zu Lyon, wo sie zu hause sind,
einander in die arme rennen.
Wieland 5, 54 (n. Amad. 13, 25);
dasz ihm die thränen am backen herunter geloffen (: verhoffen).
102 (15, 29);
wenn sich ein kind im leichtsinn hat verloffen,
so stehn ihm doch die mutterarme offen,
so bald es schreit.
Schubart (1787) 1, 64;
und was ich auch für wege geloffen,
aufm neidpfad habt ihr mich nie getroffen.
Göthe 2, 256;
nicht jeder hat so viel verstand
wie Flaccus, der so kühn davon geloffen (: angetroffen).
H. Heine 18, 161;
treffe, herr, die kapuziner,
wie du Pharaon getroffen,
der uns nachgesetzt, als wir
wohl bepackt davon geloffen.
222.
ein vornehmlich schweizerisches part. prät. gelüffen schlieszt sich näher an die präteritalform lüf (oben a) an: do was ich uffgestanden und durch den schne näbend eim wiger in ein husz geliffen. Th. Platter s. 6 Boos; wie ich alle land was usz geliffen in Tütschland. s. 36; er ist in minen nötten von mir geliffen. s. 73; verlüffen, umbschweifig, der an keinem ort nit bleibt, multivagus Maaler 424ᵈ;
Anthonius wardt mit tusent schiffen
von Augusto überlüffen.
Murner geuchmatt in Scheibles kloster 10, 1106.
auch im bairischen unterlande ist das part. geliffen üblich (Schm. 1447 Fromm.).
c)
da für laufen im bairischen und fränkischen sprachgebiete auch die form lâfen eintrat, so begreift sich die präteritalform luof als übertragung des ablauts der a-ô-classe auf ein reduplicierendes verbum (wie von blâsen auch blus gebildet worden ist, vgl. theil 2, 68): derselb paur hett zwen sün, die lueffen gen Schweitz. d. chron. 5, 101, 4; noch heute kärntn. lâfen, prät. luef Lexer 174.
4)
umschreibung von präteritalformen erfolgt sowol mit sein als mit haben (vgl. dazu unter haben th. 4², sp. 70 unten 72), mit dem letzteren hilfsworte jedoch seltener und nur, wenn die thätigkeit beim laufen ausdrücklich hervorgehoben werden soll: das dritte (theil, spricht der löwe bei einer theilung) wil ich haben darumb, das ich sterker bin, und mehr darnach gelaufen und geerbeitet habe, denn jr alle drei. Luther 5, 271ᵇ;
auf meine knie! machts euch bequem, ihr jungen!
auf meine knie! wie euch die stirne brennt!
ihr habt gelaufen und ihr habt gesprungen.
Freiligrath dichtungen 2, 178;
in den fällen unten II, 1, f, vergl. ein beispiel dort.
II.
Bedeutung.
1)
laufen, im eigentlichsten sinne, von einer schnellen gleichmäszigen fortbewegung der menschen und thiere, während gehen die gemessenere, springen die satzweise ausdrückt, obschon die grenzen nicht immer scharf gezogen werden. denn das intensivere laufen verwandelt sich oft in einen bloszen derberen ausdruck für gehen: lauf sagt die mutter zum kinde, wenn sie es zum fortgehen bewegen will; sogar langsam laufen für langsam gehen: lauf nicht so schnell, lauf langsam, sonst komme ich nicht nach, etwa beim spazierengehen gesagt, das man wol auch spazierenlaufen nennt; zu lebzeiten ihrer seligen frau mama, zu der man immer lief, wenn jemand krank war (im munde einer bäuerin). Göthe 14, 257. andererseits stehen laufen und springen als sinnverwandt neben einander:
loufen unde springen   sach mans und dicke mit den scheften schieʒen.
Gudrun 813, 4;
und werden mundartlich in éinem sinne gebraucht, z. b. düringisch und obersächsisch, ebenso kärntnisch, wo springen das gewöhnlichere wort ist (Lexer 174). ebenso wird laufen und rennen als dem sinne nach sich berührend verbunden:
so rennt und läuft nun ein jeder,
um den traurigen zug der armen vertriebnen zu sehen.
Göthe 40, 233;
jetzt bin ich müd vom rennen und laufen,
jetzt will ich mich im grabe verschnaufen.
H. Heine 18, 147.
Es steht in verschiedenen verbindungen.
a)
einfach oder mit zusätzen des grades und der art: das kind läuft; dort läuft ein mann; unter den vögeln laufen einige, andere hüpfen; Tobias zoch hin, und ein hündlin lief mit jm. Tob. 6, 1; er sprach zu jm, so laufe doch, also lief Ahimaaz stracks wegs, und kam Cusi vor. 2 Sam. 18, 23; sahe der wechter einen andern man laufen, und rief in das thor, und sprach, sihe, ein mann leuft alleine. 26; aber die auf den herrn harren, kriegen newe kraft, .. das sie laufen und nicht matt werden, das sie wandeln und nicht müde werden. Jes. 40, 31. in verbindung mit andern verben einer thätigkeit: da lief sie, und sagets jrem vater an. 1 Mos. 29, 12; da ward das ganze heer laufend, und schrien und flohen. richt. 7, 21; lief und trat zu dem Philister. 1 Sam. 17, 51; lauf, und suche mir die pfeile, die ich schiesze. 20, 36; da lief einer und füllet einen schwam mit essig. Marc. 15, 36; lief er und fiel jm umb seinen hals. Luc. 15, 20;
sie spricht zum pagen: du läufst einmal
und holst mir den beutel zum spiele.
Göthe 1, 221.
schnell, flink, hurtig, behend laufen; selbst langsam laufen, wenn laufen in den sinn von gehen übergeht (vergl. oben 1): darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, lauft und schnauft. Garg. 20ᵃ; wie schnell und hurtig einer ist, so er von liebe wegen laufet oder streitet. buch d. liebe 194ᵇ; der portner kam eilentz laufen, schlosz die porten auf. Wickram rollw. 8, 26 Kurz; es lauft aber dieser bott viel behender und schneller, dann kein post oder kutsch laufen mag. Fronsperger kriegsb. 3, 141ᵇ; nicht wahr, das thierlein (pferd) lauft einen sanften trab? Hebel 2, 235; in der redensart läufst du nicht so hast du nicht, die, in ihrem zweiten theile ohne eigentlichen sinn, nur das hastige des laufes malen soll (vergl. dazu unter haben III, theil 4², 69 fg.): laufst du nit, so hast du nit. Katzipor. v 1ᵃ; da Kampfkeib disen vortheil ersahe, er vom pferd, zeicht vom leder, hernach, laufst nicht so hast nicht, stach und hieb inn den dicksten haufen. Garg. 231ᵃ. mit vergleichen: laufen wie ein hirsch; er läuft wie ein wiesel (flink, behend);
ich sach .. einen fuoʒelôsen man
loufen für ein snelleʒ pfert.
altd. bl. 1, 163, 5;
er lief immer zum hause hinaus und nach dem tanzboden zu, als wenn ihm der kopf brennte. Schelmuffsky 1, 47; er .. lief als wenn es hinter ihm brennte. Göthe 14, 276; vergl. dazu mhd.:
si entran im ofte ûʒ dem hol
ûf ein ander steinwant,
als ir der zagel wære verbrant.
