leicht adj. und adv
Fundstelle: Lfg. 4 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 629, Z. 17
levis.
I.
Formelles. Das wort gehört allen germanischen dialekten an: goth. leihts; alts. altnfr. lîht (bezeugt durch das adv. lîhto leniter und die weiterbildung lîhtlîk); niederd. niederl. lichte, licht; ags. leóht, engl. light; fries. lîcht; altnord. lêttr, schwed. lätt, dän. let; ahd. lîhti und lîht, mhd. lîhte, lîht; auch nhd. findet sich noch bisweilen die adjectivform leichte, vergl. den beleg aus Lessing unten no. 14; leichte als nebenform zu leicht bei Steinbach 1, 1029. urverwandt sind formen, die nicht, wie im Deutschen, einen vocal der i-reihe, sondern einen der a-reihe zeigen: litth. lengwùs und leñgwas (Kurschat 2, 20ᵇ); kslav. lĭgŭkŭ leicht; lat. levis; griech. ἐ-λαχύς; sanskr. laghús leicht, klein, gering; aus welchen zugleich erhellt, dasz die bedeutung des deutschen leicht sich aus der sinnlicheren vorstellung des kleinen, geringen entwickelt hat.
II.
Bedeutung. Der begriff des leichten bezieht sich einestheils auf ein gewicht, anderntheils auf eine last oder bürde: licht, vulg. ring zu geschehen, facilis. licht, vulg. ring, levis. voc. inc. theut. m 4ᵃ; das leichte wird dem schweren, aber oft auch dem lästigen entgegengesetzt. leicht ist einem subjecte dasjenige, wozu ein groszer überschusz seines vermögens über die zu einer that erforderliche kraftanwendung in ihm anzutreffen ist. Kant 10, 145; woran sich noch der bezug auf einen innern gehalt reiht. leicht, dem gewichte nach.
1)
in eigentlicher bedeutung, von körpern die absolut oder relativ geringes gewicht haben: ein körper heiszt leicht, wenn sein absolutes gewicht gering ist. da es hiebei auf grösze ankömmt, so drückt das wort einen blos relativen begriff aus, und man kann keinen körper an sich leicht nennen, sondern nur sagen, er sei leichter, d. i. er habe weniger gewicht, als ein anderer. Jacobsson 6, 440ᵇ; eine feder, ein halm, eine blume ist leicht;
dieszmal streust du, o herbst, nur leichte welkende blätter;
gib mir ein andermal schwellende früchte dafür.
Göthe 1, 405;
manche holzarten sind leicht, manche schwerer; leichte körper schwimmen im wasser, schwere sinken unter; sprichwörtlich: das leichte schwimmt oben. Simrock sprichw. s. 335; wiʒʒ auch, daʒ in den wolken daʒ leihtist ze obrist kümt, daʒ allermaist erdisch leihtes rauches hât, dar umb scheint diu obrist varb an dem regenpogen clâr und rôt. Megenberg 99, 29; ein vogel ... regt und schlegt in die leichte luft. weish. Sal. 5, 11;
bis der gott, des irdischen entkleidet,
flammend sich vom menschen scheidet,
und des äthers leichte lüfte trinkt.
Schiller ideal u. leben v. 143;
leichte erde, hauptsächlich sand oder schwarze gartenerde im gegensatz zur schweren lehmerde: der best grund ist der schwarz, der sich gern zwischen den händen zerreiben laszt, und den man leicht, süsz und feiszt im antasten und handeln fület. Sebiz feldb. 22; leichter boden, beim forstmanne und landwirte ein aus sand und stauberde mit nur wenig dammerde bestehender boden, der sich in freiliegenden gegenden und auf anhöhen leicht in flugsand oder fliegenden boden verwandelt. Jacobsson 6, 440ᵇ;
hier grub mich todt, mit frommer hand,
ein fischer in den leichten sand.
Lessing 1, 14;
mit dem schaft des mordgewehres
furchet sie den leichten sand.
Schiller das eleus. fest;
leichtes holz, dessen zellen weniger dicht sind: wann die stauden und bäwme, die es (das erdreich) trägt, ran (schlank), aufrecht, ungekrümmt, saftig, lang, leicht, wolgestalt, und fruchtbar sint. Sebiz feldb. 25; ein leichter stock, leichter stab;
so wandert er an leichtem stabe
aus Rhegium, des gottes voll.
Schiller kraniche des Ibykus;
im sommer trägt man leichte kleidung, im winter dichte, schwere;
ich sah sie, wann die vögelein
den morgen trillerten im hain,
im leichten frühlingskleide.
Hölty 142 Halm;
des morgens, welch ein malerbild!
wallt sie hervor im leichten kleide.
Bürger 18ᵇ;
wo nach dem schmetterlinge
mein leichter strohhut flog.
Matthisson ged. (1794) 20;
ein schleier, weisz und fein,
gebleicht, im sternenschein,
auf kühler todtengruft,
umwall euch (elfen) leicht wie duft!
103;
gewichtiger, mein sohn, als du es meinst,
ist dieser dünne flor — für deine band
zwar leicht, doch centnerschwer für dein gewissen.
Schiller d. verschleierte bild zu Sais;
eine leichte rüstung, armatura levis Steinbach 1, 1029; leichte waffen, von wenig gewicht, darum auch müheloser zu handhaben;
kein andrer kriegsmann schreitet
also schmuck durch Romas straszen
in dem leichten stahlkürasse.
Scheffel trompeter, 15. stück;
es heiszt leicht wiegen, leicht sein, werden, machen; federn, stroh, heu wiegen leicht; der krämer hat mir zu leicht gewogen; durch fleisziges baden wird das körpergewicht leichter; er ist um zwanzig pfund leichter geworden; einem den beutel leichter machen, und danach, bildlich: um einen liebhaber bist du leichter, dafür hast du einen glücklichen vater gemacht. Schiller kab. u. liebe 5, 1.
