Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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allerliebst

allerliebst,
nnl. allerliefst, engl. alderlievest, höchste stufe des anmutigen und geliebten: ein allerliebstes kind; meine allerliebste; das allerliebste lied. Gellert 3, 327; sehen sie doch den allerliebsten staat an. 3, 368; die allerliebste kleine puppe. Wieland 2, 231; ein allerliebstes hölzchen. Göthe 14, 85; meine lieblichen, allerliebsten sängerinnen. 14, 91; so war er auch ganz allerliebst, wenn er sich mit einem buche in die ecke setzte. 20, 140; unter solchen daraus entspringenden allerliebsten annehmlichkeiten. 22, 95; setzen wir uns, sagte das allerliebste wesen. 22, 117; indem er unerwartet ganz allerliebste gegenden antraf. 23, 3; Lavater war heiter und allerliebst. 26, 273. Zuweilen genügt es nicht einmal und wird noch durch eine vorgesetzte partikel gestärkt: ein recht allerliebstes frauenzimmer. Lessing 1, 221.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 225, Z. 33.

lieb, adj.

lieb, adj.
dilectus, carus. goth. liubs; altnord. ljúfr (im dän. und schwed. ausgestorben); alts. altnfr. liof, niederl. lief, niederd. lêf; ags. leóf, altengl. leof, leef, lef, neuengl. lief, jetzt veraltet; fries. liaf; ahd. liub, liob, lieb, mhd. liep. genau entspricht kirchenslav. ljubŭ lieb, nächste verwandte des wortes sind lat. lubens, lubet, lubido, lubido, und das sanskr. lubh begehren, heftiges verlangen empfinden, lôbha gier, habsucht, verlangen (vgl. Fick², 175); so dasz die bedeutung von lieb aus der vorstellung des heftig verlangten, begehrten, erwachsen ist. die bedeutung ist zum theil von der stellung des wortes abhängig.
I.
lieb, attributiv.
1)
in vollster schärfe des begriffes, bezüglich einer person, der man seine innige zuneigung zugewendet hat, und wo das wort durch das particip geliebt ersetzt werden kann, wie in gewählter neuerer sprache auch oft geschieht: der liebe vater, die liebe mutter, liebe brüder, schwestern, kinder, freunde, bekannte; du bist mein lieber sohn, an dem ich wolgefallen habe. Marc. 1, 11 (goth. þu is sunus meins sa liuba); ich vermane euch, als meine lieben kinder. 1 Cor. 4, 14; Tychicus, der liebe bruder und getrewer diener und mitknecht in dem herrn. Col. 4, 7; auf das deine lieben freunde erlediget werden, hilf mit deiner rechten. ps. 108, 7; ob die lieben abgeschiedenen von uns wissen. Göthe 16, 83;
(es wird) der vergnügung sonnenstrahl
mir selbst und auch den lieben meinen ..
mit einem neuen glanze scheinen.
Brockes 1, 478;
wer weis, ward nicht durch seinen tod
der treusten frau ein lieber mann entrissen?
Gellert 1, 192;
auf diesz geschrei kam Doris wieder,
der lieben freundin beizustehn.
ebenda;
da liebe töchter, liebe söhne
des edlen vaters herz erfreun.
2, 75;
nicht ein geschmeide? nicht ein ring?
meine liebe buhle damit zu zieren.
Göthe 12, 193;
mit diesem zweiten pfeil durchschosz ich — euch,
wenn ich mein liebes kind getroffen hätte.
Schiller Tell 3, 3;
das liebe kind, der liebling der eltern: so schon das arm eschengrüdel eben das tut, das das lieb kind tut, so gefellt es doch der mutter nit als wol von im, also von dem das sie lieb hat. Keisersberg seelenpar. 187ᵇ;
ich merk doch gnugsam und empfind
das ich nicht mehr bin liebes kind (spricht ein sohn zur mutter).
Stephani geistl. action (1568) C 7ᵃ.
aber auch in freierer anwendung, das liebe kind bei jemand sein, sich liebes kind machen, vergl. unter kind theil 5, 717: fortzurennen ... aus einem geschäft, wo man es so gut mit ihm meinte und wo er liebes kind war in allen stuben. Freytag soll u. haben 2, 106;
denn heint liebs kind, morgen der rab,
also wirst du auch jetzt schabab.
Heros ird. pilgerer (1562) 35ᵇ;
sprichwörtlich: liebe kinder könnens nicht verderben, ubi amor dominatur, ibi judicium non potest esse rectum. Stieler 1156.
2)
in zärtlicher rede wird lieb auch zu dem gestellt, was zu geliebten personen in beziehung steht oder zu ihnen gehört, gliedmaszen, empfindungen, handlungen, örtlichkeiten u. s. w.: meine liebe heimath, das liebe vaterland; das lieb und angenäm vatterland, patria antiqua Maaler 270ᶜ; dem himmel sei dank, dasz ich endlich mein haus, mein liebes haus wieder sehe! Lessing 1, 490; jr treibt die weiber meines volks, aus jren lieben heusern. Micha 2, 9; o säsz ich zu ihren füszen in dem lieben vertraulichen zimmerchen. Göthe 16, 100; weihnachtsabend hältst du dieses papier in deiner hand, zitterst, und benetzest es mit deinen lieben thränen. 163; darunter (unter dem munde) wölbte sich ein liebes volles kinn. H. Heine 2, 208;
dein liebes bild,
so sanft, so mild,
führt mich an goldner kette.
Hölty 202 Halm;
da schwebt so licht dein liebes bild,
dein süszes bild mir vor.
Göthe 1, 110;
ist eine, die so lieben mund,
liebrunde wänglein hat?
19;
da du uns auf reich bebauter flur,
in dem schoose herrlicher natur,
manche leicht verhüllte spur
einer lieben seele zeigtest.
84;
dasz eine liebe hand den goldnen schmuck
aus ihren frischen, reichen ästen breche!
9, 150;
ich soll
mit meiner armbrust auf das liebe haupt
des eignen kindes zielen?
Schiller Tell 3, 3;
da seh ich deine lieben augen.
Uhland ged. 25;
aus liebem aug ein grüszen,
vom lieben mund ein küssen.
27;
und die lieben blauen sterne (augen)
schaun mich an so himmelgrosz.
H. Heine 1, 58;
wohin mein auge trifft
in dieser schrift,
sieht es, dasz sie nichts faszt,
als jenen namen, so lieb und so verhaszt.
Platen 9;
ich ehre dieses liebe feuer für einen lieberen gegenstand. Schiller Fiesko 1, 8;
die rosen (lieb) in deinem kranz
seind roht wie deiner lefzen glanz.
Weckherlin 390;
im sprichwort: lieber dreck stinket nicht, si quis amat cervam, cervam putat esse Minervam. Stieler 1156.
3)
in der anrede: ah, lieben brüder, thut nicht so ubel. 1 Mos. 19, 7; lieben herrn, wie lang sol meine ehre geschendet werden? ps. 4, 3; hoffet auf jn alle zeit, lieben leute. 62, 9; ehe der knabe rufen kan, lieber vater, liebe mutter. Jes. 8, 4; lieben kinder, lernet das maul halten. Sir. 23, 7; Jhesu lieber meister, erbarme dich unser. Luc. 17, 13; du hast mir das herz genomen, meine schwester liebe braut. hohel. 4, 9; unser lieber vater, der du bist im himmel. Simpl. 1, 31 Kurz; wol liebes kind, ich bin gehalten, dich um gottes willen besser zu unterrichten. 29; seht auf, lieber greis! Schiller räuber 2, 2; so lasz dich doch zu brei zusammen drucken, lieber herzensbruder Moriz! 2, 3; thu das, lieber Daniel, ich bitte dich drum. 5, 1;
lieber mein Uoly, volg guoten gsellen!
fastn. sp. 884, 1;
o liebe, liebe Adelheit!
so rief er sonder ende.
Hölty 29 Halm;
o vater! vater! lieber vater!
Schiller Tell 3, 3;
lieben freunde, es gab schönre zeiten,
als die unsern.
an die freunde;
ihr lieben holden musen!
Göthe 1, 26.
auch dinge werden in bewegter rede so angesprochen: lebe wohl, du lieber ofen, der alte Daniel nimmt schweren abschied von dir. Schiller räuber 5, 1; wie das eigne herz:
ich werd ihn sehn! o hoffe, liebes herz!
Göthe 3, 39;
nur stille, liebes herz!
42.
4)
häufig findet sich der superlativ gesetzt, um den adjectivbegriff zu verstärken: lebt wohl, liebste gemahlinn, lebt ewig wohl! Gellert 4, 272; liebste Mariane! (anfang eines briefes). 308; lasz dich umarmen, mein liebster freund! Lessing 1, 503; verzeihen sie, liebster vater. 507; liebstes kind, du weinest? Schiller räub. 1, 3; liebste liebe! (Fernando zu Stella). Göthe 10, 159;
got gnad dem liebsten herren mein.
Uhland volksl. 778;
du hast, o liebstes lieb, mein herz in deinem herzen.
Fleming 173.
vgl. dazu allerliebst: meine allerliebste frau!;
rîtest du nu hinnen,
der aller liebeste man?
minnes. frühl. 4, 36;
ir allerliebster diener mein!
Uhland volksl. 775.
5)
in schmeichelnder rede wird mit lieb auch das diminutivum des betreffenden substantivs verbunden (vgl. gramm. 3, 664):
dô was der magede hant
an ir vater kinne.   si bat in vil sêre.
si sprach: liebeʒ vaterlîn,   heiʒ in hie ze hove singen mêre.
Gudrun 386, 4;
dur got mich des bescheide,
liebeʒ müeterlîn.
minnes. 1, 151ᵇ Hagen;
swie du wilt, so wil ich sîn.
lache, liebeʒ frowelîn.
minnes. frühl. 6, 31;
o Annelein, liebstes Annelein mein,
hilf mir den wein ausztrinken!
Uhland volksl. 693;
lieb närrchen, ich halte dirs, wie ich gemeint.
Bürger 61ᵃ;
o Molly, lieb liebchen, was riethest du nun?
59ᵇ;
lieb liebchen, legs händchen aufs herze mein.
H. Heine 15, 44.
undecliniert und fast wie titel (vergl. nachher 6 a. e.): bei lieb Julchen recht gemächlich abschied zu nehmen. Fr. Müller 3, 9; für das diminutiv stet das adj. klein:
bist du beruhigt, liebe kleine seele? (Merkur zu Nymphe).
Göthe 11, 314.
6)
die häufigkeit der verwendung von lieb bei bezeichnung und anrede läszt den sinn auch an schärfe einbüszen. in manchen fällen kann lieb selbst formelhaft und ohne dasz seine eigentliche bedeutung mehr gefühlt wird, stehen, so in der anrede lieber freund, lieber herr college, lieber mann, liebe frau u. s. w., je nach beziehungen und gemütsart des sprechenden; ja lieber mensch, wer bistu denn, das du mit gott rechten wilt? Röm. 9, 20 (μενοῦνγε, ὦ ἄνθρωπε, goth. þannu nu jai, manna); liebes kind, wer wieder sagt, dasz du eine närrinn bist, der hat es mit mir zu thun. Lessing 2, 174; ich betaure ihn, mein lieber vogt. 1, 324; ja, mein guter, lieber, alter herr, ich musz ihnen nur sagen .. 495; liebe leute, vgl. oben sp. 846;
nein, nein doch, lieber herr, das kömmt euch nicht
zu sinn ... (Tell zu Geszler).
Schiller Tell 3, 3;
und fast als theil des titels in ceremonieller redensart: wie geht es ihrer lieben frau gemahlin?; gestern wurde meine liebe frau von einem knaben glücklich entbunden, häufige zeitungsanzeige; unsere lieben gäste; wir empfangen heute lieben besuch; die frau mama, meine liebe frau muhme, darf sich über den überflusz der vernunft auch nicht beklagen. Gellert 3, 164; der liebe, liebe neffe, der wäre denn nun versorgt! (Selicour zum kammerdiener). Schiller parasit 1, 7;
erzählten, nach der mahlzeit,
am hellen tannenfeur,
dem lieben wirth und wirthin,
viel hundert ebentheur.
Hölty 9 Halm;
gott verzeihs meinem lieben mann,
er hat an mir nicht wohl gethan!
Göthe 12, 149;
ferner in mitleidiger wendung: er ist in die weite welt .. verläszt die liebe seele! gott verzeihs ihm! Göthe 10, 138; dann aber auch spöttisch: der liebe mensch tauret mich, wo er das frauenzimmer mit so tiefen reverenzen grüszen wird. Chr. Weise erzn. 36 Braune; sie werden krank, die lieben eigensinnigen weiberchen, wenn man nicht thut was sie haben wollen. Lessing 6, 6; das haben wir denn all den lieben Franzosen zu verdanken. Fr. Müller 1, 299; da gestand denn die liebe dienerschaft .. Göthe 30, 133;
denn sie bedienten sich der nacht
und knöbelten den lieben wirth im bette.
Gellert 1, 159;
und ungefähr nach einem halben jahre
lag dieser mann auch auf der bahre.
der liebe mann!
181.
7)
lieb in bezug auf wertgehaltene thiere oder auch dinge, wo ebenfalls die bedeutung weniger tief ist als oben bei 1: lieb und angenäm brief, tabellae blandae Maaler 270ᵈ; liebe briefe, litterae jucundae Stieler 1156; die gesundheit ist ein lieber schatz, sanitas gratus est thesaurus Steinbach 1, 1048; wann ich einen oder andern lieben hund hätte. Schuppius 743; meine liebe tenne, da ich auf dressche. Jes. 21, 10; wenigstens habe ich jetzt nicht den verdrusz ... dasz man mir eine liebe tasse zerbricht und es mir eine ganze zeit aus keiner andern schmecken will. Göthe 18, 320; bei der stelle eines lieben buches. 16, 115;
alle nymfen würden lachen,
und uns manchen schönen tanz,
manchen schönen, lieben kranz
in den bunten wiesen machen.
P. Fleming 496;
ein jüngling, welcher viel von einer stadt gehört,
in der der segen wohnen sollte,
entschlosz sich, dasz er sich da niederlassen wollte ..
er nahm die reise vor, und sah schon mit vergnügen
die liebe stadt auf einem berge liegen.
Gellert 1, 194;
(begab sichs dasz) sein gutes schwert herab ins wasser fiel,
und wie ers platschen hört, verläszt er stracks
die schöne frau, und läuft, sein liebes schwert
zu retten.
Wieland 18, 62;
in der engen verbindung lieb und werth (vgl. dieselbe auch unten III, 1): einer höchst lieb und werthen, aber auch schwer lastenden bürde entledigte ich mich gegen ende augusts. Göthe 31, 65. vergl. dazu etwas ist einem lieb unten III, 4, c.
8)
lieb in festen formeln, die auf dem grunde des kosens und schmeichelns erwachsen, und daher mit diminutiven zum theil wechseln, vergl. die ausführungen unter chen 5, theil 2, sp. 616.
a)
der liebe gott: wer deudsch kan, der weis wol, welch ein herzlich fein wort das ist, die liebe Maria, der liebe gott, der liebe keiser, der liebe fürst, der liebe man, das liebe kind. und ich weis nicht, ob man das wort liebe, auch so herzlich und gnugsam in lateinischer oder andern sprachen reden müge, das also dringe und klinge ins herz, wie es thut in unser sprache. Luther 5, 142ᵇ; dasz sie ... jhre seelen dem lieben getrewen gott zu trewen händen bevehlen sollen. Sandrub kurzweil (1618) 137; ein kerle, der den lieben gott danken solte, weil er ihn zu einem mannsbilde erschaffen. Chr. Weise erzn. 59 Braune; gieb dem lieben gott anleitung, wie er es einmahl mit dir machen soll. 177; der liebe gott ist gar zu gut, und lacht über einen solchen narren, wie du bist. Lessing 1, 414; verzeih euchs der liebe gott. 490; ich lasz es ein vorzug des lieben gottes sein, den willen für die that anzunehmen. 12, 505;
der liebe got sol ir walten!
Uhland volksl. 83;
ein blümlein auf der heiden
mit namen Wolgemut
lasz uns der lieb gott wachsen.
116;
wenne de leve got wil, so werde ick wedder kamen.
172;
der arm sprach: meine arme seel
ich meinem lieben gott bevehl.
Sandrub kurzweil 135;
dem lieben gotte weich nicht aus,
findst du ihn auf dem weg!
Schiller gang nach d. eisenhammer;
in anrede und ausruf:
das hilf uns, lieber herre got!
Uhland volksl. 826;
o lieber gott! lasz ihn (meinen tod) nicht ferne sein!
Gellert 1, 142;
erbarm dich, lieber gott!
Stolberg 1, 76;
lieber gott!
sprach Hans und sahe Töffeln an,
mein seel! ich werde kein soldat.
Hölty 39 Halm;
im superlativ:
liebster gott! die kinder stellen hier
ganz eigentlich erwachsne menschen für.
Brockes 2, 415;
ähnlich heiszt es der liebe vater im himmel; im ausruf: lieber himmlischer vater, was ist das für ein unglück!;
brüder — überm sternenzelt
musz ein lieber vater wohnen.
Schiller an die freude.
b)
der liebe heiland; das liebe christkind; die liebe mutter Maria; die lieben engel; mit den lieben engelein. Göthe 21, 8;
nu ist die strosze also breit
die uns zuͦ unserre frouwen treit,
in unserre lieben frouwen lant.
Uhland volksl. 825;
und unser lieben frauen
der traumet ir ein traum.
840;
wes ist das schöne kindelin?
es ist das liebe Jhesulin.
Luther 8, 358ᵃ;
Julie, das schönste kind,
schön, wie die lieben englein sind.
Hölty 142 Halm;
er ist von fleischbegierden rein,
wie die lieben herzengelein.
Göthe 13, 63;
im superlativ:
Jesus der liebste herre
der won uns alzeit pei!
Uhland volksl. 861;
auch Christi gliedmaszen werden formelhaft so zubenannt:
und legt sein lieben finger rein
dem toben in die ohren.
B. Ringwald ev. Dd 2ᵃ;
auch hast du mir mit keiner salb
mein liebes häupt begossen.
Bb 2ᵇ.
c)
die liebe bibel, das liebe gebet; andere, so von uns auszgangen, werfen newe klecker und schandmal in die liebe biblien. Mathes. Sar. 122ᵇ; und hetten sie noch zehenmal jr lieb gebett drüber gethan (über die speisen). Fischart bienk. 147ᵇ; ihr habt ja immer das liebe gebet über alle häuser hinausgeworfen. Schiller räuber 5, 1; ihr verachtet das liebe gebet so. ebenda;
das lieb gebet.
B. Ringwald laut. warh. 56;
die liebe schrift.
tr. Eck. D 4ᵃ;
die liebe kirche, niederd. de lewe kark Dähnert 219ᵃ; die liebe kirche hat schon neun verschiedene stücke von mir zu ihrem zierrathe. Gellert 3, 174; das liebe kreuz, pretiosa, utilissima, multum proficua crux Stieler 1156.
d)
lieb formelhaft zu den himmelskörpern gestellt: alle frohen geschöpfe singen aus gesträuchen und von bäumen der lieben sonne gute nacht zu. Fr. Müller 1, 4; wenn ich erwache, und die liebe sonne auf meinen blühenden bäumen leuchtet. Göthe 10, 149;
die lieben sternen gros und klein.
B. Ringwald tr. Eck. E 5ᵃ;
die schatten nehmen zu,
das licht eilt nach der ruh,
der abendstern, der liebe mond erwacht.
A. Gryphius 1698 1, 634;
o schande vor der lieben sonnen!