Wigal. 166, 21.
leise, sachte laufen; auf den zehen laufen; in schuhen, in strümpfen, barfusz laufen; sprichwörtlich: man musz nicht auf dem kopfe laufen wollen (nichts unmögliches beginnen);
ich rath euch (mäusen), lieber barfusz zu laufen,
als bei der katze pantoffeln zu kaufen.
H. Heine 18, 234.
Eigenthümlich ist zu fusze laufen: und das volk sahe sie wegfaren, und viel kandten jn, und liefen daselbs hin mit einander zu fusze. Marc. 6, 33;
welcher kein rosz am paren hat,
derselbig sol zu fuszen laufen.
H. Sachs 2, 4, 3ᵃ;
aber berechtigt, insofern laufen, wenn auch seltener wie gehen, als allgemeineres verbum der fortbewegung, und nicht blos mittels eigener thätigkeit, steht: stelt sich als wolt er einsmals auf der post zu der Hugonoten predigten laufen. Fischart bienk. 233ᵃ; der kauf- und handelsmann laufet über meer. Abele künstl. unordn. 4, 128.
b)
mit genitiven und accusativen zusätzen des weges: seines weges laufen; seinen weg laufen: und frewet sich, wie ein helt zu laufen den weg. ps. 19, 6; sie laufen alle jren lauf, wie ein grimmiger hengst im streit. Jer. 8, 6;
einen hengest der ist dræte
und der wol springt ziun unde graben,
den solt dû ze hove haben,
und der lange wege wol loufe.
Helmbrecht 239;
ich mag nit laufen berg noch tal.
fastn. sp. 469, 25;
laufet, brüder, eure bahn
freudig wie ein held zum siegen.
Schiller lied an die freude, erster druck (später in wandelt geändert).
c)
mit adverbialen und präpositionalen örtlichen verbindungen: davon, herab, hinaus, nach, weiter, rückwärts, zurück, vorwärts laufen u. ähnl.; einem entgegen laufen;
dô liefen in enkegene   vil der Guntheres man.
Nib. 75, 4;
so lauf jr nu entgegen und frage sie, obs jr und jrem man und son wol gehe? 2 kön. 4, 26; da liefen jm entgegen zween besessene. Matth. 8, 28; Absalom ... schwebt zwischen himel und erden, aber sein maul lief unter jm weg. 2 Sam. 18, 9; und das volk lief hin und her. 4 Mos. 11, 8; bücke dich, das wir vorhin gehen, und lege deinen rücken zur erden, und wie eine gasse, das man uberhin laufe. Jes. 51, 23; ja er ist daher geloffen. Steinhöwel (1555) 50; wie zu gedenken, dasz ein nackender einem schwer angethanen zuvor lauft. buch d. liebe 208ᶜ; lief seinem waffen und pferd zu. Amadis 222; nacher ohne verzug lief er auf den herzogen ein. 389; Moor tritt herein in wilder bewegung, und läuft heftig im zimmer auf und nieder. Schiller räuber 1, 2; voll staunen lief er heim, erzählte was geschehen war. Hebel 2, 23; das mag alles gut sein, denkt wohl mancher, wenn sie (die spinnen) nur nicht giftig wären, und läuft davon. 30;
der knabe zurück zu laufen kam
entgegen der schönen in schmerzen.
Göthe 1, 222;
wenn ich eines herrn knecht were, und sehe das sein feind auf jn liefe mit bloszem schwert. Luther 3, 148ᵃ; und gehet jnen nach dem sprichwort, lauf aus dem regen, und fall ins wasser. 4, 443ᵇ; Aaron .. lief mitten unter die gemeine. 4 Mos. 16, 47; da sandte Josua boten hin, die liefen zur hütten. Jos. 7, 22; und er lief wider von jm. 1 kön. 19, 21; aber das wild auf dem felde im Libanon lief uber den dornstrauch und zutrat jn. 2 kön. 14, 9; was ist denn euch das jr alle so auf die decher lauft? Jes. 22, 1; sie werden in der stad umbher reiten, auf der mauren laufen und in die heuser steigen. Joel 2, 9; gaffe nicht in der stad hin und wider, und laufe nicht durch alle winkel. Sir. 9, 7; die floh lauft im hemd. Garg. 166ᵃ (im spielverzeichnis); es lauft ein weisze mausz die maur auf. ebenda; die endt aber je mer anhuͦb zuͦ schreien; das erhort auch ein hungriger wolf, louft dem endtengeschrei zuͦ. Wickram rollw. 81, 27 Kurz; läufet bald dem bald jenem zu hause, damit er einen vorbitter erwerbe. Schuppius 422;
möcht ich doch auch in der hitze nach solchem schauspiel so weit nicht
laufen und leiden!
Göthe 40, 235;
wie du liefst durch waldes grausen,
als die wölfe hungrig heulten.