2)
leicht, von dem, was hinter dem gesetzlichen oder übungsgemäszen gewicht zurückbleibt, namentlich von der gewichtseintheilung selbst; man redet von leichten pfunden, die weniger schwer sind als die alten, schweren pfunde; Genua, schweres schaalgewicht, (enthält) 7140 (as), leichtes schaalgewicht 6720, .. Granada, schweres gewicht 10391, leichtes 9248. Jacobsson 6, 740ᵇ; leichte goldwaaren, leichte schmucksachen, die weniger des kostbaren metalles enthalten, als man von derartigem schmucke der regel nach voraussetzt;
fremde küsten besuchest du nun, und köstliche waaren
handelst du ein, und schmuck reichen matronen der stadt.
aber bringe mir auch ein leichtes kettchen; ich will es
dankbar zahlen.
Göthe 1, 298;
leichtes geld, dessen ausgeprägte stücke nicht die schwere der früheren gleichen erreichen, vergl. fries.: da was dyoe monthe (die kölnische) al to fyr, ende di penningh al to sweer, da kerren da lyoed een nyara montha, ende een lichtera penningh leyden da lyoed. Richthofen 5, 3; nhd. thut, nach unserer münze, etwan siebenzig thaler leichte geld. Rabener sat. 3, 24; und so ein billiger mann war mein ungenannter allerdings. er hat keine schuld, die in leichtem gelde gemacht war, in schwerem wiedergefodert. Lessing 10, 195; danach münzen leichtes schlages, leichtes gepräges, und dies übertragen: ein mensch von leichtem schlage;
lieder sind wir nur, romanzen,
alles nur von leichtem schlag.
Uhland ged. XV,
was wieder in die bedeutung 18 unten verläuft. in Baiern noch um e leichts geld kaufen, wolfeil, auch nur leichter kaufen, billiger. Schm. 1, 1428 Fromm., wozu aber der leichte kauf unten 8 zu vergleichen; um den leichtesten preisz an sich bringen, minimo redimere Steinbach 1, 1029.
3)
aus der vorstellung des wenig wiegenden entwickelt sich die des zierlich beweglichen, flüchtigen, geschwinden, ein wesen von wenig gewicht ist schnell und elastisch in seinen bewegungen:
traun, du bist ein leichtes liebchen,
wiegst nicht über fünfzig pfund,
hast ein kleines, flinkes füszchen:
tanze mit uns in die rund!
Uhland ged. 308;
glücklicherweise macht ich mich los (erzählt das kaninchen), und da ich so leicht bin,
konnt ich entspringen.
Göthe 40, 114,
nach: ik was so licht, dat ik entsprank,
unde sus ût sinen poten quam.
Reinecke fuchs 3336;
so steht das adjectiv in bezug auf geister, wo die abwesenheit des körpergewichts in der vorstellung vorzugsweise lebendig ist:
was unterm monde gleicht
uns elfen flink und leicht?
Matthisson ged. 102;
weinst du gern im mondenschein?
weine nur! so wirst du schmelzen,
bald ein leichtes elfchen sein.
Uhland ged. 309;
da hüpft aus dem kreise (der geister), so leicht wie der wind,
ein mageres wesen.
H. Heine 15, 34;
von menschen und thieren:
wie leichte wanderer, laszt uns
fertig stehn, den stab in der hand.
Klopstock 5, 125;
Phöbus schreitet hervor, schüttelt das lockige haupt;
trocken schauet Minerva hinab, und Hermes, der leichte,
wendet zur seite den blick, schalkisch und lächelnd zugleich.
Göthe 1, 274;
leichter denn die adeler, und sterker denn die lewen. 2 Sam. 1, 23; sechzehn hundert reuter zu leichten pferden ... das land zu berennen. Garg. 254ᵃ, und danach, in der technischen sprache des militärs, leichte reiter, leichte reiterei, franz. chevaux legers;
ach, ich bin so veracht, ja auch dem leichten hasen
sitz ich zu hohn allhier.
Fleming 118;
das leichte federvieh verläszt die warmen nester.
149;
der schnelle hirsch, das leichte reh,
ist froh und kömmt aus seiner höh
ins tiefe gras gesprungen.
P. Gerhard 239, 22 Gödeke;
ein gaul, der schmuck von weiszen pferden,
von schenkeln leicht, schön von gestalt.
Gellert 1, 45;
aus dunkler fichtengruppe
wallt am beschilften moor,
in dichtgedrängtem truppe,
das leichte wild hervor.
Matthisson ged. 81;
Reinecke, leichter als er, entsprang dem stürmenden gegner.
Göthe 40, 215
(im original: Reinke was lichter dan he to vôt.
Reinecke fuchs 6302, vergl. nachher 4);
vom glück, wenn es als wesen gedacht wird, wo aber auch die bedeutung 21 unten eingreift:
unsicher, los und wandelbar
sind alle bande, die das leichte glück
geflochten.
Schiller 492ᵇ (br. v. Messina);
ferner von beförderungswerkzeugen: auf leichtem wagen durchs land rollen; er sasz in einem leichten gefährt;
was hilft michs aber nun, nun mich so hat gestürzet
durch einen jehen fall das leichte glückes-rad?
Fleming 114;
mich reizt im leichten kahne
des vollmonds milder schein.
Matthisson ged. 84;
pfalzgräfin Tutta fuhr über den Rhein
im leichten kahn, bei mondenschein.
H. Heine 18, 60;
von dahinziehenden wolken, nebeln, traumbildern, winden: leichte morgenträume. Gotter 1, 258; zum blauen wehenden himmel .. worin die leichten sommerwolken gingen. J. Paul Tit. 2, 98;
um sie verschlingen
sich leichte wölkchen.
Göthe 41, 340;
wie leichte wolken vor der sonne,
so zieht mir vor der seele leichte sorge
und bangigkeit vorüber.
9, 73;
drei mal entschlüpft das bild dem feurigen berühren,
gleich leichten nebeln, die am hügel ziehn.
Schiller zerstörung von Troja 133;
die leichten winde bringen
mir der düfte balsam zu.
sehnsucht.