Günther 167;
wann mich, mit meinem harm vertraut,
zur stunde der gespenster,
der liebe, helle mond beschaut.
Hölty 170 Halm;
labt sich die liebe sonne nicht,
der mond sich nicht im meer?
Göthe 1, 186;
von der sonnenwärme:
sieh hin, der sonnen zier
geht wieder schön herfür,
bringt nach dem schlag und regen
den lieben warmen segen.
Gerhard 18, 40 Gödeke;
ferner von regen und wind: der liebe regen hat recht wolgethan, sagt der landmann nach einem fruchtbaren regen; (ich) befehl dem lieben winde die übrigen vergeben wort (des gegners). Luther 1, 48ᵃ.
e)
auch vom himmel selbst, mag er nur als himmelsgewölbe aufgefaszt werden: der liebe himmel lacht wieder blau; oder als sitz gottes und verhüllend für letzteren selbst genannt sein: das mag der liebe himmel wissen!; weisz der liebe himmel! Wieland an Merck 197.
f)
von dem was uns nährt, getreide, korn: das liebe getreide. Schweinichen 3, 223; jetzt geht alles mit seidnen schuhen und strümpfen durch dick und dünn, und das zu einer zeit, wo der liebe rocken kaum für geld zu haben ist. Möser patr. phant. 1, 371;
den weinstock und das liebe korn (behüte).
B. Ringwald ev. Aa 8ᵇ;
besonders das liebe brot, auch wenn das subst. für lebensunterhalt im allgemeinen steht, vgl. theil 2, 400. 401: dem mein herr aus barmherzigkeit das liebe brod gegeben hatte. Sturz 2, 208; wie diese gottvergessenen menschen das liebe brod .. sich an den kopf geworfen. Göthe 30, 177;
wie man gebraucht das liebe brod.
B. Ringwald laut. warh. 21;
schöpft wasser mit der hand, iszt liebes schwarzes brodt.
Opitz 1, 103;
der (bäcker) vermuthlich hat das geld,
das aus dem lieben brote fällt,
hineingebacken.
Gleim 3, 391;
das brot heiszt auch das liebe gut: (er wendet die eine tasche um) ist da eine dose? brodgrümel sind drinne; das liebe gut! Lessing 1, 330; da sehen sie nur .. welche schöne saure milch er sich zurecht gemacht hat, mit geriebenem brod und zucker und allem. das liebe gut! man musz es nun wegwerfen. Göthe 14, 302; ferner das liebe salz: darumb ist das liebe salz freilich, wie das liebe brod, eine gute creatur gottes. Matheṡ. Sar. 127ᵇ; das liebe wasser: doch brauche ich ganz und gar nichts, als liebes kaltes wasser. Lessing 12, 325; liebes getränke, lieber wein: ist das nicht eine thorheit bei uns Teutschen, dasz wir so unbarmherzig auf das liebe getränke loszgehn, als könten gottes gaben sonst nicht durchgebracht werden. Chr. Weise erzn. 151 Braune;
das liebe zehrlein wein
sieht anders mir nicht ausz als unser wetzestein
der muth und herze schärft.
Opitz 1, 104;
das liebe vieh:
fehlt euch eine frau,
welche sich wol auf das futter
und das liebe vieh versteht.
Chr. Weise überfl. ged. (1701) 442;
(der amtmann der) wies liebe vieh die bauern schund.
Hölty 37 Halm.
g)
von dem was mit unserm dasein zusammenhängt; besonders das liebe leben selbst: das jhnen jhr lieb leben darob bitter und schmäh worden. Garg. 214ᵃ; das liebe leben erhalten. westphäl. Robins. 78; dasz man sich aber selbst das liebe leben raube. Göthe 27, 230;
weil fortmehr nichts mehr ist, als nur das liebe leben.
Logau 1, 52, 10;
mein liebes leben enden
darf nur der herr der welt.
Bürger 56ᵃ;
und immer gehts den alten gang
das liebe lange leben lang.
Göthe 3, 175;
für sorgen sorgt das liebe leben.
5, 206;
der liebe kragen:
jener wolt seinen lieben kragen,
seinen bruder zu rechen, wagen.
mückenkr. 1, 557;
das liebe alter. Petr. 195ᵇ; das liebe blut: dasz das liebe blut nicht vor der zeit sich verdickte. Arnim nov. 3, 120; die liebe seele: (ich habe müssen) meine liebe seele in der feinde hand geben. Jer. 12, 7; und befehl euch meinen leib und leben, gott und der heiligen dreifaltigkeit meine liebe seele. Reuter v. Speir kriegsordn. s. 66;
sehe wir an sein seiten!
die ist auf getan:
do schullen die lieben sele
des morgens meien gan.
Uhland volksl. 882;
das liebe ich, vergl. theil 4², 2031; die ihr allerliebstes selbst als den einzigen beziehungspunct ihrer bemühungen vor augen haben. Kant 7, 405.
h)
von zeit, tag, nacht, woche, jahr, stunde u. s. w.: es sollen auch die redliche kriegsleut die liebe zeit nicht mit ungepürlichen spielen hinpringen. Reuter v. Speir 12; er habe die liebe zeit sehr übel angelegt. Schuppius 568;
du liebe zeit, du liebe welt
mit deinen raritäten,
dein hab und gut, dein ruhm und geld
geht all am ende flöten.
Burmann ged. 25;
liebe zeit, auch als ausruf, verhüllend für lieber gott:
nein, lieber mann, sei ruhig. liebe zeit!
was ist das für ein zänkisch leben heut.
Tieck Octavian 228;
zuletzt kam mir der liebe tag zu hülf. Simpl. 1, 24 Kurz;
und mit entzücken blick ich auf
so manchen lieben tag.
Göthe 1, 97;
dann rath ich eurer lüsternheit,
die liebe schöne tageszeit
und mir die weitre müh zu sparen.
12, 141;
wie schon mhd.:
ich möhte geleben mangen lieben tac.
minnes. frühl. 5, 38;
ich habe in der lieben nacht keine ruge. Jes. 21, 4; unter demselben (baume) habe ich manche liebe nacht gesessen. pers. rosenth. 6, 3;
als ich manche liebe nacht
mich mit wachen krank gemacht.
Gerhard 234, 80 Gödeke;
doch war er auf dem ball die liebe lange nacht.
Göthe 7, 102;
vergl. mittelniederländ.
daer laghen si twee verborghen
den lieven langhen nacht.
hor. belg. 2, no. 103, 3;
verfügte mich .. auf das geisz futter, auf welchem ich schliefe bisz an den lieben hellen morgen. Simpl. 3, 359 Kurz; manches liebe mal. Heynatz antibarb. 2, 374; ich habe mich manches liebes mal selbst in einer solchen lage der versuchung befunden. Münchhausens reisen 35;
dasz ich alle liebe morgen
schaue neue lieb und güt.
Gerhard 237, 63 Gödeke;
das liebe lange jahr war ein geburtstag nur.
P. Fleming 184;
im lieben, langen jahr.
Gotter 1, 71;
von den jahreszeiten: wenn doch erst das liebe frühjahr kommen wollte;
wer nu wölle meien gen
in diser lieben zeit.
Uhland volksl. 881;
im superlativ:
erleb ich den liebsten sommer,
so hebt sich ein groszer streit
vor den blümlein in der awe.
83.
i)
vom lande, der welt: sie verachteten das liebe land. ps. 106, 24; und dann auch von dieser seite zu hause zufrieden zu sein und mir und andern alle lust in die liebe weite welt zu benehmen. Göthe 27, 248;
denn der wunderlichsten richter
ist die liebe welt so voll.
3, 171.
k)
vom frieden: den lieben friede, des sich jederman frewet zu halten. stücke in Esther 1, 2;
es wil der liebe frid noch keines weges kommen.
Rompler 119.
l)
in andern verbindungen: indesz wäre es doch möglich, dasz einmal auch ein alter künstler, nach ihrer art zu reden, der liebe und den grazien weniger geopfert, und hier bei hundert meilen an die liebe liebe nicht gedacht hätte! Lessing 8, 237;
du sprichst ja wie Hans Liederlich,
der begehrt jede liebe blum für sich.
Göthe 12, 134;
in ganz verblasztem sinne:
wie krum steht mir der liebe mund,
mit welchem ich das recht gebrochn.
B. Ringwald tr. Eck. H 6ᵇ.
m)
in manchen formeln steht lieb geradezu ironisch, die liebe gewohnheit empfinden wir vielmehr als eine solche, die wir leise anklagen: natürlicher weise hat, wie überall, die liebe gewohnheit nach den ersten lebhaften bewegungen ihr recht behauptet. Göthe 43, 26; ebenso das liebe einerlei, der liebe brauch: eine aussicht in das ewige, liebe einerlei. Lessing 12, 366;
schon kommt, nach liebem brauch, ein trupp
visiten angezogen.
Gotter 1, 94;
die liebe noth: und wie die liebe noth gar zu grosz ward, liesz ich mich bei einem von adel in dienste ein. Chr. Weise 45 Braune; der arzt, der mit ihm seine liebe noth hat. Kant 10, 227;
ich hatte mit dem kind wohl meine liebe noth.
Göthe 12, 162;
das liebe geld, die lieben groschen: weil der schurk des lieben gelds nicht viel übrig hat. ped. schulfuchs 71; das liebe geld kann alles. Simrock sprichw. s. 171; wie wärs, dacht ich, wenn ihr .. um den lieben groschen recensiertet, wies wirklich mode ist? Schiller räuber 1, 2;
da er nun sah das liebe gelt.
L. Sandrub kurzweil 142;
nam also anstatt des gelts die liebe patientia an die hand (das geld war ihm in der herberge gestohlen worden, er merkt es erst unterwegs), und zogen unsers wegs fort. Kiechel 205;
verlachen sie die bunten seifenblasen
des lieben leeren erdentands.
Hölty 200 Halm.
n)
endlich steht lieb auch formelhaft von theilen der menschlichen gesellschaft; theils in ernster wendung: der lieben armut inn dieser theurung zu trost. P. Rebhun klag des armen mannes, titel; damit ja alles (aus dem kohlenmeiler) .. wenn es zu nutzen und frommen der lieben christenheit genugsam gedient, als asche von wäscherinnen und seifensiedern verbraucht werde. Göthe 21, 55; dasz der lieben obrigkeit ampt sei, die hurerei und ehbruch .. zu richten und zu strafen. L. Sandrub kurzweil 105; theils aber auch ironisch (vgl. oben m): unsere liebe goldne jugend schlägt die kostbare zeit todt;
und was das liebe junge volk betrifft,
das ist noch nie so naseweis gewesen.
Göthe 12, 213,
wo wiederum der gebrauch oben 6 a. e. einspielt; von einem einzelwesen: ja beinach ein jeder lieber catholischer hat den seinen (heiligen). Fischart bienk. 184ᵇ; in allitterierender verbindung mit leidig: dieses unerwartete fehlgeschick ist mir, bei dem übrigen was mich betrifft und bedrängt, höchst widerwärtig; ich wüszte nun keine liebe leidige seele mit der ich darüber conferiren möchte. Göthe an Zelter 769.
9)
lieb, in zärtlicher rede, von einem der geliebt zu werden verdient, der liebe erweckt (vgl. dazu unten III, 4, a): es ist ein lieber mensch, homo scitus, elegans, venustus est. Stieler 1156; tochter, du hast sehr recht. es ist ein lieber mann. Gellert 3, 30; ein liebes weibchen, mit der ich mich vertragen werde. Göthe 10, 139; ein braver lieber mann, dem man gut sein musz. 16, 59; auch die andern kinder, lauter liebe kinder, machten ihre sache sehr gut. H. Heine 2, 228;
wir lassen alle blumen stehn,
das liebe weibchen anzusehn.
Hölty 144 Halm;
jünglingsblicke taumelten voll feuer
nach dem reiz des lieben mädchens hin,
aber keiner, als ihr vielgetreuer,
rührte jemals ihren sinn.
60;
's ist eine der gröszten himmelsgaben,
so ein lieb ding im arm zu haben (ein schönes mädchen).
Göthe 12, 152;
und ironisch:
ein liebes weib ward krank.
Gellert 1, 66;
Cleant, ein lieber advocat.
158.
der bedeutung 9 reiht sich das verstärkte allerliebst ein, wenn es die höchste stufe des anmutigen ausdrückt (theil 1, 225).
10)
lieb, in den steigerungsgraden, wo der adjectivbegriff nach seiner stärke in vergleichung gesetzt wird (vgl. unten IV, 1—3).
a)
im comparativ: es lebt kein braverer und mir lieberer mann als P. Silius. Wieland übers. von Ciceros briefen 6, 114;
unter aller orte thieren
solte mir kein liebers sein
als desz Nathan schäfelein.
Logau 1, 152, 53;
und mit ausgelassener vergleichung: da ich mir keinen lieberen freund zu erkisen weis. Butschky kanzl. 22.
b)
im superlativ (verschieden von oben 4): dies hier ist mein liebstes kind; er war unter allen mein liebster freund; dasz einer von seinen liebsten freunden abgefallen und calvinisch worden sei. Simpl. 4, 242 Kurz; und mit weniger tiefe des begriffs, von dem was man nur am meisten gern hat oder am wertesten hält (vgl. oben 7): das spiel war seine liebste unterhaltung, bier sein liebstes getränk;
den liebsten bulen den ich han
der ist mit reifen bunden.
Uhland volksl. 584;
das glück, das seine liebsten gaben
sonst immer für die leute spart,
die von den gütern beszrer art
nicht gar zu viel bekommen haben.
Gellert 1, 83;
allbereits im flügelkleide
waren minnigliche fraun
meine liebste augenweide.
Hölty 152 Halm.
c)
auch die gleichheit der begriffsstärke in bezug auf mehrere wird hervorgehoben:
Geszler. und welcher (knabe) ists, den du am meisten liebst?
Tell. herr, beide sind sie mir gleich liebe kinder.
Schiller Tell 3, 3.
II.
lieb, substantivisch verwendet.
1)
als bezeichnung der liebe, die liebe, in der mehrzahl die lieben von verwandten, freunden, geliebten: ich beschwere euch töchter Jerusalem, das jr meine liebe nicht aufweckt noch reget, bis das jr selbs gefellet. hohel. 8, 4; meine lieben und freunde stehen gegen mir. ps. 38, 12; do er .. allein zuͦ seiner lieben hause ginge. Steinhöwel dec. 204, 24; zwei liebe, ein liebendes pärchen Schm. 1, 1415 Fromm.;
wenn sich ein paar liebe küssen.
P. Fleming 353;
ihre (des gestorbenen mädchens) lieben, voll des miszgeschickes,
denken nicht an pfänderspiel und tanz,
stehn am sarge, winden nassen blickes
ihrer freundin einen todtenkranz.
Hölty 59 Halm;
wenn sie dann
überschaute mit mutterblicken das häuflein der lieben.
Stolberg 1, 338;
und an jenem ufer drüben stehen
freund und lieben.
Göthe 2, 76;
für meine lieben liesz ich leib und blut.
12, 179;
am schwarzen kamin
da sitzet mein lieber.
Uhland ged. 30;
hab oft im kreise der lieben
im duftigen grase geruht.
Chamisso.
2)
in der anrede: lieber, lege dich zu meiner magd. 1 Mos. 16, 2; er sprach, lieber verlas uns nicht. 4 Mos. 10, 31; Delila sprach zu Simson, lieber sage mir, worin dein grosze kraft sei. richt. 16, 6; eins aber sei euch unverhalten, jr lieben. 2 Petr. 3, 8; jr lieben, lasset uns unternander liebhaben. 1 Joh. 4, 7; meine lieben, wir sind nu gottes kinder. 3, 2; esset, meine lieben, und trinket, meine freunde. hohel. 5, 1; mein lieber, folge nicht nach dem bösen. 3 Joh. 11; lieber! lieber! du warst lange weg. Göthe 10, 155; liebste liebe! (Fernando zu Stella). 159;
sich, lieber, was darfst von disem sagen?
fastn. sp. 40, 22;
do sprach ich zu ir ângever:
liebe, leg dich zu uns allen nider!
43, 28;
o ihr seligen zwei liebe!
Opitz 2, 92;
o lieber! mein lieber! was zaget dein sinn?
Bürger 34ᵃ;
o lieber, o süszer, dann weiszt du die wahl.
59ᵇ;
als theil eines titels, der fürst nennt seine beamten oder unterthanen liebe getreue!; der teufel ist ein betrieger, ein lügner, und ein mörder .. und die statisten sind seine liebe getreue. Schuppius 2;
ich grüsze die getreuen, lieben,
versammelt aus der näh und weite (spricht der kaiser).
Göthe 41, 8;
und also ihr getreuen, lieben,
willkommen aus der näh und ferne.
10;
in verblaszter bedeutung: also meinst du aber doch, menschchen, dasz die volle lache, in einem und demselben nu, nicht manchmal eben so durchschauern könne, als der grimmigste blick des wütherichs? ei, lieber! wie, wenn der teufel zu dir träte, und dich bei voller lache zum höllischen tanz aufforderte? Bürger 319;
liebe, lasz dich sein nit verdrieszen (die frau zur magd).
fastn. sp. 501, 30;
ach, lieben, helft im clagen dem armen (spricht ein böses weib im zorn gegen ihren mann).
47, 20;
und selbst: nein, mein lieber, daraus wird nichts! im tone herbster zurückweisung.
3)
im neutrum, etwas liebes, etwas was einem lieb ist:
kein sehnen konnt uns quälen,
nichts liebes war uns fern.
Uhland ged. 27;
ich möchte ihm gerne etwas liebes erweisen; einem liebes tuhn, beneficium alicui conferre, officiis ornare aliquem Stieler 1155;
freund, der du es herzlich bist,
lasz dir etwas liebes sagen.
Fleming 477;
so soll nicht sterben, wer je mir
wohnend im land allhier lieb ist und liebes erzeiget!
Odyss. 15, 359;
häufig in der verbindung liebes und gutes: von denen todten soll man nichts als alles liebs und gutes reden. Pistorius thes. par. 6, 50; lebe wohl, theures mutterhaus — hab so manch guts und liebs in dir genossen. Schiller räub. 5, 1; erzählte nicht selbst dein mann so viel liebes und gutes von ihm! Göthe 8, 22; liebes und treues:
sie hat an ihm viel liebs und treus gethan.
Göthe 12, 154;
über die verbindung liebes und leides vgl. die bemerkung unter leid 1, d sp. 655.
4)
etwas liebes kann auch ein liebchen meinen: dasz Solande diese nacht mit ihm vor ein haus gehen, in welchen er etwas liebes habe, und allda seine stimme und laute, nur ein einiges gesetze hören lassen möchte. polit. stockf. 262; es ist hier in st. Georg ein öffentliches haus, wo Biondello öfters aus- und eingeht; er mag da etwas liebes haben, ich weisz es nicht. Schiller 747ᵇ;
mancher noch mit heiszem kusse
an das herz was liebes presst.
J. Kerner lyr. ged. (1847) s. 171;
jemand liebes aber ist eine geliebte person im allgemeinen: und wie ich wieder im zimmer war, da dachte ich, wenn mich jemand liebes dorthin bestellt hätte. Bettine 1, 81.
5)
substantives lieb gesteigert:
kein lieber auf erd ward nie geboren,
und die mir bas gefelt.