Uhland ged. 261.
als subject ist das glied gesetzt mit dem man läuft: jre füsze laufen zum bösen. Jes. 59, 7; jre füsze laufen zum tod hinunter. spr. Sal. 5, 5.
d)
hier auch in einer reihe fester, meist bildlicher redensarten. der flüchtig gebildete ist durch die schule eben nur gelaufen; die auch, weil sie durch die schule gelaufen, manche kenntnis und eine gewisse bildung hatten. Göthe 24, 264; hinter der schule weg laufen, von einem schüler, die schule versäumen; aus der schule, aus einem dienste laufen, ihn aufgeben, verlassen; meine köchin ist mir eben zur ganz unrechten zeit aus dem dienst gelaufen. Göthe 20, 39; soldaten laufen ins gewehr: ins gewehr laufen, ad arma concurrere Steinbach 1, 992; der hartnäckige will mit dem kopfe durch die wand laufen: ich kan nicht mit dem kopfe wider die wand laufen, contra aculeum calcitrare nolo, aedes arietare periculosum. Stieler 1012; einem in den weg laufen, zufällig begegnen; wenn er mich mit scherzhafter feierlichkeit zu einem abendessen unter vier augen einlud, wo wir .. einen sogenannten rathshasen, der ihm als deputat seiner stelle in die küche gelaufen war, verzehrten. Göthe 25, 186; er läuft ins verderben, ins elend; das befrembdet sie, das jr nicht mit jnen laufet, in dasselbige wüste unordig wesen und lestern. 1 Petr. 4, 4; mit einem laufen, nahen umgang mit einem haben: wenn du einen dieb sihest, so leufestu mit jm, und hast gemeinschaft mit den ehebrechern. ps. 50, 18; von einander laufen, sich trennen, namentlich von eheleuten: und wenn einem oder dem andern etwas zuwider geschiehet, so wollen sie alsbald wider von einander laufen. Schuppius 149; aber auch sonst von einem laufen, sich von ihm abwenden: das land leuft vom herrn der hurerei nach. Hos. 1, 2; unser brüder die von uns gelaufen sind. 1 Macc. 9, 9; nach etwas laufen, sich mühe um etwas geben, es zu erwerben trachten: wenn er sagte, die liebe ist ein groszer reicher schatz von viel hundert tausent gülden, oder ein gros königreich, wer solt solchs nicht gros achten, und darnach laufen, so weit er jmer laufen künde, sein schweis und blut daran setzen, wo ers hoffete, oder wüste zu erlangen? Luther 6, 46ᵇ; sollte aber ein philosoph nur nach dem spielwerk schöner farben laufen? Göthe 54, 154; auf etwas laufen, sich damit beschäftigen und daraus seinen unterhalt gewinnen: der mann versteht darauf zu laufen; viel laufen in den sprachen, und laufen auszer desz weges. Schuppius 729; einem läuft die katze über den rücken, er überkommt angst, vergl. dazu unter katze theil 5, 285, und wegen der sache auch unten 11, e: da merkt ich wol, dasz ihnen die katz den ruck hinauf lief. Götz v. Berl. 213; einem läuft die laus über die leber, wird ärgerlich: hierauf lief Rudolphen die laus über die leber. westphäl. Robins. 82;
da kam die laus und überlief
die lung und leber ihm.
Claudius 3, 87;
mit der latte laufen, etwas närrisch sein, vgl. unter latte sp. 280; ohne örtlichen zusatz: der mann läuft als reich, gilt als reich; den mann ... der als euer gegencandidat für friedensrichter läuft. G. Kinkel in der gartenlaube 1871, 711ᵇ.
e)
mit einem zusatze des zweckes oder der absicht, durch einen infinitiv gegeben: mhd.
in vil drâter snelle
viel die edele werde
nider von dem pferde
und lief sprechen ir gebet.
Marienleg. no. 20, 171;
lâ, tumber man, dîn tüemen varn, louf spilen mit den jungen.
Frauenlop no. 168, 19;
nhd. o weib, wasz laufest greinen?
sag an, was dir gebricht.
Spee trutznacht. (1654) 51;
Daphnis kan für leid nicht sprechen,
seufzet manchen seufzer tief,
ihm das herz wil gar zerbrechen:
ach, dasz jemand helfen lief!
175;
ich bei deinen unterthanen
bin gereiset auf und ab:
ich sie trewlich lief ermahnen.
198;
dich zu nachten, dich zu tage
lauf ich klagen überall.
210.
auch heute würde man noch sagen können: lauf mit den kindern spielen; aber gewöhnlich doch nur: lauf und spiele mit den kindern.
f)
mit angabe der wirkung: (es wurden) under in (den fliehenden feinden) mancher ân schleg und wunden funden, der sich tot gelaufen het. Wilw. v. Schaumburg 172; sich müde, hungrig, durstig laufen; sich wunde füsze laufen, sich die füsze wund laufen; ich habe mir schon manches paar schuhe entzwei gelaufen; lieber halt doch, und lauf dich nicht so hellig (müde). Jer. 2, 25; (die schlemmer) rennen und laufen alle zucht und ehrbarkeit zu boden. Butschky Patm. 328.
g)
in einer reihe fester verbindungen bezeichnet ein gewöhnlich im acc., aber auch im gen., zugesetztes substantiv die art oder den grund des laufens näher; so wette laufen: mit einem die wette laufen, cursu cum aliquo certare Steinbach 1, 992; wofür gewöhnlicher in die wette oder um die wette laufen: in die wette laufen, sive parlaufen, cursu contendere, certare, spatium decurrere Stieler 1081; bei groszen bauten, wo ich mit den zimmerleuten um die wette über die freiliegenden balken und über die gesimse des gebäudes herlief. Göthe 25, 252; mhd. enwette loufen Lexer handwb. 1, 1967 (über verschiedene arten des wettlaufens als spiel vgl. Schm. 1, 1448 Fromm.); dafür auch mit einem laufen: mit einem laufen wöllicher am besten möge, contendere pedibus cum aliquo, cursu contendere Maaler 265ᵇ; barre laufen, vergl. theil 2, 1140 oben; der bahn laufen, wettlaufen, der bahn ist genitiv, wie des weges oben 1, b, verstanden ist die bahn zum wettlaufen, laufbahn (sp. 312):
erfrischen unser schwaches hirn
von unserm ubrigen studirn
mit der ban laufen und mit ringen,
den balen schlagen und mit springen.
H. Sachs 3, 2, 62ᵇ;
sturm laufen, furiali impetu et admotis scalis muros scandere, irruptionem tentare machinis ad murum admotis Stieler 2229; wir bursche frisch heraus zu siebzehnhundert, .. und fluchen, sturm zu laufen wider die stadt. Schiller räub. 1, 2; postier dich ums schlosz, Grimm, lauf sturm wider die ringmauer! 5, 1; auch in bildlicher anwendung: wir müssen gegen seinen vorsatz sturm laufen; schrittschuh laufen; spieszruthen laufen; gefahr laufen, bei Göthe in gefahr laufen: der witz läuft schon bei seinem ursprunge in gefahr, zu witzeln. 15, 278, im hintergrunde steht wol die ursprüngliche bedeutung von gefahr, der feindliche hinterhalt; beispiele zu gefahr laufen und die entwickelung des begriffs s. untergefahr theil 4¹, 2065: ich musz das letztere (des undanks geziehen zu werden) gefahr laufen. Lessing 7, 304; bote laufen, vergl.botenlaufen undbotlaufen theil 2, 276.
h)
der infinitiv in substantiver verwendung: ahd. mîn loufen ist spuotîgera tanne taʒ tîn. Notker Arist. 85, 150 Graff;
mhd. ir loufen machte in müede lide.
