Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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licht, adj.

licht, adj.
lucidus.
1)
ahd. lioht mit dem adv. liohto; mhd. lieht mit liehte; alts. lioht, liaht, ags. leóht, fries. liacht; im gothischen und altnordischen fehlt die bildung, doch hat das gothische verbum liuhtjan sie zur voraussetzung. das ältere nhd. bis ins 17. jahrh. schreibt hier, wie bei dem folgenden subst., liecht, welcher schreibung noch heute diphthongische aussprache im alemannischen dialekte sowol, wie im bairischen (Schm. 1, 1430 Fromm.) entspricht. in nördlichen quellen aber hat in jener schreibung ie nur den wert eines längezeichens; und es fragt sich, ob selbst noch im 16. jh. das wort durchaus lang gesprochen ward. in niederdeutschen und ans niederdeutsche anrührenden quellen ist das wort schon früh kurzvocalisch, liht Annolied 20. 40 gegen lieht 572, mnl. und mnd. verläuft die form licht sogar zu lecht (mnl. lecht : echt Reinaert 1641; mnd. lecht : echt Reinecke fuchs 1577; licht : knecht v. d. holte des hill. cruzes 317), und diese aussprache dringt im 16. jh. sicher auch in der hochdeutschen schriftsprache vor, wie sowol die theilweise schon aufgekommene schreibung licht, der sich aber Luther noch enthält, als auch der umstand erweist, dasz das wort, selbst wenn liecht geschrieben, fast nur noch im reim auf kurzvocalische formen verwendet wird (liecht : sicht Waldis Esop 1, 85, 33; :nicht 2, 37, 18; licht : gedicht Fischart dicht. 2, 115, 1 Kurz; gschicht : liecht 188, 336 gegen licht : kricht = kriecht 43, 1553; im 17. jahrh. durchaus: abendliecht : nicht Opitz 2, 92. gesichte : liechte 121; licht : spricht Fleming 64. tichten : liechten Logau 3, 102; früchte : lichte 3, 244, 147 u. ö.). im 17. jahrh. hat die schreibung liecht, auszer bei oberdeutschen schriftstellern, wo sie durch die mundart gestützt wird, nur historische berechtigung; zu ende des genannten jahrh. verschwindet sie bis auf vereinzelte ausnahmen ganz.
2)
licht gehört einer weitverbreiteten wortfamilie an, der eine wurzel sanskr. ruć, griech. lat. slav. luk, deutsch luh zu grunde liegt: sanskr. rôcatê er leuchtet, strahlt, rući licht, glanz, blitz, griech. λύχνος leuchte, λευκός licht, weisz, lat. lucere leuchten, lumen, luna für luc-men, luc-na, slav. luna mond, lučĭ licht, luča strahl; goth. liuh-aþ licht, lauhmuni blitz, lauhatjan leuchten, ahd. lôhazan blitzen, louc flamme, ags. lêg lohe u. a., eine wurzel die auch in einer weiterbildung mit s erscheint, wovon lat. illustris für inluxtris, altnord. liós für liohs licht, ags. liexan, lŷxan, lîxan entstammen. lioh-t licht ist der form nach passives particip, das von der bedeutung mit glanz versehen, durchleuchtet ausgehend sich zu dem heutigen gebrauche entfaltet.
3)
licht daher zunächst von den himmelskörpern und ihren strahlen: alts.
allan langan dag,   antthat thiu liohta giwêt
sunna te sedle.
Heliand 4234;
ags. gelîc wäs he þâm leóhtum steorrum.
genesis 256;
mhd. ein teil schein ûʒ den wolken des liehten mânen prehen.
Nib. 1560, 1;
alsam der liehten sunnen glanz.
minnes. 1, 336ᵃ Hagen;
diu sunne schînet nie sô lieht (in der hölle),
der mâne hilfet in nieht,
noch der liehte sterne.
minnes. frühl. 28, 22;
sît diu sunne ir liehten schîn
gegen der kelte hât geneiget.
59, 11;
nnd. in dichterischer sprache noch häufig:
mancher get zu seim bulen,
bei liechtes monen schein.
Uhland volksl. 183;
o heller tag! o liebe sonn!
sprachen sie, nun dein schein uns gonn,
zeig uns dein liechtes rotes haupt.
Fischart glückh. schiff 199;
denn die sternen, gleich den freiern,
prangen in den liechten schleiern.
Fleming 507;
von welcher sonne lichtem strahle
weicht meine finsternisz!
Uz 1, 210;
seht, wie in ungemeszner ferne
Orion und sein heer, ein heer bewohnter sterne,
vor seinem schöpfer sich in lichter ordnung drängt.
212;
der die lichten himmelskerzen
entzündet.
Arndt ged. (1840) 503;
mit gespielen von den lichten sternen.
569;
doch an des himmels lichter zier
seh ich den widerschein von ihr (der geliebten).
Rückert liebesfrühl. 2, 31, s. 72;
in formelhafter wendung, der unten 9, b aufgeführten nahe stehend: das er bei deinen weibern schlafen sol, an der liechten sonnen. 2 Sam. 12, 11.
4)
vom feuer, der glut und ihrem scheine; namentlich ist hier die allitterierende formel der lichten lohe häufig und altbezeugt: ags.
þät on sume tîde
Troia burg ofertogen häfde
lêga leóhtost.
Alfreds metra 9, 17;
mhd. und began mit vil grôʒer kraft
ze hant brinnen der schaft
von sô liehtem louge,
daʒ nie dehein ouge
keines liehtern enpfant.
krone 19214;
nhd. sein odem ist wie liechte lohe, und aus seinem munde gehen flammen. Hiob 41, 12;
wie etwan von den winden,
wann ihr ergrimmter sturm den wald zusammen treibt,
ein baum so oft und viel desz andern äste reibt,
dasz durch erhitzung sich der liechte loh empöret.
Opitz 1, 41;
bildlich:
die, für die sein herz in lichter lohe brennt.
Wieland 11, 216;
gern im absoluten genitive lichter lohe (brennen), der auch zu lichterlohe, lichterloh (s. d) zusammengerückt wird: ja solch fewr göttlichs zorns, sehen wir an den Jüden, wie es brennet liechter lohe und heller glut, grewlicher den Sodoma und Gomorra. Luther 8, 91ᵃ; des morgens brennet er (der backofen) liechter lohe. Hos. 7, 6; das gewaltige feuer in der erden, das .. die wildbäder erhitzet und oft zu tag heraus wittert, und laub und gras verdörret, und gar liechter lohe heraus lauscht. Mathes. Sar. 33ᵇ; ein kobelt der lest sich anzünden und brennt liechter loh. 100ᵇ;
blaset, wie ihr thut bei mir
auf bei ihr die liebes-flammen,
dasz sie, wenn sie sieht auf mich,
liechter lohe brenn, als ich.
P. Fleming 495.
in andern verbindungen: indessen kannte ich diese leute allzugut, und sahe bei der lichtesten flamme den rauch mit ziemlicher gewisheit vorher. M. Mendelssohn bei Lessing 13, 261; ein lichtes feuer brannte. Göthe 17, 332; er schlug gleich wie wohl getrocknet holz in lichte flammen. 29, 76;
jetzt brennet schon daher die helle liechte flamme.
J. G. Zinkgref bei Opitz (1624) 216;
man sieht zu iedermahlen
bei nachte heller sein
desz feuers liechte strahlen,
als bei der sonne schein.
Opitz 2, 88;
ein heilig feuer, das in dir ruht,
schlag aus in hohe lichte gluth!
Göthe 13, 130;
herzen, weht in lichten flammen!
Arndt ged. 505;
vom blitz:
der himmel schwärze sich, vom lichten blitz zerrissen.
Uz 2, 139.
5)
licht von dem, was durch die sonne, durch feuer oder in innerer klarheit erglänzt: leoht uuolcan biscatauuita siê (nubes lucida obumbravit eos). Tatian 91, 3; da uberschattet sie eine liechte wolken. Matth. 17, 5;
sein harnisch und sein schwert gibt blück-weisz hällen glanz,
als wie der sonnenschein auf liechten wasserwällen.
Rompler 105;
den lichten schnee.
Zachariä 1, 52;
gleich einer lichten wolke mit goldnem saum.
Klopstock 2, 25;
der mond durch lichte wolken wallt.
Stolberg 1, 79;
o schlaf, der du auf lichten wolken fliegest.
Tieck Octavian s. 330.
die ältere sprache braucht das adjectiv mit groszer vorliebe für glänzende waffen und rüstungen, funkelnde edelsteine, die im sonnenglanze strahlende flur u. ähnl.: ags.
ic him þâ mâđmas,   þe he me sealde,
geald ät gûđe,   swa me gifeđe wäs,
leóhtan sweorde.
Beowulf 2493;
habbađ leóht speru, lange sceaftas.
Salomo u. Saturn 120;
mhd. ir tragent die liehten helme und manegen herten rinc.
Walther 125, 2;
der sî vil die dar ûf iezuo haben gedingen
daʒs ir guot verdienen umb daʒ rîche in liehten ringen.
11, 5;
kunden wir gesingen beide,
deich mit ir müeste brechen bluomen an der liehten heide!
119, 16;
enmitten ûʒ dem schilte sîn
gleiʒ ein lieht karfunkelstein.
Konr. v. Würzburg turnei v. Nantheiʒ 577;
man sach des Missenæres schilt
von golde lieht dâ glîʒen wol.
1003;
erst die neueren dichter, unter dem eindrucke solches gebrauches, verwenden licht wieder in ähnlicher weise:
ach augen, seid ihr jene lichten bronnen,
die mir vordem geleuchtet?
Tieck kaiser Octavian s. 100;
ihre lichten haare schweben
aufgebunden.
s. 238 (nachher 'ein zart gespinnst von golde');
an quellen, unter lichten rosenwänden,
im waldesgrün, durch das gespalten bricht
der glanz der sonne.
330;
und aus des todten schild hernach
Roland das lichte kleinod brach
und freute sich am glanze.
Uhland ged. 342;
er (der glaube) fand geheimes wort in baum und blüthe,
geheimes wort in lichter steine glanz.
Körner werke 2, 154;
lichte augen, von strahlender schönheit (verschieden von unten 15):
si zeigete im die maget clâr,
'diu den rôten munt, daʒ prûne hâr
dort treit bî liehten ougen'.
Parz. 631, 13;
noch nachklingend bei Weckherlin:
so ist jedoch in euch (augen) vermischet
das braun und liecht mit solchem schein.
588 ('von überschönen augen').
6)
licht auch vom leibe der engel, verklärter menschen: ahd. oba thîn ougâ wirdit lûttar, thanne ist al thîn lîhhamo liohter. Tatian 36, 3 (totum corpus tuum lucidum erit, goth. allata leik þein liuhadein vaírþiþ, Luther so wird dein ganzer leib liecht sein Matth. 6, 22);
mhd. ein engel liehter in erschein.
Wernher Maria, fundgr. 2, 206, 17;
nhd. da ich komen werde in den wolken, mit allen engeln, mit groszer kraft und herrligkeit, mit einem mechtigen fewer, davon alle creatur wird zuschmelzen und verzeret, und alles new und eitel liecht werden, und unser leib aufs allerschönste verkleret. Luther 5, 536ᵃ; wenn nu dein leib ganz liechte (φωτεινόν) ist, das er kein stück vom finsternis hat, so wird er ganz liecht (φωτεινόν) sein, und wird dich erleuchten, wie ein heller blitz. Luc. 11, 36; und (der teufel) wurde also ein liechter teufel, der sich verstellet, das er gliesze wie ein himlischer engel. Luther 6, 478ᵇ;
herr, o wende mir die grausen (geister)
weg! die dunkeln und die schlimmen!
lasz die lichten mit mir hausen
süszer augen, süszer stimmen!
Arndt ged. 417.
auch auszerhalb religiöser vorstellungen, von einer strahlenden schönheit:
dar zuo diu âventiure gieht,
diu herzoginne wær so lieht,
wære der kerzen keiniu brâht,
dâ wær doch ninder bî ir naht:
ir blic wol selbe kunde tagn.
Parz. 638, 16;
Clara starret, tod im antlitz,
kaltumflirret, nachtumwoben;
ohnmacht hat das lichte bildnis
in ihr dunkles reich gezogen.
H. Heine 15, 62.
7)
licht, vom glanze, scheine, strahle solcher glänzender körper selbst:
der lantgrâv ûʒ Düringen
kam dar in liehtem schîne (im glanze seiner rüstung).
Konr. v. Würzb. turnei v. Nantheiʒ 475;
der schilt der heide zaller stunt
gap liehten unde tiuren schîn.
645;
in bildern: der liechte glanz weltlicher hoheit. Brandt bericht vom leben Taubmanns s. 69;
ich habe nichts gelernet,
das grosz von weiten steht, und nur alleine fernet;
bin lichtem scheine feind; ich bin von jugend her
der wissenschaft befreund.
Fleming 201;
bald hebt er es (das bild der geliebten) in lichter glorie
zum sternenhimmel auf.
Göthe 9, 108;
holde treue!
weisz und engelrein!
gleich des himmels bläue
bleibt dein lichter schein.
Arndt ged. 114.
8)
neuere brauchen licht, von der bedeutung des glänzenden aus, in freierer art, in bezug auf handlungen glänzend gedachter wesen oder personificationen:
morgen kommt mit lichtem grusze
und natur beginnt ein fest.
J. Kerner lyr. ged. (1847) 171;
o, ihr himmelsaugen droben!
weint euch aus in meine seele,
dasz von lichten sternenthränen
überflieszet meine seele.
H. Heine 15, 230;
die schlanke wasserlilje
schaut träumend emper aus dem see,
da grüszt der mond herunter
mit lichtem liebesweh.
16, 148.