4)
daher wieder der leichte fusz, mit dem ein solches wesen schreitet, und welches sowol der zierlich behende, als auch der im fliehen gewandte sein kann, vergl. theil 4¹, 971 oben:
auf der leichten füsze spitzen
schwebt sie (eine tänzerin).
Freiligrath dicht. 1, 52;
sähen sie jenen (die freier den Odysseus) einmal gen Ithaka wiedergekehret,
mehr wohl möchten sie alle noch leichtere füsze sich wünschen,
als noch reichere last an gold und köstlicher kleidung.
Odyssee 1, 165;
leicht zu fusze:
da kam ein bube gelaufen,
ein vertrackter geselle mit einer pike bewaffnet,
leicht zu fusze.
Göthe 40, 192,
nach: he was stark unde licht to vôt.
Reinecke fuchs 5687;
und der leichte gang, schritt, schwung, tanz u. ähnl.:
im leichten tanz, mit flügeln der minute,
entfloh mir jeder tag.
Hölty 134 Halm;
im dunkeln uferschilfe
weht leichter irrwischtanz.
Matthisson ged. 85;
hoch aus mildem glanze
streut im leichten tanze
mir das eichhorn laub und moos.
88;
sie fliehen fort, im leichten tanz der Horen.
Schiller sängers abschied;
Aurorens liebe, leichten schwungs, bezeichnets mir.
Göthe 41, 252;
die schnelleren schritte
durch den dunkelnden pfad verdoppelnd mit leichter bewegung.
40, 317;
bis das kind mit leichtem schritte
wandle her.
Uhland ged. 194;
das leichte naturell eines irrlichtes:
aus ehrfurcht hoff ich, soll es mir gelingen,
mein leichtes naturell zu zwingen;
nur zickzack geht gewöhnlich unser lauf.
Göthe 12, 203.
5)
dann auch von andern gliedern und deren bewegungen: übrigens schwieg er (der barbier) still und das geschäft war mit sehr leichter hand vollbracht. Göthe 23, 10; seine (des wundarztes) manieren waren mehr rauh als einnehmend, doch seine hand leicht. 19, 44;
ihr saiten, tönet sanft und leise,
vom leichten finger kaum geregt!
Uhland ged. 63;
er erzählte mit leichter zunge; das moralische gift (verläumdung) macht die zunge so leicht als physisches sie schwer. J. Paul Tit. 3, 168; und von dingen die zierlich - flieszend oder flüchtig hervorgebracht werden: mit leichten schriftzügen schreiben; leichte, flieszende verse machen; eine leichte sprache, ein leichter stil; zuweilen kostet eben das leichte, das natürliche in einem gedanken, das sich bei seiner zubereitung nicht gleich geben will, die meiste mühe, und gefällt doch dem leser am ende aus dem grunde, weil es keine mühe gekostet zu haben scheint. Gellert 4, 12; der erste begriff, den wir mit dem natürlichen, insbesondre in briefen, zu verbinden pflegen, ist das leichte; dieses entsteht aus der richtigkeit und klarheit der gedanken, und aus der deutlichkeit des ausdrucks. 23; dem leichten werke des dichters winkt noch lange grüszend zu, wer einmal davor heiteres lächeln gefunden hat oder gehobene stimmung. der gelehrte wird nur selten und fast zufällig durch einzelne werke ein werther freund und vertrauter seiner leser. Freytag handschr. 1, 340; leichte naht nennt die nähterin eine mit lauter vorderstichen verfertigte naht. Jacobsson 6, 440ᵇ;
nicht der masse qualvoll abgerungen,
schlank und leicht, wie aus dem nichts gesprungen,
steht das bild vor dem entzückten blick.
Schiller ideal u. leben v. 85;
von dingen, die in die höhe streben, ohne dasz ihr gewicht ins auge fällt oder ihre last zum bewustsein kommt: die wölbungen werden von leichten säulen getragen; vgl. leichtsäulig;
bald zieren sie (krüge) im fernen westen
des leichten bretterhauses wand.
Freiligrath dicht. 1, 12;
der aus leichten tannenbrettern
zimmerte den hüttenkahn.
66;
von werkzeugen, die derartiges hervorbringen: beim maler der leichte pinsel, beim bildhauer ein leichter meiszel, beim kupferstecher ein leichter stichel;
mit leichtem rohr schrieb ich in den sand:
Agnes, ich liebe dich!
H. Heine 15, 228;
bis das wort, in der bedeutung mehr verblassend, nur noch das flüchtige, nicht scharf hervorgehobene oder hervortretende, schnell vergehende hervorhebt:
der, den man itzt begräbt,
das herzeliebe kind, hat neulich noch gelebt.
und itzt, itzt starb es hin, es war wie eine blume,
wo nur nicht leichter noch, mit seiner schönheit ruhme.
Fleming 135;
ein leichtes schütteln, ein leichtes nicken des kopfes; eine leichte bewegung der hand; ein leichtes zucken der schultern; er hatte einen leichten rausch; durch das leichte kläffen eines uns entgegenkommenden hündchens angemeldet. Göthe 48, 129; bei so groszer gefahr kommt die leichteste hoffnung in anschlag. 8, 224;
es kostete ein einzig leichtes wort,
um augenblicks des dranges los zu sein.
Schiller Tell 2, 1;
jenes süsze gedränge der leichtesten irdischen tage,
ach, wer schätzt ihn genug, diesen vereilenden werth!
Göthe 1, 316;
der kindheit leichte plane
begrenzt das abendroth.
Matthisson ged. 28;
er äuszerte einige leichte bedenken; leichte zweifel an der wahrheit dieser erzählung sind erlaubt; ein leichter unterschied;
gab die liebende natur,
gab der geist euch flügel,
folget meiner leichten spur,
auf zum leichenhügel!
Göthe 12, 231;
(der ort) wo eine alte leichte spur des frech
vergossnen blutes oftgewaschnen boden
mit blassen ahndungsvollen streifen färbte.
9, 47.