Ambraser liederb. 169, 28;
namentlich findet sich das neutrum liebes (no. 3) gern in den steigerungsgraden. im comparativ: es ist nichts liebers auf erden, denn ein züchtig weib. Sir. 26, 19; ein schöne fraw erfrewet jren man, und ein man hat nichts liebers. 36, 24; nach dem unser vater von hinnen geschieden, .. ist uns nichts liebers, denn das friede in unserm reich sei. 2 Macc. 11, 23; als ich frequentirte, habe ich nichts libres studiret, als von der libe. Butschky Patm. 457; die theologi fliehen oftmals für der ehr. allein sie haben nichts liebers, als dasz man sie mit der ehr jage. Schuppius 241; es ist nichts liebers als kindes kind. Pistorius thes. par. 10, 6; du findest doch nichts schöneres und lieberes als mich. Göthe 17, 187;
weist du, schœne frouwe,
waʒ dir ein ritter enbôt?
verholne sînen dienest.
im wart liebers nie niet.
minnes. frühl. 14, 6;
nichts liebers ist auf erden,
als frauen-lieb, wems kan werden.
Pistorius thes. par. 9, 80;
du (lilie) bist mir zwar ein schönes bild
von mancher jungfrau, rein und mild:
doch weisz ich noch was liebers.
Göthe 1, 191;
im superlativ: Agamemnon, der dir sein liebstes zum altar brachte. Göthe 57, 28;
gott der pflegets so zu machen,
reiszt oft unser liebstes hin.
Fleming 322.
6)
der superlativ der liebste, die liebste kann bezeichnen
a)
einen freund, eine freundin, in der mehrzahl freunde oder auch verwandte: grüszet Epenetum, meinen liebesten. Röm. 16, 5; seitdem ihr die phantasien den kopf verrückt haben, traut sie niemanden, hält alle ihre freunde und liebsten, sogar ihren mann, für schattenbilder. Göthe 11, 44; allein des weibes glück ist eng gebunden, .. und wenn zerstörung ihr haus ergreift, führt sie aus rauchenden trümmern, durchs blut erschlagener liebsten, ein überwinder fort. 57, 28;
hier stehn die verweinten alten (denen tochter und enkel gestorben),
beider herzen sind zerstückt,
und durch éinen hieb gespalten;
zwei der liebsten sind entzückt (entrissen).
zwei der liebsten aller lieben,
kind und kindskind sind geblieben.
Fleming 335;
schliesze (kirchhof) fest den schwarzen grund!
denn sein anblick macht mir bange,
ob er keines aus dem bund
meiner liebsten abverlange.
Uhland ged. 34.
b)
einen geliebten, eine geliebte, mit dem oder der ein festes liebesverhältnis besteht: absonderlich war ihm diesz zuwider, dasz er seine liebste so lange verlassen müste, mit welcher er sich, nach der gewonheit aller reichen erben, verplempert hatte. Chr. Weise erzn. 8 Braune; im zwölften jahre dachte ich, es wäre eine schande, wann ich keine liebste hätte. 43; schwarze haare, wie sie auch die liebste des Anakreons haben sollte. Winkelmann 5, 179; so wie eine liebste an dem ufer des meeres ihren abfahrenden liebhaber ... mit bethränten augen verfolget. 6, 357; also ist es weiter nichts, als dasz sich einer in des andern seine liebste verliebt hat? Lessing 1, 460; wie er um mich besorgt ist! so nur mensch, nur freund, nur liebster. Göthe 8, 194;
(blumen) drausz manch verliebtes herz
zurüst ein sträuszelein,
damit in liebesschmerz
verehr den liebsten sein.
Zinkgref bei Opitz (1624) 210,
siehst du schon den liebsten stehen,
den dir Amor hat vertraut.
Fleming 157;
ich auch würd auf meiner pfeifen
ein erfreutes liedlein greifen,
wenn ich in der liebsten schosz
alles kummers würde losz.
496;
so ists der schönste brief, den je ein herzensdieb
von eurer art an seine liebste schrieb.
Wieland 23, 221 (Oberon 11, 35);
auf, mädchen, erscheine; dein liebster ist da!
Stolberg 1, 425;
ihr felsen, ihr bäume,
entdeckt mir die liebste.
Göthe 1, 41;
nun verlass ich diese hütte,
meiner liebsten aufenthalt.
46;
der liebsten band und schleife rauben.
48;
trink, o jüngling! heilges glücke
taglang aus der liebsten blicke.
50;
lebe wohl! und manche klippe
fährt dein liebster noch vorbei.
61;
sein herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
wie bei der liebsten grusz.
186;
wenn auf beschwerlichen reisen ein jüngling zur liebsten sich windet,
hab er diesz büchlein; es ist reizend und tröstlich zugleich;
und erwartet dereinst ein mädchen den liebsten, sie halte
dieses büchlein, und nur, kommt er, so werfe sies weg.
369;
meine liebste wollt ich heut beschleichen.
2, 105;
dein liebster flieht den tanz.
7, 5;
wie schön und wie herrlich, nun sicher einmal
im herzen des liebsten regieren!
10, 289;
du hörest meine stimme, wendest nicht
dein angesicht nach deiner liebsten um?
320;
sie liesz mich zwar, in sanct Andreas nacht,
den künftgen liebsten leiblich sehen.
12, 51;
auch im munde einer, die wol liebt, aber nicht wieder geliebt wird:
der liebste schläft. sei ruhig, pochend herz,
erzittre nicht! (Adelma von Kalaf).
Schiller Turandot 4, 10;
in der anrede:
liebste, die dus warlich bist.
Fleming 491;
ohne dich, liebste, was wären die feste?
Göthe 1, 29;
liebster, komm, ihn einzufangen.
57;
nur noch ein letzter liebeskuss
sei, liebster, dein und mein genusz.
Bürger 53ᵃ;
in der verstärkung der, die allerliebste:
er weckt uns mit seinem gesange
von dem allerliebsten mein.
Uhland volksl. 164;
alde! ich sol mich scheiden
von der allerliebsten mein.
165;
vergl. auch herzallerliebste theil 4², 1224.
c)
einen ehemann, eine ehefrau: ferner sagte er, diejenige so hernach geritten käme, wäre seine liebste. ich fragte ihn, ob er denn keine frau hätte. er lachte und sprach, diese wäre seine frau, sei aber nicht mehr der brauch, dasz man sie anders als liebste heiszete. liebster und liebste hätten einen bessern adelichern klang. Simpl. 1684 3, 730; es war aber noch nit tag, da kam seine liebste, und bat mich, dasz ich bei der generalität eine supplicat. in ihren namen eingeben, und dʒ beste für ihren mann reden wolt. Schuppius 231; kamen sie bei einem priester in das losament, und funden einen vornehmen cavallier, der sich mit seiner liebste etliche stunden zuvor eben in selbigem hause einquartieret hatte. Chr. Weise erzn. 15 Braune;
so schieszt Ismenen auch, da diesz ihr liebster spricht,
das blut den augenblick in ihr sonst blasz gesicht ...
drauf fieng sie zitternd an: ich, mann! ich, deine frau,
ich sag es noch einmal, der hecht war gar zu blau.
Gellert 1, 56;
als titel: frau muhme, reden sie doch ihren herrn liebsten zu. 3, 270; was macht denn ihre frau liebste, herr schwager? 404; empfehlen sie mich .. dem herrn Dennstädt und seiner frau liebste. Lessing 12, 55. vgl. eheliebste, eheliebster theil 3, 45. jetzt höchstens noch im munde ganz alter leute.
III.
lieb, als prädicatives adjectiv; in gewissen formeln.
1)
einen lieb haben (in der älteren sprache gewöhnlicher als einen lieben, vergl. unten lieben II im eingange), etwas lieb haben (vgl. dazu auch unter haben theil 4², 64):
si ist mîn ôsterlîcher tac,
und hâns in mînem herzen liep.
minnes. frühl. 170, 20;
er vant ouch ze der selben zît
den edelen leich Tristanden,
den man in allen landen
sô lieben und sô werden hât,
die wîle und disiu werlt gestât.
Trist. 482, 9.
nhd. ist die flexion des adjectivs, die schon mhd. selten, ganz gewichen: wilt du on zouberei einen menschen darzu bringen, das er dich lieb hab, so hab du in vor lieb. Keisersberg seelenp. 5ᵃ; nim Isaac deinen einigen son, den du lieb hast. 1 Mos. 22, 1; und sein herz hieng an jr, und hatte die dirne lieb. 34, 3; und schafft recht dem waisen und widwen, und hat die frembdlingen lieb. 5 Mos. 10, 18; das er (gott) erfare, ob jr jn von ganzem herzen, und von ganzer seelen, lieb habt. 13, 3; da weinet Simsons weib fur jm, und sprach, du bist mir gram und hast mich nicht lieb. richt. 14, 16; und Jonathan fuhr weiter und schwur David, so lieb hatte er jn, denn er hatte jn so lieb als seine seele. 1 Sam. 20, 17; einen frölichen geber hat gott lieb. 2 Cor. 9, 7 (goth. hlasana giband frijôþ guþ); so ein fraw will von ihrem mann oder bulen seer lieb gehabt sein, so soll sie ihm zu essen geben katzenkraut. der kunkel evangelia (1557); mein freund, ich habe ihn vom herzen lieb. Chr. Weise erzn. 152 Braune; armer mann, haben sie mich denn auch noch lieb? Gellert 3, 405;
was frauen und junkfrauen fur in gat
die müssen in von ganzem herzen lieb haben.
fastn. sp. 764, 13;
mit ausgelassenem verbum:
bedenk, wie lieb dich dein gemahl.
Weckherlin 352;
der herr ist gerecht und hat gerechtigkeit lieb. ps. 11, 7; der herr hat das recht lieb. 37, 28; wer die weisheit lieb hat der höret gerne zu. Sir. 3, 32; wer geld lieb hat, der bleibet nicht on sünde. 31, 5; wer sein leben lieb hat, der wirds verlieren. Joh. 12, 25;
den seine brüder han ermordt,
weil er lieb hat das göttlich wort.
L. Sandrub kurzweil 182.
in weniger ausgeprägter bedeutung, nur wie gern haben: die apfelbäum haben den harn vast lieb, darumb soll man sie oft damit begieszen. Herr feldbau 81ᵃ; in der formel lieb und werth haben, lieb und hold haben: ein ding wärd und lieb haben, carum et antiquum habere Maaler 270ᵈ; ich für meine person hatte sie (die bibel) lieb und werth. Göthe 25, 96;
sô swerent mir des einen eit ..
daʒ ir niht verkebsent mich
und ir mich hânt liep unde wert.
troj. krieg 9111;
der hab syn frow ouch lieb und holt.
Brant narrensch. 32, 19;
er het mich lieb, er het mich wert.
Uhland volksl. 101;
sie ist die jüngst und wol gethan
und hat auch hie den allereltsten man,
den sie allein hat lieb und wert.
fastn. sp. 676, 35;
ich hab mein tag gehört,
was einer hab gar lieb und werth,
führt der teufel am ersten hin.
Sandrub 154.
für das prädicative adj. steht aber auch das adv.: mhd.
ich wæn dem doch sîn herze iht stê
gein ir alsam daʒ mîne stât
und wæns ouch iht sô liebe hât
als ichs in mînem herzen hân.
Lichtenstein frauend. 6, 32;
im nhd. nicht mehr vom adjectiv zu unterscheiden, aber nach der ähnlichkeit von einem gerne haben vorauszusetzen, wie denn beides auch verbunden wird: wie habt jr das eitel so lieb, und die lügen so gerne? ps. 4, 3. in den steigerungsgraden ist die adjectivform vor der adverbform gewichen, s. unten IV no. 6. vgl. auch das zusammengerückte liebhaben. Für lieb haben steht lieb halten: ein diener der seinen herren lieb halt, amantior domini famulus Maaler 272ᵃ;
und wer ein stäten buͦlen hat.
der halt in lieb zumaszen!
Uhland volksl. 97.
2)
einen oder etwas lieb gewinnen:
ich wart an ir nie valsches inne,
sît ich si sô liep gewan.
minnes. frühl. 50, 14;
sie wart sein weib, und gewan sie lieb. 1 Mos. 24, 67; und der könig gewan Esther lieb uber alle weiber. Esther 2, 17; also hatten wir herzenslust an euch, .. darumb, das wir euch lieb haben gewonnen. 1 Thess. 2, 8; Demas hat mich verlassen, und diese welt lieb gewonnen. 2 Tim. 4, 10; und gedacht mir sie zur braut nemen, denn ich hab jre schöne lieb gewonnen. weish. Sal. 8, 2; es wird mir immer so wohl ums herz, wenn ich höre, dasz einer von meinen freunden ein hübsches mädel lieb gewinnt. Hölty 248 Halm;
die werden dich all lieb gewinnen,
das sie on dich nicht leben künnen.
grobianus 1568 H 4ᵇ (b. 2, cap. 5);
sieh den mann,
den dies weib hier lieb gewann.
Stolberg 1, 169;
da sah den jüngling eine muse blühen,
gewann ihn lieb.
Gotter 1, 3.
dafür auch lieb bekommen, vgl. unter bekommen 6, g theil 2 sp. 1427.
3)
einen lieb behalten, gern in briefschlüssen: behalten sie mich lieb. Rabener briefe s. 92; behalten sie mich lieb und denken sie zuweilen an ihre kleine schülerin. 98.
4)
lieb sein, in verschiedener fügung und bedeutung.
a)
einfaches einer, etwas ist lieb, beliebt, wird geliebt: was schön ist, das ist lieb. Lehmann 168; in der verbindung lieb und werth (vergl. auch oben III, 1): ein kluger man ist lieb und werd bei fürsten. Sir. 20, 29; wer bei fürsten sich helt, das er lieb und werd ist, der kan viel böses verkomen. 30; statt des localen zusatzes ein dativ (verschieden von unten b): gott lieb und angenäm, diis charus ipsis Maaler 271ᵃ; lieb sein, von einer frau, gratam, jucundam esse:
Trulla hatte sich geschmückt, trat dem manne gegen über,
fragte wie sie jhm gefiele? nackend, sprach er, bistu lieber.
Logau 2, 134, 80.
in traulicher rede der neuern sprache, und mit entschiedener herzlicher betonung, empfängt hier lieb die bedeutung dessen was liebe einflöszt, was man lieben musz (oben I, 9): sie ist gar zu lieb, ich musz mich erklären. Göthe 7, 126; und wenn er zu mir kommt, wie er so lieb ist, so gut! 8, 193; wenn sie sie nur sehn! sie ist so lieb! 10, 133; recht lieb wären sie, wenn sie zu mittag bei mir essen wollten. an frau v. Stein 2, 20;
mein schatz ist lieb und gut.
Göthe 1, 204;
mit sächlichem subject: wie grosz! wie lieb! (von einer feurig vorgetragenen empfindung). 10, 146;
doch — alles was dazu mich trieb,
gott! war so gut! ach war so lieb!
12, 188;
an die bedeutung gut heranrührend:
mit allen schelmen-augen
ich schelmereien trieb,
und leichte lust zu saugen,
war jede lippe lieb.
57, 250;
in ähnlichen verbindungen: er (der vogel) thut gar zu lieb! Göthe 16, 122; ich sah ihn nie so sanft und lieb. Klinger 1, 21.
b)
einer ist mir lieb, ich empfinde liebe für ihn:
ich sage dir, waʒ mir wirret:
der mir ist liep, dem bin ich leit.
Walther 64, 21;
swie liep si mir von herzen sî.
66, 13;
einem träffenlich lieb sein, von einem häftig geliebt werden, in amore esse alicui Maaler 270ᵈ; Stella! Stella! wie lieb du mir bist! Göthe 10, 147; gestand ich dir nicht in den ersten tagen meiner vollen liebe zu dir alle kleinen leidenschaften, die je mein herz gerührt hatten? und war ich dir darum nicht lieber? 157;
der die gerechtigkeit als reichs-genossin küsst,
der unschuld lieb und hold, der bosheit schädlich (feind) ist.
Günther 963;
nun hr. bruder es ist genug, wir müssen auch an unsere reise gedenken, und wo ich ihm lieb bin, halte derselbe mich nicht länger auf. unwürd. doctor 175; spöttisch:
sie ist mir lieb auf einem zan;
fellt er mir ausz, sie musz dervon.
fastn. sp. 632, 12.
c)
etwas ist mir lieb: du kommst schon? das ist mir lieb; ich? ihren brief zerreiszen? nimmermehr folge ich ihnen darinne: darzu ist er mir viel zu lieb. Rabener briefe 135; bei allem beschwöre ich sie, was ihnen auf der welt lieb ist. Lessing 1, 486; was allen menschen lieb und angenehm ist, quod omnibus hominibus gratum et acceptum est. Steinbach 1, 1048;
dern lôst in niht, eʒ was im liep.
Iwein 4687;
als lieb euch ewer leben (sei).
Weckherlin 144;
sowie der mensch sich des auges
köstlichen apfel bewahrt, der vor allen gliedern ihm lieb ist.
Göthe 40, 242;
in knapper fügung mit unterdrückung des verbums:
möcht ich wohl durch goldne thüren
dich in einen garten führen,
gern besucht und lieb den frauen.
Platen 14.
in einer frage höflichen entgegenkommens: Thomas. guten tag, mein schönes kind. Bätely. groszen dank. wär ihm was lieb? Thomas. ein glas milch oder wein, jungfer, wäre mir eine rechte erquickung. Göthe 11, 16.
d)
mit einem folgenden infinitive oder abhängigem satze: es ist mir lieb, lieber könig Agrippa, das ich mich heute fur dir verantworten sol. ap. gesch. 26, 2; es ist mir lieb, einen alten guten freund gesund wieder zu sehen. aber es ist mir nicht lieb, dasz das erste, was ich ihm sagen musz, eine abschlägliche antwort sein soll. Lessing 1, 505; es würde mir lieb sein, wenn ein jeder bundesbruder ein oder zwei seiner gedichte abschriebe und mir zukommen liesze. Hölty 216 Halm; dasz sich graf Friz verliebt hat, ist mir herzlich lieb. 248;
mir wär es lieb, ihr wähltet mich zum austrag.
Göthe 9, 164;
mir, für mich selbst,
wär es so lieb, nicht da sein, als zu leben
in furcht vor einem wesen wie ich selbst.
Shakesp. Jul. Cäsar 1, 2.
e)
in andern formeln: alsdann wird uns der urheber (der christlichen religion) erst lieb und werth, und alle nachricht, die sich auf ihn bezieht, wird heilig. Göthe 23, 149; dieses jahr musz mir in der erinnerung, schöner resultate wegen, immer lieb und theuer bleiben. 32, 42; manches in diesem einfachen leben zwischen haus und flur erschien ihm lieb und begehrungswerth. Freytag handschr. 1, 113.
f)
auch hier steht in der alten sprache mit gleicher berechtigung die adverbialform (vergl. oben 1) im wechsel mit der adjectiven, theils allein, theils in der allitterierenden formel lieb oder leid sein, vgl. dazu gramm. 4, 927: mhd.
daʒ was ir beide liebe und leide.
Gudr. 644, 4;
mir ist liebe, mir ist leide.
Leutold von Seven 265, 17 Wackernagel;
gegen: dô rieten sîne vriunde,   eʒ liep oder leit
sîner muoter wære,   daʒ er die schœne meit
in sînen willen bræhte.
Gudrun 1025, 1;
eʒ sî dir liep, es sî dir leit,
du muost in dîniu wâpenkleit.
Lichtenstein frauend. 310, 9.
die formel ist auch im ältern nhd. noch beliebt, ein unterschied zwischen adverb- und adjectivform tritt aber nun nicht mehr auf: es were jnen lieb oder leidt. Aimon bog. g; das jm die Franzosen, es wer jn lieb oder leidt, weichen musten. bog. n; es wer seinen feinden lieb oder leidt. f 3; also muͦszt die guͦt alt muͦter .. zu jres mannes gesten sitzen und ein guͦten muͦt haben, es wer jr lieb oder leid. Wickram rollw. 77, 21 Kurz; solchen rhum und ehre habe ich, .. es sei dem teufel und allen seinen schuppen lieb oder leid. Luther 6, 9ᵃ. für die steigerungsgrade ist die adverbialform durchgedrungen, wie die formel am liebsten lehrt, vgl. unten IV no. 8.