9)
licht, in bezug auf den himmel und den tag geht von der verwendung oben 3 aus; die vorstellung des durchleuchteten, glänzenden aber verliert sich in die des blosz erleuchteten, hellen.
a)
lichter himmel (wozu aber unten 11 zu vergleichen), lichtes wetter: auf trübes folgt lichtes wetter, nube solet pulsa candidus ire dies. Steinbach 1, 1065; zu einer liechten und heitern zeit. Cyrillus 49; dem lichten himmel über der schwarzen, tiefen erde. J. Paul Tit. 3, 115; beim lichten himmel! Freytag ahnen 3, 143;
wie durchglühte von dem lichten
himmel sinkend der strahl!
Klopstock 2, 51;
den blauen lichten sonnenraum,
das bunte blumenfeld.
Arndt ged. 495.
b)
lichter morgen, lichter tag:
ich minnet ie von mîner maht
den liehten tac vür die naht.
Iwein 7382;
dort muost er alleʒ hangen   die naht unz an den tac,
unz der liehte morgen   durch diu venster schein.
Nib. 639, 3 Bartsch;
des herrn tag wird ja finster und nicht liecht sein, tunkel und nicht helle. Amos 5, 20;
ich sach den liechten morgen,
darzuͦ sein werden schein.
Uhland volksl. 161;
und wan der liechte schein
des tags kommt her gegangen.
Rompler 189;
Splendula, dein roth und weisz, hat es oft gemacht
dasz es wurde lichter tag, mitten in der nacht.
Logau 2, 57, 16;
häufig in den formeln bis an den lichten morgen, am oder beim lichten tage: so were dem Nabal nicht uberblieben auf diesen liechten morgen einer der an die wand pisset. 1 Sam. 25, 34; sie aber sagt jm nichts .. bis an den liechten morgen. 36; da hat oft der hofprediger bisz an den liechten morgen sitzen müssen. Schuppius 105; wie ein blinder am liechten tage jrr gehet. Luther 6, 254ᵃ; zeuch am liechten tage davon fur jren augen. Hes. 12, 3; und ich .. trug mein gerete er aus, wie wandergerete, bei liechtem tage. 7; eine grosze verkündigung, die wir am lichten tage ... hören. Freytag ahnen 1, 414; verstärkt am hellen lichten tage: also entschlief sie, und lag also bisz in den hellen liechten tag schlafende. buch d. liebe 205ᶜ; man soll tapfer fressen und saufen, so kan man den dieben eine schalkheit thun, dasz sie bei hellem liechtem tag nichts im hause finden können. Sandrub kurzweil (1618) 128;
da lagen die zwai die langen nacht
pisz an den liechten tag.
Uhland volksl. 188.
c)
es ist licht, es wird licht: zuhand gebot Raguel seinen knechten, das sie fülten die grub, die sie hetten gemacht, ee das es liecht würde. bibel von 1483 235ᵃ (Tob. 8, 19; priusquam elucesceret vulg., ehe es tag würde Luther); es ward seer liecht auf der erden von seiner herrligkeit. Hes. 43, 2; weh denen, die schaden zu thun trachten, und gehen mit bösen tücken umb auf jrem lager, das sie es früe, wens liecht wird, volbringen. Micha 2, 1; da es anfieng liecht zu werden (ἄχρι δὲ οὗ ἔμελλεν ἡμέρα γίνεσθαι). ap. gesch. 27, 33;
jedoch so trüb es ist, so ist es noch zu lichte,
dasz dein erhitztes blut den streit bei tage schlichte.
Günther 789;
die sonne macht alles lichte, sol omnia sua luce collusirat. Steinbach 1, 1065; bildlich: seufzte nach dem verhüllten vater, der ihm bisher mit sonnenkraft, wie hinter einer nebelbank, den tag des lebens warm und licht gemacht. J. Paul Titan 1, 6.
10)
licht steht so im gegensatze zu dunkel: weh! auch dies dichte dunkel ist zu licht, diese feuersbrunst zu bergen, die das geständnis auf meinen wangen macht. Schiller Fiesko 4, 12; der erste auftrag ihrer farben war licht, welchen sie immer mit dunkeln durchsichtigen tinten zudeckten. Göthe 38, 224; und wird gebraucht wie hell 4, theil 4², 963, selbst von der nacht, die nicht lichtlos ist: eine lichte nacht, sublustris lux Steinbach 1, 1065; der nordschein macht die nacht licht, aurora borealis noctem illuminat. Frisch 1, 611ᶜ; sonst aber von gebäulichkeiten, die licht einlassen oder erleuchtet sind: die kirchen seind jetzt gar liecht und hell worden, und die herzen tunkel: vorzeiten warn die kirchen tunkel und der menschen herzen liecht. Fischart bienk. 139ᵃ, nach S. Frank: vor zeiten waren finster kirchen, aber liechte herzen, hülzin kelch, aber guldin pfaffen. sprichw. 1, 39ᵇ; da wallte und wogte alles im sonntagsputze in der warmen luft zwischen den lichten häusern und wandernden leierkasten schwärmend hin und her. Eichendorff taugenichts (1874) s. 11; lichte stube, kammer, conclave perspicuum, clarum Stieler 1153;
welch ungethüm stört meine ruh?
läst denn der mittag auch dergleichen unding zu?
was für ein poltergeist handtieret durch die lichten zimmer?
Günther 969;
von gegenständen in beleuchtung: um durch ihren schatten die lichte hauptfigur der Andromacha zu heben. Sturz 1, 36; von orten, die licht zulassen, wäldern die nicht dicht bestanden sind (vgl. dazu lichten): sie wachsen an wüsten, sandechten und liechten orten. Tabernaem. 1212; lichtes holz ist im forstwesen ein hochstämmiger wald, der so licht stehet, dasz man durchsehen kann. dem ist ein dickicht entgegengesetzt. Jacobsson 6, 457ᵃ: ich schritt rascher fort, der wald wurde immer lichter und lichter, und bald darauf sah ich zwischen den letzten bäumen hindurch einen schönen grünen platz. Eichendorff taugenichts (1874) 41; die wasser .. führten den rothen schlamm über das lichte gehölz und den wiesengrund. Freytag ahnen 2, 163;
sie ruckten durch den walt hinein,
wol durch den lichten than.
Soltau volksl. 177 (von 1502);
sie ruckten in den walt hinein,
woll in den lichten walt.
179;
schnell lenkt er tief in den forst hinein,
und zwischen den zweigen wirds helle,
und er sprengt zu der lichteren stelle.
Körner werke 2, 179;
auf anderes übertragen: die reihen der tapfern wurden lichter und lichter in der mörderischen schlacht; lichte maschen bei fischern und jägern, weitläufig gestrickte. Adelung; bei den jägern ist der lichte zeug garn- und netzwerk überhaupt; in den begriff leer übergehend: volle flaschen werden machen läre taschen, böse kleider und liecht kuchen und häuser. Fischart groszm. 123.
11)
licht, mit dem begriffe der helle zugleich den der klarheit umfassend: lichte luft, aer serenus Stieler 1153;
es ist im lichten raum, wo in bestimmter bahn
die ungezählten sonnen glänzen,
der ordnung alles unterthan.
Uz 1, 157;
fielst von sternen
du, ein engeltraum,
dasz wir sehnsucht lernen
nach dem lichten raum?
Arndt ged. 267;
lichte höhen des himmels, der berge:
in der heimath ist es schön,
auf der berge lichten höhn.
Hoffmann von Fallerslebens volksthüml. lieder no. 560;
droben in der lichten höh
stehn die englein weisz wie schnee.
Arndt ged. s. 336;
(die mutter gottes) hat mich eingehüllt in ihren schleier,
und hergetragen in die lichte höh.
H. Heine 16, 88;
bildlich:
ihr schwarzes haar gescheitelt auf der stirne lichter höh.
Freiligrath dicht. 5, 126;
das lichte reich eines gottes, einer priesterin:
es scheint ihr (der Iphigenie) lichtes reich verlor die kraft
durch des verbrechers nähe, den der fluch
wie eine breite nacht verfolgt und deckt.
Göthe 9, 36;
der ehre lichtes heiligthum.
Uz 1, 241;
lichte sphären des geistes (vgl. dazu unten 17):
wenn dieser hohe geist durch die gesetzten schranken
gewaltsam brechen will, der dunkelheit entsagt,
und unberufen sich zur lichtern sphäre wagt.
2, 103.
12)
in weiterer bildlicher verwendung, mit substantiven einer that, eines glücks oder geschicks: obgleich der einzele frei ist, zur schwärzesten, wie zur lichtesten that. J. Paul dämmer. s. 5; die erscheinung irgend eines lichten glücks selber blitzet ihr auf einmal über alle traurige tage hin. uns. loge 1, 168;
es ist so grosz, so weit, was vor dir liegt;
und hoffnungsvolle jugend lockt dich wieder
in unbekannte, lichte zukunft hin!
Göthe 9, 150;
mein schicksal wird nur angefangen,
hier, wo das leben mir in dämmrung aufgegangen:
mein geist bereitet sich zu lichtern tagen vor.
Uz 1, 218;
kommt alle, die ihr lieft verloren
in freudenloser finsternis!
denn Jesus Christus ist geboren,
es scheint das lichte heil gewis.
Arndt ged. 585.
13)
in der technischen sprache der baugewerke ist die lichte höhe, die lichte breite, lichte weite, die höhe, breite oder weite eines raumes, die derselbe am tageslichte, also mit ausschlusz der mauerdicke, hat, vgl. nachher im lichten unten 18, c: die lichte höhe (der kirche) beträgt 64 fusz im kreuzungsquadrat. Frankf. journal vom 12. märz 1871.
14)
licht, in den sinn des offenen, öffentlichen übergreifend, was im lichte des tages steht oder geschieht. so besonders in der formel der lichte galgen, mit bezug auf den rechtsbrauch, dasz die strafe des henkens am morgen, nachdem es heller tag geworden, vollzogen ward: pack dich hin an liechten galgen! Bolz Terenz (1544) 16ᵇ (abin' hinc in malam rem); so aber nun die steiger des betrugs überzeugt, werden sie mit ruten ausgehauen, wo aber diebstals, an den lichten galgen gehenket. Bechius Agricola (1557) 19; Gotfridus, der könig von Jütland liesze Godolaibum am lichten galgen erwürgen. Hahns histor. 1 (1721), 52; die festung konte Henrich nicht bezwingen, ob er gleich Reinoldum auf den fall einer längern gegenwehr am lichten galgen erwürgen zu lassen drohete. 3 (1723), 136; muth genug, mich unterm lichten galgen mit dem leibhaftiger teufel um einen armen sünder zu balgen. Schiller räub. 1, 2; dasz, falls ich mich unterstehn würde, wieder einen fusz in sein land zu setzen, er mich an den lichten galgen wolle henken lassen. Tieck 9, 318;
hengt jn an den liechten galgen.
H. Sachs 3, 2, 256ᵈ;
ich wolt sie wern am liechten galgen.
3, 3, 75ᵃ.
in andern formeln abgeblaszter, mehr im blosz verstärkenden sinne: der helle lichte haufen, vergl. der helle haufen theil 4², 965; auf einmal kommt ein heller lichter haufen von jungen herren und damen ... auf mich los. Eichendorff taugenichts (1874) s. 12; ich musz dirs vertrauen: aber schau, du must mir zusagen, dasz du es keinem menschen auf der lichten welt gottes entdecken wollest. A. Gryphius 1698 1, 875; er bekam die hände voller lichter blasen. Jung Stilling 175.
15)
licht, vom auge, das klar sieht: wiltu in machen die augen liecht und klar, die den übeln tropfen habent, so soltu nemen atramentum .. und treuf das .. in die augen, so gewinnt er schir liechte augen und wirt gesundt. Ortolf arzneipuch (1477) 41ᵇ;
unser auge war licht, sah zu der göttin auf.
Klopstock 2, 87.
16)
licht (wie hell 8, theil 4², 965) von farben, die freundlich scheinen und sich dem weisz nähern: der stoff zu diesem kleide ist sehr licht, ich wünschte ihn etwas dunkler; liebte (in kleidern) die lichtesten und buntesten farben. ehe eines weibes 269; lichte farbe color floridus Steinbach 1, 1065; lichte haare, eine lichte haarfarbe, die sehr blond ist; vgl. dazu unten folgende zusammensetzungen lichtgelb, lichtgrün, lichtroth u. a.
17)
licht, in bezug auf erkenntnis und verstehen (wie hell 10, theil 4², 966, vgl. auch klar 11, theil 5, 995).
a)
von den gedanken: aber ein lichter gedanke zertheilte den dunkeln staubregen der natur und der seele in einen weiszen nebel. J. Paul Siebenk. 1, 120; es heiszt der mann hat einen lichten kopf, einen lichten verstand; der kranke hat lichte augenblicke, in denen er im gegensatz zu seiner bewustlosigkeit erkennt und klar denkt;
die freiheit, die das heiligthum gewährt,
ist, wie der letzte lichte lebensblick
des schwer erkrankten, todesbote.
Göthe 9, 43;
einem ist, wird licht: mitten in dem schwärzesten dunkel der schlacht war es licht in seinem geiste. Schiller 922ᵃ;
wenn er lebhaft denkt, dasz gott die welt regieret,
und seine herrschaft gut und allzeit weise führet,
wirds in der seele licht: wie, wann in dunkler nacht
der aufgegangne mond mit vollem antlitz lacht.
Uz 2, 119;
bin ich ein gott? mir wird so licht!
ich schau in diesen reinen zügen
die wirkende natur vor meiner seele liegen.
Göthe 12, 32.
b)
von sprache und ausdruck: frag ich sie widerumb, wer hat jnen gesagt, das die veter liechter denn die schrift, und nicht auch finsterer sind? wie, wenn ich spreche, sie verstünden die veter so wenig als die schrift? Luther 1, 373ᵇ; diese sätze sind für mich nicht licht genug. Kant 1, 54.
