Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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leite, f.

leite, f.
bergesabhang; mhd. lîte, ahd. hlîta, altnord. hlîđ; ein ags. hliđ clivus steht weiter ab; die verwandtschaft des wortes mit einer gröszeren wortfamilie erörtert J. Grimm in der Germ. 3, 3. clivus lite Dief. nov. gloss. 97ᵃ; leiten an einem berg, litus per simplex t (d. h. zum unterschiede von littus), unde:
wiltu sicher reiten,
hut dich vor den leiten,
so vellest du nit uff die seiten.
voc. inc. theut. m 3ᵃ;
ich sach .. an einer wuͦnigklichen leiten
die wuͦnigklichen frawen reiten.
Amor (s. quellenverz. zum 1. bde.) C iij;
do ich kam an des waldes leiten,
do hort ich ettwas reiten
hinder mir auf derselben.
fastn. sp. 1407;
die furlewt auff der straszen,
die köler wol an der leit,
das seind gar weidlich prasser.
Mittler volksl. nr. 1552, 8 (16. jahrh.).
das wort hat sich heute noch im bairischen und fränkischen sprachgebiete erhalten (das alemannische braucht für den begriff halde, th. 4², 221, was in die schriftsprache übergieng): steirisch leite bergabhang Fromm. 4, 201; kärntn. leite, leiten, ein ackerfeld auf einem abhange, dann auch von steilen wiesen und alpen gebraucht Lexer 177; im Etschlande ein hügel mit weinbergen Schöpf 36; lusernisch lait, laiten, sonniger bergabhang Zingerle 40ᵃ; hennebergisch-fränkisch leite, abhang an einem hügel, der breit und lang ist Fromm. 4, 235.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 727, Z. 64.

leite, f.

leite, f.
nach dem verbum leiten in mehrfachem sinne.
1)
leitung, führung: bair. die lait, ductus, fahrt, ziehen, zug Schm. 1, 1527 Fromm.; landleite, umgehung der grenzen eines gebietes oder grundstückes. ebenda; vergl. dazu ableite und anleite, oben th. 1, 72. 400, heimleite th. 4², 873;
an der selbin reite
in wundirlîchir leite
quam ein der brûdre knabe
von Littouwin her abe.
Jeroschin 24867;
das ahd. verband mit seinem fem. leita auch den begriff funus, exequiae Graff 2, 187.
2)
im bergwesen hiesz leite der gang: die laite der ärzt (erzgang). Veith bergwb. 324 (15. jahrh.).;
ich sage wieʒ in der gruoben stêt.
ein ganc über den andern gêt
criuzewîs mit einer swebeleiten (einem schwebenden gange)
und beginnet sich breiten
vaste gegen dem ligenden hin.
Germ. 1, 347, 53 (u. bemerkung dazu s. 354).
3)
leite, im bair. fuhre, fuhrwerk; auch als mengenbezeichnung, soviel auf einmal verführt werden kann: 1⁄2 lait hews und 1⁄2 stros. Schm. a. a. o. (v. 1400).
4)
leite, ein fasz für das verführen von trauben oder auch fischen, vergl. unten leitfasz: vectorium ein leite Trochus S 3ᵇ (unter vasa conservatoria); die laiten sind grosze fässer mit einem weiten spunt, wie man die fische zu führen pflegt. Hohberg 1, 351ᵇ; in Oesterreich wird meistentheils mit den fischern ein accord gemacht, dasz sie die fische gleich bei dem teich abzuholen, mit ihren fischwägen und laiten sich auf einen gewissen tag einstellen. 2, 486ᵃ; die fasz oder laiten, darinn man die fische führt. 488ᵇ; die leit, fränkisch das fasz, worin man die weinbeeren zur kelter führt. Schm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 728, Z. 10.

leite, f.

leite, f.
nebenform zu lehde sp. 537: laite, leide, leete, ein wüstes und ungebautes stück land. Jacobsson 2, 551ᵃ; in der form laide, leide: ja freilich ists eine grosze lust und freude, wenn .. die anger voller schafe, die auen voller viehe, die leiden und brachen voller schweine sind. Coler hausb. 240; wie ihm ein hausvatter thun soll, wenn er aus einer dürren leiden eine wiese machen will. 304; darneben soll er (der verwalter) auch auf mittel und weege gedenken, wie die laiden, oder noch hinterstellige wüste länderei, immer unter der hand vollends in die arbeit und art gebracht werde. Hohberg 3, 2, 8ᵇ; einige striche (im gericht Osten), welche leiden genannt werden, sind sehr niedrig. v. Kobbe Bremen und Verden 1, 131.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 728, Z. 42.

leite, adj.

leite, adj.,
nach dem vorigen, ungebaut liegend: wenn mans haben kann, so soll man den acker, darauf man rüben, möhren oder mohrrüben, zwibeln oder zibollen .. etc. bauen oder säen und pflanzen will, als drisch (driesch, ungebaut) feld oder so leide gelegen erwehlen. Coler hausb. 182; ich soll die bäume wegschaffen, den acker wieder leite liegen lassen. Salzmann Carlsberg 4, 366.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 728, Z. 54.

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Zitationshilfe
„leite“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/leite>, abgerufen am 20.06.2021.

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