IV.
lieb, adverbial.
1)
in der neueren sprache selten, der bedeutung des adjects I, 2, oben sp. 896 angeschlossen:
da staunt mich an gar seltsamlich,
so lieb, so weh, so inniglich (die schöne maid).
H. Heine 15, 28;
dort klang es lieb und lieber,
und wogt es hin und her.
110.
2)
sonst steht, gegenüber einem allerdings ausgedehnteren gebrauche des mhd. adv. liebe, im nhd. der positiv des adverbs nur noch in vergleichungssätzen, nach so oder eben so, für das gewöhnliche gerne: und möcht einer so lieb einen weg durch hecken und püsch brechen, als seine (Carlstadts) bücher durchlesen. Luther 3, 50ᵃ; dasz ich .. fast so lieb wolte von dem Türken gefangen sein, als in solcher qvalität zu hofe leben. Chr. Weise erzn. 174 Braune; ich sehe nicht, warum sie nicht eben so lieb mich, als eine andre heurathen wollen. Rabener werke 3, 225;
Verona prangt mehr nicht mit desz Catullus gaben;
sie wolte mich so lieb als ihn zum kinde haben.
Opitz 2, 423.
3)
der comparativ lieber in vergleichungssätzen, wenn als oder denn folgt, wo er häufig den nicht mehr gebräuchlichen comparativ von gerne ersetzt:
sol ich dar umbe ersterben,
daʒ tuon ich lieber danne ich lebe.
Engelhard 5909;
du redest lieber böses denn gutes, und falsch denn recht. ps. 52, 5; ich wil lieber der thür hüten in meines gottes hause, denn lange wonen in der gottlosen hütten. 84, 11; werden lieber tod denn lebendig sein wollen. Jer. 8, 3; lieber ein narr, als hungers gestorben. Chr. Weise erzn. 45 Braune; ich habe lieber nüchtern händel, als in voller weise. 152; ich wolte lieber salz und brod essen, als einen gemesteten ochsen mit unrecht. 153; lieber bestie, als so ein mensch! Lessing 1, 515; lieber betteln gegangen, als so mit sich handeln lassen! 12, 393; lieber, dasz sie (die signatur) mit fleisz weggelassen, als zur hälfte vergessen zu sein scheint. 200;
zauberische augen! sie erblickten
nie die morgenröthe,
hiengen lieber an der goldnen weste,
als an frühlingsblumen.
Hölty 53 Halm.
der nachsatz durch ehe eingeleitet: er verhungert lieber, ehe er bettelt;
so scheint es doch, dem allen ungeachtet,
als ob wir lieber,
eh wir auf solche art den schöpfer ehren sollten,
uns unsrer eignen lust berauben wollten.
Brockes 2, 266;
in den verbindungen je länger, je lieber, je eher, je lieber, beispiele theil 4², 2282.
4)
lieber in vergleichungssätzen, ohne dasz der vergleich ausdrücklich angegeben wird:
si möhten lieber anderswâ
an der stunde sîn gelegen.
Engelhard 3286;
(ein jüngling soll) sich halten, als der nicht viel wisse, und lieber schweige. Sir. 32, 12; ich wolte aber lieber, alle menschen weren wie ich. 1 Cor. 7, 7; allein als Hatzfeld hinter uns drein war, und wir bei Zerbst stehen musten, da wer ich lieber im qvartier vor Rochelle gewesen. Chr. Weise erzn. 41 Braune; meine freunde hätten mich gern befördert, aber ich hätte lieber einen dienst gehabt, da ich ... in sechs tagen kaum eine stunde arbeiten dörfen. 45; ich ginge freilich tausendmal lieber nach Hamburg. Hölty 231 Halm;
entziehst dich meinen armen,
als wolltest du mich lieber ganz verstoszen?
Schiller braut von Messina v. 1798;
keinen reimer wird man finden,
der sich nicht den besten hielte,
keinen fiedler, der nicht lieber
eigne melodieen spielte.
Göthe 5, 95;
was? nicht ein schaustück? kein geschmeid?
was jeder handwerksbursch im grund des säckels spart,
zum angedenken aufbewahrt,
und lieber hungert, lieber bettelt!
12, 152;
verstärkt viel lieber: man sagt viel lieber gleich weg Lieszgen (statt jungfer Lieschen). Chr. Weise erzn. 130 Braune; warumb er .. seine kinder viel lieber privatim unterweisen liesze. 88;
sol ich disen sumer lanc
bekumbert sîn mit kinden,
sô wær ich vil lieber tôt!
G. v. Neifen 52, 9;
ich weisz mir ein feine weberin,
vil lieber wär sie ein müllerin
so fern auf jener aue.
Uhland volksl. 692.
in ermahnungs- und betrachtungssätzen, wo lieber auf den zu bewirkenden entschlusz einer fremden persönlichkeit hinzielt: aber die hohenpriester reizeten das volk, das er jnen viel lieber den Barrabam los gebe. Marc. 15, 11; der zeitliche todt ist von niemanden, sonderlich von einem christen-menschen zu fürchten, sondern lieber zu wünschen, den solcher ein ende unsers jammers .. ist. Schuppius 781; was nützt dieser müsziggang? arbeite lieber!
5)
die formel lieber gar (vergl. dazu auch 4¹, sp. 1329), die wir jetzt verwundernd oder auch abweisend im täglichen leben brauchen, und in der gar im sinne von gänzlich oder vollends steht, scheint mit solchen ermahnungs- und betrachtungssätzen am meisten innern zusammenhang zu haben, obschon er uns nicht mehr recht zum bewustsein kommt. wenn z. b. auf die erzählung unser freund N. hat heute einen schlaganfall gehabt, der ausruf der verwunderung lieber gar! folgt, so liegt darin die dunkle beziehung auf ein noch gröszeres unglück, das man von ihm hätte erzählen können, und eine ironische abwehr, es wäre etwa wie erzähle lieber gar, er sei gestorben, oder ähnliches; oder wenn der hausherr auf das urlaubsgesuch eines angestellten, auf einen tag fortgehen zu dürfen, abweisend antwortet: lieber gar! so steht ebenfalls im hintergrunde das ironische sag doch lieber gar eine woche o. ähnl.; Parm. ferner will ich deinem vater sagen, was ich glaube, dasz du wünschest — Phil. und was ist das? Parm. je eher, je lieber wieder bei ihm zu sein. deine kindliche sehnsucht, deine bange ungeduld — Phil. mein heimweh lieber gar. schalk! warte, ich will dich anders denken lehren! Lessing 2, 101. durchsichtiger ist die ironie bei einfachem lieber in abweisenden sätzen, die in eine frage gekleidet sind: 'borgen sie mir hundert mark'. warum nicht lieber gleich tausend?; Ferd. ich würde ihnen nicht zur ehe rathen, frau muhme, da ich weis, dasz sie in sechzig in. fr. Richardinn. warum nicht lieber in achtzig? ich musz am besten wissen, wie alt ich bin. Gellert 3, 211.
6)
die superlativform des adverbs ersetzt die verbindung am liebsten, die eigentlich am liebsten ort, an liebster stelle sagen will, vergl. oben unter am theil 1, 276 und gramm. 3, 106: ich will gerne sterben, ich will gerne leben, sie erwehle nur, welches sie mir am liebsten gönnen will. Chr. Weise erzn. 59 Braune; drumb gleich wie iener blinde bettelman nirgend lieber gieng, als wo er von dem volke gedränget und gedruckt ward: also fahren auch solche verliebte herzen am liebsten, wo die ecksteine und die qvergassen am gemeinsten sind. 191; ich gehöre nicht zu dem hasengeschlechte, das nirgends am liebsten ist, als wo es geheckt ward. Heinse Ardingh. 2, 287; wie die herrschaften es sich am liebsten einrichteten, so sei es ihm auch recht und angenehm. Immermann Münchh. 3, 42; der lieben jungfer Judith habe ich etwas zu vertrauen, was ich am liebsten sage, wenn dieselbe im hause vor mir sitzt. Freytag ahnen 5, 128;
unter abgelegnen sträuchen,
wo so manche nymphe lacht,
sah ich sie (die liebesgötter) am liebsten schleichen.
Uz 1, 73;
am liebsten betracht ich die sterne,
die schienen, wenn ich ging zu ihr.
Eichendorff taugenichts s. 78.
7)
die steigerungsformen des adverbs in verbindung mit haben, vgl. oben III, 1: (Jacob) hatte Rahel lieber denn Lea. 1 Mos. 29, 30; Israel aber hatte Joseph lieber denn alle seine kinder. 37, 3; wenn man .. die klugheit lieber hat, denn alle güter. spr. Sal. 4, 7; ich hatte sie (die weisheit) lieber denn gesunden und schönen leib. weish. Sal. 7, 10; habt sie desto lieber, umb jres werks willen. 1 Thess. 5, 13;
si wolte in verre lieber haben
danne ir kint, daʒ si gebar.
troj. krieg 574;
sy förchte, es wer alls umb sus,
er hette ander lieber und hold.
fastn. sp. 876, 13;
dafür lieber lieben:
und die frau amtmannin
wird dich noch lieber lieben.
Göckingk 3, 25.
für den einfachen superlativ steht die verbindung am liebsten (vergl. oben 6): er hatte ihn am liebsten unter allen seinen verwandten; selten zum liebsten: was einer zum liebsten hat, führt einem der teufel zum ersten hin. Simpl. 3, 24 Kurz.
8)
ebenso in verbindung mit sein (vergl. oben III, 4, f); ohne persönlichen dativ: in einem fruchtbaren, und mit kindern angefülten hausz, ist biszweilen zu sehen, dasz einer oder der ander ausz den älteren höher geschätzt wird, und ausz den jüngern lieber ist, aber in mitlen vielleicht etliche vergessen bleiben. Schuppius 773; mit unterdrücktem verb: je lieber kind, je schärfer ruthe. Chr. Weise erzn. 209 Braune; mit persönlichem dativ: das gesetze deines mundes ist mir lieber, denn viel tausent stück golt und silber. ps. 119, 27; wol und recht thun, ist dem herrn lieber, denn opfer. spr. Sal. 21, 3; mein freund, ich habe ihn von herzen lieb, doch ist mirs lieber, er wird mein feind, als dasz ich soll sein narr werden. Chr. Weise erzn. 152 Braune; meine gesundheit ist mir lieber als seine. ebenda;
frouwe, ich hân ein wîp,
diu ist mir lieber danne der lîp.
Parz. 94, 6;
im superlativ am liebsten: er ist mir am liebsten unter meinen bekannten;
wir übergeben ihm, als einen wackern mann,
was uns am liebsten ist. führ er sie treulich an;
er siehts, es sind zwei muntre knaben.
Gellert 1, 27;
wir unterlassen, wie das kind,
die dinge, die wir wenig schätzen,
um die zu thun, die uns am liebsten sind.
289;
gegen den mhd. brauch:
liep und lieber des enmein ich niht:
du bist aller liebest, daʒ ich meine.
Walther 42, 28.
9)
eine schmeichelform in der anrede lieber! im sinne von quaeso, sodes, wird (vgl. Schm. 1, 1415 Fromm.) als gegensatz von leider (sp. 673), und folglich als comparativ genommen, was freilich nicht mehr als vermutung ist: lieber, ich bitt dich, quaeso Maaler 271ᵈ; auch in der form lieber meine, ich bitt dich darumb, ein wort lieb ze kosen oder ze ermanen, sodes. 272ᵃ; lieber meine, sag mir, ist ers? ich bitt dich darumb, ist ers? obsecro an is est? ebenda; und auch spöttisch: lieber ja, â ja hindersich, ita vero, sane vero, scilicet ebenda (als spottwort); lieber amabo Stieler 1156. in der anrede an einzelne personen männlichen geschlechts fällt dieses lieber mit dem oben II, 2 sp. 903 zusammen, hebt sich dagegen hervor in der anrede an personen weiblichen geschlechts und an mehrere; in bezug auf frauen: lieber so sage doch du seist meine schwester. 1 Mos. 12, 13; er aber sprach zu jr, lieber, gib mir ein wenig wassers zu trinken. richter 4, 9;
Tarpoia, lieber, zeig mir doch an,
was hast du hie krigt für ein mann? (eine geraubte Sabienerin wird angeredet).
Ayrer 17ᶜ (101, 27 Keller);
in bezug auf mehrere: er sprach zu jnen, höret, lieber, was mir doch getreumet hat. 1 Mos. 37, 6; und er sprach zu den leuten zu Sucoth, lieber, gebt dem volk das unter mir ist etlich brot. richter 8, 5; lieber, singet uns ein lied von Zion. ps. 137, 3; der ander aber ruft noch fester und sprach, lieber, möget ihr nicht ein wenig beiten, ich will mit gehn. Kirchhof wendunm. (1602) 1, 411; auch weichet die grösze unserer heutigen leute, der grösze der alten ganz und gar nicht ... und lieber, wer wolte läugnen, dasz nit hier in dieser unserer versammlung dergleichen auch solten gefunden werden, die da über 4 elen oder cubit grosz. Schuppius 777.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 896, Z. 17.

lieb, n.

lieb, n.,
das neutrum des vorigen adj., in zwiefachem sinne.
1)
das was einem lieb ist, erfreuendes, angenehmes, wertgehaltenes:
der ungetriwe wâfenô
rüefet, swenne ein liep geschiht
sînem friunde und er daʒ siht.
Parz. 675, 19;
wie vertuon wir unser leben
âne lieb und âne guot!
Trist. 310, 3;
auch in liebkosen, eigentlich etwas erfreuendes plaudern (s. d.), und in liebäugeln, etwas angenehmes durch äugeln kundthun; ferner in festen formeln.
a)
lieb und leid, und genitivisch liebes und leides, vgl. die beispiele oben sp. 654. 655: der sich erfrewet in seinem wolreden, der wirt im selbigen auch beleidigt. also bleibt kein lieb ohn leid. Paracelsus opp. 1, 656 A; das ungestümme anhalten der herzoglichen stätte, welche jhren gefangenen herren mit lieb oder leid wieder ledig haben wollen. Phil. Lugd. 3, 140;
rehtiu witze ist sælekeit;
liep wirt selten âne leit.
Freidank 85, 17;
in lieb und leid (doch vgl. dazu auch unten unter liebe 7, a):
seidt uns getreu in lieb und leid,
in krigen, wie in fridens zeit.
J. Ayrer 28ᵈ (157, 28 Keller);
sein diener, die in lieb und leidt
zu jhm treulich gesetzt haben.
134ᵈ (676, 31);
weil got ihm lieb in lieb und leid.
Weckherlin 145.
b)
zu lieb (vgl. auch zu liebe unter liebe 7, b): es ist ein heillosz essen und kompt niemands zu lieb oder nutz. Fronsperger kriegsb. 1, 128ᵃ; zu lieb werden, angenehm werden, so dasz man sich eines dinges erfreut: (die bäurin) überkam hund, die dem fuchsen die hennen nit lieszen zu lieb werden, sondern steubten so oft drob, bisz er zu letzst den tod an den hennen frasz. S. Frank sprichw. 2, 29ᵇ; herr, mein mann hat von mir seine notturft gehabt, und jhm darzu gefallen habe, was sol ich nun mit dem thun, das jhm uber wirdt, sol ichs under die hunde werfen, ist es nicht besser und basz gethan, ich vergünne das und werde mit einem solchen einem edlen jungen mann zu lieb und willen? Bocc. (1580) 2, 16ᵃ; nach langem bedenken, und von groszer lieb desz sons bezwungen, sich schickt den son zu lieb werden (ihm seinen willen zu thun). 1, 300ᵃ; und ich euch mit dem nicht mag zu lieb werden. 302ᵇ. in Appenzell z'lieb (etwas thun) sich die mühe geben. Tobler 298ᵇ.
c)
für lieb (etwas nehmen), als etwas angenehmes: es muͦsz ein nachbaur mit dem anderen ein brand fewr für lieb nemen. Frank sprichw. 2, 36ᵃ (erklärt: mit nachbaurn sol man auch etwas leiden und nachgeben); dasz die von ihm wieder aufgenommene allg. deutsche bibl. für lieb genommen was eine andere gelehrte zeitschrift abgewiesen hatte. Fichte Nicolais leben 91; auch vor lieb: bittend dieses wenige vor lieb und mit dem gemüt aufzunehmen. Schuppius 784; er wolle, was gott an essen und trinken beschehren wird, vor lib und willen nehmen. Butschky kanzl. 912; wir müssen so vor lieb nehmen, contenti simus hoc cotone Steinbach 1, 1049; da das publikum so gut gewesen ist, auch mit dem zweiten büchel meiner 'sämmtlichen werke' vor lieb und willen zu nehmen. Claudius 4, iii. vgl. weitere beispiele unter für theil 4¹, sp. 627 und das zusammengerückte fürlieb ebenda sp. 768; man wird aber, nach der oben beigebrachten stelle aus Frank nicht mehr sagen dürfen, dasz für lieb erst im 17. jahrh. auftauche.
d)
mit keinem lieb (etwas erreichen), mit nichts, was man auch immer thue: expresse sich in ein solchen labirinten, darausz er sich mit kainem lieb wider bringen kunte, zu begeben. Zimm. chron. 4, 76, 8; ähnlich: da nun die welt mit lieb sich nit wolt lassen finden. Frank weltb. 106ᵇ; der gegensatz ist mit ganzem lieb, mit allem, was angenehm ist: dise schmach hatt sy von jrem vetter so zuͦ hohem zorn angenummen, dasz sy genzlich verredt hatt, in sein hausz nit mer zuͦ kummen, wölchs jm mit ganzem lieb ist gelebt gewesen. Wickram rollw. 119, 29. — Noch jetzt schweizerisch: er ist mit keinem lieb dahin zu bringen, durch kein zureden, durch keine vorstellungen. Stalder 2, 172; mit kem lieb zue nebes bringa Tobler 298ᵇ.
2)
der geliebte, die geliebte:
swâ sô liep bî liebe lît
gar vor allen sorgen frî.
Walther 117, 36;
eʒ dunket mich wol tûsent jâr
daʒ ich an liebes arme lac.
minnes. frühl. 34, 12;
die ich ze liebe mir erkôs,
sol ich der sô verteilet sîn,
seht, des belîbe ich fröidelôs.
35, 9;
eʒ stuont ein frouwe alleine,
und warte uber heide,
und warte ir liebe.
37, 6;
wo sie vor zu den uneren dein lieb und freundin gewesen, das sie hinfur mit zucht und ehren dein liebe hauszfraw und ehlich weib sei. Boccacc. (1635) 33ᵇ; mein lieb hat mich nicht gnug geküsset und geherzet. pers. rosenth. 5, 19;
schein uns, du liebe sonne,
gib uns ein hellen schein!
schein uns zwei lieb zusammen,
ei die gerne bei einander wollen sein!
Uhland volksl. 75;
ich hort ein feine magt klagen:
sie het ir lieb verlorn.
78;
ich weisz mir ein kleines waldvögelein,
das ist hüpsch unde fein,
es flog wol nechten spate
für liebes fensterlein.
71;
durch meines liebs verlust.
Weckherlin 641;
mein lieb, das zornig war, das lacht mich freundlich an.