18)
das lichte, in substantiver verwendung.
a)
in bezug auf die tageshelle (vgl. licht 10), in mehrfachen formelhaften wendungen: ins lichte gehen, aus dem dunkeln in den erleuchteten theil eines hauses, einer stube; nun so gehet doch herein ins liechte (aus der dunkeln hausflur), sagte Vulpia, die wirthin, nahm Eckarthen bei dem arm, und zog ihn in die stube. unwürd. doct. 333; einem im lichten stehen, so dasz er am guten sehen gehindert ist, in Düringen heiszt es du stehst mir im lichten, geh mir aus dem lichten, dasz ich sehen kann; geh mir aus dem lichten, absis mihi a luce! Stieler 1153; übertragen (vgl. auch im lichte, vor dem lichte stehen unten unter dem subst. licht): wenn ihr euch nun zu solchen wegen nicht wollet finden lassen, so dünket uns das ihr euch selbst im lichten stehet. Schütz Preuszen (1599) 166; so sie ihnen nit selbsten im liechten stehen (sich nicht selbst schaden), hoffe ich bald mit gewünschter antwort erfreuet zu werden. engl. komöd. 1, Y 6ᵇ; manche jungfer steht sich selbst im lichten, die oft einen ehrlichen kauf- oder handwerksmann ... über achsel ansieht, und einen buntbändrichten monsieur ihm zu trotze mit vortrefflichen liebkosungen bedienet, darüber sie endlich zur alten magd wird. Chr. Weise erzn. 161 Braune.
b)
mit dem nebensinn der klarheit (licht 11):
das lichte, das du dort (im heiligthume) gesehen,
umglänzt dich mild auf finstern wegen.
Uhland ged. 3;
in bezug auf thaten (vgl. licht 12):
böse bücher tügen auch guten zu der gegenprobe;
finstres macht, dasz desto mehr jederman das lichte lobe.
Logau 2, 157, 95.
c)
in der technischen sprache der baugewerke (vgl. licht 13): diese (steinernen) brücken seind gemeiniglich breit im liechten 25 bisz 30 schuhe. Böckler kriegsschule (1668) 803; der ofen im lichten 7 ellen lang. Pierot 2, 315; 4 ellen im lichten. 328. der kleinuhrmacher nennt im lichten die inwendige höhe oder den raum zwischen den beiden platten oder boden, worin das räderwerk einer taschenuhr befindlich ist: die uhr ist 1⁄4 zoll hoch in lichten. Jacobsson 2, 607ᵇ; in der wasserbaukunst wird im lichten gebraucht, die öffnung einer röhre, worin das wasser geleitet wird, anzuzeigen. 608ᵃ.
d)
im lichten bleiben, offenbar, gekannt, in bezug auf geschehenes:
was wär von klugem rathen
der nachwelt kündig blieben,
wann diese (die poeten) nicht geschrieben?
es macht poetisch tichten
dasz alles bleibt im liechten,
sonst fiel in lauter nächte,
was herz und witz verbrächte.
Logau 3, 102.
e)
das lichte, im forstwesen ein abgetriebener schlag, oder auch ein freier platz im walde. Adelung.
19)
in substantiver stellung, auch ohne artikel:
das gold ist bleich aus furcht; es merket ganz aṙmeen,
die seiner farbe nach, durch licht durch finster gehen.
Logau 1, 78, 13.
20)
licht, adverbial; im sinne von glänzend: jeder stern schien licht und nah, und der hohe himmel war an das fenster herabgerückt. J. Paul dämmerungen 23;
zwei goldne strahlen schieszen
aus Mosis haupte licht.
Freiligrath dicht. 1, 124;
er wars (ein Indianer), dessen wange glühte,
licht bemalt mit scharlachstreifen.
6, 20;
hell, klar:
da schwebt so licht dein liebes bild,
dein süszes bild mir vor.
Göthe 1, 110;
bildlich, nach oben 12:
und Apollo ging, und lichter
ging er nun der ehre bahn.
Herder z. litt. 3, 212;
in bezug auf die sehkraft (vgl. oben 15):
weil er so viel bei nacht thät reiten,
so gieng die sage bei den leuten,
er säh in tiefer nacht so licht,
als mancher wohl am tage nicht.
Uhland ged. 414;
verstärkend zu helle tretend: ich sahe, das von seinen lenden herunter werts war gleich wie fewr, aber oben uber seinen lenden, war es liecht helle. Hes. 8, 2; zu morgen: und giengen uber den Jordan bis liecht morgen ward. 2 Sam. 17, 22; wo wir das verschweigen und harren, bis das liecht morgen wird, wird unser missethat funden werden. 2 kön. 7, 9. Forstmännisch ein baum stellt sich licht, wenn er andere ihn hindernde um sich unterdrückt (vgl. lichtes holz oben unter 10): sie (die eiche) stellt sich, forstmännisch zu reden, dann licht, wenn sie in solchen (reinen beständen) vorkommt, eine eigenschaft, die sie mit allen lichtbedürftigen holzarten gemein hat. didaskalia vom 5. aug. 1871; im hüttenwesen heiszt es den ofen zu lichte gehen lassen, wenn derselbe sich zu sehr erhitzt, dasz die flamme zum ofen heraus brennt. mineral. lex. 405ᵃ; denn gehet der ofen zu lichte, so verbleset sich ... der schlich. Mathesius Sar. 148ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 854, Z. 73.

licht, n.

licht, n.
lumen; lucerna.
I.
Formelles.
1)
licht ist das substantiv gewordene neutrum des vorigen adjectivs, und in dieser verwendung von alters her eine eigenthümliche hoch- und niederdeutsche (westgermanische) erscheinung, während das ostgermanische, obwol wenigstens dem gothischen ein adjectivstamm liuhta, nom. liuht-s eigen sein muste, wie das verbum liubtjan leuchten beweist, für den substantivbegriff eine eigene, im gothischen und altnordischen verschiedene bildung aufwies: goth. liuhaþ, altnord. ljós aus liohs; letztere dauert in schwed. ljus, dän. lys. der formverlauf des subst. licht ist ganz wie der des adjectivs, sp. 854; die schreibung liecht ist älteren schriftdeutschen quellen bis ins 17. jh. eigen, aber die form licht reicht schon hoch hinauf: des mânen kraft unde der sterrin licht. Adrian mittheil. 420 (13. jahrh.); ein schen grab mit vil lichten die prunen (brannten). d. städtechr. 2, 21, 10 (15. jahrh.);
der hund mir vor dem licht umbgeht.
H. Sachs 2, 4, 23ᶜ;
nicht bei Luther.
2)
der plural von licht (der statt hat, wenn das wort einen gegenstand, nicht eine eigenschaft bezeichnet), mhd. diu lieht, hält sich in gleicher form auch noch im 15. und bis ins 16. jahrhundert hinein: auch soll der stat paumeister dem seger zallen oder selber geben die liecht, die er vernütz im winter. Tucher baumeisterb. 121, 4; eiszen leuchter ... von 2 roren zu liechten dorein zu stecken. 296, 35; die liecht leschen. Bocc. 2, 201ᵃ; vor ein schalk soll man zwei liecht setzen. Eulensp. 77 s. 114 Lappenberg; denn mit den liechten vieler gebot, hat man dem tag göttliches gebots gar nahe die augen ausgeleuchtet. Luther 1, 166ᵃ (diese form auch in den originaldrucken, vgl. Diez wörterbuch zu Luthers schriften 1, 175ᵇ); seit mindestens dem 15. jahrh. aber ist die pluralform lichter aufgekommen: liechter und ampellen in der kilchen zuͦ brennen. Öheim 62, 6; die frow, erfröwet, versprach, ain sum öl und was zuͦ liechter zuͦ er dem hailigen crütz und bluͦt Christi jerlichen zu geben. 86, 4; welche bei Luther die fast ausschlieszliche ist: alle liechter am himel wil ich uber dir lassen tunkel werden. Hes. 32, 8; lasset .. ewre liechter brennen. Luc. 12, 35; unter welchem (geschlecht) jr scheinet als liechter in der welt. Phil. 2, 15; und seit seiner zeit auch stets gebraucht wird. der plur. lichte ist erst später und meist nur in der bedeutung 16, b unten aufgekommen: lichte ziehen, candelas sebare Stieler 1153; lichte gieszen, oder gegoszne lichte zu machen. Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 1934; lichte ziehen .. die lichte in gehörige form bringen. 1936 (gleich darauf die arten der lichter sind von unterschiedener grösze und güte); er holte ein groszes packet lichte hervor. Freytag soll u. haben 2, 20; selten in anderer (z. b. in der 4, b unten): Raphael hat in einem von seinen gemählden .. ein dreifaches licht angebracht. das eine ist der ausflusz von dem engel, das zweite ist die wirkung einer fackel, und das dritte ist der schein des mondes. alle diese drei lichte haben jedes seine ihm eigenthümlich zukommende scheine und wiederscheine. Lessing 11, 133.
II.
Bedeutung.
1)
licht, ein strahlender himmelskörper:
thuo warđ it kûđ oƀar al,
hwô thiu sunna warđ gisworkan,   ni mahta swigli lioht,
skôni giskînan.
Heliand 5627;
dô sprach got der guote,
also ime dô was zi muote:
nu wesen lieht ziere
in der vestenunge der himele,
unde teilen tach unde naht.
genesis in den fundgr. 2, 12, 27;
gott machet zwei grosze liechter, ein gros liecht das den tag regiere, und ein klein liecht, das die nacht regiere. 1 Mos. 1, 16; der herr, der die sonne dem tage zum liecht gibt, und den mond und die sternen, nach jrem lauf, der nacht zum liecht. Jer. 31, 35; und Tobias sprach zu jm, was sol ich fur freude haben, der ich im finstern sitzen mus (als blinder), und das liecht des himels nicht sehen kan? Tob. 5, 13; alle liechter am himel wil ich uber dir lassen tunkel werden. Hes. 32, 8; uber welchen gehet nicht auf sein (gottes) liecht? Hiob 25, 3; der himmel mit seinen lichtern. J. Paul Hesp. 3, 137; wolken, welche die himmlischen lichter verdunkeln. Göthe 14, 133;
auch liechter liesz er mangeln nicht.
Weckherlin 289 (nach ps. 136, 7);
so viel der himmel lichter trägt,
so viel das welt-meer wellen schlägt,
so vieles glücke soll dich kennen.
Günther 225;
so viel mein scheitel haar, so viel der milchweg lichter,
so viel die erde grasz, das weltmeer schuppen trägt.
702;
durchs rothe morgenthor der heitern sternenbühne
naht das verklärte licht der welt.
Haller (1768) 2;
wenn kaum die lerchen noch den frühen tag begrüszen,
und uns das licht der welt die ersten blicke giebt.
29;
wann der entfernte stral die schatten dann verlängert,
und nun das müde licht sich senkt in kühle ruh.
30;
wer hiesz die millionen lichter (sterne) brennen?
Gotter 1, 401.
2)
die helligkeit, die von solchen himmelskörpern ausstrahlt: liecht das von im selbs scheint und leucht, lux. voc. inc. theut. n 1ᵃ;
die sonne zeugt das licht, und hat doch selber flecken.
Haller 69;
mit näherer bestimmung das licht der sonne, des mondes, der sterne; das licht des himmels, des morgens: si (die kröte) haʒt der sunnen liecht. Megenberg 296, 30; nicht bedürfen .. des liechts der sonnen. offenb. 22, 5; das liecht des morgens, wenn die sonne aufgehet. 2 Sam. 23, 4;
den mânen unten sunnen,
die gebin ire liht mit wunnen.
Annolied 40;
dann si (die sonne) seh gern, das jr die gschicht
vollbrächten bei jrm schein und liecht.
Fischart glückh. schiff 336;
als nun die grosze tugend
sich heller sehen liesz, dann selbst der sonnen liecht.
Opitz 2, 93;
der sterne lauf und licht, der sonne glanz und stärke,
sind deiner hand geschöpf und spur.
Haller (1768) 2;
und doch kann ich der sonne licht
und ihre wärm empfinden.
Gellert 2, 147;
ich sah den blassen mond mit halbem lichte glänzen.
Günther 508;
in einer dunkeln grotte,
bei Lunens ungewissem licht.
Wieland 10, 223;
steh auf! die sonn ist aufgegangen,
es scheint das licht der herrlichkeit.
Arndt ged. (1840) 584;
der sonne licht ist unter.
Schiller Wallenst. tod. 4, 8;
als zeitbestimmung:
und bei des nächsten morgens lichte
da tritt mit fröhlichem gesichte
ein fischer vor den fürsten hin.
ring des Polykrates;
ohne zusatz: gott sprach, es werde liecht, und es ward liecht. 1 Mos. 1, 3;
in der werilde aneginne,
dô lîht ward unde stimma.
Annolied 20;
des lichtes schöpfer fühlet pein.
P. Gerhard 37, 256 Gödeke;
tauben sind es, liebentzündet,
fittige wie licht so weisz.
Göthe 41, 172;
o eilet euch, im licht zu baden!
der glanz des himmels stralt herein.
Arndt ged. 584.
mit adjectiven bestimmungen: (der morgenstern) haiʒt der mettenstern dar umb, daʒ er ze mettenzeit gar mit klârem lieht durch die wolken her prehet. Megenberg 62, 10; welches gemäszigte licht (des mondes). Göthe 14, 131;
am himmel winkt
der mond uns nicht
mit mildem licht.
Stolberg 1, 332;
o begrüszet den tag mit freudenthränen,
wenn sein junges purpurnes licht des weibes
schlummer verkläret.