6)
allen solchen beziehungen gemäsz steht leicht adverbial: aber wie leicht man in (den erdschneck) anrüert, sô zeucht er diu hörner ein. Megenberg 303, 4; ich arbeite gern leicht weg und wie es steht so steht es. Göthe 16, 93; seid so gut und haltet die rede, wie ich sie euch vorsagte, leicht von der zunge weg. Shakesp. Hamlet 3, 2;
den caduceus schwingt der zierlich geschenkelte Hermes,
und die Victoria fliegt leicht aus der haltenden hand.
Schiller Herculanum u. Pompeji v. 54;
o schicksal, wechsle leicht nur mit den loosen:
den dichter führe wieder zu der schönen!
Uhland ged. 138;
leicht vorübereilend mit dem winde.
134;
ein leicht anmuthiges, heitres wesen. Göthe 24, 90; die wangen leicht geröthet. Freytag ahnen 5, 146; ehrbar und altbärtig rückte der erbprinz seinen groszen hut, Victor fuhr leicht an die husarenmütze. handschrift 2, 382; etwas leicht erwähnen, vgl. auch leichthin; über etwas leicht hinweggehen; er setzte sich leicht über alle bedenken hinweg; diese arbeit ist nur leicht gefertigt;
sie liegt, nur leicht bedeckt,
in bluhmen hingestreckt.
Uz 1 (1768) 112;
hier geht
der sorgenvolle kaufmann und der leicht
geschürzte pilger.
Schiller Tell 4, 3 (vgl. auch die zusammenrückung leichtgeschürzt);
sie aber hebt den schleier leicht.
Uhland ged. 25.
leicht, in bezug auf last und drückendes.
7)
im eigentlichen sinne, von einer ladung oder etwas zu tragendem: der wagen hat nur leichte ladung; die bürde, mit der er die strasze zog, war nicht leicht; mein joch ist sanft, und meine last ist leicht. Matth. 11, 30; leichte bürden werden ferne schwer. Simrock sprichw. 335;
der ausfuhr nach dem morgenlande,
des fremden schiffes leichte last,
schon führt er zu der heimath strande,
von golde schwer, den eignen mast.
Uhland ged. 242;
einem verstorbenen wünscht man, ihm sei die erde leicht:
du drücktest nicht die erde,
sei dir die erde leicht!
42;
leichte speisen, solche die den magen nicht belasten:
die leichte speise bekommt mir,
und mein weib ist von gleichem geschmack.
Göthe 40, 121,
nach: wente ik ete gerne lîchte spise,
mîn wîf holt ok de sulven wise.
Reinecke fuchs 3595;
leichte fesseln, die nicht drücken; die leichten bande, in denen er gefangen war;
da ihr noch die schöne welt regiertet,
an der freude leichtem gängelband
glücklichere menschenalter führtet.
Schiller götter Griechenlands, 1. bearbeitung;
es heiszt eine last leichter machen, sie durch wegnahme eines theils mindern; einen wagen, einen karren leichter machen, durch minderung der last; warfen das gerete, das im schiff war, ins meer, das es leichter würde. Jona 1, 5; seinen leib, sich leichter machen, durch entleerung: nun hett sich der wolf so angefüllet, dasz ihm noht ward, sich leichter zu machen. Kirchhof wendunm. (1603) 7, 69;
der ritter hatte sehr höflich auf einen augenblick
von seiner gebieterin urlaub genommen,
und kehrte so eben, getrost und leichter, zurück.
Wieland 4, 194 (n. Amadis 8, 32).
8)
übertragen auf leistungen, verrichtungen, geschäfte, deren besorgung nicht schwer fällt; so auf abgaben: auch die abgaben waren sehr leicht. Niebuhr kl. schr. 1, 3; die oben angeführte stelle Matth. 11, 30 wird auch in diesem sinne gewendet:
unser einer hats halter gut in geistlicher herren
ländern; ihr joch ist sanft, und ihre lasten sind leicht.
Schiller xenien no. 82;
auf dienste, arbeit, kenntnisse: er hat ein leichtes amt, einen leichten dienst; da ich den leichteren italiänischen dienst gewohnt bin. Göthe 8, 248; was ratet jr, das wir antworten diesem volk, die zu mir gesagt haben, mache das joch leichter, das dein vater auf uns gelegt hat? 1 kön. 12, 9; vieleicht wird seine hand leichter werden uber euch. 1 Sam. 6, 5; das ist eine leichte arbeit; leichte verrichtungen; dem verstendigen ist die erkentnis leicht. spr. Sal. 14, 6; eine leichte verantwortung, facilis responsio. Steinbach 1, 1029; ein leichter zutritt zu einem, facilis aditus ad aliquem. ebenda; sprichwörtlich leichtes spiel haben;
o leichtes spiel! o kindischer verrath!
Uhland ged. 451;
der leichte kauf, der kauf ohne mühe; leichten kaufes etwas erreichen u. s. w., vergl. theil 5, 321 (wozu aber auch leichter kaufen oben 2 a. e. zu vergleichen); eine leichte mühe; man kann sich mit leichter mühe ein paar mark verdienen; meine aufgabe ist leicht. Freytag handschr. 1, 84; leichte kunst, ars facillima, artificium tenue, vulgare, commune, leichte geschäfte, negotia parvula, tenuia, vilia, exigua Stieler 1133; mit behaglichkeit .. fuhr der sohn fort das betragen der schönen witwe gegen ihn zu erzählen, jene unwiderstehliche anmuth, jene zarten gunstbezeugungen einzeln herzurühmen, in denen der vater nur die leichte gefälligkeit einer allgemein gesuchten frau erkennen konnte. Göthe 22, 55; auch das freiwilligste, das leichteste gelübde ist eine art von vermessenheit. Gotter 3, 64; selbst ein leichter kranz von einem mühelos zu erreichenden:
wer angelangt am ziel ist, wird gekrönt,
und oft entbehrt ein würdger eine krone.
doch gibt es leichte kränze, kränze gibt es
von sehr verschiedner art; sie lassen sich
oft im spazierengehn bequem erreichen.
Göthe 9, 154.