Parz. 341, 27;
nhd. da ward das getümmel und das laufen in der Philister lager gröszer. 1 Sam. 14, 19; fahren ist ringer (besser) als laufen, wenns gerathet. Hebel 2, 206.
2)
laufen, in verschiedenartig modificierter bedeutung.
a)
einfaches laufen wie davon laufen, fliehen, entfliehen: wann aber ein feind des vaterlands sich praesentire, gegen welchen er sich mit gutem gewissen wehren könne, so lauft er für ihm wie ein jaghund. Schuppius 317; schämte er sich so sehr, dasz er abermal das reiszaus spielete und von Lippstadt zu den Holländern lief. Simpl. 1, 288 Kurz;
rasch über leichen giengs daher,
die städtler laufen kreuz und quer
durch wald und berg und thal.
Schiller Eberhard d. Greiner v. 59;
mit dem dativ der person:
mein jagdhund, freudigen gebells,
schlug an im wiederhall der klippen.
er flog hinab, er flog hinan,
er flog, als ob ein wild ihm liefe.
Freiligrath dicht. 2, 140;
in der verbindung einen laufen lassen, ihn auszer verfolgung setzen: nun weisz manniglich dasz ich den buben an seinem letzten ende, als er schon den strick am halse gehabt hat, gemahnet und gebeten zu widerrufen, wölle ich ihn ledig ohn alle entgeltnusz lassen laufen. Galmy 249; sie sinds .. die man laufen lassen musz, weil der galgen zu theuer werden würde, woran sie gehenkt werden sollten. Göthe 42, 157; da muszte man ihn (den verbrecher) wieder laufen und fortleben lassen. Hebel 2, 178; und dann, in abgeschwächter bedeutung, sich nicht mehr um einen kümmern: wie machen sies in Frankreich, wenn die liebhaber untreu sind? S. man verwünscht sie. M. und? S. und läszt sie laufen. M. laufen! nun und warum soll ich Clavigo nicht laufen lassen? Göthe 10, 58;
man kann nicht immer zusammen stehn,
am wenigsten mit groszen haufen.
seine freunde, die läszt man gehn,
die menge läszt man laufen.
2, 252;
die redensart einen hasen laufen lassen (Göthe 24, 253, s. die stelle unter hase theil 4², 530) für eine schnurre, einen spasz vorbringen, ist an das bild eines entspringenden hasen angelehnt.
b)
laufen iterativ, oft laufen, herumlaufen: irre laufen, vgl. theil 4², 2159, und unten unter läufer 1 a. e.;
dâ volgent ir dem râte mîn,
und lâʒent iuwer loufen sîn,
und belîbent in dem hûs.
edelstein 43, 16;
ir man dort in der wûste lief
als ein mensche sunder sin.
Marienleg. no. 20, 84;
mit der vorstellung des sich mühens: kein gröszer laufen ist, als nach gelt, summus labor est divitiarum. Stieler 1081; konntet ihr selbst ihn (den brief) nicht lesen, so hättet ihr laufen sollen, bis ihr einen gefunden, der ihn euch las. J. Gotthelf schuldenb. 163; zu laufen pflegen, mit angabe der art, als derberer ausdruck für zu gehen pflegen: und da alles in schuh und strümpfen läuft, bespritzt man sich (bei schlechtem wetter). Göthe 27, 143; mit örtlichen bestimmungen: treiben sie ehebruch, und laufen ins hurhaus. Jer. 5, 7; das die priester des opfers noch des tempels nicht mehr achteten, sondern liefen in das spielhaus. 2 Macc. 4, 14; laufen, gewerbsmäszig laufen, läufer, bote sein: von ainem loffenden knecht. d. städtechron. 5, 339, 22; laufen auch verhüllend, oft zu stuhle gehen:
der arzt gab gestern mir fünf starke pillen ein,
wiewohl umsonst, ich blieb schier bisz um zehn allein,
da kam Petrin und lasz was er vor euch gesprochen:
darüber hab ich lung und herz schier ausgebrochen.
ich lief wol zwanzig mal. zuletzt must ich mich legen.
A. Gryphius 1698 2, 473.
c)
laufen von thieren in der brunstzeit: laufen etiam in animalibus pro pruritu venereo accipitur, der hund leuft, canis catulit. Stieler 1081; die hunde und füchse, wenn sie laufen oder rammeln. Luther 8, 22ᵇ; da sich nu die schaf zichten (paaren) und laufen, legt er jnen die bundten stebe für, und als sie die stebe ansahen, empfiengen sie auch bundte und sprenklichte schaf. 4, 168ᵃ; du leufest umbher, wie eine camelin in der brunst, und wie ein wild in der wüsten pflegt, wenn es fur groszer brunst lechzet, und leuft, das niemand aufhalten kan. Jer. 2, 24; Israel leuft wie eine tolle kue. Hos. 4, 16; die losen (mutterschweine) und mutterpferde lassen ihr laufen nicht, da sie schon ir theil haben. Plinius von Heyden 231; die küe, die zum stier laufen, soll man dreiszig tag zuvor wol erhungern. Herr feldbau 141 a. — auf das blatt laufen: weil die schmalricken einen kleinen ruf von sich geben, der auf einem birken oder buchenblatte nachgemacht werden kann und der bock auf diesen ruf herzu eilet und oft darüber geschossen wird, so nennet man diese brunft: der bock lauft auf das blatt. Heppe jagdlust (1783) 1, 182.
d)
laufen endlich auch laufen können, fähigkeit zum laufen haben (vgl.lauf 2, d sp. 307): das kind läuft schon; dieses kind ist bereits zwei jahre alt und läuft noch nicht.
3)
laufen, von körpertheilen schneller beweglichkeit: die finger laufen durch die saiten der harfe, über die tasten des claviers; und hieran angeschlossen, bildlich: die liebe lief mit schaudernder hand tausendfältig über alle saiten seiner seele. Göthe 18, 111; von den beweglichen augen und ihren blicken: dieweil der jüngling schön und wolgestalt, liesz Arsace viel augen schieszen, bulerische blick und unzüchtiges winken gegen jm laufen. buch d. liebe 207ᶜ; alle augen liefen jetzt der läuferin nach. J. Paul Hesp. 1, 55; sein auge lief zitternd um alle fenster seines sonnentempels. 3, 186; dafür auch mit dem auge über etwas laufen, es überfliegen, z. b. ein buch, und kürzer:
die bibel aber schlug sie auf,
als ob sie allzeit drüber lauf.