2, 67;
dort flockt sich schwach das letzte licht zusammen
und netzt mit seinem strahlenflusz
noch sanft des abends rand.
Seume ged. 141;
und der mond, der stille lauscher
wirft sein goldnes licht herein.
H. Heine 15, 205.
planeten haben erborgtes licht, empfangen ihre strahlen von der sonne: es sind von natur dunkle weltkörper. sie empfangen ihr licht wie unsere erde von der sonne. was wir in der nacht an ihnen glänzen sehen, ist sonnenschein. Hebel 3, 168; bildlich: weil er (der mond) sie (die weiber) erinnert, dasz sie kein eigen licht haben, sondern dasz sie allen glanz vom manne erhalten. Göthe 14, 131.
3)
das neue licht, junge licht, das licht des neumonds: im neuen licht, daher sie als heiden dem mond ein opfer gethan. pers. reisebeschr. 2, 3; winde, die im neuen lichte aus norden zu wehen anfangen. Kant 9, 92; auch die menschheit bewegt sich nach den gesetzen von ebbe und fluth, und vielleicht auch auf die geisterwelt übt der mond seine siderischen einflüsse. es ist heute junges licht, und trotz aller wehmüthigen zweifelsucht ... beschleichen mich wunderliche ahnungen. H. Heine 12, 82; das wachsende licht, des zunehmenden mondes:
sieh ich den blaichen mon das wachsend liecht ergänzen.
Rompler 34;
das abnehmende licht: der mond .. warf sein .. abnehmendes licht erst oben an die fenster von Klotildens wohnzimmer. J. Paul Hesp. 3, 66.
4)
licht, die beleuchtung, welche die strahlen der sonne oder des mondes auf einen gewissen punkt oder einen körper werfen. der gegensatz zu dieser bedeutung ist schatten; dem wechselnden und vereinzelten der beleuchtung gemäsz wird häufig ein plural lichter angewendet. der gebrauch des wortes in diesem sinne ist mehrfach.
a)
eigentlich: er machte sie auf das rieseln der quelle, auf die bewegung der zweige, auf die einfallenden lichter und auf den gesang der vögel aufmerksam. Göthe 18, 157; wie sonnenblitze, regenschauer, fahle lichter und tückische wolkenschatten an manchem tage kämpfen. Immermann Münchh. 3, 198;
und mit schwankenden lichtern, durchs laub, überblickte der mond sie.
Göthe 40, 320;
der mai ist da mit seinen goldnen lichtern.
H. Heine 15, 180;
man nehme eine jede specificirte farbige fläche, man stelle sie in die sonne und lasse den widerschein auf andre farblose gegenstände fallen. dieser widerschein ist eine art gemäszigten lichts, ein halblicht, ein halbschatten. Göthe 52, 240.
b)
danach auf die beleuchtung in einem gemälde übertragen: licht, die beleuchteten partien eines gemäldes, welche man sonst auch das helle nennt. Jacobsson 2, 607ᵃ; Trautmann, der sich den Rembrand zum muster genommen, und es in eingeschlossenen lichtern und widerscheinen, nicht weniger in effectvollen feuersbrünsten weit gebracht hatte. Göthe 24, 40; am meisten schadet (bei den gemälden von Tintoretto) das überhandnehmen des rothen grundes über schwächeren auftrag, so dasz manchmal nur die höchsten stark aufgetragenen lichter noch sichtbar geblieben. 38, 225; ein bemooster fels (auf einem bilde), ein wasserfall hält meinen blick so lange gefesselt, ich kann ihn auswendig; seine höhen und tiefen, seine lichter und schatten, seine farben, halbfarben und wiederscheine, alles stellt sich mir im geiste dar. 16, 212; auf einen dichter gewendet: zu verbergen sucht sich der nachahmer gemeiniglich dadurch, dasz er den gegenständen eine andere beleuchtung giebt, die schatten des originals heraus, und die lichter zurücktreibt. Lessing 6, 408; und sonst in vergleichen: sie (die königin Elisabeth) ist .. so weit über alle andere frauen erhaben, dasz das, was wir an diesen am meisten bewundern, schönheit und reiz, in ihr nur die schatten sind, ein gröszeres licht dagegen abzusetzen. 7, 261.
c)
es heiszt etwas in einem gewissen lichte zeigen, in einer beleuchtung behufs erweckung einer bestimmten meinung über einen gegenstand: die männer kommen ihnen vor wie käufer im laden, wo der handelsmann mit seinen waaren die er kennt im vortheil steht, auch sie in dem besten lichte vorzuzeigen die gelegenheit wahrnehmen kann. Göthe 22, 72; häufig bildlich: die verwegenen plane des bundes hinter dieser supplicantengestalt so lange zu verbergen, bis er genugsam zu kräften würde gekommen sein, sich in seinem wahren lichte zu zeigen. Schiller 823ᵃ; da zeigt sie (die tragische kunst) sich in ihrem glänzendsten lichte. 1143ᵃ; um den genusz derselben (regalien) im lichte einer päpstlichen vergünstigung zu zeigen, erklärte der papst den sicilianischen fürsten zu seinem legaten. 1042ᵃ; der heutige tag zeigt mir meine lage im wahren lichte. Immermann Münchh. 5, 127;
sie war bekanntlich stets den tapfern sehr geneigt,
er hatte sich noch nie in diesem licht gezeigt.
Wieland 22, 174 (Ober. 4, 51);
eben so etwas ins licht setzen: hier ereignete sich ein streit zwischen einem preuszischen und östreichischen unteroffizier, welcher den charakter beider nationen klar ins licht setzte. Göthe 30, 185; ich erbitte mir das msc. bald wieder zurück, weil hier und da noch einige pinselstriche nöthig sind, um gewisse stellen in ihr licht zu setzen. an Schiller 25; Ben Hafi wird die weisen lehren ... durch die erzählung seiner wanderungen ... noch weit mehr ins licht setzen. Klinger 7, 15; die versuche Stromeyers haben diese metallität einer kieselbasis noch weiter ins licht gesetzt. Mayer naturlehre (1823) s. 364; Justus Möser war geneigter, die verschiedenen seiten eines gegenstandes ins licht zu stellen, als über ihn abzusprechen. Hugo litt. gesch. (1830) 552; in ein anderes, gröszeres, besseres, schönes, helles, falsches licht setzen oder stellen: weil die speculativen wahrheiten der vernünftigen religion darinn (in einem buche) in ein gröszer licht durch neue und geschärftere beweise gestellet worden. Lessing 10, 217; einen in das gehässigste licht setzen. Klinger 1, 446; der verschnittene wird den schritt Hasans in ein schönes licht zu setzen suchen. 5, 80; die einfache, anspruchslose populaire weisheit .. stellt wahrheit und pflicht ins passende, einnehmende licht. (Benzel-Sternau) Aretäus (1793) s. 275; einen brief .. der auf einmal die familie aus aller verlegenheit, und sein bisheriges betragen ins beste licht setzen sollte. Göthe 19, 8; wodurch die glaubensfähigkeit jener ahnherrn ins hellste licht gesetzt wird. 24, 219; in einem lichte erscheinen, gesehen werden: sie war ihm zuerst in dem günstigen lichte theatralischer vorstellung erschienen. 18, 12; Philine war ihm noch nie in einem so ungünstigen lichte erschienen. 19, 45;
kaum ist sie fort, und nirgends zu erfragen,
so wechselt Cefalus die tonart seiner klagen,
und alles wird nunmehr in anderm licht gesehn.
Wieland 10, 236;
gar vieles, was sie sonst geduldig übersehen,
scheint in dem licht, worin sie jetzt es sehen musz,
höchst widerlich und gar nicht auszustehen.
22, 178 (Oberon 6, 55);
nach dem angedeuteten begriffe, den wir uns von dem genie zu machen haben, sind wir berechtiget, in allen charakteren, die der dichter ausbildet, oder sich schaffet, übereinstimmung und absicht zu verlangen, wenn er von uns verlangt, in dem lichte eines genies betrachtet zu werden. Lessing 7, 152; ihre trunkenheit der freude leiht meinen handlungen ein licht, was ihnen nicht gehört. Lenz 1, 249.
5)
licht, die helligkeit, die die sonne am tage verbreitet, und durch die wir gegenstände erkennen, tageslicht: das liecht und heitere desz tags, diurnum lumen Maaler 272ᵈ. die gegensätze nacht, finsternis, dunkelheit werden hier auch dem worte verbunden: so mus die nacht auch licht um mich sein. ps. 139, 11; das liecht mus der nacht weichen. weish. Sal. 7, 30; die nacht leuchtet wie der tag, finsternis ist wie das liecht. ps. 139, 12; wer zu schnell aus der dunkelheit in das licht tritt, wagt seine augen. Klinger 10, 109; und tag und licht erscheint formelhaft:
er (ein maler) sprach, die schönen kinderlein
mahl ich bei tag und sonnenschein,
zu denen, die ich selbst zuricht,
gebrauch ich weder tag noch licht.
L. Sandrub kurzweil (1618) 169;
so lasz ich freudig tag und licht.
Günther 328.
das wort steht mit adjectiven oder adverbialen beifügungen: helles licht, gedämpftes, trübes licht; das licht fällt nur matt durch die scheiben; in dem zimmer herschte ein ungewisses licht; der grosze saal hat gutes licht; die treppe hat schlechtes licht, aber ich finde mich schon zurecht. Freytag handschr. 3, 18; in die engen straszen der stadt drang das licht nur gedämpft; die gegend schien in dem gedämpften lichte eines bewölkten tages reizlos; crepusculum, zwivelich licht als es nit gar tag noch nacht ist. Dief. nov. gloss. 119ᵃ;
daʒ grâwe lieht (der morgendämmerung) si beide an sâhen.
minnes. 2, 67ᵃ Hagen;
und athmete lang und athmete tief,
und begrüszte das himmlische licht.
Schiller taucher v. 80;
lang lebe der könig! es freue sich,
wer da athmet im rosigten licht!
da unten aber ists fürchterlich ...
v. 93;
licht im gegensatz zu glanz und schimmer:
ein matter schein
(wie wenn sich, zwischen myrtenwänden
mit efeu überwölbt, in einem frühlingshain
der tag verliert) entdeckt ihm eine reihe zimmer
die ohne ende scheint: und wie er vorwärts geht,
wird unvermerkt das matte licht zu schimmer,
der schimmer schnell zu höchstem glanz erhöht.
Wieland 23, 227 (Ober. 11, 46).
es heiszt einem das licht nehmen, rauben: nicht der nebel ist es, der dir das licht raubt. Freytag ahnen 2, 10; in der sprache der baugewerke das licht rauben, verbauen, wenn ein nachbar so nahe an das haus des andern mit seinem baue rückt, dasz jenes wohnräume des tageslichtes entbehren müssen: von der clage, dy man wider dy stelt, dy irn nageburin ir licht vorbowin. doch so gevallin auch clagen von den leutin, dy so nebin einander wonen, alʒ ab ein nagebur sein gebowde ufrichte, domit er im seines lichtin (lies lichtis) beraubete in seime houʒe. Magdeb. blume 1, 32; wer auf seinem grund und boden bawet, der hat nit in acht zu nehmen, ob er seines nachbarn liecht verbawet. Lehmann 70; ein haus hat eigenes licht, wenn es ihm vom eigenen grundstück oder öffentlichem boden, fremdes licht, wenn es ihm nur von des nachbars grundstück zukommt; so sei zum beispiel ein hinterhaus erbaut worden, was gar kein licht haben würde, wenn es ihm nicht vom kirchhof käme. Frankf. journal vom 13. oct. 1871. vgl. dazu unten no. 18, c und lichtrecht.
6)
an diese bedeutung reihen sich mehr oder weniger feste formeln, wobei nicht immer auseinanderhalten von der bedeutung 16 möglich ist.
a)
etwas gegen das licht halten, um es zu prüfen: so man sie (die blätter des Johanneskrautes) gegen das liecht hält, sihet man viel kleine löchlein darin. Tabernaemont. 1249; bildlich: wann wir die sache recht gegen das liecht, und auf die probe halten, werden wir augenscheinlich sehen und befinden, dasz unserer vorfahren unglück, und was sie betroffen, viel gröszer als das unserer. Schuppius 780;
wenn man jr lehr im grundt besicht,
helts bei die heilig schrift ans liecht,
findt sichs vom teufel sein entsprossen.
B. Waldis Esop 1, 90, 68;
und so auch etwas bei (beim) licht besehen, betrachten: was hat nu s. Bernhard, ich, und manch fein mensch gelobet, in der müncherei? wenn mans beim liecht ansihet, und im grunde, so ist solch gelübde so viel gewest .. Luther 6, 27ᵃ; das sie meinen, sie seien meister uber meister, aber wenn mans beim liecht besihet, so sinds doch nicht anders .. 69ᵇ; uber diesz sind etliche so gesinnet, dasz ehe sie einem hunde was abgehen oder zu leide thun lieszen, ehe schlügen sie drei knechte .. in die schanze, und wenn man hernach das raben-aasz beim licht ansiehet, so verdienet es kaum die beine, geschweige das fleisch und das liebe brot. Chr. Weise erzn. 167 Braune; welche erklärungen, wenn man sie beim lichte besieht, auf eins hinauslaufen. Kant 2, 657; beim lichte besehen wird die auflösung der frage .. auf einerlei hinauslaufen. 3, 214; das alles, wenn mans beim lichte besieht, nichts ist als eine fähigkeit, ... nach aufgeflickten statuten natur und wahrheit zu verschneiden und einzugleichen. Göthe 33, 281; wenn mans bei lichte besieht, so hat jeder seine eigne religion. 56, 219; in der deutschen dichtkunst, wo wir mit schrecken sehen, dasz die zügellos trotzigsten freiheitsänger, beim licht betrachtet, meist nur bornierte naturen sind. H. Heine 11, 373;
doch wenn ichs recht beim licht besah,
einer steht dem andern so nah,
am ende sind wir alle pedanten.