9)
leicht, von beschwerden, krankheit und tod: ihn hat ein leichtes unwolsein befallen; die krankheit ist nur leicht; er erhielt eine leichte wunde; er ist eines leichten todes gestorben; leichte kränkungen verschmerzen. Gotter 1, 86; leichte oder ringe geburt, facilis partus. Maaler 267ᵇ;
eine lust der erden
macht mir die beschwerden
alles kummers leicht.
Günther 19;
leicht selbst schien uns der druck des vielbedürfenden krieges.
Göthe 40, 290;
und so adverbial: leicht verwundet; leicht erkrankt; er ist leicht gestorben; im comparativ von der besserung eines schweren übels: das fieber ist leichter geworden; ein leib umb den es besser und leichter ist worden, alleviatum corpus. Maaler 270ᵃ.
10)
von einer strafe, die nicht hart trifft: er kam mit einer leichten strafe davon; er erhielt eine leichte züchtigung, einen leichten verweis; ein leichtes vergehen, der schweren schuld entgegengesetzt: er hat einen leichten fehler begangen;
wird ein so leicht vergehn
so hart bestraft?
Göthe 9, 337.
11)
vom herzen, sinn und mut, die nicht gedrückt sind: bin auch selbst bei jm zu Vannes in Britannien gewesen, mit jm ein leichten mut gehabt (bin lustig mit ihm gewesen). Galmy 213; o ein biszchen leichteres blut würde mich zum glücklichsten unter der sonne machen. Göthe 16, 91; 'wir dürfen annehmen, dasz die unbehagliche novelle dadurch für alle betheiligten zum ende gebracht ist', schlosz der professor mit leichtem herzen. Freytag handschrift 1, 403; der leichte sinn, unterschieden vom leichtsinn (s. d.): doch gutes muths! ein leichter sinn trägt alles! Göthe 16, 91;
doch das gröszte glück im leben
und der reichlichste gewinn
ist ein guter leichter sinn.
57, 252;
doch kann auch leichter sinn für leichtsinn stehen:
Ulyssen auch! sagt ich ihm nicht voraus
der Circe listen, des Cyklopen graus?
das zaudern sein, der seinen leichten sinn,
und was nicht alles! bracht ihm das gewinn?
41, 162;
es heiszt das herz, die brust ist einem leicht, es ist, wird einem leicht im herzen, ums herz: ich werde ihm folgen, und bald folgen, ich fühl es, und es wird mir so leicht ums herz. Göthe 20, 279; das herz war dem professor doch leichter geworden. Freytag handschr. 1, 367;
leichter schlägt das herz dem Abassiden.
Platen 326;
auch ich fühle mich leicht; wie ich auf einmal so leicht, so gehoben mich fühle! Schiller kab. u. liebe 4, 8; ich bin leicht, es ist mir leicht, es wird mir leicht: ich freue mich, dasz mir viele dergleichen erfahrungen nicht mehr übrig sein können zu machen; und bin ganz leicht. Lessing 12, 499; hm — ich bin nicht so leicht, als ich nach einem zweikampf sein sollte. Leisewitz Jul. v. Tarent 21; auch wird mir wieder ganz leicht. Lessing 2, 138.
12)
ähnlich der leichte kopf, der nicht beschwerte: mein kopf ist heute ganz leicht sagt der sonst von kopfschmerzen geplagte; es wird mir leichter im kopfe.
13)
an das lasttragen knüpft deutlich die redensart an etwas auf die leichte achsel, auf die leichte schulter nehmen, auf die achsel die sonst nicht beladen ist und daher leicht trägt, vgl. belege auch unter achsel theil 1, 163: Mark Anton nahm dies zwar nicht .. auf die leichte achsel. Heinse Ardingh. 1, 143; du hast verdrusz gehabt? ... gut, sagte er, dasz du es auf die leichte achsel nimmst! Göthe 16, 105; dafür auch etwas leicht nehmen: dasz ich fröhlich bin, die sachen leicht nehme, rasch lebe, das ist mein glück. 8, 213; ein verhängnisvoller schritt, den der könig leicht nahm. Bettine tageb. 2, 1;
nimm alles leicht! das träumen lasz und grübeln!
so bleibst du wohl bewahrt vor tausend übeln.
Uhland ged. 434;
etwas leicht achten:
acht poszhait leicht.
Schwarzenberg 153ᵃ.
14)
auf die abwesenheit der mühe und beschwernis (vgl. no. 8) beziehen sich die formeln leicht sein, leicht werden, einem etwas leicht machen und ähnl.: möget ihr sie machen (die gedichte), welches auch ein leichtes ist. Göthe 24, 274; so wärs ihm ein leichtes, sie in einem fremden lande zu verderben. 10, 70;
ich schaffe was ihr wollt und schaffe mehr;
zwar ist es leicht, doch ist das leichte schwer.
41, 16;
begreifst du aber,
wie viel andächtig schwärmen leichter, als
gut handeln ist?
Lessing 2, 205;
mit folgendem abhängigem satze: es ist leicht, dasz der schatte zehen stufen niderwerts gehe, das wil ich nicht, sondern das er zehen stufen hinder sich zu rücke gehe. 2 kön. 20, 10; mit infinitiv, gewöhnlich durch zu vermittelt: es war jnen so leicht mich zu beschedigen, das sie keiner hülfe dazu durften. Hiob 30, 13; es ist dem herrn gar leicht, einen armen reich zu machen. Sir. 11, 22;
denn sie sind leicht zu verdauen, man schluckt sie nur eben hinunter.