Fleming 612;
Paulus ist ein freund der welt, aber nur der kleinen welt,
wann er sein geliebtes lieb, fest umarmt beschlossen hält.
Logau 3, 126, 37;
er nahm sein lieb, mit einem schwung,
und schwangs auf den Polacken.
Bürger 53ᵇ;
wer für sein lieb nicht sterben kann,
ist keines kusses werth.
Körner werke 1, 119;
in der anrede: o du auserweltes lieb meines herzen! Bocc. (1535) 55ᵃ; nu bisz mir got wilkummen du mein allerliebstes lieb (ben venga l'anima mia). 68ᵃ; allerliebstes lieb! b. d. liebe 37ᶜ; mein allerliebstes lieb. ebenda; mein herziges lieb. 180ᵃ;
wes manestu mich leides,
mîn vil liebeʒ liep?
minnes. frühl. 7, 11;
la rauschen, lieb, la rauschen!
Uhland volksl. 78;
wann komst herwider, du schöns mein lieb?
264;
laszt uns in den garten gehen,
schönes lieb.
Weckherlin 391;
häufig feines lieb (auch zusammengerückt feinslieb), vergl. theil 3, 1452 fg.:
ich brach mir die röslein abe
zu einem kranze,
ich schickt sie meinem feinen lieb
zum lobetanze.
Uhland volksl. 70;
sie sprach: den ring will ich nicht haben,
mein feins lieb will ich lenger klagen.
266;
o still, feins lieb, die thränenfluth!
H. Heine 15, 29;
und aus dem schwarzen schlunde steigt
die schwarze schar; feins lieb erbleicht!
aus meinen armen schwand feins lieb.
ebenda;
im wechsel mit einem pronomen des persönlichen geschlechts:
mein feines lieb ist fern von mir,
ich hat mit jhr sehr kurze frewdt.
Zinkgref bei Opitz (1624) s. 179.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 911, Z. 32.

liebe, f.

liebe, f.
amor; ein vorzugsweise auf hochdeutsches gebiet eingeschränktes wort, zustandsbildung zu dem adj. lieb sp. 896: ahd. liubî, einmal auch liupa, mhd. liebe; in niederdeutsches gebiet ragt es hinüber: alts. liubî dilectionem. Essener glossen im niederdeutschen jahrbuch 4 (1879) s. 49; mnd. nnd. lêve, niederl. lieve, doch theilt es hier seine stelle mit lêfde, liefde, vgl. unter liebde sp. 916; das ags. lufu, lufe liebe ist unserm liebe nur wurzelhaft verwandt, nicht dasselbe; das goth. und altnord. bietet keine vergleichbare substantivbildung. die allgemeine bedeutung des wortes als des zustandes oder der handlung des lieb habens prägt sich in verschiedener weise aus.
1)
liebe, die innige zuneigung eines wesens zu einem andern. erklärungen begegnen bei manchen schriftstellern: liebe aber heiszet auf deudsch (wie jederman weis) nichts anders, denn von herzen einem günstig und hold sein, und alle güte und freundschaft erbieten, und erzeigen. Luther 6, 35ᵇ; Julchen. kennen sie denn die liebe recht genau? was ist sie denn? ein rätzel, das niemand auflösen kann — Mag. als wer verstand genug hat, in die natur der dinge zu dringen. die liebe ist eine übereinstimmung zweener willen zu gleichen zwecken. Gellert 3, 59; die liebe als freie aufnahme des willens eines andern unter seine maximen. Kant 6, 405; ist unter liebe das edelste bedürfnis geistiger, vielleicht auch körperlicher vereinigung gedacht, welches die einzelnen in bewegung setzt und, auf die schönste weise, in freundschaft, gattentreue, kinderpietät und auszerdem noch auf hundert zarte weisen befriedigt und lebendig erhält. Göthe 45, 322; alle liebe bezieht sich auf gegenwart; was mir in der gegenwart angenehm ist, sich abwesend mir immer darstellt, den wunsch des erneuerten gegenwärtigseins immerfort erregt, bei erfüllung dieses wunsches von einem lebhaften entzücken, bei fortsetzung dieses glücks von einer immer gleichen anmuth begleitet wird, das eigentlich lieben wir, und hieraus folgt, dasz wir alles lieben können was zu unserer gegenwart gelangen kann; ja, um das letzte auszusprechen: die liebe des göttlichen strebt immer darnach sich das höchste zu vergegenwärtigen. ganz nahe daran steht die neigung, aus der nicht selten liebe sich entwickelt. sie bezieht sich auf ein reines verhältnis, das in allem der liebe gleicht, nur nicht in der nothwendigen forderung einer fortgesetzten gegenwart. 49, 17;
was ist denn liebe? sag!
'zwei seelen und ein gedanke,
zwei herzen und ein schlag'.
Fr. Halm sohn der wildnis (1843) s. 67;
namentlich die innige neigung zu einem göttlichen oder menschlichen wesen im allgemeinen.
a)
mit dem gegensatze hasz: doch kennet kein mensch weder die liebe noch den hasz irgend eines, den er fur sich hat. pred. Sal. 9, 1; sie beweisen mir böses umb guts, und hasz umb liebe. ps. 109, 5;
aber wer heilet die schmerzen
des, dem balsam zu gift ward?
der sich menschenhasz
aus der fülle der liebe trank?
Göthe 2, 65;
ists lieb? ists hasz? die glühend uns umwinden,
mit schmerz und freuden wechselnd ungeheuer.
12, 255;
ein jüngling musz die flügel regen,
in lieb und hasz gewaltsam sich bewegen.
13, 160;
im gegensatze zu zorn:
denn gnade gehet doch vor recht,
zorn musz der liebe weichen.
P. Gerhard 24, 51 Gödeke.
b)
mit verwandten begriffen: glaube und liebe; glaube, liebe, hoffnung; nu aber bleibt glaube, hoffnung, liebe, diese drei, aber die liebe ist die gröszest unter jnen. 1 Cor. 13, 13; jage aber nach der gerechtigkeit, dem glauben, der liebe, dem frieden. 2 Tim. 2, 22;
dasz wir durch dein gnad und sein heiligung
erbaut im glauben, lieb und wahrer hoffnung
selig erwarten deiner erscheinung.
Wackernagel kirchenl. 4, s. 478ᵇ;
ein herz, dem nicht der glaube fehlet,
dem fehlet auch die liebe nicht.
Gellert 2, 144;
ist keine seele rein, der glaub und liebe fehlten.
178;
wie lieb und treu und glauben
verschwunden aus der welt.
H. Heine 15, 154;
liebe und ehrfurcht:
schaff du ein reines herz in mir,
ein herz voll lieb und furcht zu dir.
Gellert 2, 212;
liebe und güte, liebe und gnade, liebe und huld, liebe und ehre: dasz sie der liebe und ehr wirdig sein umb jrer guͦten that willen. Agr. spr. 226ᵇ;
heilst ihren schad
aus lieb und gnad.
Wackernagel kirchenl. 4, s. 479ᵃ;
wen er umfängt mit lieb und gunst,
dem ist geschwind geholfen.
P. Gerhard 24, 41 Gödeke;
lasz deine lieb und freundlichkeit
zur gegenlieb und dankbarkeit
mich armen sünder bringen.
47, 34;
(herr der du) nach dem zorn das süsze gut
der lieb und huld gesendet.
21, 11;
liebe und friede:
sonst macht er kein uneinigkeit,
halt frid und lieb mit jederman.
Fischart dicht. 2, 370, 1527;
allitterierend lob und liebe:
darum, so richte nun,
o mensch, auch du dein thun
zu gottes lob und liebe.
P. Gerhard 19, 69.
c)
liebe mit dem genitiv des subjects: die liebe gottes zu den menschen; die liebe der eltern; die liebe des nächsten; die gnade unsers herrn Jhesu Christi, und die liebe gottes, und die gemeinschaft des heiligen geistes sei mit euch allen. 2 Cor. 13, 13; daran ist erschienen die liebe gottes gegen uns. 1 Joh. 4, 8; der muͦtter lieb reget sich am allermeisten, so jr kind krank. Agr. spr. 139ᵃ;
alles ding währt seine zeit,
gottes lieb in ewigkeit.
P. Gerhard 236, 9 Gödeke;
und mit possessiven:
mein lieb und gunst
schenk ich dir umbsunst.
Wackernagel kirchenl. 4, 479ᵇ;
und deine liebe dringe mich,
dasz ich dich wieder lieb.
Gellert 2, 133;
er giebt mir seinen geist, das pfand,
daran wir seine liebe merken.
148.
d)
aber auch mit dem genitiv des objects:
durch ir sunes liebe   si teilte rôteʒ golt (aus liebe zu ihrem sohne).
Nib. 41, 3;
darnach, da jm ein brief kam von seinen brüdern und freunden, wie sein vater in todtes nöten, und, ob er seinen vater im leben wölle sehen, sol er heraus komen. solchs er sich aus lieb seines vaters und brüdern unterstanden. Luther 3, 410ᵇ; ich kenne euch, das jr nicht gottes liebe in euch habt. Joh. 5, 42; so jemand die welt lieb hat, in dem ist nicht die liebe des vaters. 1 Joh. 2, 15; wann deiner feinde naher verwandter dein freund wird, so besorge dich immerdar seines betrugs, denn er wird, wann ihm die liebe seiner blutsfreunde im sinn kompt, einen innerlichen hasz auf dich werfen. pers. baumg. 1, 33;
wer Christi lieb im herzen hält,
der ist ein held und bleibt bestehn.
P. Gerhard 227, 62 Gödeke;
entschlafen sind nun wilde triebe,
mit jedem ungestümen thun;
es reget sich die menschenliebe,
die liebe gottes regt sich nun.
Göthe 12, 64;
mit possessivpronomen:
nâch sînem willen ich gerne var
durch sîne liebe, swar er wil (aus liebe zu ihm).
Wigal. 225, 24;
so jr mein gebot haltet, so bleibet jr in meiner liebe, gleich wie ich meines vaters gebot halte, und bleibe in seiner liebe. Joh. 15, 10;
so lasz mich keine schmach und pein
von deiner liebe scheiden!
Gellert 2, 149.
zusammensetzungen mit dem genitiv können der bedeutung c wie der d folgen: elternliebe ist sowol die liebe der eltern gegen die kinder, als die liebe zu den eltern; ebenso bruderliebe, geschwisterliebe, freundesliebe u. ähnl.
e)
für diesen genitiv präpositionen, zumal in der neueren sprache: liebe zu, für, gegen einen; nach dem ich gehöret hab von dem glauben bei euch, an den herrn Jhesum, und von ewer lieb zu allen heiligen. Eph. 1, 15; das ist die liebe zu gotte, das wir seine gebot halten. 1 Joh. 5, 3; dasz man jnen (den jungen christen) zwo liebe predigen soll, eine, gottes zuͦ uns, .. die ander, unsere zuͦ dem nächsten. Agr. spr. 182ᵇ; liebe gegen menschen, philanthropia, liebe gegen allen denen man lieb schuldig ist, pietas Dasyp.; darumb preiset gott seine liebe gegen uns. Röm. 5, 8; dʒ ich mein vätterlich anmuͦt und lieb gegen meinem eignen fleisch und bluͦt umb gottes willen auszzeuch. Frank weltb. 21ᵇ; nichts als liebe gegen uns säuglinge der schöpfung hat ihn (gott) zu dieser schwachheit bewegen können. Hamann 2, 449;
wilstu für der welt erweisen deines glaubens meisterstücke?
ei so sih, dasz deine liebe für den nechsten deutlich blicke.
Logau 3, 63, 37;
freiwillig, als der helden held,
trägst du, aus liebe für die welt,
den tod, der uns gebühret.
Gellert 2, 132;
die liebe gegen gott heiszt ihn die menschen lieben.
129;
wohnt liebe gegen gott in dir:
so wird sie dich zum guten stärken.
du wirst die gegenwart von ihr
an liebe zu dem nächsten merken.
144;
da bei wird jederman erkennen, das jr meine jünger seid, so ir liebe unternander habt. Joh. 13, 35.
f)
adjective, die zu liebe treten, deuten auf das liebende wesen: die göttliche liebe zu den menschen; eine allgemeine menschliche liebe; durch brüderliche liebe ward ihm unterstützung gewährt; das liebste und beste, was jm gott gönnet, und sein göttliche liebe gibt. Luther 6, 36ᵃ; die brüderliche liebe unternander sei herzlich. Röm. 12, 10; oder auf art oder grad der liebe: die ewige liebe, der gottheit zu den creaturen:
da singen wir in frühlingswonne
ein lied von dir, du ewige liebe!
Uhland ged. 19 (gesang der nonnen);
ich hab in deinem auge den strahl
der ewigen liebe gesehen,
ich sah auf deinen wangen einmal
die rosen des himmels stehen.
Rückert liebesfrühl. s. 47 (1, 67);
heisze, herzliche, inbrünstige, laue liebe: herzliche liebe und barmherzigkeit. Phil. 2, 1; habt unternander eine brünstige liebe. 1 Petr. 4, 8; eigene liebe, liebe zur eigenen person (vgl. eigenliebe 3, 98, selbstliebe): das (herz welches) nur das seine suchet und vol eigener liebe steckt zu sich selbs, nicht zu andern. Luther 6, 36ᵃ;
ihr güldnen seile treuer liebe,
zieht mich zu meinem schöpfer hin!
Uz 1, 301;
die reinste liebe schwelle
mein ganzes herz zu dir (gott) empor!
332;
oder endlich auf die art, wie sie die für das liebende subject allein rechte ist: die christliche liebe, die liebe die ein christ haben musz; die brüderliche liebe, wie sie einem bruder gemäsz ist; nimm das perlin christenlicher lieb under dein zungen und gang sicher, wa du wilt. Keisersberg pred. 47ᵃ; du bist mir brüderliche lieb und treüw schuldig. Wickram rollw. 21, 20 Kurz.
ja, der mensch verzehrt sich in sich selbst nur,
der allein an fremde menschen anstöszt;
aber brüderliche liebe zaubert
jeden gram hinweg.
Platen 323.
g)
es heiszt liebe haben, tragen, empfinden, erzeigen, beweisen, üben: ich wil sie auch umb jr böses wesen willen, aus meinem hause stoszen, und nicht mehr liebe erzeigen. Hos. 9, 15; darumb ermane ich euch, das jr die liebe an jm beweiset. 2 Cor. 2, 8; gottes wort halten, und liebe uben. Micha 6, 8; strebet nach der liebe. 1 Cor. 14, 1;
warum empfind ich nicht die liebe,
und hoffe nicht getrost auf ihn?
Gellert 2, 215.
aus liebe etwas thun:
gott vater, der du deinen sohn
in unser fleisch gesenket,
und jhn als deines heuptes kron
aus lieb uns hast geschenket.
Wackernagel kirchenl. 4, s. 923;
bei deiner schwachen gmeine,
die du aus lieb dir hast vertrawt.
s. 935;
ich will, ich musz von Jesu singen!
aus liebe kam er auf die welt.
Uz 1, 315;
in der liebe bleiben:
der bleibt in gott, und gott in ihm,
wer in der liebe bleibet.
Gellert 2, 135;
darumb decket auch die liebe zuͦ die menge der sünden. Agr. spr. 8ᵇ (nach 1. Petr. 4, 8); dieweil die ungerechtigkeit wird uber hand nemen, wird die liebe in vielen erkalten. Matth. 24, 12; alle meine liebe wendete sich zu den gnadenreichen bildern der mutter des herrn. Arnim kronenw. 2, 94.
h)
bilder und vergleiche:
ergreif mein herz und schleusz es ein
in dir und deiner liebe schrein!
P. Gerhard 47, 22;
herr, stärke mich, dein leiden zu bedenken,
mich in das meer der liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller schuld des bösen
uns zu erlösen.
Gellert 2, 197.
2)
liebe, insbesondere die innige neigung zu einer person des andern geschlechts:
das süsze thun, das wir die liebe nennen,
den freien dienst, den wundenlosen streit,
den besten schmack, die zuckerung der zeit,
den lieben todt, das angenähme brennen,
und was wir sonst noch bessers können nennen,
das leset hier.
P. Fleming 148.
a)
entgegengesetzt ist kälte, abneigung, hasz: die frau vergalt die liebe des mannes mit kälte; seine frühere abneigung gegen sie verwandelte sich in liebe; und Amnon ward jr uberaus gram, das der hasz gröszer war, denn vor hin die liebe war. 2 Sam. 13, 15; der hasz ist parteiisch, aber die liebe ist es noch mehr. Göthe 17, 145;
hasz dem feigen,
und liebe, dem beherzten mann!
Göckingk lieder zweier lieb. 72.
in anderm sinne leidenschaft, als das sinnliche, gegenüber dem geistigen und herzlichen der liebe:
die leidenschaft flieht,
die liebe musz bleiben.
Schiller glocke v. 103.
b)
verbunden sind zumal häufig liebe und treue:
das megdlein an der zinnen lag,
sie sach zum fenster nausz,
in rechter lieb und trewe
warf sie zwei krenzlein rausz.
Uhland volksl. 126;
dein eigen wil ich sein:
in lieb und trew mich binde.
P. Melissus bei Opitz (1624) 166;
doch so ein mancher traut der zeit die alles kann,
und hält mit lieb und treu der neigung wegen an.
Günther 449;
dann wird von ewger treu und liebe,
von einzig überallmächtgem triebe (geredet).
Göthe 12, 159;
das ist echte liebe und treue,
wenn es recht am finger drückt (vom verlobungsringe).
Uhland ged. 310;
liebe und stätigkeit:
die rechte lieb und stätigkeit
lasz ich dir, feins lieb, zur letze.
Uhland volksl. 137;
liebe und gegenliebe: liebe macht gegenliebe. Stieler 1157;
lieb ist gegenliebe wehrt.
Fleming 496;
ihr guten mädchen, eure gunst
erwerbe keiner buhlschaft kunst;
so lieb als gegenliebe sei
wie täubchen rein, wie täubchen treu!
Stolberg 2, 41;
liebe und lust:
wie mag sie denn lust und lieb zu im gehaben,
als zu einem jungen frischen knaben?
fastn. sp. 701, 1;
sie kan mir freuden machen,
lust, lieb zuͦ aller zeit.
Uhland volksl. 83;
sein glücklich weib, an seiner brust,
berauscht sich draus (aus der fülle seines lebens) zu lieb und lust.
Bürger 52ᵃ.
von der liebe ist die freundschaft unterschieden: aber zwischen freundschaft und liebe ist noch ein unterschied. Weisze lustsp. 3, 42;
liebe denn, ach! liebe!
keine freundschaft! alles oder nichts!
Göckingk lieder zweier lieb. 160;
gleich einer alten halbverklungnen sage,
kommt erste lieb und freundschaft mit herauf.
Göthe 12, 5;
wo lieb und freundschaft unsres herzens segen
mit götterhand erschaffen und erpflegen.
10;
c)
mit dem genitiv des subjects: die liebe eines mädchens ist schüchtern, die liebe des jünglings feurig und begehrend;
es ist des weibs halb seligkeit
des manns lieb und holdseligkeit.
Fischart dicht. 3, 278 Kurz;
mit possessiven: seine liebe sollte ihr danken. Arnim nov. 3, 13;
und wann ich (eine jungfrau) für mein feins lieb ge,
so gschicht mir in meinem herzen we,
dasz ich sein lieb musz meiden,
dasz ich sein lieb musz heimlich tragen.
Uhland volksl. 123;
(ich) betrübe
meinen geist, dasz deine liebe
nun ein andrer, falsches herz! besitzt.