Göthe 3, 272.
b)
ans licht kommen, ans licht gebären, das licht erblicken, von einem menschen der geboren wird: das licht erblicken, vitae lumen aspicere, gigni et vitae lumen adire Frisch 1, 611ᶜ; Sieyes sah in der alten stadt Frejus das licht. Dahlmann gesch. d. franz. revol. 164;
entfernt vom land, da ich das licht gesehen.
Haller schweiz. ged. 5;
in Schwaben blüht am Neckerstrand
ein schönes, segensreiches land,
das mich ans licht gebar.
Elise Hahn bei Bürger 91ᵃ;
mädchen, als du kamst ans licht,
schmückt ich dich im häubchen.
Göthe 41, 28.
c)
ans licht kommen, sich heben, von einem menschen der im dunkeln oder verborgenen war: wer arges thut, der hasset das licht, und kompt nicht ans licht. Joh. 3, 20;
Heinrich von Kempten alleʒ barc
sich vor des keisers angesiht,
und kom vür in ze liehte niht.
k. Otte mit d. barte 524;
so hob ich mich vor kurzem aus der nacht
des todes an des tages licht herauf.
Göthe 9, 335;
von knospen:
gefaltet kann die knospe sich genügen,
so lange sie des winters frost umgibt.
nun schwillt, von frühlingshauche, lebenskraft.
in blüthen bricht sie auf, an licht und lüfte.
298;
von verborgenen dingen: man wehret dem strome des wassers, und bringet das verborgen drinnen ist, ans liecht. Hiob 28, 11; welcher auch wird ans liecht bringen, was im finstern verborgen ist. 1 Cor. 4, 5; ich dorfte meine ducaten, die ich noch biszher davon bracht hatte, nicht an des tages liecht kommen lassen. Simpl. 1, 212 Kurz;
wann sie der schweren münz finden,
die schwer gnug sein an dem gewicht,
der kümbt keine mehr zu dem licht.
spruch in Bechsteins d. museum 2, 210;
von verkaufswaaren: daʒ nieman kain gra tuͦch noch kain leinen tuͦch sol ze lichte setzen noch verkaufen deʒ freitages ... denne in dem wathause. Nürnb. pol.-ordn. 162; von gedanken, wünschen:
daʒ ir lac amme herzen,   ze lieht eʒ muose komen.
Nib. 123, 5, 3 Zarncke;
seine gedanken an das licht der welt bringen. Klinger 12, 103.
d)
besonders häufig von geisteserzeugnissen, an das licht bringen, geben, setzen, lassen u. ähnl.: er war der, der dieselbe kunst wider zu liecht bracht. Bocc. 1535 132ᵇ (avendo egli quella arte ritornata in luce); demnach hab ich mir lassen wol gefallen, dis buchlin magister Caspars Aquilae, durch den druck an das liecht zu bringen. Luther 6, 115ᵃ; wenn .. solch gründtliche, gewisse, offentliche warheit, und schrift wider solchen groben tölpischen .. geist wird so helle und gewaltig an das liecht bracht und an tag gegeben. 315ᵇ; hab ich noch andere meine gedichte zu den vorigen gefüget, und die (verhoffentlich) zu gefallen an das liecht kommen lassen. Weckherlin vorr. zu den weltl. gedichten; ob meiner person anständig, dergleichen sachen (gedichte) ans liecht zu lassen, musz ich das urtheil leiden. Logau vorr. s. 3; das der herr .. dergleichen nüzliche bücher an das licht gesäzt. Butschky kanzl. 43; hat ein ehrlicher bürger in Nürnberg, Hans Sachs, sich herfür gethan, und in einem groszen werke allerhand spiele .. in das licht gestellet. Hoffmannswaldau vorrede zu den übers. u. ged.; diese schrift des Roger de Piles ward zuerst .. im jahre 1699 ans licht gestellet. Hagedorn 1, xviii; er gab anfangs nur eine sammlung von zwei hundert sinngedichten ans licht. Lessing 5, 106;
tichtern und mahlern, war weiland leichte gegünnet,
ans licht zu bringen was nur jhr gehürne gekünnet.
Logau 1, 56, 28;
an das licht treten: dessen werke im jahr 1721 zu Paris sämmtlich an das licht getreten sind. Hagedorn 1, ix; in einem vor kurzem ans licht getretenen wunderbaren buche. Wieland 7, 85; ein ungenannter französischer poet, dessen Kombabus mit dem unsrigen ungefähr zu gleicher zeit ans licht trat. Wieland 10, 245; in das öffentliche licht kommen, am öffentlichen lichte liegen: es würde auch ... schwerlich einige silbe von mir in das öffentliche licht kommen sein. Hoffmannswaldau vorrede zu d. übers. u. ged.; ich wolte mich nur auf meinen Hiob berufen, den Jacob, den brudermörder Cain, den Simson, die Dina, welche zwar noch nicht am offentlichen lichte liegen. Chr. Weise liebes-alliancen, vorr. a 4ᵃ.
e)
endlich auch von schlimmen handlungen, eigenschaften, entdeckungen: dasz der todt .. e. g. und dero kind beiden zumahln, wo diese handlung in tag und liecht kompt, .. zu erwarten ist. Amadis 27; wenn eure sünden ringsumb vors licht kommen. pers. baumg. 9, 12; tritt nun für uns ans liecht die wahrheit durch den wein. Butschky Patm. 726; das dringende bedürfnis der tugenden, die ihm fehlten, risz seine unfähigkeit ans licht. Schiller 885ᵇ; die abscheulichsten geburten der tyrannei an das licht zu brüten. 1040ᵃ;
die unerhörte meuterei ans licht
zu bringen.
Gotter 2, 267;
an die verwendung oben 4, c rührend: die unschicklichkeit und übereilung seines abgeschiedenen collegen ins licht zu setzen und zu verbessern. Göthe 20, 230.
f)
ans licht sagen, offen heraus:
was sie sagte, wil ich sagen, was sie sagte frei ans licht.
Logau 2, 33, 18.
g)
einem im lichte, vor dem lichte, für das licht stehen, ihn hindern dasz er sehe und gesehen werde, daher ihn hemmen in laufbahn oder vorhaben: so steht je eins dem andern für das liecht, und hinderen einander an der seligkeit. Pauli schimpf 115ᵃ; bisz sie andere so jnen im liecht und wege stehen, verjechen. Mathes. Sar. 152ᵇ; soll dir wehren, und im liecht oder wege stehen, wenn du etwas übelstehendes begehen wilt. Corvinus (1660) 1, 609ᵃ; gott läszt nicht zu, dasz die bäum dem himmel vorm liecht stehen oder die sonn verdunkeln. Lehmann 182; indessen trachtet Laetus auf mittel und gelegenheit, kraft welches er zu dem käyserlichen thron ... gelangen möchte. befahret sich, dasz ihm Papinianus in dem lichte stehen dörfte. A. Gryphius 1698 1, 371; wenn sie aber ihrem eignen glücke dadurch nur nicht im lichte stehen. Lessing 12, 298;
Planus ist so hoch gewachsen, dasz er bisz zur sonne geht;
für die erd ists gar verterblich, weil er ihr am lichte steht.
Logau 3, 115, 78;
läszt sie disz glück entgehen! (den heidnischen schach zu heiraten).
kan ihr ihr Christus wol so viel im lichte stehn?
A. Gryphius 1698 1, 152;
als Diodor bei leben war, hast du ihn tag und nacht betrübt,
itzt, nun sein müder leichnam ruht, rühmst du wie hoch du ihn geliebt,
du streichst ihn sehr unmäszig aus: ich merk es wohl wie es zugeh,
du preisest dasz er dir nicht mehr, wie vorhin, in dem lichte steh.
2, 492;
der junker irgend eines alten hauses (musz mich verläumdet haben),
dem ich im licht mag stehn.
Schiller Wallensteins tod 2, 6;
sich selbst im lichte stehen: stunden jhnen selber, wie man sagt, für das liecht. b. d. liebe 219ᵇ; ach wie habe ich mir selbst im liechte gestanden. Chr. Weise erzn. 39 Braune;
mein herr, weil ihr wolt folgen nicht,
so steht ihr euch selbst vor dem liecht.
engl. kom. 2, Dd 2;
ich, freiherr von Chrysant,
ich habe sie, mein kind, zu meiner frau ersehen.
sie wird sich hoffentlich nicht selbst im lichte stehen.
Lessing 1, 121;
vgl. dazu im lichten stehen oben sp. 860.
h)
einen hinter das licht führen, täuschen, betrügen, vergl. auch belege unter hinter theil 4², 1491: eben diese weise, durch welche ich heute Leszbien betrogen, kan dienen, sie noch diese nacht hinter das licht zu führen. A. Gryphius 1698 1, 907; da remonstrirte nun Gelanor dem ehrlichen manne, wie er mit seiner sonderlichen hoffnung wäre hinter das licht geführet worden. Chr. Weise erzn. 82 Braune; wen sollte dieser mann nicht hinter das licht führen? Lessing 1, 449; so ... beleuchten wir doch die schluszrede, welche den übergang zu neuen kunststücken macht, durch die wir nicht in das licht (vergl. dazu unten no. 14, d, γ und δ), sondern hinter das licht geführt werden. Göthe 59, 221; ich will ein beispiel geben, dasz ich mich nicht durch schöne worte hinter das licht führen lasse. Freytag ahnen 5, 417; auch unter das licht, um das licht führen: er namb wahr, dasz er unter das liecht geführt war. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 172;
der sich von jedem knecht und buben läst regieren,
und schändlich um das licht, als mit der nasen, führen.
A. Gryphius 1698 1, 16;
sucht man uns noch aufs neu ums licht herum zu führen!
171:
seit dem hat auch die welt durch geilheit, list und macht
den nechsten oftermals um ehr und gut gebracht,
und um das licht geführt.
Günther 469.
i)
das licht meiden, scheuen, hassen, eigentlich und bildlich: ein augenkranker meidet das licht; der gerechte braucht für seine handlungen das licht des tages nicht zu scheuen; diu eselinne, wenne si gepern schol, so fleuht si daʒ lieht und suocht die vinster. Megenberg 120, 9; des tages verbergen sie sich mit einander, und schewen das liecht. Hiob 24, 16;
sie eilt sich zu verhüllen;
verhaszt ist ihr das licht.
Wieland 23, 239 (Oberon 11, 65);
vom lichte bleiben:
zweiträchtiges geschlecht der bäume, bleib von lichte.
Logau 3, 244, 147.
k)
das licht verlassen, sterben:
ein frischer trieb fuhr in die matten glieder (einer sterbenden),
sie sah das fast verlaszne licht.
Haller schweiz. ged. 161;
kein licht soll ich mehr schauen! keine sonne
mehr scheinen sehn! (klage der Iphigenie vor der opferung).
Schiller Iphigenie 5, 5.
l)
der hund geht vor dem licht um, vgl. unter hund th. 4², sp. 1916 unten.
m)
allitterierende verbindung licht und luft: licht und luft gehören zum wachsthum, zum leben;
sie hindern licht und luft, und stehn dem wachsthum vor.
Günther 726.
n)
licht und wetter theilen, sonst sonne und wind: damit wir um so redlicher licht und wetter theilen können .. ein sonnenstrahl, der des einen auge mehr trift, als des andern; ein strenger luftzug, dem dieser mehr ausgesetzt ist, als jener: sind vortheile, deren sich kein ehrlicher fechter wissendlich bedienet. Lessing 10, 47.
7)
licht, als zeitbestimmung, wie tag, gegenüber dem subst. finster = nacht: dasz man solch pfand .. drei liecht und zwo finster aber nit lenger behalten mag. weisth. 3, 667 anm. 1 (Baiern); wenn er dann di selb nuz und gewer über sizt ân alle ansprach zwo finster und dreu liecht. 6, 134 (ebenda, 15. jahrh.); in neuerer poetischer sprache:
sollt ich nicht .. verwünschen jenes licht,
als ich im mutterarm zum ersten mal gewimmert?
Wieland 23, 46 (Oberon 7, 70).
8)
die formel zwischen licht, zwischen lichtes bedeutet wie das spätere subst. zwilicht, die dämmerung: cum .i. quando alma lux gemmata .i. adornata decore creperum micat. sô iʒ underzwisken liehten ist. Notker M. Capella bei Hattemer 3, 330ᵇ; in den weichennechten zwischen liechtes do kom ain erdbidem, und in der nacht kom ain donr. d. städtechr. 4, 75, 17; zwischent liecht (in dem gleichen satze). 226, 27; abends zwischen licht in einem zimmer beim musikanten. Schiller kab. u. liebe 5, 1; den Reutlinger, wenn er ihnen zwischen licht auf einem feldweg begegnet, grüszen sie nicht sehr. Hebel 2, 90. auch unter licht, die morgendämmerung: noch vor sonnen aufgang unter liechte machte sich Bastinna auf ihn zu besuchen. polit. stockf. 306; unter lichts, die abenddämmerung:
da sucht er unter lichts der köchin zeitvertreib.
Günther 501;
ehe man sichs versieht, zwischen licht und dunkel, verschwindet die kleine. Göthe 36, 31; in Appenzell onder liecht oder zwüscha für ond liecht, in der abenddämmerung, im zwielicht. Tobler 299ᵃ.
9)
licht, die helligkeit, die von irgend einem glänzenden gegenstande ausströmt: das licht eines demants, eines rubins; jr liecht war gleich dem alleredlesten stein, einem hellen jaspis. offenb. 21, 11;
(durch der sonne licht) wird aller wesen glanz mit einem licht gemahlet,
das auf den blättern schwebt, und die natur erfrischt.