Göthe 40, 121;
in den sinn des nahe, auf der hand liegenden übergehend: dieses ist eine parodie der drei gebete eines freigeistes, eines christen und eines guten königs, deren wir letzthin gedacht haben. sie würde sehr sinnreich sein, wenn sie nicht so leichte gewesen wäre. Lessing 3, 389; im comparativ: es ist leichter, sand, salz und eisen tragen, denn einen unverstendigen menschen. Sir. 22, 18; welchs ist leichter zu sagen? dir sind deine sünde vergeben? oder zu sagen, stehe auf und wandele? Matth. 9, 5; es ist leichter, das ein kamel durch ein nadelöhre gehe, denn das ein reicher ins reich gottes kome. 19, 24; es ist aber leichter, das himel und erden vergehen, denn das ein tütel am gesetz falle. Luc. 16, 17; es ist leichter, eine heerd flöhe, als eine einzige frau zu hüten. Pistorius thes. par. 9, 32; es ist leichter tadeln, als besser machen. Simrock sprichw. s. 544;
es ist leichter commandieren,
als befehle auszuführen;
leicht werden: wo aber eine grosze sache ist, das sie die selb an dich bringen, und sie alle geringe sachen richten, so wird dirs leichter werden. 2 Mos. 18, 22; leicht ist mir meine rolle auch nicht geworden. Lessing 1, 599;
wie leicht wirds mir, dem eine götterhand
das herz zusammendrückt, den sinn betäubt,
dem schönen licht der sonne zu entsagen.
Göthe 9, 27;
leicht ward es ihm, die mauer zu ersteigen.
Schiller d. verschl. bild zu Sais;
mit erheiterndem spiel verkürzt dir der éine (der beiden lebensgenien)
die reise,
leichter an seinem arm werden dir schicksal und pflicht.
die führer des lebens;
dann wird die sichel und der pflug
in deiner hand so leicht.
Hölty 186 Halm;
etwas leicht machen: einem die arbeit leichter machen, onere, labore aliquem levare Stieler 1133; sie machen sichs und der welt leicht. Göthe 21, 11; er hat sich seine arbeit recht leicht gemacht;
und sprach die dame: mach dirs leicht!
da wurd ihm gleich das auge feucht,
und meinte, seiner pflicht zu fehlen,
durft er sich nicht im dienste quälen.
Schiller gang nach d. eisenhammer;
aber versuch es, o Deutschland, und mach es deinen beherrschern
schwerer, als könige grosz, leichter, nur menschen zu sein.
Deutschland u. seine fürsten;
etwas leicht haben; er hatte es leicht seine unschuld zu beweisen; von diesen (sünden) hatte sie leicht sich zu absolvieren. Schiller 1078ᵇ;
mein seel! ich werde kein soldat,
und wandre lieber hinterm pflug.
da sing ich mir die arbeit leicht.
Hölty 39 Halm.
15)
ferner zahlreiche fälle, in denen leicht adverbial steht, im sinne von ohne mühe, ohne anstrengung (wofür die ältere sprache gern auch leichtlich braucht, s. d.):
ouch half in sêre, daʒ diu kint
sô lîhte ze gewenenne sint.
a. Heinrich 334;
wie der rhümen kan, der den stecken füret und hebt und füret jn so leicht, als were er kein holz. Jes. 10, 15; gleich wie die spreuwen, holz und eisen von dem feuwer verbrennet werden, doch eins leichter und härter als das ander. volksb. von dr. Faust 114 Braune; das einem leicht ankommt, quod nullius negotii est. Frisch 1, 601ᵇ; wer alle dinge vorher wüszte, könnte leicht reich werden. Pistorius thes. par. 8, 9; ein zorniger kopf ist leicht blutend zu machen. 65; wer leicht glaubt, wird leicht betrogen. 9, 53; wer gern tanzt, dem ist leicht gepfiffen. Simrock sprichw. 547; weil ich leicht und bald zu verstehen bin. Gellert 4, 12; (wie er) einen zug, den man so gefährlich achtete, leicht und ohne anstosz zu leiten wuszte. Göthe 8, 248; trug dich dein pferd so leicht herein, und scheute vor dem blutgeruche nicht? 256; leicht kann der hirt eine ganze herde schafe vor sich hintreiben, der stier zieht seinen pflug ohne widerstand. 262; überdem spielte er den flügel höchst anmuthig ... die töne flieszen ihm leicht und harmonisch zusammen. 23, 213; wenn man einig ist und zufrieden die gemüther, so geht alles noch einmal so leicht. J. Gotthelf Uli d. knecht (1870) 180;
und bist ein gott von warheit fest,
der seinen zorn leicht fahren lest
wenn man dich herzlich bittet.
B. Ringwald in Wackernagels kirchenl. 4, 909;
wir kommen leicht zu gelde,
und leichtlich wieder drüm.
Fleming 110;
nun gott ist fromm und treu,
sein huld ist immer neu,
und läszt sich leicht versühnen.
P. Gerhard 18, 63 Gödeke;
so bald sich nun in uns der trieb
des eignen willens leget,
so eilt man leichter auf der bahn,
die nach dem himmel träget.
Günther 44;
sie (die lacerten) laufen,
kriechen und schleichen, und leicht schleppen die schwänzchen
sie nach.
Göthe 1, 366;
der geist der medicin ist leicht zu fassen.
12, 99;
ich musz dich nun vor allen dingen
in lustige gesellschaft bringen,
damit du siehst wie leicht sichs leben läszt.
107;
eilig faszte darauf der gute verständige pfarrherr
erst des vaters hand und zog ihm vom finger den trauring
(nicht so leicht; er war vom rundlichen gliede gehalten).
40, 334;
glückselig, wer, in wonnetrunkenheit begraben,
so leicht wie ich den tiefen fall verschmerzt!
Schiller der kampf;
'nur ein weniges erde beding ich mir auszer der erde',
sprach der göttliche mann, 'und ich bewege sie leicht'.
an die proselytenmacher;
so sauer ringt die kargen loose
der mensch dem harten himmel ab;
doch, leicht erworben, aus dem schoosze
der götter fällt das glück herab.
das geheimnis;
werd ich auf weibestugend baun
beweglich wie die well?
leicht locket sie des schmeichlers mund.
der gang nach d. eisenhammer;
in verbindung mit adjectiven: ein leicht bestimmbarer mensch; eine leicht durchbrochene schranke; vgl. auch leichtgläubig; einer der leicht glaubet, credulus Stieler 1133;
das ist die zauberei, du leicht verführter thor!
Göthe 12, 219;
dir der unberührbaren
ist es nicht benommen
dasz die leicht verführbaren
traulich zu dir kommen.