Göckingk lieder zweier lieb. 132.
d)
mit dem genitiv des objects (vgl. dazu oben 1, c und d): es ist ein mannliche und ehrliche tugend, sich mit unzüchtiger weiber liebe nicht beflecken. Agr. spr. 254ᵇ;
als Paris vorlängst mit der that
dj schön Helenam geraibet hat
ausz Griechenland mit trug und list,
derhalb grosz krieg entstanden ist,
und wards trojanisch hör zerstört.
der weiber lieb hat viel bedört (die liebe zu den weibern).
Schwarzenberg 116ᵇ;
ebenso mit possessiven: (wir) sind entbrand in deiner liebe (in der liebe zu dir). Susanna 20;
es glag mir nie so hart
dasz ich trag heimlich leiden
gen einem frewlein zart,
ir lieb hat mich umfangen,
darzu ir gut gestalt.
Uhland volksl. 126;
ja, deine liebe flammt in meinem busen.
Platen 73;
so dürfte keiner sich verwundert zeigen,
wenn ich nicht ganz vermöchte zu verschweigen,
wie deine liebe meine seele spaltet.
98.
e)
für diesen letzteren genitiv präpositionsverbindungen, liebe zu, für einen oder eine: durch die liebe zu ihm in allem guten gestärkt, .. findet sie (Ottilie) sich in einem himmel auf erden. Göthe 17, 149; von seiner liebe zu Johanna schwatzen zu können. Arnim nov. 3, 22;
wie? liebe soll in dir, für mich noch liebe leben?
Gotter 2, 16;
liebe zwischen zweien zuwege bringen, jungere charitatem inter duos, conciliare duos amore. Stieler 1156.
f)
mit adjectiven: meine erste liebe warf ich auf ein mädgen .. Chr. Weise erzn. 169 Braune; sagen sie ihr, dasz ich hier bin, dasz der mensch hier ist, der seine erste liebe und das ganze glück seiner jugend an sie knüpfte. Göthe 19, 234;
o zarte sehnsucht, süszes hoffen,
der ersten liebe goldne zeit ...
o, dasz sie ewig grünen bliebe,
die schöne zeit der jungen liebe!
Schiller glocke v. 75;
süsz erkennen erster liebe,
aufgang, untergang der welt!
Arnim Halle u. Jerus. 87;
alte liebe rostet nicht, sprichwörtlich; wir hielten in den ersten tagen die zeichen ihrer früheren liebe für verstellung. Arnim nov. 3, 13; neue liebe, neues leben. Göthe 1, 77 (überschrift);
zu fest nicht auf biedermannswörtchen traut:
dasz ältere liebe nicht rostet!
Bürger 81ᵇ;
es duftet wieder alte liebe,
es grünet wieder alte lust.
Uhland ged. 43;
da bringt er frische küsse mir
und neue liebe mit.
206;
offentliche strafe ist besser, denn heimliche liebe. spr. Sal. 27, 5; stille, heimliche liebe, clandestinus amor. Maaler 271ᵃ;
kein feuer, keine kohle   kann brennen so heisz,
als heimliche liebe,   von der niemand nichts weisz.
volkslied;
blinde liebe, oder die einen blind macht, caecus amor. Maaler 271ᵃ; brünnende liebe, flagrans amor. ebenda; er hatte eine leidenschaftliche liebe zu ihr gefaszt; seine treue liebe rührte sie endlich; er schwur ihr beständige liebe;
mein herz in heiszer lieb thut brinnen.
J. Ayrer 43ᵇ (229, 35 Keller);
er denkt an sein weibchen im heimischen land,
und schwöret ihm ewige liebe.
Stolberg 1, 304;
herzliche liebe verbindet uns stets und treues verlangen,
und den wechsel behielt nur die begierde sich vor.
Göthe 1, 279;
die hier in fröhlichkeit
treuer liebe bund geweiht.
Uhland ged. 6;
reine, keusche, lautere liebe; sinnliche liebe; huͤrische lieb, meretricius amor, keüsche lieb, pius amor Dasyp.; es ist kein laster, das des menschen muͦt also fast schwächet, und zu einer bestien machet, als unzüchtige lieb. Agr. spr. 254ᵇ; der fleischlichen liebe nicht zugethan. pol. stockf. 50;
(eine mutter) in deren schosz das süsze pfand
der keuschen liebe ruht.
P. Gerhard 250, 76 Gödeke;
oft kleiden sich des lasters triebe
in die gestalt erlaubter liebe.
Gellert 2, 137;
die liebe musz sein platonisch,
der dürre hofrath sprach.
H. Heine 15, 114;
wahre, falsche liebe;
gott segnet keuscher ehe zucht
mit wahrer liebe süsze.
Fr. L. v. Stolberg;
das haben wir beide erfahren,
was falsche liebe thut.
Vilmar handbüchl. für freunde des volksl. 122;
gezwungene liebe und gemalte wangen dauern nicht. Simrock sprichw. 342; nach dem gemeinen sprichwort: gezwungene liebe und geriebene röthe, haben selten lange bestandt. Sandrub kurzweil (1618) 17;
betwungen liebe ist gar ein wiht,
wan si gîht hôhes muotes niht.
Winsbeckin 32, 4 Haupt;
betwungeniu liebe
wirt dicke ze diebe.
Freidank 101, 13;
ach! wie wer es wol gefügt,
wenn wir nicht so wiederstrebten,
sondern itzt und für und für,
ich bei ihr, und sie bei mir,
in verglichner liebe lebten.
Fleming 495;
die freie liebe, im gegensatze zur ehe:
ihr (der lerche) buhlerischer lustgesang
verehrt und lobet lebenslang
die freie liebe, nicht die ehe,
die stete wahl, und keinen zwang.
Hagedorn 3, 35.
g)
es heiszt liebe haben, hegen, fühlen, empfinden, erzeigen; liebe fordern, geben, erhalten, empfangen;
liebe fordert er beim stillen mahle.
Göthe 1, 246;
nie konnt ich ihr liebe geben.
Schiller don Carlos 3, 1;
(Paris) gibt liebe und empfängt und flüchtet nach
des Ida fernen triften die geraubte.
Iphig. 1, 1;
liebe athmen, wenn von dem gefühl der liebe das ganze wesen durchdrungen ist, vgl. unten liebeathmend; liebe äuszern, anbringen: gleichwol meinte der galan, er hätte seine liebe köstlich anbracht (zu erkennen gegeben). Chr. Weise erzn. 75 Braune; liebe schwören, lügen;
Amarant, der oft mir liebe schwur.
Göckingk lieder zweier lieb. 81;
der seine knie
mit geschenken kriechend vor dir biegt,
und, mit brunst im auge, liebe lügt.
121;
liebe bezeugen, wechseln, tauschen:
die blumen, die nach ihr (der liebsten) sich beugen,
die vögel mit dem lustgesang,
sie dürfen liebe ihr bezeugen:
warum ist mir allein so bang?
Uhland ged. 22;
doch drunter (unter dem mantel) schlägt ein mildes herz,
das lieb um liebe tauscht.
205;
nicht versagte
Diwisade sich dem schönen freier.
worte wurden, liebe ward gewechselt.
Platen 326;
der liebe leben, opfern, sich weihen, fluchen;
Almansor, der nun ganz sich seiner liebe weiht.
Wieland 23, 218 (Oberon 11, 31);
zwar fluch ich nicht der liebe, nicht den scherzen,
denn ohne sie, ist dieses leben nacht.
Göckingk lieder zweier lieb. 148;
die liebe fliehen, meiden;
solltet ihr die liebe meiden,
die den weisen selbst bethört?
Uz 1, 154;
das herz voll liebe haben; weil ich jung bin, das herz voll liebe, den kopf voll gedanken der ehre hege. Arnim nov. 3, 41;
Serine komm! mein herz bleibt dein;
viel besser, ohne glück, als ohne liebe sein.
Gellert 1, 280;
denn du erhältst mit ihr (der locke) mein herz voll liebe.
Göckingk lieder zweier lieb. 68;
ach! bin ich nicht ein mädchen? und voll liebe?
73;
und ist ihr herz von liebe voll.
Göthe 47, 9;
zu liebe entzündet werden:
wenn das eingegrabne wort (eines talismans)
dich zu lieb und that entzündet.
Göthe 5, 5;
mit liebe an einer oder einem hängen: an diesen (ausländischen weibern) hieng Salomo mit liebe. 1 kön. 11, 2; aus liebe, durch liebe, vor liebe etwas thun oder leiden: ich bin krank fur liebe. hohel. 2, 5; so saget jm, das ich fur liebe krank lige. 5, 8; das heist ausz liebe in die hölle gefahren. Chr. Weise erzn. 95 Braune;
mein herz hat sich gesellet
zu einem bluͤmlin fin,
das mir wol gefellet,
durch lieb so lid ich pin.
Uhland volksl. 106;
die schöne Rezia, von lieb und angst entgeistert.
Wieland 22, 214 (Oberon 5, 43);
von scham und liebe roth bis an die fingerspitzen.
231 (5, 74);
sollt ich dafür in gallaröcken,
vor liebe krank,
des fräuleins gnädge hände lecken?
Hölty 133 Halm;
von der liebe ergriffen, erfaszt werden; einen in liebe bringen, conjicere aliquem in amorem. Maaler 271ᶜ; in liebe erglühen, entbrennen;
so antwort ich, von lieb entbrannt:
Amarant!
Göckingk lieder zweier lieb. 53;
in derber rede sich vor liebe auffressen; wann die liebe also zunähme, wie sie abnimmt, so frässeten sich die eheleute vor liebe. Pistorius thes. par. 7, 21;
doch wo dich hat betroffen
Cupid mit ihrem pfeil,
und wärst in lieb ersoffen,
ein rath ich dir mittheil.
Hoffmann gesellsch. lieder s. 94;
die liebe findet sich; wenn man einmal beisammen ist, so findet sich die liebe wohl. Gellert 3, 290; die liebe fällt eben so wohl auf einen roszmist, als auf eine rose. Serz 91ᵇ; die liebe fesselt, brennt, erkaltet, erlischt, hat ein ende; liebe die heimlich ihn schon lange an Johanna fesselte. Arnim nov. 3, 15; je mehr nun der wein in den kopf stieg, desto schärfer fieng die liebe an zu brennen: also dasz herr Storax dem Florindo eine humpe zutrank auf des liebsten mädgens gesundheit. Chr. Weise erzn. 78 Braune; eure liebe brannte aus. Klinger 2, 31;
die liebe paart nur zwei und zwei, und leidet nimmermehr den dritten.
Günther 440;
die müle ist zerbrochen,
die liebe hat ein end.
Uhland volksl. 77;
leben musz man und lieben; es endet leben und liebe.
Göthe 1, 397;
erloschen ist die liebe,
die lust kann nicht bestehn.
Uhland ged. 59.
h)
genitivverbindungen, zumal in bildern und vergleichen. es heiszt das spiel der liebe:
leis war Chloris hergeschlichen
und verscheuchte schnell den unmuth
durch das süsze spiel der liebe.
Körner werke 2, 37;
fesseln, band der liebe: das band der liebe zerreiszen, amorem dirimere, divellere Stieler 1156;
treuer liebe ketten.
Gotter 1, 76;
der bach, quell, strom der liebe:
doch, alles das verlöscht einmal die zeit!
sie, welche selbst, denn wer kann sie gewinnen?
dem lebensstrom so früh zu stehn gebeut,
läszt schneller noch der liebe bach verrinnen!
Göckingk lieder zweier lieb. 158;
wenn schon der quell der liebe quillt.
102;
ein strom der liebe ging
aus meiner liebsten herzen.
Rückert liebesfrühl. s. 45 (1, 61);
der liebe pfeil, flammen, altar:
bringet ihm (dem mai), in grünen schatten,
eure frühlingsopfer dar,
junge neuvermählte gatten,
auf der liebe festaltar.
Hölty 131 Halm;
denn in innrer brust da sticht
mich der pfeil der liebe.
Arnim Halle u. Jerus. 205;
ich hab dich geliebet und liebe dich noch!
und fiele die welt zusammen,
aus ihren trümmern stiegen doch
hervor meiner liebe flammen.
H. Heine 15, 111;
morgen, jugend, frühling, mai, wonnemond, herbst, winter der liebe; dasz er zurücke dachte, wie er in seiner blühenden jugend der liebe auch durch die spieszruthen gelaufen. Chr. Weise erzn. 78 Braune;
dem ewigen morgen der liebe entgegen.
Körner werke 2, 35;
der liebe frühling sei vorbei.
Göckingk lieder zweier lieb. 11;
frucht der liebe (verschieden von unten 3):
doch der väter feindlich zürnen
trennte das verbundne paar,
und die süsze frucht der liebe
hieng am abgrund der gefahr.
Schiller Hero u. Leander v. 19;
sorgen, freuden, glück, preis, kranz der liebe;
soll es denn einmal sein (soll ich sorgen haben), so kommt ihr, sorgen der liebe,
treibt die geschwister hinaus, nehmt und behauptet mein herz!
Göthe 2, 97;
der liebe freuden lasz dir schenken,
wenn du sie wahr empfinden willst.
47, 9;
der liebe glück der waare gleich zu achten,
worauf geboten werden kann!
Schiller don Carlos 2, 8;
die liebe ist der liebe preis.
ebenda;
als ich singen wollte zu der liebe preise.
Rückert liebesfrühl. s. 234;
des lebens kern blieb unberührt,
der liebe kranz ist unentlaubt.
s. 317.
i)
in der alten sprache wird das verhältnis zwischen liebe und minne bestimmt, und letztere als das dauernde liebesgefühl bezeichnet:
stætiu liebe heiʒet minne.
liebe, minne, ist al ein:
die kan ich in mînem sinne
niht gemachen wol zuo zwein.
liebe muoʒ mir minne sîn
immer in dem herzen mîn.
Lichtenstein 430, 1;
waʒ minne sî, vil liebiu vrouwe mîn, daʒ sage ich dir,
als ichʒ an der werlte bevunden hân:
liebe âne allen valschen wân,
swâ diu wirt von zweier herzen gir,
alsô daʒ ein man minne ein wîp vor allen wîben gar,
und daʒ si danne gelîche var.
minnes. 2, 163ᵇ Hagen;
dieser unterschied erlischt mit der späteren entartung des begriffs von minne und dem nachherigen erlöschen des wortes, und als das letztere im 18. jahrh. wieder auferweckt wird, steht es bisweilen mit liebe zusammen, aber ohne etwas begrifflich anderes zu bezeichnen, und nur alterthümelnd:
ein junger mann, der .. nie im styl der hohen minne
von seiner liebe spricht.
Wieland 18, 205;
er will die alten zeiten wieder bringen,
wo zarte minne herrschte, wo die liebe
der ritter grosze heldenherzen hob.
Schiller jungfrau 1, 2.
3)
liebe, mit betonung der geschlechtlichen lust: liebe zuͦn weiberen, mulierositas Dasyp.; ich .. warnte ihn vor den ausschweifungen in der liebe. Heinse Ardingh. 1, 294;
sieh auf den starken trieb, der uns zur wollust reiszet,
im freien wilde brunst, in menschen liebe heiszet.
Uz 1, 126;
in den verbindungen der liebe pflegen, spielen: kom, las uns gnug bulen, bis an den morgen, und las uns der liebe pflegen. spr. Sal. 7, 18; die czwey liebe .. darnach zuͦ vil manch malen .. sich mit groszen freüden pei einander der liebe zu spilen funden. Steinhöwel dec. 352, 20 Keller; mit einander der liebe spielten bisz an den liechten morgen. Bocc. (1580) 1, 52ᵇ;
waist du wol, heur im haberschnit
das der Hainrich pei dir lag
und der lieb mit dir pflag?
fastn. sp. 586, 18;
werke der liebe, von Göthe selbst in bezug auf pflanzen gebraucht: wie sie (die natur) dort mit unwiderstehlichem trieb und kräftiger anstrengung die blumen bildet, und zu den werken der liebe rüstet. 58, 23; frucht der liebe, ein kind, s. belege unter frucht th. 4¹, sp. 262; dem glücklichen geliebten, der die süsze frucht seiner liebe so heranreifen sähe. Heinse Ardingh. 1, 259; ein kind der liebe, ein auszereheliches;
ich bin so sehr nicht aus der art geschlagen (spricht Dunois),
dasz ich der liebe herrschaft sollte schmähn.
ich nenne mich nach ihr, ich bin ihr sohn,
und all mein erbe liegt in ihrem reich.
Schiller jungfr. 1, 2;
liebe von einem zaubermittel, durch das man geschlechtliche neigung zu andern verhindern und eine person gegen sich treu machen wollte: so man einem die liebe hat zu essen geben. Gäbelkhover arzneibuch (1599) 1, 363; dannenhero glaube ich schwerlich, dasz die redensart: einem die liebe zu essen oder zu trinken geben, vor war und gewisz zu halten. polit. stockf. 296.
4)
liebe, neigung zu eigenschaften, gütern, besitz, beruf u. ähnl.
a)
mit dem genitiv der geliebten sache: des menschen herze, daʒ da erfûlet ist von liebi der sünde. Germania 7, 349; lug das gott der korb und das wort sei, und nitt die lieby diszer welt. Keisersberg post. 3, 34ᵃ; liebe der zeitlichen ding, philargiria, amor temporalium rerum. voc. inc. theut. m 4ᵇ; ein reines herze, von aller dinge liebe gesondert, das ist des schepfers und göttlicher gewalt werk. Luther 3, 14ᵇ; die aus liebe des lohnes oder gutes, gott dienen. ebenda; und da er zur marter gieng, strafet er die, so verboten fleisch aszen, aus liebe des zeitlichen lebens. 2 Macc. 6, 20; liebe des gälts, amor argenti. Maaler 271ᵃ; liebe der kunst, oder der geschrift, philologia. ebenda; ich habe überhaupt von der liebe des vaterlandes (es thut mir leid, dasz ich ihnen vielleicht meine schande gestehen musz) keinen begriff, und sie scheint mir aufs höchste eine heroische schwachheit, die ich recht gern entbehre. Lessing 12, 127;
was nützt uns nuͦn grosz übermuͦt,
flaischliches lieb, und päses gut.
Schwarzenberg 115ᵇ;
wie wollt ich des lebens
weiche liebe strafen, und dir zum opfer sie bringen,
tod!
Klopstock 5, 183;
einst lebt, im alten Griechenland,
ein weiser, durch sein fasz bekannt,
den nichts von ihrer (der müszigkeit, als göttin Farniente personificiert) liebe trennte.
Gotter 1, 456;
in bezug auf thiere: (mein sohn) welcher gar ein aufsichtiger jäger ist, aber die zu viele lieb der hund hat ihn eingenommen. Schuppius 737.
b)
mit präpositionen, liebe zu etwas, wie in der neuern sprache vorwiegend gesagt wird: die liebe zur freiheit; liebe zum frieden; das sie die liebe zur warheit nicht haben angenomen. 2 Thess. 2, 10; wozu einer lust und liebe hat, das bescheert ihm gott. Simrock sprichw. s. 356;
lust und liebe zu einem ding
macht alle müh und arbeit gering.
ebenda;
für, gegen etwas:
die liebe für ein schimmernd erz
verdrängt der tugend liebe (oben a).
Gellert 2, 209;
gieb mir gesundheit, und verleih,
dasz ich sie nütz, und dankbar sei,
und nie, aus liebe gegen sie,
mich zaghaft einer pflicht entzieh.
213;
selten liebe in etwas: gewann innbrünstige liebe in das kloster, so fern, dasz er .. in demselbigen kloster ein mönch werden wolt. buch d. liebe 272ᶜ; mit infinitiv:
die liebe so zu leben (als soldat),
hat mir in meinen sinn von jugend an gegeben,
dasz ich mich was versuch.