Haller schweiz. ged. 39;
dort schlängelt sich durchs land, in unterbrochnen stellen,
der reinen Aare wallend licht.
123;
nun leihe mir der perlen sanftes licht,
auch der juwelen leuchtende gewalt.
Göthe 9, 298;
nachdenklich schritt ich, und bemerkte nicht
des krautes wallen und des wurmes (glühwurms) licht.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 40;
an den glanz der sonne (oben 2) angeknüpft:
wie durchleuchtet sah ich, wie durchfunkelt
dieses herz von ewgen liebessonnen,
nichts verschattet, nichts umwölkt, verdunkelt,
alles rein in licht und glanz zerronnen.
Rückert liebesfrühl. 1, 44 s. 34.
10)
licht namentlich von dem hellen glanze, der gott, Christo und seiner himmlischen wohnung anhaftet: herr erhebe über uns das liecht deines andlitzs. ps. 4, 7; das liecht deines angesichts. 44, 4; liecht ist dein kleid das du an hast. 104, 2; sein (Christi) angesichte leuchtet wie die sonne, und seine kleider wurden weis wie ein liecht. Matth. 17, 2; sein (gottes) glanz war wie liecht. Habacuc 4, 4; der da wonet in einem liecht, da niemand zukomen kan. 1 Tim. 6, 16 (goth. liuhaþ bauiþ unatgaht); auch bezüglich der engel, die mit gott sind (im gegensatz zu den engeln der finsternis): er selbs der satan, verstellet sich zum engel des liechtes. 2 Cor. 11, 14; und die selbst glänzend gedacht werden:
vor mir stand
ein schöner engel. licht war sein gesicht,
und sonnenstrahlen seine flügel.
Herder z. litt. 4, 74;
ein licht vom himmel strahlend:
als er (Paulus) nu kam nah zu der stadt
erzeigt Christus sein maiestat:
ein helles liecht vom himmel hoch
umbleucht jhn und zur erden schlug.
Wackernagel kirchenl. 5, s. 1098 (nach ap. gesch. 9, 3);
der himmel, das paradies ist voll licht:
nun dich (gestorbene) ein himmlisch licht umgiebt.
Haller schweiz. ged. 166
ihr himmlisch bild, das itzt das licht der ewigkeit
mit stiller majestät verherrlicht überstreut.
189;
ach! fernhin, wo. in selgen lichtes wogen
die engel badend, heilig! heilig! singen.
Arndt ged. (1840) 431;
dann wäre schon der himmel mein,
dann täuschte mich kein schein vom schein,
das licht der lichter wäre mein.
595;
aufgethan in stiller feier
war mir des paradieses licht.
Rückert liebesfrühl. 3, 83, s. 166;
und die frommen menschen, deren heimat der himmel ist, heiszen kinder des lichts: die kinder dieser welt sind klüger, denn die kinder des liechtes. Luc. 16, 8; gleubet an das liecht (Christus), die weil jrs habt, auf das jr des liechtes kinder seid. Joh. 12, 36;
(dasz wir) als liechtes kinder einher gehn,
gar nimmer von dir spalten,
und ewig an dir bleiben.
B. Ringwald in Wackernagels kirchenl. 4, s. 924.
11)
licht werden gott und Christus selbst genannt, die den menschen zum himmel vorleuchten: denn du herr bist mein liecht. 2 Sam. 22, 29; der herr ist mein liecht und mein heil. ps. 27, 1; die sonne soll nicht mehr des tages dir scheinen, und der glanz des monden sol dir nicht leuchten, sondern der herr wird dein ewiges liecht, und gott wird dein preis sein. Jes. 60, 19; euch verkündigen, das gott ein liecht ist, und in jm ist kein finsternis. 1 Joh. 1, 5; da redet Jhesus abermal zu jnen, und sprach, ich bin das liecht der welt, wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln im finsternis, sondern wird das liecht des lebens haben. Joh. 8, 12; da sprach Jhesus zu jnen, es ist das liecht noch eine kleine zeit bei euch. wandelt die weil jr das liecht habt, das euch die finsternisse nicht überfallen. 12, 35;
van dir (Maria) schein daʒ godes liet in alle die lant,
dô van dir geboren warth unse heilant
Müllenhoff u. Scherer 38, 24;
das ewig liecht (Christus) geht da herein,
gibt der welt einen newen schein,
es leucht wol mitten in der nacht,
und uns des liechtes kinder macht.
Luther 8, 357ᵇ;
er ist allein der herr, des lebens liecht und pfad.
Weckherlin 97;
steck ein das schwert, sprach unser licht (zu Petrus).
Gerhard 32, 73 Gödeke;
ach, mein gott, mein schatz, mein licht.
81, 36;
eilt ihr völker aus der nacht
zu dem neugebohrnen lichte (Christus).
Günther 1118;
der dich frei gemacht,
das grosze licht der zeiten,
schlosz ewig deine nacht.
Arndt ged. (1840) 598.
12,
a)
dieses göttliche licht (10. 11) als richtschnur des wandels, im gegensatz zur finsternis der sünde: darumb sind sie abtrünnig worden vom liecht. Hiob 24, 13; die heiden werden in deinem liecht wandeln. Jes. 60, 3; des herrn liecht leitet ihn. Sir. 50, 31; das sie sich bekeren von der finsternis zu dem liecht, und von der gewalt des satans zu gott. ap. gesch. 26, 18; so wir aber im liecht wandeln. 1 Joh. 1, 7;
o lux in tenebris,
dû hêrre, dû der sament uns bist,
du uns daʒ wâre lieht gibest.
Müllenhoff u. Scherer 31, 1, 7.
b)
in solchem sinne licht auch von der göttlichen lehre und predigt: das sie nicht sehen das helle liecht des evangelij von der klarheit Christi. 2 Cor. 4, 4; dasz uns das licht des hellglänzenden evangelii beschienen ... hat. Chr. Weise erzn. 134 Braune; die wolgastische bürger aber sind durch listigen betrugk eines heidnischen pfaffen betrogen worden, das sie das aufgehende liecht verworfen. Micrälius altes Pommern 2, 237;
und das liecht seiner lehr all andre lehr vertreibet.
Weckherlin 76;
rühre meine blöden sinnen,
dasz sie recht erkennen künnen
ihren heiland, der im licht
deiner predigt einher bricht.
Schuppius (ausg. von 1701) 206;
und göttliche gesetze
sind seines (des christen) wandels licht und seines hauses schätze.
Gellert 2, 38;
wo hätt ich licht,
wofern mich nicht
dein wort die wahrheit lehrte?
152;
erhalte mir, o herr, mein hort!
den glauben an dein göttlich wort ..
lasz ihn mein licht auf erden sein.
191.
c)
dann auch von der irdischen weisheit, von einer profanen lehre: da jetzt in Deutschland das licht der schönen wissenschaften aufgegangen. Lenz 1, 95;
(der gelehrte) macht durch der weisheit licht die gruft der erde heiter.
Haller schweiz. ged. 38;
das licht der wahrheit, der tugend:
du weists, betrug und tand umringt die reine wahrheit,
verfälscht ihr ewig licht, und dämpfet ihre klarheit.
46;
wo reiner tugend glanz in vollem lichte strahlt.
Günther 776;
doch ein strahl von höherm lichte und die kämpfende vernunft
stärkten mich.
862.
13)
licht, übertragen auf das, was unser leben 'erhellt', glanz, freude: den Jüden aber war ein liecht und freude, und wonne und ehre komen (durch Mardachais auszeichnung). Esther 8, 16; das ordenszeichen .. warf in die seele des freiherrn ein helles licht. Freytag soll u. haben 1, 331;
wie kömmt nach groszem leiden
nun ein so groszes licht!
Gerhard 74, 4;
gleich dem strahl der milden abendsonne
lacht der gnade holdes licht sie an.
Bürger 99ᵃ;
die gnade glänzt auf deinem angesicht.
o, dasz ein schimmer ihres heitern lichts
auf eine unglücksvolle fürstin fiele.
Schiller M. Stuart 2, 2;
das licht des lebens (unterschieden von no. 16, h unten):
beglückt, dasz ich die einzge aufgefunden,
die mir das licht des lebens will vergönnen.
Tieck Octavian s. 447;
licht, auf eine hervorragende stellung oder würde gewendet: er wird mich ans liecht bringen, das ich meine lust an seiner gnade sehe. Micha 7, 9; schon als knabe ward ich in schatten gestellt, und er ans licht gezogen, ihm alles zwiefach gegeben. Klinger 1, 14; ha! wie dich der ältere sohn dann belohnen wollte, wie er dich aus diesem unedeln staube, der sich so wenig mit deinem geist und adel verträgt, ans licht emporheben wollte! Schiller räuber 2, 1;
hohe, die ans licht gesetzt, sollen unter sich stets sehen
denen zu, die wo bedrängt, und nach recht und gnade flehen.
Logau 2, 192, 83 (überschrift 'fürsten');
die liebe siht, sie siht auch nicht: sie sihet meistens nicht
auf tugendglanz der stets besteht: siht auf vergänglich licht.
3, 245, 150.
14)
licht, übertragen auf erkenntnis und verstehen (vgl. dazu das adj. licht no. 17 sp. 860).
a)
erkenntnis in bezug auf sittlichkeit und wissenschaft: die summa und inhalt aller sontagspredigten gehet dahin, mensch, es werde liecht in deinem herzen, lerne dich selbst und gott in rechtem liecht erkennen. Schuppius 191;
viel jahrhunderte des nebels haben
uns in ihren unsinn eingeweiht.
haben alles bessre licht vergraben,
das der himmel seinen kindern leiht.
Seume ged. 174;
er fühlte selbst, wie wenig der gedanke
der seele, die nach lichte strebt, genügt.
182;
in der formel licht und recht:
licht und recht und tugend schaffen,
durch der wahrheit heilge waffen.
lied: brüder reicht die hand zum bunde;
der herr der himmelsschaaren
wird recht und licht bewahren.
Arndt ged. (1840) 234;
diese erkenntnis als eine eigenschaft der seele gedacht: das ist gottes bilde, das eben also gesinnet ist, solchen verstand und liecht hat, und solche werk thut wie gott, und sich immer nach jm omet. Luther 4, 15ᵇ;
ein thier folgt fesseln der natur,
ein mensch dem licht der seelen.
Gellert 2, 119;
o unbegreiflicher (gott)! ich bleib in meinen schranken,
du sonne blendst mein schwaches licht.
Haller schweiz. ged. (1768) 3;
ich kann
in solchen sachen nur dem eignen licht,
nicht fremdem folgen.
Schiller Piccol. 5, 1.
b)
die klarheit, die einem dinge für seine erkenntnis innewohnt: er ist also in die gewalt derjenigen ideen gegeben, die das meiste licht und die gröszte geläufigkeit bei ihm erlangt haben. Schiller 772ᵇ;
den worten fehlte kraft, und den gedanken licht.
Günther 1147;
doch was vielleicht an licht und gründlichkeit
der lehre fehlt, ersetzt des lehrers feuer.
Wieland 22, 261 (Oberon 6, 25).
c)
licht, die aufklärung, die einem über ein ding wird:
ungeduldig und bang harrte der lehrling auf licht.
erst nach mancherlei proben und prüfungen ward ihm enthüllet,
was der geheiligte kreis seltsam in bildern verbarg.
Göthe 1, 276.
d)
in mancherlei festen formeln.
α)
licht haben, erleuchtung, in geistlichem sinne: dirre heilige hât vil lichtes gehabt von gote. myst. 1, 219, 28; aufklärung, kenntnis, in weltlichem sinne: er hat licht, coqnitionem habet. Steinbach 1, 1065; man sieht wohl, dasz ihr von dem theater gar wenig licht habet. J. E. Schlegel 3, 184; in bezug auf etwas geschehenes: jetzt glaubt man über das vergangene licht zu haben. Schiller 844ᵃ.
β)
licht geben, aufklärung, klare einsicht: einem licht von einer sache geben, cognitionem rei alicui dare. Steinbach 1, 1065; von dem staatsrath G. habe ich gestern eine antwort erhalten, die sehr verbindlich ist, sonst aber nichts enthält, was mir in nur gedachter sache licht geben könnte. Lessing 12, 364; die zeit musz uns hierüber licht geben. Wieland 7, 157; ob der kalender Alhafi, mein alter kamerad, etwas näheres wissen mag? vielleicht kann uns der licht in der sache geben. 8, 288; gib mir ein helleres licht über den wunderbaren mann. Göthe 14, 135; wenn ich hiemit gewisse schriftsteller nur dunkel bezeichne und nicht licht genug über sie gebe. J. Paul grönl. prozesse 2, viii;
ich kenne zwar dein kind von mund und antlitz nicht;
doch giebt mir deine wahl von ihrem werth ein licht.
Günther 784;
allein, mir gab bereits mein herz ein traurig licht.
Wieland 17, 194 (Idris 3, 116);
so ernsten grund du hast. dies licht zu fliehn,
so dringendern hab ich, dasz ich dirs gebe.
Schiller Piccol. 5, 1.
γ)
licht bekommen, erlangen: licht bekommen, cognitionem accipere. Steinbach 1, 1065; man bekömmt hierinnen (betreffs des ursprungs der französischen schauspiele) eher kein kläreres licht, als unter der regierung Carls V. Lessing 3, 254; erst mittwochs abends — am dienstag war testamentseröffnung gewesen — bekam die stadt licht. J. Paul flegelj. 1, 32;
o gottheit, fährt er fort (zum delphischen orakel), wenn bitten dich besiegt:
so lasz mich gröszres licht von meinem glück empfangen!
Gellert 1, 59;
sich licht verschaffen, licht schöpfen:
ich will auf kürzerm weg mir licht verschaffen.