41, 340;
mit negationen: die sache ist nicht leicht auszuführen; ein dreifeltige schnur reiszet nicht leicht entzwei. pred. Sal. 4, 12;
des volkes wegen konnt er ihn (Herodes den Johannes)
nicht leicht so plötzlich tödten.
Günther 39;
bei zween herren kan kein mensch
sich leicht in dienste geben.
44;
ach gott! wie doch mein erster (mann) war,
find ich nicht leicht auf dieser welt den andern!
Göthe 12, 155;
diese fabel bedeutet: dasz wider zwo städte, in welchen die bürger einträchtig bleiben, keine feindschaft leicht etwas vermag. Lokmans fab. 1.
16)
ähnlich betont leicht die abwesenheit von schwierigkeiten und somit eine nahe möglichkeit; der sinn verläuft öfters in den vorher 15 aufgeführten:
ein gast der alsô spâte
und alsô müeder kumt geriten,
den mac man lîhte des erbiten,
ob er niht grôʒe unmuoʒe hât,
daʒ er des nahtes dâ bestât.
Iwein 5808;
daʒ siech schâf macht diu andern leiht siech. Megenberg 154, 23; es were leicht geschehen, das jemand vom volke sich zu deinem weibe gelegt hette. 1 Mos. 26, 10; dasz du, ... ob du schon meines wissens gute gerechte sach hast, doch dieselbe ... leicht magst verlieren. Philander 2 (1643), 190; an entschuldigungen wird es niemanden leicht fehlen. Pistorius thes. par. 3, 82; man streitet sich über vieles, und leicht hält einer den andern für unwissend. Freytag handschr. 1, 152; bed. kann er mir nicht den officier nachweisen, der gestern noch in diesem zimmer .. gewohnt hat? Just. das dürfte ich leicht können. Lessing 1, 521; wie leicht kommt nicht ein haar in die butter. Simrock sprichw. 335;
wir seind nit mehr als fleisch und blut,
dem leicht allein kan grawen.
B. Ringwald in Wackernagels kirchenl. 4, 925;
dasz dich das wetter musz erschlagen,
du pfaff, dasz du mir thust einjagen
ein solchen schrecken in der beicht,
dasz ich wer umbgefallen leicht.
L. Sandrub kurzweil (1618) 37;
er könnte bei dem sultan leicht, — ihr kennt
den sultan nicht! — leicht in verlegenheit
gekommen sein.
Lessing 2, 266;
die krankheit des gemüthes löset sich
in klagen und vertraun am leichtsten auf.
Göthe 9, 178;
bedenk, auf ungetreuen wellen —
wie leicht kann sie der sturm zerschellen! —
schwimmt deiner flotte zweifelnd glück.
Schiller ring des Polykrates;
nun werd ich ihn beleidigt haben, und wie ich merke, so denkt ers einem leicht. Klinger theater 3, 182;
das dach und auch der wetterhahn,
wie man leicht kann erachten,
(war) von feinem gold aus Indostan.
Hölty 25 Halm;
bei solchen fährlichkeiten, denkt ihr leicht,
dasz das verdienst sein ziel erst spät erreicht.
Gotter 1, 167;
nun denkt ihr leicht (und ich bekenn es ehrlich),
dasz mirs daheim nicht mehr behagen mochte.
Uhland ged. 430;
bei abschätzungen, die man nicht als ganz sicher geben will: er ist leicht der erste in seinem fache; leicht 6 heuser vom auszern tor. d. städtechron. 10, 298, 11; leicht ahtag darnach. 337, 3; man sah der sunnen neur leiht das 8 oder zehen tail, also was der mon darüber. 374, 2; sie heten ein privet leicht 20 mann tief. 313, 5;
woll aus der gemein von Nurmberg
leicht syben hundert man.
Soltau volksb. 178 (von 1502);
in verblasztem sinne, nicht mehr wie etwa oder einmal: ich kenne die schulfuchs inwendig und auszwendig. sie mögen leicht etwas thun, so bilden sie sich alsbald ein, sie haben tausend Philister mit einem esels kinnebacken erschlagen. Schuppius 799; auch im bairischen sprachgebiete ist leicht oft nicht mehr wie etwa, nun. Schm. 1, 1429 Fromm.
17)
der ältern sprache war leicht, was wir jetzt durch das zusammengerückte vielleicht ausdrücken: mhd.
dô sach er vanen breite   vor sîner bürge wagen.
dô sprach der künic Ludewîc:   jâ sul wir eʒ sagen
mîm sune Hartmuote.   eʒ sint lîhte pilgerîne
und ligent hie durch koufen   vor der stat und vor der bürge mînen.
Gudrun 1364, 3;
und verstärkt
man müge mich vil lîhte   edeler vürsten site noch gelêren.
33, 4;
nhd. anno domini 1396 umb pfingsten do kam in Ungern zusammen di gröst herschaft, die leicht ie kain (ein) man gesechen het. d. städtechr. 1, 48, 16; als ir leiht wol vernomen habt und ewern gnaden ze wissen getan ist worden. 199, 13; do gingen sie mit andern iren puntgenoszen zu rat und meinten, leicht ob man weg möcht finden, ee mit einem bescheiden gelt ab ze komen, des man doch nit pflichtig noch schuldig was, wer leicht besser, dann so in ein sweren krieg zu geen. 2, 127, 1; es was derzeit der brauch, wie leucht sich ein briester vergriff, so man im sonst nit zuemocht, so ward im das pflaster verpoten. 15, 59, 11;
es wird leicht der landtbütel sein.
H. Sachs 3, 3, 28ᵃ;
du meinest leicht etwan dein weib.
31ᵇ;
du must ein mal ein genglin wagen:
das wirdt dir leicht nit wol behagen.
B. Waldis Esop 2, 84, 26;
man sprech (spräche): was mag der han vor sachen,
das er jetzt hin gen Heidlberg lauft?
wer weisz, leicht ausz dem bann sich kauft.