Fleming 111.
c)
es heiszt aus liebe etwas thun (beispiele auch unter a und b), mit liebe etwas thun: alles, was in die jungen seelen eingetrichtert wird, was sie nicht aus eigner lust und liebe halten, haftet nicht, und ist verderbliche schulmeisterei. Heinse Ardingh. 1, 110; ein ding mit liebe und fleisz machen, amanter diligenterque aliquid conficere Maaler 271ᶜ;
freunde, treibet nur alles mit ernst und liebe; die beiden
stehen dem Deutschen so schön, den, ach! so vieles entstellt.
Göthe 1, 399;
drei schlösser sind in meinem gaue,
die ich mit liebe stets beschaue.
Uhland ged. 295.
5)
die liebe erscheint personificiert, das gefühl wird mehr oder weniger deutlich als ein wesen dargestellt.
a)
nach liebe 1, von gott: gott ist die liebe. 1 Joh. 4, 8;
gott ist die lieb, und will, dasz ich
den nächsten liebe, gleich als mich.
Gellert 2, 162;
von der nächstenliebe, die persönlich wirkend oder leidend gedacht ist: die liebe thut dem nehesten nichts böses. Röm. 13, 10; die liebe ist langmütig und freundlich, die liebe eivert nicht, die liebe treibt nicht mutwillen, sie blehet sich nicht. 1 Cor. 13, 4; die liebe wird nicht müde. v. 8.
b)
nach liebe 2, von der geschlechtsliebe:
diu liebe zuo der schœne sprach: ich bin gewert
vil maniges stolzen heldes und vil maniger werden vrouwen.
Bartsch deutsche liederd. (1879) 191;
einst wollten lieb und glück sich sichtbar überführen,
wer stärker sei, des menschen herz zu rühren.
Gellert 1, 277;
der leichtsinn trat sein amt mit eifer an,
das amt, der liebe vorzutraben.
292;
und die liebe, die blumen, der thau und die jugend vernahmens;
alle gingen sie weg, weinend, von Jupiters thron.
Göthe 1, 397;
die liebe ist ein guter jäger, sie läszt uns die freiheit wie den wilden vögeln, bis wir erwachsen sind. Arnim kronenw. 2, 50;
so steht dein bild auch klar und glatt
in unserm herzen auf jedem blatt.
und liebe bleibt zu unserm gewinn
ein beszrer zeichner als ich bin.
Göthe 47, 166;
liebe und noth hat kein gebot. Pistorius thes. par. 6, 88;
dasz du liebe blind solst sein,
wil mir gar nicht gehen ein.
Fleming 179;
wie hat der liebe gefürchteter arm
was nun die wärmere luft und meer und erde bewohnet,
nur dich nicht, stolze Dorinde, besiegt!
Uz 1, 12;
und wärens Alpen auch, so hat die liebe flügel.
Wieland 23, 60 (Oberon 7, 95);
seit aus der ehernen welt fliehend die liebe verschwand.
Schiller spaziergang v. 42;
meine liebe lebet zwar,
sagte Nantchen, immerdar.
Göckingk lieder zweier lieb. 139;
die lieb ist hingestorben,
stirb denn du mein herz auch hin!
125;
die alte liebe
hat man mit hohn zur thür hinausgestoszen
und laut verlacht ihr leises todeswimmern.
H. Heine 16, 39;
o wie kniet in tiefer kleinheit,
meine liebe neben dir!
Rückert liebesfrühl. s. 14 (1, 12);
die liebe thront, herscht:
hier herrscht die liebe!
Uz 1, 276;
sie hat eine herschaft (Schiller jungfr. 1, 2, s. die stelle oben unter 3), ein reich, ein land:
kein licht erglänzt auf flur und teich,
nur dieser lampe schimmer füllet
noch unsrer liebe kleines reich.
Uhland ged. 26;
auf des lieds melodscher brücke
stieg der geist zum alten glücke
in der liebe goldnes land.
Körner werke 1, 131;
die liebe lehrt, unterrichtet, zwingt, erzwingt:
was die liebe doch nicht lehrt!
Göckingk lieder zweier lieb. 47;
zwar die liebe trotzt barbaren
thränen für den kusz der hirtin ab.
127;
in der anrede:
führe denn, o liebe! meiner kammer
heut ihn wieder zu!
152;
wie sinnreich machen uns, o liebe, deine lehren!
Uz 1, 93.
6)
liebe, für die geliebte person.
a)
deine, eure liebe in der ältern sprache als anrede und titel (vgl. liebden sp. 916); an zuhörer: derhalben laszt es ewer lieb nicht verdrieszen ... Garg. 25ᵇ; ir christlichen bergkleut, meine geliebten freunde und pfarrkinder. heut ein jar haben wir ewere liebe von der alten bergkstadt Sarepta berichtet. Mathes. Sar. 6ᵇ;
wies kindt zuonam in sinen tagen
wirt üwerer lieb ein andrer sagen.
trag. Joh. A 5;
an verwandte oder befreundete standespersonen: do hat der kaiser herrn Johannsen Wörnhern ganz genedigist angehört und ine furderlichen mit dem bevelch, wie herzog Sigmund den heirat abrede, hab sein lieb gut macht, ir majestat wels auf derselben gefallen gern zulassen und bewiligen, widerumb abgevertiget. Zimm. chron. 1, 494, 16; hochgeborner, lieber ohaim und churfurst! wir haben deiner lieb furgeschrift .. verstanden. 2, 101, 21; darauf fuegen wir deiner liebe zu vernemen. 101, 27; wolten wir deiner liebe nit verhalten. 102, 3;
die götter wöllen eur lieb gebn
und mir, das wir die freud erlebn,
dasz wir die hochzeit richten an.
J. Ayrer 43ᵇ (230, 18 Keller);
herr Balthasar, jhr seit glöset ausz.
wenn eur lieb will heim zu hausz,
so soll es ihr vergünnet sein (der könig zu einem gefangenen
fürsten).
184ᵈ (919, 15);
es heiszt noch heute meine brüderliche liebe, meine schwesterliche liebe für mein bruder, meine schwester, wenn man sie in halb scherzhafter wendung auszeichnend nennt.
b)
liebe, auf die geliebte bezogen: und der liebesengel trüge diese melodie zu den ohren meiner liebe. Klinger theat. 2, 130;
was andern herzens-wonn, ist mir nur herzens-leid,
dann meine lieb ist längst zu grabe weg getragen.
Logau 2, 135, 84 ('in person eines wittibers');
das, was dich dränget, süsze lieb,
ist volle wonn und seligkeit,
die dir in éinem ist bereit.
Göthe 13, 131;
eine liebe hat ich, sie war mir lieber als alles!
aber ich hab sie nicht mehr! schweig, und ertrag den verlust!
1, 350;
zieren würde sie
den ersten thron der welt — doch sie verschmäht ihn,
nur meine liebe will sie sein und heiszen.
Schiller jungfrau 1, 4;
und wärst du selbst die niedrigste geboren,
du müsztest dennoch meine liebe sein.
braut von Messina v. 1153;
wenn sich der held für seines landes freiheit
verwegen aus dem arm der liebe reiszt.
Körner werke 3, 23 (Zriny 2, 1);
in bezug auf den geliebten: leite mich irgend ein strahl zu dem orte, wo meine liebe ruht, von den beschwerden der jagd, sein bogen neben ihm abgespannt, seine hunde schnobend um ihn! Göthe 16, 167 (Ossian, auch im engl. my love);
um den geliebten
aus deinem arm zu reiszen und mit ihm,
der meine liebe war, eh du ihn sahst,
in glücklichere länder mich zu flüchten.
Schiller Turandot 5, 2;
in verbindungen, wie du bist meine erste liebe! versicherung unter liebesleuten; sich eine neue liebe suchen;
am donnerstag vergehn die triebe;
am freitag sucht er neue liebe.
Hagedorn 3, 32.
7)
liebe in gleicher bedeutung des neutrums lieb 1, sp. 911, das was zur liebe, zum wolgefallen gereicht, ist, wie mhd., so auch nhd. entwickelt, indes nicht häufig; und die gleichheit beider worte in einzelnen formen macht einige der folgenden beispiele zweifelhaft (vgl. a. b).
a)
der gegensatz ist mhd. das fem. leide (vgl. sp. 657):
diu liebe und diu leide (was mir liebes uud leides geschehen)
die wellen mich beide
fürdern hin ze grabe.
minnes. frühl. 129, 33;
die nhd. formel in lieb und leid gehört wahrscheinlich zum neutr. lieb und nicht hieher, obschon dem sprachgefühl der neuern, da dieses neutr. lieb nicht mehr lebendig ist, nur das fem. liebe vorschwebt; Logau hat in lieb und leide:
liebe! wie du pflegst zu lieben: lebe! dasz dich mancher neide:
aber stets der himmel (gen. plur.) liebe: wüntscht ein freund in lieb und leide.
3, 85, 48;
der gegensatz in anderer weise hingestellt:
wir fürchten das der tod uns schaid,
und bald ausz lieb werd machen laid.
Schwarzenberg 145ᵇ;
für leid steht schmerz:
verknüpf jhr beider (der neuvermählten) herzen
mit deines geistes band,
das sie in lieb und schmerzen
sich halten bei der hand.
Wackernagel kirchenl. 4, 927, no. 1368.
böse liebe, das gegentheil von etwas liebem, etwas unangenehmes, leides: i. f. g. sollten dem fürstentag beiwohnen. es hatten aber i. f. gnaden böser liebe sorge, weil sie bei i. kaiserl. maj. hart waren angegeben worden. Schweinichen 2, 95.
b)
die formel zu liebe ist so mit zu lieb (sp. 911) übereinkommend, dasz auch hier ein ursprünglicher dativ des neutr. lieb vorliegen kann: ihre beständige bemühung den schauspieler aufmerksam .. zu erhalten, ihm etwas zu gute oder zu liebe zu thun. Göthe 19, 187;
dem zu liebe königskinder
trugen ihres vaters zorn.
Uhland ged. 284;
sag ja! thu mirs zu liebe,
sag: ja, mein kind!
Halm sohn der wildnis (1843) s. 7;
aber auch hier wird das fem. liebe verstanden und in den älteren wörterbüchern (z. b. bei Steinbach, Frisch) ausdrücklich gesetzt, wie denn auch schriftsteller statt zu liebe gelegentlich auch zur liebe verwenden: mit vielen getichten, so er (Frauenlob) zur liebe desz frauenzimmers aufgesetzt. Hoffmannswaldau übers. u. ged., vorrede.
c)
nur das fem. liebe dagegen liegt vor in der verbindung einem eine liebe erweisen, thun: thu mir die liebe! favorem hunc mihi praesta. Frisch 1, 612ᶜ; ich that ihr die liebe und ging in den laden. Göthe 24, 282;
thut uns die liebe, herr, und kommt zur sache!
Platen 308;
vgl. mhd.: vaste er in zuo im gevie,
als ins diu freude niht erlie,
von liebe diu im geschach,
wan er in starc und guot sach.
Erec 4911;
in der verbindung liebe und treue: so lege deine hand unter meine hüften, das du die liebe und trew an mir thust, und begrabest mich nicht in Egypten. 1 Mos. 47, 29.
d)
mit keiner lieb für sonstiges mit keinem lieb (sp. 912): für den nächsten planeten nach dem Mars hat man von den ältesten zeiten an bis vor wenig jahren den Jupiter gehalten, und war mit keiner lieb zwischen ihnen noch ein anderer zu entdecken. Hebel 3, 172.
8)
liebe, pflanzenname.
a)
brennende liebe, lychnis chalcedonica, lichtröslein. Nemnich 3, 467. b) schöne liebe, gnaphalium arenarium, gelbes ruhrkraut. 3, 61. c) liebe im nebel, passiflora foetida.
9)
nach den bedeutungen von liebe kann ein plural nur selten vorkommen, etwa im sinne der arten zu lieben: eine liebe, die anders ist, als alle lieben in der welt. Hippel 1, 249; auch ist der unterschied aller arten von lieben (quod demonstrandum erit) kleiner, als es scheint, und besteht nicht im gegenstand (denn alle liebe bezieht sich blos auf liebe), sondern in der lebhaftigkeit und dauer. J. Paul lit. nachl. 3, 71.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 917, Z. 10.

lieben, verb.

lieben, verb.
amare, diligere; ein wort das heute einen andern sinn hat, als in der ältern sprache.
I.
lieben im alten sinne.
1)
das ahd. besitzt, als ableitung vom adj. liub liob, das verbum liuban galiuban in der grundbedeutung lieb, wert, angenehm machen, glossirt commendare, probare, persuadere, altnfr. als gelievon delectare ps. 64, 9 auftretend, welches sich im mhd. lieben fortsetzt:
wol mich daʒ ich si ie sô stæte vant!
swâ si wonet, diu eine liebet mir daʒ lant.
minnes. frühl. 182, 23;
so im gegensatz zu leiden leid, verhaszt machen:
herre got, durch dîner lieben muoter êre,
leide si mir, alder liebe ir mich (mache mich der geliebten
lieb).
minnes. 1, 303ᵃ Hagen;
und swer in daʒ spil leiden wil,
weiʒ got der liebet in daʒ spil.
Trist. 447, 34;
gern reflexiv, sich lieben sich angenehm, freundlich erweisen:
die ritter heten einen site,
da liebtens sich den frouwen mite.
Helmbrecht 926;
was sich auch noch später erhält:
er liebet sich Fridraunen
mit lachen und mit raunen.
fastn. sp. 452, 7;
sich zu einem lieben, sich freundlich zu einem stellen:
wöllen ir dan feintschaft zuͦ im üben,
so er sich gern wolt zu euch lieben.
Murner luth. narr 1247;
oft mit dem beisinn des schmeichelns und zuthunlich machens: und wenn ein Kriech (Grieche) zum tempel (des Diomedes) kam, so liebten sich die fögel zu im, wen aber ein anderer kam, der nit ein Kriech was, so schussen sie uff in, als wolten sie in erstechen. Keisersberg emeisz 42ᵇ;
daʒ er mit valschem chunderfait
nicht liebte sich den fürsten zue.
Suchenwirt 15, 183;
ein esel sach wie ein kleins hündlin von einem herren erzogen sich teglich liebet gegen dem herrn. Steinhöwel (1555) 33; ist wie ein hündlein, so gegen dem sich liebet, der ein stück brod oder fleisch hat, dʒ er sein theil bekomme. Lehmann 1, 507;
Herodias wirt sich mächtig uͤben,
und gegem künig hüpschlich lieben.
trag. Joh. k vij.
2)
auch die bedeutung des erfreuens, ergetzens, wolthuns ist mhd. entwickelt: minnet iwer vîente unde liebet die die iuch haʒʒent. fundgr. 1, 118, 6;
liep, mich liebe alsô,
daʒ mich leit verstiebe.
minnes. 1, 353ᵃ Hagen;
dar zuo sô liebet er ouch sî
swâ mite er ouch möhte.
arm. Heinrich 328;
was in dem späteren sich erlieben haftet, vgl. th. 3, 904; das im Wallis gehörte erlieben heiszt vergelten, eine gegengefälligkeit erwidern Stalder 2, 172.
3)
intransitives lieben erscheint als liuban ahd. bei Otfrid in der bedeutung wolthun (vgl. Lachmann zum Iwein 4194):
giuuisso uueiʒ thaʒ unsêr muat,   uuio got thên suntîgên duat,
thaʒ er ze sâr ni hôrit,   ouh uuiht sih zi in ni kêrit;
er avur themo liubit,   ther sînan uuillon uabit.
3, 20, 153;
sonst aber ahd. (commendatur kiliubit Schlettstädter glossen in Haupts ztschr. 5, 353, 15), sowie namentlich mhd. und später für lieb sein, wert sein, gefallen, behagen, in mehreren fügungen (vgl. auch die verbindung mit dem gegensatze leiden oben sp. 668, ferner belieben und gelieben).
a)
eine person liebt einem:
liep, du liebest mir,
lieb, in rehter liebe,
liep, nu lâ mich lieben dir,
sît daʒ liep mit liebe lieber wirt.
minnes. 1, 353ᵃ Hagen;
do ich euch von erst sahe, ir mir ob allen mannen liebet. Steinhöwel dec. 624, 30 Keller; seins gesellen braut .. im in solicher masz lieben und gefallen ward daʒ in bedaucht er mit augen sein tage schöner züchtiger wolgeschickter frawen bild nye mer gesehen het. 627, 21; wo dir mit den deinen gefallen wil bei mir zu bleiben, ich dich mit sampt deinem son und wer dir liebt, aufnemen wil. b. d. liebe 231ᵇ; hastu ein weib, das dir liebet, so las dich nicht von jr wenden. Sir. 7, 28;
herr richter, ich klag uber mein man,
der ganz kein genug an mir wil han.
im lieben ander frauen mer.
fastn. sp. 541, 13;
mir liebet mein allerliebste frau
für schwimen über die Thunau;
sie liept mir mer, denn steigen auf den Luginslant,
und liept mir mer, denn ein lausiges gewant ...
633, 7;
di alten man mit groen (grauen) perten
die lieben mir nit als ser im herzen,
als wenn di jungen mit mir scherzen.
738, 7;
sie liebet mir ganz inniglich,
die allerliebste mein.
Gödeke u. Tittmann liederb. s. 25, no. 19, 5;
ir liept mir ob allen,
die weibs nammen gewunnen.
Zimm. chron. 4, 317, 22;
dise junge fraw .. sich eines jungen hübschen knaben unterwant, der ir zuͦ sölchen sachen liebet und gefiele. Steinhöwel dec. 435, 20 Keller.
b)
eine sache liebt einem: wann man uns ein ding verbeut, so liebet es uns erst. Pauli schimpf (1546) 59; und ich erkenne dich eines edelen gemüts. darum liebet mir deine gesellschaft. der alten weisen exempel (Frankf. 1565) 99ᵃ; liebt üch min dienst nit, so wil ich .. das hus raumen. Ulensp. s. 94 Lappenb.; wem das gelt liebet, und nach seinem nutz trachtet. Luther 5, 421ᵃ;
sînen swertgenôʒen,   den gap dô vil sîn hant:
dô liebte in diu reise,   daʒ si kômen in daʒ lant.
Nibel. 40, 4;
die glaten antlitz lieben den weiben.
fastn. sp. 703, 3,
dem wisen liebt einfaltikeit.
Brant narrensch. 18, 30;
mir lieben vor all newe fünd.
H. Sachs 2, 2, 48ᵃ;
lüstet dich nach einem fische,
den die Pleisze geben kan,
er sol bald stehn auf dem tische.
liebet dir ein feister hahn,
der im hof ist worden jung?
hier giebts solches viehs genung.
Fleming 424;
dir aber liebet nicht das unbefreite freien.
Logau 1, 191;
ja, ja; nein, nein; sind complimenten, die Christus christen fürgeschrieben:
wann Christus nur in Frankreich käme, so würd ihm bald ein andres lieben.
3, 15, 57;
etwas sich lieben lassen: weil er im böse sachen lieben und gefallen liesz. M. Neander vom sel. absterben s. 35.
c)
mit allgemeinem es, das, was: herre .. tuͦt mit mir was euch liebet. Steinhöwel dec. 338, 3 Keller; darumb ist mein gefallen, wo es euch liebet, ir thetens mir zu gefallen und sagten newe historien. Bocc. 1580 1, 10ᵇ; also hat es mir geliebt vom magneten zu schreiben. Paracelsus 1590 7, 107;
noch stuonden bî einander   die künege tohtre rîch:
daʒ liebet an ze sehene   manegen recken lobelîch.