Fischart dichtungen 1, 63, 2366 Kurz;
von der zunge (vgl. dazu den beleg aus pass. 369, 48 hernach no. 5):
ob zunge laufet gut, ist sinn doch ganz versehret.
Logau 2, 66;
von den ringen einer schlange: der schweif zuckte hungrig und schadenfroh in einem grabe der erde und eine erderschütterung auf unserer kugel wirbelte die laufenden ringe und die bunten giftigen säfte wie ein flüssiges schillerndes gewitter herauf. J. Paul Qu. Fixlein 54.
4)
laufen, von emporwachsenden schling- und kletterpflanzen: die bohnen laufen an den stecken empor; der epheu läuft an der wand hin; am hause liefen weinreben bis unter die fenster des oberstocks. Freytag handschr. 1, 90.
5)
laufen, von leblosen dingen, die mechanisch in schnelle bewegung versetzt werden, vom wagen, rad, schlitten, schiff, der mühle, der uhr u. ähnl.:
sîn zunge lief im als ein rat
alumme in sînem munde.
pass. 369, 48 Köpke;
der wagen läuft bei einer abhängigen stelle von selbst; die mühle wird heute nicht laufen; meine uhr läuft vor; die abenteuer und unerhörten leiden der mannschaft des Huller wallfischfahrers Diana, der durch sechs monate in der Davisstrasze im eise stak und unlängst in Limerick binnen lief. didaskalia 1868 no. 231; von dem vom winde getriebenen staube:
ich ward wie staub, der auf der flur zusammen läuft.
Karschin 8;
was werden sie aber erst sagen, wenn sie mit dem Quintus zur mutter und zum esztisch .. nach hause kommen und den groszen kuchen erblicken, den fräulein Thienette von der backscheibe laufen lassen? J. Paul Qu. Fixlein 71; von dem beförderten briefe: ein brief der früher eine woche lief, läuft jetzt nicht mehr als vier und zwanzig stunden; von einem in einer gesellschaft kreisenden glase:
so stell es also an, das fein gefach mit saufen
viel gläser ohne füsz umb alle gäste laufen.
Scherfer grobianus 74.
von der feder die über das papier getrieben wird: aber die feder läuft einmal, und ich will mich nunmehr über die verschiedenheit zwischen den wirkungen der bewunderung und den wirkungen des mitleids erklären. Lessing 12, 64;
du siehst in diesem scheidebrief
nur spuren zärtlichen verdrusses,
von dem gepeitscht die feder lief?
Gotter 1, 459;
die laufende feder, die eilig und unangehalten übers papier gleitet: so viel für diesen abend. verzeihung der laufenden feder. ich musz schreiben ohne zu denken, damit ich nur schreibe. der gegenstände sind zu viel, der aufenthalt zu schlecht und doch meine begierde allzugrosz einiges dem papiere anzuvertrauen. Göthe 26, 10; diesz alles ward während eines theiles der nacht mit laufender feder niedergeschrieben. 48, 55; er hat seine materie recht wohl inne, schreibt aber nur mit laufender feder, im gefühl, dasz ihm sein vorhaben leidlich gelingen müsse. 54, 6. laufen in andern verbindungen: sogleich muszte ich den kleinen finger meiner rechten hand ausstrecken, sie stützte den ihrigen dagegen, zog mit der linken hand den goldenen ring ganz leise sich ab und liesz ihn herüber an meinen finger laufen. 23, 97; von einer in bewegung gesetzten glocke: darnach so laszt er sie (der glöckner die glocken) laufen und get darvon, nicht dester minder die glock lütet und klenket. Keisersberg brös. 2, 24ᵃ; von einem seile, einem faden: das seil läuft auf die trommel; der faden läuft über die spule; wenn er garn abwindet, so ist ihm nicht wohl, wenn es glatt läuft, er ruht nicht, bis er die stränge verhürschet hat. J. Gotthelf Uli der pächter s. 166; laufendes tauwerk, auf schiffen das bewegliche tauwerk. Jacobsson 2, 566ᵇ; endlich auch vom gelde, das als rundes auch sonst rollend gedacht wird: das geld läuft ihm nur durch die finger; und daher: wenn die heutigen steuern nicht durch eine allgemeine kasse liefen. Möser osnabr. gesch. 1, 85.
6)
laufen, von wind und wolken, feuer und funken: schrecken hat sich gegen mich gekeret und hat verfolget wie der wind meine herrligkeit und wie ein laufende wolke meinen glückseligen stand. Hiob 30, 15; sie laufen als der wind und niemand siehet sie. pers. baumg. 3, 2; die wolkenschatten, die leicht über hohe gärten wegliefen. J. Paul Tit. 1, 87; nichts rührte ihn unter einer musik allezeit mehr, als in die laufenden wolken zu sehen. Hesp. 2, 97; eine laufende welle voll licht. 3, 206; in der sprache der seeleute: nachmittags klarte das sturmwetter ab, und der wind lief nord. Weserzeit. 1859, no. 1749;
hu hu! wie kömmt der wind so kalt
schon über die stoppel gelaufen!
Gökingk 3, 130;
so soll man als denn solches durch laufende feuwer geschwind anzünden. Fronsperger kriegsb. 1, 123ᵇ; er zündete das papier auf dem tische an, und liesz es ausbrennen, da denn, nachdem die flamme vergangen, wie bewust, die laufenden funken auf dem ausgebrannten papier zu sehen waren. Scriver andachten (1729) 719; dieses (magische christkind) fliegt einmal vergoldend und anlächelnd durch einen dunkeln traum und durch die letzten abendnebel auf dem sterbebette, und durchbricht mit hellen laufenden goldpunkten den finstern dunst. J. Paul jubelsen. 193;
der brand lief
eilig die straszen hindurch, erzeugend sich selber den zugwind.
Göthe 40, 249.
von den ärzten werden bestimmte entzündungen die sich über körpertheile verbreiten, laufende genannt, die rose ist eine solche laufende krankheit; der krebs, der wolf (das laufende feuer) .. erregen das jucken. Comenius von Docemius § 316; ward er innerlich im leibe mit dem laufenden feuer, wie mans nennt, geplaget. Schütz Preuszen 89; das laufende, arthritis vaga, fahrende gicht, gliedersucht: fur das laufend oder ander gesucht. Gäbelkhover arzneibuch (1599) 398; vgl. dazu auch laufung.