Schiller Piccol. 5, 3;
also fürchtest du
ein licht zu schöpfen, das dich nicht erfreut?
braut v. Messina v. 768;
licht sehen: ja ich kann sagen, dasz ich nun licht sehe, wo es mit mir und meinen fähigkeiten hinaus will. Göthe 29, 79; es wird licht, ich erkenne klar:
ha! nun endlich!
jetzt seh ich — jetzt wird alles licht.
Schiller don Carlos 5, 1.
δ)
einem geht ein licht auf, er erlangt einsicht, erkenntnis (vgl. dazu aufgehen 3, theil 1, 653 fg.): sobald diese (frage) aufgeworfen worden, geht jedermann ein licht auf. Kant 3, 386; da ich nun mit diesem zweifel von neuem unser werk betrachtete, schien mir ein licht aufzugehen, und zwar durch eben den umstand, welcher bisher unauflöslich schien. Winkelmann 6, 245; jetzt geht mir auf einmahl ein schreckenvolles licht auf. Wieland 11, 318; wie heiszt der pfuscher von arzt, dem erst in diesem augenblicke ein licht aufgeht. Göthe 20, 302; doch zuletzt ging ihnen ein ander licht auf! 22, 135; (es war) vorzüglichen ... geistern ein licht aufgegangen, dasz die unmittelbare originelle ansicht der natur und ein darauf gegründetes handeln das beste sei. 26, 341; jeden tag geht mir ein neues licht auf, und es scheint als wenn ich wenigstens würde sehen lernen. 29, 113; besonders war mir über die epoptischen farben ein neues licht aufgegangen. 30, 182; geht ihm hierüber von zeit zu zeit ein halbes licht auf, so entsteht ein gefühl, das an verzweiflung grenzt. 31, 8; dem besten theil der nation war ein licht aufgegangen, das sie aus der öden, gehaltlosen, abhängigen pedanterie .. herauszuleiten versprach. 38; mit dem plural: gewöhnlich gingen mir unterm sprechen neue lichter auf, und ich erfand im flusz der rede am gewissesten. 30, 202; anders ausgedrückt:
was musz ich hören?
was musz ich vernehmen?
welche lichter
erscheinen mir da?
11, 185;
wir menschen auf erden, was haben wir ohn das liecht der natur in der erkendtnusz aller natürlichen dingen. Paracelsus (1589) 1, 239; die schönsten bilder sind weiter nichts, als ein geistig licht in die seele. Heinse Ardingh. 1, 377.
15)
licht, in bezug auf die augen: das auge ist des leibs liecht. Luc. 11, 34.
a)
gewöhnlich meint es das auge als sitz der sehkraft und die sehkraft selbst: o mein gott und mein herr, gedenk mein ... das ich mich rech von meinen feinden und ich empfah ein rach um die verlust zweier liecht. bibel von 1483 120ᵃ (ut pro amissione duorum luminum unam ultionem accipiam vulg.; das ich fur meine beiden augen mich einest reche Luther richt. 16, 28); meine kraft hat mich verlassen, und das liecht meiner augen ist nicht bei mir. ps. 38, 11; aber es war alles verloren (was ein blinder umbs liecht gab). Ayrer proc. 3, 1;
den blinten er daʒ lieht gab.
Müllenhoff u. Scherer 31, 12, 9;
einer hât daʒ vieber oder daʒ vergiht,
einer verliuset hœren oder daʒ lieht.
H. v. Melk erinnerung 548;
den blinden gab er liecht; den tauben das gehör.
P. Fleming 5;
wer ohne lieben lebt und keine myrthen flicht,
der hat so wenig trost als augen ohne licht.
Günther 786;
als mir das licht der augen wiederkehrte.
H. v. Kleist familie Schroffenstein 1, 1.
das licht der augen ist höchstes gut:
so ward auch mir ein wundergut beschert,
mir glücklichem! das ich, mit sorgfalt mehr ..
als meiner augen, meines lebens licht,
mit freud und furcht, mit lust und sorge pflege.
Göthe 9, 282;
es ist kosewort an die geliebte:
licht meiner augen, spricht der gute mann zu ihr,
verbirg dich hinter diesen steinen.
Wieland 18, 286;
dir, meine einzge, auserwählte,
dir, meines alters trost und meiner augen licht,
dir trau ichs zu. du bliebst getreu an deiner pflicht.
22, 288 (Oberon 6, 73).
b)
in der sprache der jäger heiszen lichter oder seher die augen des hirsches. Jacobsson 2, 608ᵃ; in der dichterischen sprache des 17. jahrh. steht lichter auch von den augen der menschen (als den glänzenden sternen im gesicht):
entherzet ist mein herz;
das liecht auch meinen liechtern fehlet.
Weckherlin 152 (nach ps. 38, 11);
ich stehle stets den gliedern ihre ruh,
und lasse nicht den schlaf auf meine lichter zu.
Hoffmannswaldau getr. schäfer s. 21;
die thränen füllten mir oft beide lichter an.
heldenbr. s. 11.
c)
endlich licht vom glanz des auges und von seelischem ausdruck, der durch solchen gegeben wird: ihre von schmerzen entbrannten augen überquollen schnell vom mildern lichte der liebe. J. Paul Hesp. 3, 37; seine phantasie malte ein bild hin mit blonden haaren und mit einem treuherzigen bürgerlichen licht in den augen. Freytag handschr. 2, 438;
kein finstrer blick umwölkt der augen heiter licht.
Haller 80;
aus seinen augen bricht
wie aus gewölk ein traurig düstres licht.
Wieland 23, 232 (Oberon 11, 53);
aber meine blauen sterne
strahlen auf in hellerm licht.
H. Heine 15, 207.
16)
licht, künstliches licht, aus brennbaren körpern zur beleuchtung erweckte flamme.
a)
im allgemeinen: das licht des leuchters, der lampen; das licht der kerzen; das licht der gasflammen; elektrisches licht; die lichter auf der rhede. Ettner hebamme 326. 327; das trübe licht einer schmutzigen laterne. W. Hauff 11, 78; beim licht der kerze. Freytag soll u. haben 1, 330; ein liecht, das da scheinet in einem tunkeln ort, bis der tag anbreche. 2 Petr. 1, 19; ich mache licht. Göthe 15, 6; zum glück zündete der kellner, da es schon dunkel geworden war, in einer groszen laterne an der gartenthür licht an. Eichendorff taugenichts (1874) 107; die straszenlaternen, deren licht (im nebel) in einer röthlichen dampfkugel flackerte. Freytag soll u. haben 2, 344; man wird unten sehen, dasz licht in der stube ist. 347; noch licht in ihrem zimmer sehend, hielt ich es nicht für unhöflich, eine zwiesprach mit ihnen zu begehren. Immermann Münchh. 2, 38;
diu kerze lieht den liuten birt,
unz daʒ si selbe zaschen wirt.
Freidank 71, 6;
die mücke sah die freundinn liegen:
diesz grabmaal, sprach sie, will ich scheun.
am lichte will ich mich vergnügen,
und nicht an einem becher wein.
Gellert 1, 161;
wie lieblich zieht (die motte) der glanz, die sanfte wärme an!
durch ihre unschuld selbst betrogen
umtaumelt sie das licht in immer kleinern bogen,
und plötzlich ach! verbrennt sie ihre flügel dran.
Wieland 22, 265 (Oberon 6, 33);
beim matten licht
das hier und da von fern durch fensterscheiben bricht (in der nacht).
21, 238;
(er sieht) ein seltsam licht, das durch den garten schweift:
drei jünglinge mit fackeln in den händen
sieht er sich eilend durch die gänge wenden.
Göthe 13, 191.
in Baiern steht licht auch für feuer: 's lied inn ofen; gêts acht, das kaen lied auskimt (kein feuer ausbricht). Schm. 1, 1430 Fromm.
b)
in engerem sinne wird unter licht die aus unschlitt, wachs oder neuerdings auch andern stoffen bereitete kerze verstanden, die vorwiegend zur beleuchtung verwendet wird: so hab ich biszher ein jar eilf, zwelf oder dreutzehen pfund liecht müssen haben dem seger. Tucher baumeisterb. 121, 6; ich gleube nicht, dʒ er (Adam) habe liechter angezündet und gebrannt, er hat nicht gewist, das der ochse unschlit im leibe gehabt. Luther tischr. 43ᵇ; lichter und laternen bedurften sie nicht. Chr. Weise erzn. 9; demnach es von den spänen, so diese leut anstatt des lichts brannten, zimlich warm und raucherig in dem ohne das engen stüblein wurde. Simpl. 3, 359 Kurz; morgens um sechse tritt der bediente herein mit dem lichte. Göthe 16, 190; lichter aufstecken, ordinare, ponere, affigere candelas. Stieler 1153; ein strumpf licht, frustulam candelae. ebenda; einige abgerissene gestalten spielten bei einem stümpfchen licht mit schmierigen karten. W. Hauff 11, 78;
ze den füeʒen für daʒ bett zetal
zweî grôʒiu lieht ûf zwei kerzstal
wârn gestôʒn (ich liuge nieht)
und an die wend wol hundert lieht.
Ulr. v. Lichtenstein 348, 26;
wenn er nem ein liecht,
und schawt, wie er von innen sicht.
B. Waldis Esop 1, 85, 33;
mit eim liecht
leucht er jhm unters angesicht.
L. Sandrub kurzweil 118;
die laufen nin und kaufen lichter ein.
A. Gryphius 1698 2, 426;
getrost, Jesmin, versiegle deinen brief!
so wie das siegelwachs am lichte niederlief,
so wird der schönen herz .. zerschmelzen müssen.
Gellert 1, 78.
ein solches licht wird gemacht, gezogen, gegossen: licht gieszen, talglichter in blecherne oder gläserne formen gieszen Jacobsson 2, 608ᵇ; lichter zu machen, die lange und helle brennen. ebenda; ihre lichte zog sie selbst, und wuszte des morgens an den enden genau, ob jedes sich zu rechter zeit niedergelegt hatte. Möser patr. phant. 1, 125;
aus dem unschlitt macht man lichter und auch seifen.
Brockes 9, 261.
c)
es heiszt ein licht wird angezündet, ausgelöscht, das licht erlischt: man zündet auch nicht ein liecht an, und setzt es unter einen scheffel, sondern auf einen leuchter, so leuchtet es denn allen, die im hause sind. Matth. 5, 15; darauf nam ich ihr das liecht und wolte sehen, wer im bette lege? sie aber leschte solches aus. Simpl. 1, 374 Kurz; ich fahre auf und will die lichter anzünden wie ich immer thue, und wie ich schlaftrunken bin, lösche ich das licht aus. Göthe 15, 6, da löschte der herr Theodor das licht aus, als wenn er die kerze hätte putzen wollen. Hebel 3, 39;
kumt dan der wint in das liecht gepfiffen (in der rockenstube),
so helfens pald, das (dasz es) gar erlischt.
fastn. sp. 386, 33;
ich will das licht jz läschen eh.
Fischart dicht. 2, 43, 1557 Kurz;
sie werden lichter eh anzinden.
82, 3091;
und schlug jhn damit ins gesicht,
dasz jhm verleschen thet das liecht.
L. Sandrub kurzweil 118;
wann andre löschen feur und licht.
P. Gerhard 243, 29 Gödeke;
zündete hurtig ein licht an.
Göthe 40, 43;
ein licht anzünden, zum opfer: ich zünde gott dem herrn ain liecht auf, das er mir guts thu, und zund dem bösen gaist eins auf, das er mir nichts böses thu. Pauli schimpf 15, vgl. auch aufzünden theil 1, 787; das licht putzen, schneuzen: liecht abbutzen, mungere. voc. inc. theut. n 1ᵃ; das licht schneuzen, candelam emungere Stieler 1907; ich putzte ihnen immer die lichter. Göthe 20, 49;
ich schüttle die linde, ich putze das licht,
und beisze die feder; doch klappt es mir nicht.
Günther 1110;
wo selbst der dichter, heimlich voll verdrusz,
im fall der noth die lichter putzen musz (auf der bühne).
Göthe 13, 139;
das licht brennt, flackert, rinnt, läuft, wenn sein talg flieszt, statt zu verbrennen; die leute brannten ein licht im zimmer, keine lampe; ein schen grab mit vil lichten die prunen. d. städtechr. 2, 29, 10; das licht zwitzert, candela micat, coruscat. Stieler 1153; ich sitze zu hause und habe licht brennen und dabei stehen die andern lichter für den hofmeister und den jungen herrn. Göthe 15, 6; zwei brennende lichter. Hebel 2, 99; ein licht flackerte im winde auf dem tische vor uns und schimmerte über den vielen vergossenen wein auf der tafel. Eichendorff taugenichts (1874) s. 108; diese lichter rinnen nicht und brennen noch ein mal so lange. Jacobsson 2, 608ᵇ.
d)
bei licht, zur abendzeit, wenn die lichter brennen: bei dem liecht oder zenacht ein ding machen, ad lucubrationem conficere aliquid. Maaler 272ᵈ; etwas bei dem liecht machen, elucubrare, ze nacht bei dem liecht werken, lucubrare. ebenda; es kam vergangenen winter eine frau zu mir des abends bei liechte. Schuppius 584;
diu naht den tac het gar verswant.
nâch grôʒen liehten ich dô sant ...
wir stâchen bi des liehtes schîn:
sô gern dient ich der vrowen mîn.
bî dem lieht wir reht sehs sper
verstâchen, ich und her Rüedgêr.
Lichtenstein 271, 31;
gleich wie ir (flöhe) spott der frommen magd,
welche, als jr sie bei licht plagt,
das licht lescht, euch dardurch zu plenden.
Fischart dicht. 2, 82, 3086 Kurz;
sogar, wenn sie bei licht
zur kirche geht, verhüllt die schönste der gestalten
ein weites regentuch.
