leck n. und m
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 476, Z. 9
risz, der wasser durchläszt, niederd. leck (neben dem fem. lecke, s. d.), niederl. lek, engl. leak, im niederländischen neutrales geschlechts, im niederdeutschen aber auch masculines: dat schipp het enen lek. brem. wb. 3, 50; neben: dat schipp is lekk, oder hett en lekk kreegen. Schütze 3, 24; dasselbe schwanken in der schriftsprache, wo das wort seit dem vorigen jahrh. aufgenommen ist: der becher muszte weggeworfen werden, weil er einen leck bekommen hatte. Wieland 13, 16; wir hatten nicht lange fluszabwärts gerudert, als zu bemerken war, dasz der kahn ein starkes leck haben müsse. Göthe 30, 187; den kahn hatte man zwar so weit als möglich auf den strand gezogen, aber nicht so weit, dasz er nicht durch das leck noch hätte wasser einnehmen können. 188; sind sie (die matrosen der insel Norderney) auch auf ihren schiffen sogar nach jenen südlichen ländern gekommen, wo die sonne blühender und der mond romantischer leuchtet, so können doch alle blumen dort nicht den leck ihres herzens stopfen. H. Heine 1, 128.
leck n.
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 476, Z. 27
auch geleck, mehl mit salz fürs kleinvieh; futter das den kühen auf den Alpen während des melkens gegeben wird. in Tirol. Fromm. 6, 446. vgl. dazu lecke 2.
leck adj
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 475, Z. 43
ritzen habend und rinnend, die niederdeutsche form zu lech (sp. 471, vergl. dazu das verbum lecken stillare unten), die wol zufrühest als schifferausdruck in die schriftsprache kam: niederdeutsch navigium rimis hiscens ein leckende, lack schip. Chytraeus nomencl. cap. 36; niederl. leck, lekende, manans, fluens, stillans, rimosus, perfluens, leck schip, navis rimosa, lacera rimis et foraminibus hiscens Kilian; danach hochdeutsch: das schiff wird lekk. Schottel 1356, von Stieler 1100 wiederholt; leck werden, sagt man von einem schiffe, wenn es schadhaft worden ist, so dasz das wasser hinein dringen kan. Hübners handlungslex. (1722) 1052; Frisch im dict. des passagers (1730) 2, 361 verzeichnet die oberdeutsche mit der niederdeutschen form: lech, leck, gibt aber die phrase im oberdeutschen gewande: das schiff wird lech. später ist lech nur noch mundartlich, leck die schriftdeutsche, edle form:
aus Charons leckem kahne.
Wieland 5, 106 (n. Amadis 17, 4);
das lecke schiff.
Rückert 351;
(ich will) fliehn ans meeresufer, wo ein lecker nachen winkt,
ihn besteigend, will ich schiffen, bis er berstend untersinkt!
Platen 287;
eilt, schon am ufer sehet schwanken
den nachen! ach, er ist zerschellt!
und in ihm auf den lecken planken
verblutet sich ein junger held.
Freiligrath dicht. 2, 17;
wie vom schiffe, wird leck dann von andern gefäszen gesagt, entsprechend dem niederländischen: een lek schip, een lek vat, eene lekke tonne, ein lech schiff, ein leches fasz, ein lecher zuber, bötte. Kramer niderhochteutsch dict. (1719) 1, 174ᵃ; een lek dak, ein leches dach, so rinnet. ebenda; wol nicht vor dem 18. jahrhundert:
wer auch ein böser mensch gleich einer lecken bütte,
die keine wohlthat hält: dem ungeachtet schütte —
sind beides, bütt und mensch nicht allzu morsch und alt, —
nur deine wohlthat ein. wie leicht verquillt ein spalt!
Lessing 1, 7;
ja, sie ist eine rasende wie du,
und wirft ihr alles in ein brennend haus,
und schöpft ins lecke fasz der Danaiden.
Schiller jungfrau von Orl. 1, 4;
dann vom menschen, wie das rhein. lech (sp. 472), hinfällig, schmachtend: ich bin ganz leck vor durst und mattigkeit. Wieland 11, 248; dann wär ich leck und weg. J. Paul uns. loge 2, 94; du hast aber doch wie alle hypochondristen und alle lecke weiber fatal gehandelt. 3, 58; endlich auch von einer unternehmung, hinfällig: und leck ist das ganze, wenn ers nicht thut. ohne den Moor sind wir leib ohne seele. Schiller räuber 1, 2.
Zitationshilfe
„leck“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/leck>, abgerufen am 22.08.2019.

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