7)
laufen, von flüssigkeiten, zunächst von dem rinnenden wasser: und das wasser lief umb den altar her. 1 kön. 18, 35; alle wasser laufen ins meer. pred. Sal. 1, 7; wenn die flut uber her leuft. Nahum 1, 8; die ihre zelten bei einem laufenden wasser aufschlagen. pers. baumg. 8, 5; vor jedem hause läuft ein brunnen. Göthe 16, 232; schon bei meinen wenigen wanderungen durch die stadt hatte ich bemerkt, wie bedeutend es sei, sich auf reisen nach dem laufe der wasser zu erkundigen, ja bei dem kleinsten bache zu fragen, wohin er denn eigentlich laufe. 25, 320;
in einem grunde vil tief,
dâ eine bach lief
von krankem gevelle.
Zachers zeitschr. 8, 279, 266;
da lief ich an ein flieszend wasser,
das wasser lief vor mir vorbei.
Göthe 1, 23;
das wasser läuft mir aus den augen; das wasser lief ihm im munde zusammen; wenns mir doch nur ein wenig in den ohren brauste, oder das herzwasser lief mir. Hebel 2, 141; von thränen, schweisz, blut: sie weinet des nachts, das jr die threnen uber die backen laufen. klagel. Jer. 1, 2; der schweisz läuft ihm von der stirne; lief jhm das blut uber die augen ab. Amadis 77; als sie (die tonne bier) war angestochen worden, sei lauter blut darausz gelaufen. Schuppius 587; hierher auch (vergl. aber dazu unten 11, e):
auch mir hat einst von einem Karl geträumt,
dems feurig durch die wangen lief, wenn man
von freiheit sprach.
Schiller Carlos 1, 2;
von getränken: der wein läuft aus dem fasse, das bier aus der kanne; und, metonymisch, das fasz, der krug läuft, wenn die flüssigkeit daraus läuft; vergl. dazu auch unten 13;
und, weil mein fäszchen trübe läuft,
so ist die welt auch auf der neige.
Göthe 12, 213;
der sand läuft aus dem gefäsze; meine hende troffen mit myrrhen, und myrrhen liefen über meine finger an dem rigel am schlos. hohel. 5, 5; laufen lassen, im hüttenwerk diejenige operation, wenn das geschmolzene eisen aus dem hochofen gelassen wird. Jacobsson 6, 427ᵇ; eine kerze läuft (schmilzt abtropfend); wenn verf. zuweilen mit jungen offizieren sprach, bevor sie geschlagen waren, so wurd er mit vergnügen an ihnen höchste kriegberedsamkeit und feindesverachtung gewahr, gleichsam wahre Herkulesse, obwol aus pech wie Dädalus einen geformt, und folglich leicht am schlachtfeuer laufend. J. Paul nachdämm. 105.
8)
laufen, von den gestirnen: die erde läuft um die sonne, der mond um die erde; die sonne gehet auf und gehet unter, und leuft an jren ort, das sie wider daselbst aufgehe. pred. Sal. 1, 5; das mus ein groszer herr sein, der sie (die sonne) gemacht hat, und hat sie heiszen so schnell laufen. Sir. 43, 5.
9)
laufen, von der zeit, der welt, dem leben: das jar lauft umbhin, kumpt wider in sein alten gang, annus volvitur in se Maaler 265ᵃ; die zeit läuft, tempus labitur Steinbach 1, 992; sein leben läuft sehr gleichmäszig; die welt leuft und eilet so trefflich seer zu jrem ende, das mir oft starke gedanken einfallen, als solte der jüngste tag daher brechen. Luther 5, 1ᵃ; die zeit läuft gar zu geschwind für meine alten beine. Göthe 11, 278; von fristen und von verbindlichkeiten, die innerhalb jener zu erfüllen sind: die frist läuft noch bis ende dieses jahres; der wechsel läuft drei monate; die zinsen laufen vom 1. januar bis zur zahlung;
das ich versetzen must mein gut
Ursurario, dem wucherer ark,
desz zinsz und wechszl laufen stark,
das ich mirs nimmer trau zu lösen.
J. Ayrer 445ᵈ (2238, 9 Keller);
der pachtvertrag läuft jetzt nicht mehr.
10)
laufen, gesagt von einem wege oder einem pfade, dessen erstreckung man mit dem auge verfolgen kann: durch Heiligengut lief die landstrasze. J. Paul leb. Fibels 30; in kurzer entfernung zeigten sich kleine felsen, über die ein schmales, schlüpfriges pfädchen lief. Immermann Münchh. 1, 205;
wo durch die engen steine
ein weg in unser land berg auf und enge läuft.
A. Gryphius 1698 1, 138;
die heerbahn fällt zu weit, der fuszpfad lauft geschwinder.
549.
auch von anderem sich erstreckenden: die grenze läuft den flusz entlang; blumengewinde liefen durch die straszen; die zimmer laufen in einander; die treppe lief frei durchs ganze haus an allen vorsälen vorbei. Göthe 24, 157; und die gipfel von eichen und kastanien liefen nur wie fruchthecken und geländerbäume wallend um den hohen tempel, und reichten dem menschen darin nur bis an das herz. J. Paul Hesp. 4, 174. von einer linie: die linie läuft gerade, schräg, krumm; man nimmt gern trocknes holz dazu (zu einem lineal), weil das metall schmutzet, elfenbein, wenn es dünne ist, krumm läuft. mathem. lex. (1747) 1, 805; thüren laufen nach innen, nach auszen, beim öffnen; stiesz ihr fenster auf, dessen flügelscheiben ... auswärts laufen. J. Paul holzschn. 190; zimmer- maurer- schlosserarbeiten für eine gröszere strecke werden nach laufenden fusz erstellt; laufende klafter, franz. toise courante, das masz nach der länge allein, ohne nach der breite zu sehen. Jacobsson 2, 566ᵃ; loyfinde were (die rings herum laufende befestigung). Ortloff rechtsqu. 1, 744. 745; von zahlen: laufende nummer.
11)
laufen, von abstractionen, die dadurch etwas sinnlichlebendiges bekommen: sein glück ist ihm davon gelaufen; eine reihe von erscheinungen, die nach naturgesetzen läuft. Kant 2, 360; wie eine fortgesetzte empirie .. den kreis, in den sie gebannt ist, wirklich ausläuft. Göthe 52, 296;
versehen ..,
die nicht schnellfüsziger aus Trillers feder liefen.