Wieland 21, 200.
e)
zu licht gehen, kommen, zum besuch am abend, wenn licht brennt (schwäb. auch in die karz gehen th. 5, 246): min bäsinen waren einest nachtz, nach dem sy mich nider gleit hatten, zliecht gangen. Th. Platter s. 6 Boos; item sich soll niemant verwelchen in larvenweise noch an ein liecht gan nach der groszen glocken. Rottweiler stadtrecht 189ᵃ (Kuhns ztschr. 15, 203); giengen sie herumb ... zum liecht und zun schlaftrünken. Garg. 171ᵇ; sie beklagten sich über die lange winternächte und gaben mir damit zu verstehen, dasz ich, solche desto leichter zu passiren, wol zu ihnen zu liecht kommen dörfte. Simpl. 1, 332 Kurz; noch jetzt schweiz. z'liecht go auf abendbesuch gehen Seiler 190ᵇ; schwäb. z'liecht gehen Schmid 356.
f)
kirchengebrauch ist es, dasz bei begräbnissen und seelmessen die nächsten leidtragenden eine brennende kerze in der hand haben, ein licht halten; auch sterbenden hält oder hebt man ein liecht ein, hält ihm ein angezündetes geweihtes wachslicht vor oder gibt es ihm in die hand. Schm. 1, 1430 Fromm.; in freierer anwendung: so denket wie ehrlich die pferd etwann mit fürstmäsigen ehrenseulen seind von den Agrigentinern begraben worden, wie der grosz Alexander seinem kuköpflin ein leichtend liecht gehalten. Garg. 132ᵇ; davon die redensart der henker, der teufel soll dir das licht halten (henker oder teufel sollen bei deinem sterben oder deinem begräbnisse sein, du wirst von ihnen geholt werden); mein mann ist sonst gut freund mit ihm gewesen; aber der henker solte ihm nun das liecht halten, wenn er weiter mit ihm freundschaft hielte. Chr. Weise erzn. 196 Braune;
aber ihm soll das licht dafür
halten mein bruder (der teufel) nach gebühr.
Rost teufelsep., in der neuen Berl. monatschr. 1805 13, 38.
g)
anders licht halten, licht tragen, im sinne von leuchten zu einem gange, einer handlung:
strûchet der daʒ lieht treit,
deist den nâch gênden leit.
Freidank 71, 15;
da Salomon ein katzen het,
die er mit arbeit leren thet,
das sie das liecht zum essen hielt.
B. Waldis Esop 2, 22, 41;
daher das licht tragen, halten müssen, dabei sein müssen, wenn andere genieszen, ohne mithalten zu dürfen, im winkel stehen müssen: und du alter lecker hast die sporen verloren, deine karwatsche ist auch zu schlaff, und mustu, wann andere tanzen, das liecht halten. kunst üb. alle künste 84, 13;
der schwache wirdt vom starken gschlagen,
der krenkest musz das liecht auch tragen;
der freche thut seins willens leben.
B. Waldis Esop 1, 65, 18;
des nidrigen zauns schont man nicht,
der krenkest helt allzeit das liecht.
2, 37, 18;
man denkt dabei auch an den leuchter, in welchen das licht gesteckt wird, wie dieser ja als dillmann (th. 2, 1150) auch personificiert erscheint, und bezieht die redensart auf einen hölzernen menschen, der zu nichts anderm zu gebrauchen:
swer sich lenket als ein stoc,
des dienst kan ich geprüeven nieht,
wan daʒ er stê für daʒ lieht (als lichthalter).
Haupts zeitschr. 8, 554, 122;
in einem anderen sinne: er hat das licht darzu gehalten (gelegenheit gemacht, zur ausführung geholfen). Henisch 661.
h)
das leben wird einem lichte verglichen (vergl. dazu oben lebenslicht, lebenskerze, lebensflamme, und Wackernagels aufsatz das lebenslicht in Haupts zeitschr. 6, 280—284): darauf löschte er die lampe aus, und als das docht noch einmal aufflackerte, bevor es verlöschte, da fiel ihm ein, zufällig als etwas gleichgültiges, dasz die leute die flamme des lichts mit dem leben eines menschen verglichen. Freytag soll u. haben 2, 355; im kurzen abnehmenden lichte des lebens. J. Paul Hesp. 4, 171;
lasz mir das licht des lebens, nimm ein lösegeld!
Schiller jungfrau 2, 7;
es heiszt das licht ausblasen, das licht erlischt: sie hörte nicht eher auf zu spielen als bis ihr der tod das licht ausbliesz. ehe eines mannes 220; ein licht ausgeblasen, das ohnehin nur mit dem letzten öltropfen noch wuchert. Schiller räuber 2, 1;
oder ich leg dir auf dein nack
mein faust, das dir das licht erlischt.
H. Sachs 2, 4, 23ᵃ;
lisch aus, mein licht, auf ewig aus!
Bürger 13ᵇ;
in bezug auf einen nur in seiner bürgerlichen stellung vernichteten: der mann ist aus wie ein licht. Freytag handschr. 3, 5.
i)
wie das tageslicht auf erkennen und verstehen übertragen ist (oben 14), so auch das lampen- und kerzenlicht, namentlich in den verbindungen einem ein licht aufstecken: von Millins groszem werk hört man wenig, so dasz faszt auch gezweifelt werden dürfte, ob der grosze lichter aufgesteckt. Meyer in Böttigers lit. zuständen 2, 302;
doch hat er mir sein wesen noch klärer aufgedeckt
und bei dem ersten lichte ein neues aufgesteckt.
Dusch verm. werke 277;
(ein pedant) der miszlaunig wird, wenn nicht jeder mit seinem lämpchen herzuläuft, um es an diesem groszen licht der aufklärung anzuzünden (vgl. dazu unten 17, b). Knigge umgang mit menschen 1, 5;
gedanken, worte, werk und sinn
sind nichts als finstre sünden,
wofern wir nicht des geistes licht
in unsrer seel entzünden.
Günther 42.
k)
in sonstigen bildern: denn das gebot ist eine leuchte, und das gesetz ein liecht, und die straf der zucht ist ein weg des lebens. spr. Sal. 6, 23; mein recht wil ich zum liecht der völker gar bald stellen. Jes. 51, 4; ich .. erwelete sie (die weisheit) mir zum liecht, denn der glanz, so von jr gehet, verlesschet nicht. weish. Sal. 7, 10; wer kann doch das liecht, der warheit ablöschen, oder soll man das liecht under das mæsz stellen? Zwingli in Wackernagels leseb. 3, 1, 267 (vergl. Matth. 5, 15); unser liecht stehet nicht unter dem scheffel verborgen, sondern brennet, und leucht frei auf dem leuchter, so hell und klar, das es auch allen teufeln sampt jren papisten und sacramentisten in den augen wehe thut. Luther 6, 19ᵃ; wozu dienet die leere besitzung einer geldlast? solch geld ist ein liecht unterm scheffel. polit. colica 58;
sein grab, das dapferkeit fürtrefflich zugericht,
erleuchtet durch der ehr unauszlöschliches liecht.
Zinkgref bei Opitz (1624) 222;
nicht ging das licht der liebe mir im nächtgen dunkel aus.
Rückert liebesfrühl. 3, 104 s. 187;
das sternenlicht unter dem bilde des lampenlichtes:
wenn nun die nacht die goldnen lampen zündet, ..
dann scheinst auch du (ein gestorbenes kind) mit millionen lichtern
und funkelst her aus engelsangesichtern.
Arndt ged. (1840) 432.
l)
das ewige licht, in der kirche: er sol ein êwigeʒ lieht erziugen uber sîn grab. Lexer mhd. handwb. 1, 1907 (v. 1300);
das ewge licht am sarkophage.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 73;
dafür auch blosz das licht: unserm gotzhus ein viertel kernen und an daʒ liecht (zu unterhaltung des ewigen lichts) ein viertel kernen. Boos urkundenbuch der stadt Aarau s. 111 (von 1370).
m)
ein irres licht, ignis fatuus, irrlicht:
alles, alles scheint zu drehen,
fels und bäume, die gesichter
schneiden, und die irren lichter,
die sich mehren, die sich blähen.
Göthe 12, 205.
das heiszt in Kärnten 's eawige liecht Lexer 179.
17)
licht, als ehrende bezeichnung hervorleuchtender oder geliebter personen, knüpft theils an die bedeutung 1, theils aber auch an die bedeutung 16 an.
a)
in der bibelsprache, wo die verwendungen 10—12 oben anklingen: ich hab dich auch zum liecht der heiden gemacht. Jes. 49, 6; jr seid das liecht der welt. Matth. 5, 14; jr waret weiland finsternis, nu aber seid jr ein liecht in dem herrn. Eph. 5, 8; mitten unter dem unschlachtigen und verkereten geschlecht, unter welchem jr scheinet als liechter in der welt. Phil. 2, 15; (Johannes) war ein brennend und scheinend liecht. Joh. 5, 35;
ir gerechte richter der welt
und ware liechter der erden (anrede an die apostel).
Wackernagel kirchenl. 5, 1098, nr. 1359.
b)
in gehobener profaner rede, dem lat. lumen nachgebildet: die Florentiner, als sie in ihrem Danthes, dem ersten liechte der hetrurischen sprache, so ein edles und groszes gemüth sahen. Opitz 1, vorrede 6ᵇ; o! ihr groszen lichter unsers aufgeklärtesten jahrhunderts. Wieland 2, 280; wie viel falsches Shakspeare und besonders Calderon über uns gebracht, wie diese zwei groszen lichter des poetischen himmels für uns zu irrlichtern geworden. Göthe 23, 273;
Homerus, der poeten licht
und der fürnembst von künstgedicht.
Fischart dicht. 2, 115, 1;
du auch, du liecht der frauen,
o heldinn, bild der zucht.
Opitz 2, 102;
o bleibe stark! erhalte du uns aufrecht,
denn du bist unser licht und unsre sonne.
Schiller Wallensteins tod 5, 3;
o sei willkommen, licht der vaterstadt!
zerstörung von Troja 49;
man höhnt die holden frauen, des alten liedes licht.
Uhland ged. 357;
ja, er ward ein groszer dichter,
stern und fackel seiner zeit,
seines volkes licht und leuchte.
H. Heine 18, 182;
dasz er ein fürtrefflicher berühmter mann, und gleichsahm als ein licht zu seiner zeit geschätzet ward. pers. rosenth. 3, 1; nun kamen vollends die lichter und angesehene im volk, viele pharisäer .. Claudius 5, 152; die Haubersche bibliotheca magica, mit der ich mich zu einem groszen lichte schreiben will. J. Paul kom. anh. zum Tit. 1, 80; unsere gelehrten lichter. kl. bücherschau 1, 50; aber wie erstaunte über des rektors erhabenheit unser paar, das statt eines blosen gelehrten lichts einen herrlichen schwanzstern anzubeten fand. leb. Fibels 32;
dergleichen wunder-thier ist trotzig und gemein,
läszt andre neben sich geringe lichter sein.
Günther 409.
c)
schmeichelnde anrede an frauen, wie lat. mea lux: damit nun der mann seine frau zu frieden stellen möchte, antwortete er: o mein licht! höre was ich sage. pers. baumg. 2, 5;
Cleopatra mein licht! Cleopatra mein leben!
Lohenstein Cleop. s. 72, 545;
dasz ich noch einmal nur, eh ich die augen schlüsse,
Cleopatren mein licht, sie meine sonne küsse.
s. 76, 658;
ich wolte diese nacht dem tage weit vorziehen,
wenn sie, o schönstes licht, nicht wolte von mir fliehen!
A. Gryphius 1698 1, 226;
wo aber hat mein licht den schönen apfel her?
Günther 985;
von Lessing bemängelt: wie kömmt es aber gleichwohl, dasz er (Schönaich) seine tragischen personen so kriechend, so pöbelhaft, so eckel sprechen läszt? .. die könige heiszen die königinnen mein licht, mein leben. 5, 41.
18)
licht, in der sprache der gewerke.
a)
fenster oder lichtöffnung überhaupt in einem gebäude (vgl. dazu oben 5): das einfallende liecht, fensteröffnung, die schief durch die mauer herabgeht, dem freien liecht entgegengesetzt. Schm. 1, 1430 Fromm. (aus einer bauordnung von 1489); deʒ Cropffes haus .. sol niht hoher gepauwen werden, denne als deʒ kirchhoves maure hoh ist zu sende Sebalde; und eʒ sol auch darauf dehain lieht in den kirchof niht gen. Nürnb. pol.-ordn. 289; da verkerten dy prediger sant Kathrein kloster den nunen ir regelen, und vermaurten sy in (sie ihnen) ire lieht und winden (sprachfenster) uberal. d. städtechr. 1, 375, 6; wer auch, ob iemant liecht oder trupfen het geen auf den anderen, das soll er abthun. Tucher baumeisterb. 280, 24.
b)
licht bei den böttchern an der fügebank die öffnung, in welcher sich das eisen befindet. Jacobsson 6, 456ᵇ.
c)
licht, beim wildpret und bei den geschlachteten thieren die weisze ader, woran das herz und das geräusch hängt, lichtader. Nemnich. liecht heiszet so viel als der schlund oder die gurgel (am hirsche). Heppe leithund 420.
d)
licht, an den orgelpfeifen das windloch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 861, Z. 64.

lichthehr, adj.

lichthehr, adj.:
lichthehr erschien der reiter rechts,
mit mildem frühlingsangesicht.
grasz, dunkelgelb der linke ritter.
Bürger 70ᵃ (der wilde jäger).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 886, Z. 1.

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Zitationshilfe
„lichthehr“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lichthehr>, abgerufen am 05.08.2021.

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