4, 14, 34.
leicht, von gehalt; aus der vorstellung des leichten dem gewichte nach abgezweigt.
18)
in der sprache des handels und der gewerbe heiszt leicht eine waare, die nur einen geringen theil dessen enthält, was ihre eigenthümlichkeit bildet, und diese eigenschaft allerdings durch geringeres gewicht bezeichnet: leichtes tuch, dem schweren, solid gewobenen entgegengesetzt; leichter atlas, geringer. Jacobsson 1, 72ᵇ; leichtes gespinnst; leichter wein, leichtes bier, von wenig geistigem gehalte;
heute trinkt er nicht den leichten
landwein.
Scheffel trompeter, 16. stück;
leichtes geld, vergl. oben 2.
19)
leichte waare bildlich, theils mit hinblick auf no. 22 unten:
ein künig was in Kriechenlandt,
Menelaus was er genant,
der hat der lichten waren ein,
Helenam die schon ich mein,
die des künigs huszfrouw was.
sobald Parisz vername das
das er do lichte waren fandt,
zu schiff handt wir jn dargesandt.
Murner geuchmatt, in Scheibles kloster 8, 1074;
theils ohne solchen: so gewann diese leichte waare (die Dittersdorfschen opern) beifall und abgang. Göthe 30, 258; was dann an die bedeutung 5 oben sp. 632 grenzen kann, nicht mit ihr zusammenfällt, da eine verächtliche nebenbedeutung immer bleibt und von derselben scheidet, vergl. die adverbiale stellung:
verschweige doch nur deine lieder!
Anakreon kömmt uns nicht wieder,
und wer so leichte singt wie du,
den schuf das schicksal nicht darzu.
Lessing 1, 71;
und danach auch auf anderes übertragen: von dem aber, was innere philosophische überzeugung heiszt, hatte sein (Bayles) leichtes gehirn schwerlich einen begriff. Herder gott (1787) 4; für das leichte heer von lesern hat Bayle den begrif von Spinoza fixirt. 6; für den ganz leichten dilettanten nach der mode. Göthe 33, 25.
20)
leicht, in bezug auf menschen, gering, unwert, von geschlecht, abstammung: do ward der adelich Rudolphus nit bewegt, sonder mit frölichem angesicht und geduldigem gemüet antwurt er dem leichten man (einem freiheitbuben). d. städtechron. 3, 110, 10;
lieʒ ich die himelkrône,
sô het ich alwæren sin,
wand ich doch lîhtes künnes bin.
a. Heinrich 1170;
auch auf wertschätzung gehend: dasz man die so regieren sollen in der welt so geringe und leicht achte. Luther br. 4, 152; weil ich e. g. nicht so leichte achte. 5, 513;
ja wolden wir eʒ nicht versagen
einem dem lîhtisten man
der ritters namen ie gewan.
Biterolf 11631.
21)
leicht, locker, lose, unbeständig, in bezug auf die moralische seite des menschen: wer an der nasen langeu naslöcher hât und dünneu, der ist gæch und ain tôr und leiht. Megenberg 45, 27; zo lesten vant man, dat it lichter lude gedroch (betrug) was. d. städtechron. 13, 41, 2; die spiler halten sy nit allein für eerlosz leicht leüt, sondern ergriffen strafen sy es auch. Frank weltb. 104ᵇ;
soll ihn das leichte volk sehn auf den richtplatz gehn,
gebunden und geschleift?
A. Gryphius 1698 1, 31;
verflucht wer sich den wahn der freundschaft läst bethören!
verflucht wer auf den eid der leichten menschen baut!
verflucht wer auf den mund und auf versprechen traut.
40;
ja, es ist Sophonisb, ein hasz der leichten götter,
ein ball des falschen glücks, ein ziel der unglücks-wetter.
Lohenstein Sophonisbe 23, 79;
elendes Africa! wie mögt, ihr leichten götter!
nur schütten über uns verderb- und unglücks-wetter?
83, 189;
der leichten götter grimm und ihrer gaben dunst.
Cleopatra 93, 396;
an dem ist wenig tugend zu erblicken;
er scheint mir eine leichte, lockre haut.
Uhland ged. 460;
spielend mit der bedeutung 1 oben:
der dich nechst leichte schalt, wird, denk ich, noch nicht wissen,
dasz dich sechs rosse stets nach hofe ziehen müssen.
A. Gryphius 1698 2, 486 (epigramm auf Publium);
es zympt, nit allzeit in einem leichten wesen zu beleiben. A. v. Eybe 14ᵇ; leichte worte, lockere, leichtfertige (unterschieden von oben 5):
süsz singen das di sünd sei guͦt,
beflecket oft der jungen muͦt,
wann leichte wort auch bringen werk.
Schwarzenberg 124ᵇ;
adverbial leicht schwören, leichtsinnig:
gi scholen ok nicht so lichte sweren,
up dat gi bliven bi macht unde eren.
Reinecke fuchs 3453.
22)
dieses leicht ist vielfach auf das geschlechtliche des menschen eingeschränkt:
ein man wirt schanten rîche,
dem alsô ist gemuot der lîp
daʒ er alsam ein lîhteʒ wîp
manicvalter liebe phliget.
Lichtenstein 649, 22;
die huren und leichte weiber. Fischart bienk. 183ᵇ; ein leichtes, veränderliches mädchen, die heute sich hingiebt und morgen sich spröde versagt! Immermann Münchh. 4, 51;
es zeigt sich nun, er ist aus keinem bessern holz
geschnitzt als andre leichte knaben.
Wieland 21, 223;
um mit ihnen die leichte jugend einiger närrinnen aufzuschmücken. L. Tieck ges. nov. 2, 148; ein leichtes leben. pers. rosenth. 5, 19; leicht leben; in milderem sinne als leichtfertig: sonst, da ich ohne zweck und plan leicht, ja leichtfertig lebte. Göthe 20, 189.
leicht f
Fundstelle: Lfg. 4 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 629, Z. 16
leiche, s. sp. 612.
Zitationshilfe
„leicht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/leicht>, abgerufen am 19.05.2019.

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