Gotter 1, 257;
namentlich auch von dingen, deren fortgang oder entwickelung wir beobachten, in mehreren fügungen.
a)
eine sache läuft, hat ihren verlauf, spielt sich ab: (erzählung) wie es unterdessen in Bayern gelaufen. Hahns hist. 3 (1723) 204; dasz es sich mit diesem zuge einige zeit verzögert, weil der krieg in den dortigen gegenden gegen unsere erwartung gelaufen. Heilmann Thucyd., b. 4, 85; recht, den dritten termin musz ich nicht versäumen. — was meinst du, bruder, wie die sache laufen wird? Lessing 2, 534; ihm schritt für schritt erzählen, wie die sache gelaufen? 12, 484; sobald ich dir näher schreiben kann, wie meine sache laufen zu wollen scheint. 506; wie lief es weiter mit dir und deiner predigt? Claudius 8, 72; wie liefs im vergangenen jahr, wir haben doch wohl ein schönes verdient? J. Gotthelf schuldenb. 149; mit bestimmendem zusatze: der grosze krieg war eben im gange, und alles lief bunt über eck. Immermann Münchh. 4, 27; was er anfing, lief ihm krumm. J. Gotthelf ges. schriften 10, 3; es läuft (so oder so), stärker als es geht: das geschäft läuft gut, hat einen guten fortgang im umsatz; auszerdem läuft es vormittags bisweilen ganz toll von besuchen. Niebuhr leben 3, 140; zu ferne laufen, zu weit führen: es wolte aber zu ferne laufen, da man die acta synodica wieder solte für die hand nemen, und jenen für die nase stoszen, was sie gemacht. Wigandus die newen Wittenberger (1575) 7ᵇ.
b)
worte, kunde, nachrichten, gerüchte laufen, verbreiten sich: er sendet seine rede auf erden, sein wort leuft schnell. ps. 147, 15; weiter, lieben brüder, betet für uns, das das wort des herrn laufe, und gepreiset werde, wie bei euch. 2 Thess. 3, 1; das gerücht von einem morde läuft durch die stadt;
wir schickten hin und her zu wissen, wie es sei.
die post lief wunderlich. man sagte mancherlei,
der hätt euch auf der see gesehn: der gar gesprochen.
Fleming 81.
c)
man läszt etwas laufen, gehen, hindert den verlauf nicht: aber, wenn ihrs so fortlaufen laszt, wird mans euch bald anders weisen. Göthe 8, 202; bezüglich einer lustbarkeit: er läszt es laufen, von einem gesagt, der einem vergnügen selbst auf kosten seines beutels keinen einhalt thut; das ist auch seines herrn art, splendid zu sein, und es laufen zu lassen, wo es gedeiht. 171; man läszt ein wort laufen, hält es, aus ärger oder in unbedachtsamkeit, nicht zurück: argwohnest du, darumb ich etlich wort laufen lassen, dasz ich mein herz von dir kehre? buch d. liebe 184ᶜ; so haszte mich mein leutenant eines einzigen worts halber, das ich neulich unbedachtsam laufen lassen. Simpl. 1, 289 Kurz; die ursachen dieser mishelligkeiten waren, weil Philipp die repressalien nicht aufheben wolte, sondern einige harte worte laufen liesz. Hahns hist. (1724) 4, 19, not. a.
d)
präpositionale verbindungen bestimmen art und ziel einer derartigen entwickelung oder eines solchen verlaufs, und wahren zum theil dem verbum das frische bildliche gepräge, so bei den folgenden: wie denn abgötterei und blutdurst allezeit mit einander laufen. Mathes. Sar. 83ᵇ; aber noch ein härters ist jetzt neulich an unsern glauben gelaufen. Luther br. 2, 165 (angelehnt an das sturm laufen oben 1, g);
böse tück und triegligkeiten
laufen für den redligkeiten.
Logau 2, 28, 3.
häufiger gebrauchte formeln sind die folgenden, bei denen zum theil die frische bildlichkeit verblaszt.
α)
laufen auf etwas, sich beziehen, auf ein ziel hin gerichtet sein:
hievon an Paulo geschach,
daʒ im genûger horchte,
als ir wille worchte,
der ûf nûwe mêre ie lief.
pass. 546, 59 Köpke;
diese siebenzig wochen (spricht Gabriel) sollen auf ein solchen messiah laufen, das zu seiner zeit, wenn die wochen umb sind, sünd und missethat gesteuret werde. Luther 2, 246ᵇ; von dem besprengen sagt auch der psalm miserere, herr bespreng du mich mit isopen, so werd ich gereiniget. es lauft auf das gesetz Mosi, da hat es s. Peter hergezogen. 320ᵇ;
bei dem niedern pöbelhaufen,
da die ehen auf gewerbe, nach gewinn und vorthel laufen.
Logau 3, 84.
in bezug auf geld und kosten: kundtschaft, deren man nimmer, unangesehen was kostens darauf liefe, mangeln soll. Kirchhof mil. disc. 21; in bezug auf summen, wo wir jetzt sich belaufen (theil 1, 1438, no. 5) anwenden: wenn du einen handel hettest, der des jars auf hundert gülden liefe. Luther 2, 483ᵃ; hat Philander etwa 100 groschen werth übels an euch gethan, so laufen hergegen eure missethat bei gott auf 1000 pf. Schuppius 316. ohne die präpos. auf: gaben die sehr hoch liefen. Mülmann christl. geisel 22; mit zahlangabe: allein fertigt er etliche ab, die seine ordenliche bände und regiment ... zusamen forderten, welche an der zahl loffen zwei tausent fünfhundert kürisser, sechzig sechs tausent fuszvolks. Garg. 263ᵃ.
β)
hinaus laufen, auf etwas hinaus laufen, vgl. dazu unter hinaus th. 4², sp. 1397: ich gestehe, dasz ich mir gar nicht einbilden konnte, wo es hinaus laufen würde. Wieland 19, 244; wie alle wirksamkeit da hinaus läuft. Göthe 16, 14; wer .. erkennt, wo das alles hinaus läuft. 15; alles in der welt läuft doch auf eine lumperei hinaus. 57. vergl. auch auslaufen 5, theil 1, 904.
γ)
in etwas laufen, in eine materie sich erstrecken: Nithardi worte sind zu weitläuftig zum hersetzen, fürnemlich da dieser punct mehr in die französische, als teutsche historie läuft. Hahns hist. 1 (1721) 159, not. c; zu manchen geschäften, die in das interesse des gemeinen wesens laufen, ist ein gewisser mechanismus nöthig. Kant 1, 113; auch ins geld laufen, (bedeutende) geldausgaben verursachen: ein badeaufenthalt läuft gleich ins geld; anders in die augen laufen, wofür sonst mit anderm bilde in die augen fallen: wie sehr gleich Erato solche gemüths-veränderung verblümte, so liefen sie doch mit der zeit in die augen und aufmerkung. Lohenstein Arm. 1, 255ᵇ.
δ)
in einander laufen: zwei ausdrücke, die bisweilen in einander laufen. Kant 2, 338; die natur hat die umrisse der begriffe sanft in einander laufen lassen. Mendelssohn bei Göckingk Nicolais leben s. 197.
ε)
wider, gegen etwas laufen: das läuft gegen meine überzeugung; welches gottes wort der augspurgischen confession und andern libris symbolicis zuwieder lauft. Schuppius 128; grobe, wider äuszerliche erbarkeit laufende worte. 636.
e)
laufen, von der wirkung einer heftigen gefühlserregung auf den körper:
die süsze kützelung läuft noch durch meine lenden.
Hoffmannswaldau heldenbr. (1699) 52;
da lief mir was durchs ganze blut.
Göthe 1, 23;
da saugt mir das mädel — weisz gott was als für? — überhimmlische alfanzereien ein; das läuft dann wie spanische mucken ins blut und wirft mir die handvoll christenthum noch gar aus einander. Schiller kab. u. l. 1, 1; wenn bei der ballade nicht jedem es kalt über die haut laufen musz, so will ich mein leben lang Hans Casper heiszen. Bürger 464ᵇ;
mir läuft ein schauer übern ganzen leib —
bin doch ein thöricht furchtsam weib!
Göthe 12, 124;
in der ältern sprache mit dem bilde der den rücken hinauf laufenden katze, vergl. oben unter 2, d.
f)
musikalisch, töne laufen (vergl. dazu lauf no. 10, sp. 311): neben ihm liefen die töne (einer entgegenklingenden musik). J. Paul Tit. 3, 109;
hier reizt der nachtigall lied durch tausend laufende töne.
Chr. E. v. Kleist (1765) 41;
itzt girrt sie (die nachtigall) sanfter, und läuft durch tausend zärtliche töne,
itzt schlägt sie wieder mit macht.
224;
éine melodie läuft durch das ganze tonwerk; dies lied war als kunstwerk schwächlich, es lief im bänkeltone. Freytag handschr. 2, 235.
12)
von Göthe (in seiner späteren zeit) und seit ihm wird das particip laufend gern auf dinge gewendet, die sich gerade gegenwärtig vor unsern augen abwickeln (nach dem gebrauche des franz. courant): oft spiegeln sich auch alt und neue zeit gegen einander: Emilie Galotti, vor vierzig jahren und im laufenden aufgeführt. 45, 160; dasz ich den laufenden geschäften ohne weitern antheil zur seite ging. 31, 195; seine freie übersicht über die laufenden welthândel. 46, 95; dagegen erinnere ich mich nicht (auf der universität) die experimente, wodurch die Newtonische theorie bewiesen werden soll, jemals gesehen zu haben; wie sie denn gewöhnlich in der experimentalphysik auf gelegentlichen sonnenschein verschoben, und auszer der ordnung des laufenden vortrags gezeigt werden. 54, 292; die kunstgemäsze ausbildung einer bedeutenden naturanlage bewirkt zu haben, bleibt eins unsrer schönsten gefühle; es ist aber zur laufenden zeit ein gröszeres verdienst als ehemals. an Zelter 851; doch werde ich den vortheil benutzen, über manches aufrichtiger zu sein, wie man es wohl in der masse vermischter aufsätze, gleichsam auszer der zeit, eher wagen darf, als wenn man einzeln, am laufenden tage, etwas ins publicum bringt, was den leuten vor die köpfe fährt und womit sie nicht zu gebahren wissen. 515; Ferdinand Nicolovius, der eine oberförster-stelle in Schleusingen ohnfern Ilmenau erhalten hat, hat mir von dem laufenden Berlin viel und recht sinnig erzählt. 584; heute im gewöhlichen leben häufig: der laufende monat, das laufende jahr; auch die laufende rechnung, die gegenwärtige, noch nicht abgeschlossene. in substantivem gebrauch: ein ungeheurer wust von acten lag aufgeschwollen und wuchs jährlich, da die siebzehn assessoren nicht einmal im stande waren, das laufende wegzuarbeiten. Göthe 26, 133; was neu in dieser anstalt (bibliothek) angeschafft wird, hat vorzüglich den zweck die staatsdiener mit dem laufenden der literarischen und politischen welt bekannt zu machen. sämmtliche zeitungen und journale werden deszhalb vollständig und in bester ordnung gehalten. 43, 340; jetzt hört man häufig einen, sich auf dem laufenden erhalten.
13)
voll laufen, sich füllen, von einem behälter oder einem als solchen gedachten körpertheil, von dem ergieszen einer flüssigkeit aus (vergl. oben no. 7) gebildet: der eimer läuft voll wasser; als er disz sagt, soll dem fürsten, die augen voll wasser gelaufen sein. Kirchhof wendunm. (1602) 1, 225; unbemerkt war ihm in der dämmerung die brust voll liebe gelaufen wie eine blume voll thau. J. Paul flegelj. 2, 1; freier: als dieses die andern officiere hörten, machten sie ihren schönen die thüren auf, und alles lief voll mädchen und weiber. Schiller 1093; der gegensatz ist leer laufen: er stiesz den zapfen aus, und bald war das fasz leer gelaufen; und in einem bilde, das die geduld als gefäsz nimmt: meine geduld mit diesem herrn fängt an, teuflisch leer zu laufen. Wieland in Mercks briefs. 1, 129.
14)
laufen, wird bei den fischern von den aalen, anstatt des leichens anderer roggenfische, gesagt. Jacobsson 2, 566ᵇ.
15)
bergmännisch ist transitives laufen gewonnene mineralmassen mittels hunden, laufkarren, truhen, wagen fortschaffen, entweder auf stollen oder strecken in der grube oder auf der erdoberfläche, erz, berg, kies laufen Veith bergwb. 320:
die truchenlaufer laufen
das erzt auf dhalden aus.
Köhler alte bergmannsl. 143 (17. jh.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 314, Z. 20.

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Zitationshilfe
„laufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/laufen>, abgerufen am 08.08.2020.

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