Nibel. 548, 4;
si (die pfaffenweiber) sint als ein durcheler sac: ...
ich enweiʒ waʒ den phaffen an in liubet.
altd. blätter 1, 236, 746;
was ich hab uszerlesen,
das liept aim andern auch.
Zimm. chron. 4, 328, 19;
dorte liegen auch die kegel.
liebt dirs, nimm es an mit mir.
Fleming 426;
ohne das allgemeine subject: do nun die sonne in die höche gestigen was und der künigin liebet, sich wider zu hausz wercz füget. Steinhöwel 545, 13 Keller; man dem apt zu wissen thet, wenn ihm liebet, er auch gehen möchte. Bocc. 1580 1, 32ᵃ;
es war auch darauf (auf ein grab) gehauen
zimlich gros, und zierlich schön,
das wem liebete zu schauen,
solches könte merklich sehn.
Reinecke fuchs (1650) 51.
d)
statt des persönlichen dativs ein acc.:
und im danz,   werf sie herumb wie ein küschwanz (die mädchen),
das posteriora illis   börzelen wie heszlichen villis.
alszdann so oft dich liebet,   dich schmützelen küssele jubet.
Garg. 162ᵃ,
mit anklang an das lat. lubet, worauf auch der reim hinweist.
II.
das neuere lieben. lieben im heutigen sinn hat mit dem vorigen (I) von anfang nicht die gleiche form, auch nicht die gleiche nähere abstammung gemein, insofern es nicht direct auf das adj., sondern auf das subst. liebe zurückzuführen scheint, wie das sinnverwante minnen auf minne. in der alten sprache ist es ein ganz ungewöhnliches wort, da für den begriff ahd. minneôn, minnôn, mhd. minnen durchaus gebraucht wird: ahd. begegnet einmal in den Keronischen glossen amavit mineôd, dilexit liupôt (Steinmeyer u. Sievers ahd. glossen 1, 81, 1), auch mhd. nur vereinzelte beispiele (Ben.-Müller 1, 1016ᵇ). es entfaltet sich erst unter einwirkung davon, dasz minnen, wie sein subst., im 15. jahrh. einen verfänglichen sinn angenommen hat und sich darum für den ausdruck eines edleren gefühls nicht mehr geeignet erweist. immerhin zunächst als ein nur gewählter sprache eigenes wort, denn bei vermeidung des älteren wortes umschreibt man amare gewöhnlich noch durch lieb haben (sp. 906): amare liep haben Dief. 27ᶜ; diligere lieb haben, liefhain, nd. lef habben 182ᵃ; amo ich lieb han, amor ich wird lieb gehebt gramm. d. 15. jh. bei Schm. 1, 1414 Fromm., wie denn noch heute die mundarten sich gegen lieben spröde verhalten und lieb haben, gern haben bevorzugen (vgl. z. b. fürs bairische Schm. a. a. o., fürs niederdeutsche brem. wb. 3, 58). das aufkommen der neuen bedeutung von lieben verdrängt die alte (oben I) ziemlich schnell, so dasz schon die wörterbücher des 16. jh. sie vergessen haben, obwol für einzelne verbindungen beispiele noch aus dem 17. jahrh. zu geben waren, in denen die anwendung durch das heute noch gewöhnliche belieben gestützt wurde. lieben in verschiedener anwendung, vgl. dazu oben das subst. liebe.
1)
von der liebe gegen gott und die menschen, auch der liebe gottes gegen seine geschöpfe, mit dem acc. der person: darumb das der herr sein volk liebet. 2 chron. 2, 11; der herr liebet die gerechten. ps. 146, 8; welchen der herr liebet, den straft er. spr. Sal. 3, 12; ich hab dich je und je geliebet, darumb hab ich dich zu mir gezogen. Jer. 31, 3; das du den herrn deinen gott fürchtest, das du in alle seinen wegen wandelst, und liebest jn. 5 Mos. 10, 12; das jr den herrn ewrn gott liebet. Jos. 22, 5; wir wissen aber, das denen, die gott lieben, alle ding zum besten dienen. Röm. 8, 28; liebet ewre feinde. Matth. 6, 44; das sie die jungen weiber leren züchtig sein, jre menner lieben, kinder lieben. Tit. 2, 4; das jr euch unternander liebet, wie ich euch geliebet habe. Joh. 13, 34; einanderen lieben, gleichlig lieb haben, mutuis animis amare Maaler 271ᶜ; ein knecht, der gott nicht liebet, der liebet auch seinen herrn nicht recht. Schuppius 351; ich bin mit vielen groszen männern bekandt gewesen, welche mich geehret und geliebt haben. 263; es ist wahr, herr Just spricht für seinen herrn, und ein wenig hitzig. aber daran thut er recht; ich schätze ihn um so viel höher; ich liebe ihn darum. Lessing 1, 513;
wer mich lieb hat, den lieb ouch ich.
Brant narrensch. 22, 17;
las uns empfinden der liebe brunst,
das wir uns von herzen einander lieben.
Luther 8, 360ᵇ;
die ihn liebte,
salbt ihn gar schön in Simons haus.
P. Gerhard 31, 21 Gödeke;
nu, sie gieng hin, thäts denen kund,
die mit ihr Jesum liebten.
56, 170;
hör an, ich habe viel vermögen,
und eine tochter nur, die lieb ich ungemein.
Gellert 1, 230;
wer dich nicht liebt, kömmt ins gericht.
wer nicht dein wort hält, liebt dich nicht.
2, 133;
den gott der liebe werd ich sehn,
ihn lieben, ewig ihn erhöhn.
229;
ja, mir ahnet schon,
wir werden uns wie herzensfreunde lieben.
Schiller braut von Messina v. 559;
sich selbst lieben; dieser mann liebt nur sich; wer sich selbst liebt, den hassen viel. Schottel 1115ᵇ; vgl. auch eigenliebend, selbstliebend;
gott ist die lieb, und will dasz ich
den nächsten liebe, gleich als mich.
Gellert 2, 162;
ich weisz, dasz alle männer treulos sind,
nichts lieben können, als sich selbst.
Schiller Turandot 3, 2;
im gegensatz zu hassen: jr habt gehört, das gesagt ist, du solt deinen nehesten lieben, und deinen feind hassen. Matth. 5, 43; niemand kan zweien herrn dienen, entweder er wird einen hassen, und den andern lieben, oder wird einem anhangen, und den andern verachten. 6, 24;
so jemand spricht: ich liebe gott!
und haszt doch seine brüder,
der treibt mit gottes wahrheit spott.
Gellert 2, 162.
2)
von der liebe zu einer person des andern geschlechts, ebenfalls mit persönlichem acc.: aber der könig Salomo liebete viel auslendischer weiber. 1 kön. 11, 1; jren man lieben, das gesinde vleiszig regieren, und sich selbs züchtiglich halten. Tob. 10, 13; jr menner, liebet ewre weiber. Eph. 5, 25; ich hatte gerad sechs (jungfern), die mich liebten und ich sie hinwiderum, doch hatte keine mein herz gar oder mich allein. Simpl. 1, 323 Kurz; ja ich fühle .. dasz sie mich liebt! Göthe 16, 53; du liebst mich! rief er aus: Ottilie du liebst mich! 17, 136; ich liebte meinen gemahl und war geliebt. Klinger 1, 357; ich will nichts von ihrer schönheit sagen; genug, Brankas liebte sie wie den ruhm. 2, 10;
der ehleut (wolle gott) gnedig walten
die da gott fürchtig sein,
sich lieben, und darneben
recht thun.
Wackernagel kirchenl. 4, 926ᵇ;
ein jeder lobe seinen sinn,
ich liebe meine schäferin.
Opitz 2, 191;
und vermeld ihm (dem neuen geliebten) auf dem platze:
dieser hat mich auch geliebt.
Günther 277;
denn unsre weibchen kosten viel,
wenn sie uns lieben sollen.
Uz 1, 116;
frei von furcht, zu grosz zum neide,
lieb ich, ewig lieb ich sie!
Göthe 1, 51;
ich liebe sie, sie liebet mich,
doch keines sagt: ich liebe dich.
Uhland ged. 24.
mit zusätzen der art und des grades: einen sehr, unaussprechlich, über alle maszen, glücklich, unglücklich lieben; wie beneid ich dich dasz du mich so sehr und so viel ruhiger und glücklicher lieben kannst. Göthe an frau v. Stein 3, 57; ich liebe dich herzlich und habe von dir geträumt. 196; dasz ich .. dir sagen kann, wie unendlich ich dich liebe. 194; ich bin bei dir und liebe dich über alle worte. 197; ich liebe dich mit lebhafter innig bleibender liebe. 162; deine liebe zu mir ist grosz, aber du liebtest mich gewiss noch höher, wenn ich erst etwas recht ritterliches gethan hätte. Arnim kronenw. 1, 181;
wie sehr ich sie musz lieben.
Opitz 2, 189;
zu innig liebt er dich.
Schiller Turandot 5, 2;
o mädchen, mädchen,
wie lieb ich dich!
wie blickt dein auge!
wie liebst du mich!
Göthe 1, 81;
ich hab es dir immer gesagt,
dasz ich dich unsäglich liebe.
H. Heine 15, 149;
im gegensatz zu hassen:
wie könnt ich glücklich sein, wenn sie mich haszt!
zu zärtlich lieb ich sie.
Schiller Turandot 2, 4;
ja, wisse,
dasz ich dich nie geliebt, dasz ich dich hasse.
5, 2;
ich hasse dich, und liebe Helena.
Shakesp. sommernachtstraum 3, 2;
that I do hate thee, and love Helena.
3)
auch ein allgemein sächliches object kann sich auf eine person im allgemeinen beziehen:
etwas lieben und entbehren,
ist ein schmerz, der heimlich quält;
wenn die blicke zungen wären,
hätten sie dir längst erzehlt:
was dein wesen, kluges kind,
über mich vor macht gewinnt.
Günther 252 ('als er das, was er liebte, entbehren muste');
ich liebe nur, was mich vergnügt,
nicht, was nach gelde kirrt.
257;
vgl. dazu: dich liebt ich, wie ich nichts zuvor geliebt,
da du noch eine fremde für mich warst.
Schiller braut von Messina v. 2542;
und geliebtes für die geliebte unten 6, c.
4)
statt des persönlichen subjects wird das herz, die seele als liebend angeführt: sage mir an du, den meine seele liebet. hohel. Sal. 1, 7; ich sucht des nachts in meinem bette, den meine seele liebet. 3, 1;
dir, die so zärtlich meine seele liebet.
Stolberg 1, 32;
ich thät den schleier an,
ach, liebte nicht mein junges herz
den besten, schönsten mann.
66.
5)
das persönliche object ist, wenn das verbum einen allgemeinen bezug hat, ausgelassen.
a)
bei lieben im sinne von oben 1: es spricht st. Augustinus: die sel ist mer da sie liebt, dann da sie lebt. Keisersberg pred. 11ᵃ; denn welcher on alle masz liebet, der lebt itzt nicht bei sich, sonder in dem das er liebt. S. Frank mor. encom. 75ᵇ; derhalben sage ich dir, jr sind viel sünde vergeben, denn sie hat viel geliebet; welchem aber wenig vergeben wird, der liebet wenig. Joh. 7, 47; meine kindlin, laszt uns nicht lieben mit worten, noch mit der zungen, sondern mit der that und mit der warheit. 1 Joh. 3, 18;
wahr ist es, du vermagst es nicht,
stets durch die that zu lieben.
doch bist du nur geneigt, die pflicht
getreulich auszuüben,
und wünschest dir die kraft dazu,
und sorgst dafür: so liebest du.
Gellert 2, 163.
b)
bei lieben im sinne von oben 2: lebe wohl und liebe. Göthe an frau v. Stein 3, 124;
wee dem der liebt, und liebt umbsunst,
findt keine huld, find keine gunst,
was hilfet jhn sein trewe?
P. Melissus bei Opitz (1624) 170;
niemand ist mir zu gleichen,
und liebt er noch so sehr.
Opitz 2, 189;
wer gar nicht lieben kann, der wisse, dasz an statt
der leber er faul holz, und einen bofist hat.
Fleming 155;
lebt, liebt und scherzt nach art der tauben.
Günther 223;
geh! bring ihr die empfindung bei,
warum sie jung und artig sei,
und wenn und wie man lieben solle!
238;
lehre mich lieben, wie sie liebte!
Stolberg 2, 66;
lasz sie nur lieben, und lasz du uns tanzen!
schmachtende liebe vermeidet den tanz.
Göthe 1, 29;
der ich, wie sonst, in sonnenferne
im stillen liebe, leide, lerne.
an frau v. Stein 3, 450;
verstands den blättern abzufragen:
er liebt, liebt nicht — der bösewicht!
Fr. Kind gedichte;
im gegensatz zu verlieben:
wallt dein blut von jugendtrieben,
lerne von mir deine pflicht:
lieben kannst du, du kannst lieben;
doch verliebe dich nur nicht.
Lessing 1, 43.
in erweiterter fügung:
er liebt ja, denk ich, her in diese stille,
und solltest du nicht in die ferne reichen?
Göthe 2, 10;
der treuste wolkenbote selbst zerstiebt,
eh er die fern erreicht, wohin man liebt.
51, 235;
reflexiv und unpersönlich:
so treue Fulvia, so liebt sichs ohne schmerzen.
P. Fleming 633;
von dingen, die als wesen gedacht werden:
wenn unser herz erwacht, dann scheint was uns umgiebet
in die empfindungen, wovon wir glühn, versenkt;
in des verliebten auge liebet
luft, wasser, baum und kraut.
Wieland 17, 139 (Idris 3, 11).
6)
gebrauch des infinitivs und der participien.
a)
der infinitiv in substantiver verwendung: lieben, hassen, streit, fried, hat seine zeit. pred. Sal. 3, 8;
nichts, nichts hat dich getrieben
zu mir vom himmelszelt
als das geliebte lieben,
damit du alle welt ..
so fest umfangen hast.
P. Gerhard 26, 35 Gödeke;
an dir will ich mein lieben
bis in mein sterben üben.
100, 15;
es seint vil, die meinen, lieben kumm allein aus den augen. Bocc. 1535 92ᵃ (amor solamente dalgi occhi accesso);
secht an, und merket eben
die vöglin ohne ruh,
wie sie jhr kurzes leben
mit lieben bringen zu.
P. Denaisius bei Opitz (1624) 169;
ein andrer, von dem pfeil des liebens angeschossen.
Caniz 99;
das rechte leben steckt im lieben,
und in vertrauter lustbarkeit.
Günther 217;
o welch ängstliches betrüben
bringt ein lieben
sonder hoffnung schöner gunst!
248;
verflucht nicht, ihr mägdgen, mein flüchtiges lieben!
258;
ein mädchen, das von treu bewegt,
auf mich ihr lieben richtt.
Fr. Müller 1, 219;
doch alle (winde und wasser) verwehn und verrinnen ja nicht:
so ewig mein quellendes lieben auch nicht.
Bürger 34ᵃ;
meine muse sah es auf der trüben
tafel der vergangenheit geschrieben:
eins mit deinem lieben!
Schiller geheimnis der reminiscenz;
das eigensinnig heftige begehren,
das nennen sie (die männer) ihr lieben und verehren.
Turandot 3, 2.
b)
das part. des präsens liebend, in mehrfacher stellung.
α)
von personen, participial, adjectiv, adverbial: ich sehe aus jeder zeile den mich herzlich liebenden freund; dein dich liebender vater, bruder u. s. w., in briefschlüssen; vielleicht sind es immer dieselben schauspieler auf erden, die aber immer in neuen stücken auftreten, immer geübter, liebender, immer geschickter lügend, bis endlich der ganze schein zur wahrheit wird. Arnim nov. 3, 52;
blumenduft den hungernden,
worte, wenn ich liebend brenn.
kronenw. 2, 143;
was stehn wir hier noch feindlich geschieden,
da die fürsten sich liebend umfassen?
Schiller braut von Messina v. 525;
und wenn sie liebend nach mir blickt.
Göthe 1, 20;
ein liebend weib, ein freund, und eine hütte.
Wieland 23, 81 (Oberon 8, 18);
so wie im tanze
bald sich verschwindet,
wieder sich findet
liebendes paar.
Göthe 1, 121;
raum ist in der kleinsten hütte
für ein glücklich liebend paar.
Schiller parasit 4, 4;
doch nahte sich ein liebend paar.
mädchen aus der fremde.
β)
substantiv, der liebende, die liebende, einer oder eine die da liebt:
lasz (himmel) nicht geschehn, dasz ihn die grausame
gewinne, und die liebende verliere!
Schiller Turand. 2, 4;
der liebende, der liebhaber eines mädchens, einer frau: lebe recht herzlich wohl und liebe den liebenden. Göthe an frau v. Stein 3, 17; die welt erscheint dem liebenden wie eine veränderliche zugabe zu dem geliebten stoffe, dem einzig ein ewiges leben gebührt. Arnim nov. 3, 66;
noch liebt sie nur den liebenden! dem fremdling,
dem namenlosen hat sie sich gegeben.
Schiller braut von Messina v. 622;
hier im stillen gedachte der liebende seiner geliebten.
Göthe 2, 131;
ein liebender liegt dir zu füszen.
12, 239;
doch auch der verehrer einer weisheit, einer lehre (nach lieben unten 7): dich teutscher poeterei liebenden. Neumark lustwäldchen, vorrede;
schüler macht sich der schwärmer genug, und rühret die menge,
wenn der vernünftige mann einzelne liebende zählt.
1, 352.
der plur. liebende heiszt auch ein liebespaar, geliebter und geliebte: ich habe freunde gesehen, geschwister, liebende, gatten, deren verhältnis durch den zufälligen oder gewählten hinzutritt einer neuen person ganz und gar verändert. .. wurde. Göthe 17, 12; aber die liebenden achteten nicht des rufes. Arnim nov. 3, 52; ich kann nicht leiden, wenn liebende so gequält werden. 115;
sie, die sich, hart bedroht, als liebende, geküszt,
die küszten sich nunmehr erlaubt als ehegatten.
Gellert 1, 188;
der tod trennte die liebenden nicht.
Stolberg 1, 430;
höre, mutter, nun die letzte bitte:
einen scheiterhaufen schichte du;
öffne meine bange kleine hütte,
bring in flammen liebende zur ruh!
Göthe 1, 250;
fromm sind wir liebende, still verehren wir alle dämonen.
263;
lasz uns beide das fest im stillen freudig begehen!
sind zwei liebende doch sich ein versammeltes volk.
275;
immer allein sind liebende sich in der gröszten versammlung.
313;
ein schauspiel für götter,
zwei liebende zu sehn.
10, 291;
die laube,
wo sich fürs leben ..
liebende geben.
12, 76;
kein tag entstieg dem meer und sank hinunter,
der nicht zwei glücklich liebende vereinte.
Schiller braut von Messina v. 790.
γ)
liebend zu den organen des menschen gestellt, die als sitz der liebe gedacht werden oder sie ausdrücken (vgl. dazu oben II, 4):
doch unbefriedigt sucht sein liebend auge sie.
Wieland 23, 228 (Ober. 11, 47);
blicke mir, meine Dora, blicke wehmuth
mir ins liebende herz!
Stolberg 1, 39;
ein liebend herz ist all mein gut,
das sucht kein bösewicht.
Uhland ged. 24;
zu seelenregungen und seelischen äuszerungen: wessen umarmung hab ich ausgefüllt mit der liebenden gewisheit, dasz er nichts seligeres umfassen könne? Göthes briefwechsel mit e. kinde 3, 207; die schwärmerische zuneigung der unglücklichen, frühe schon mit liebendem wahnsinn geplagten erbin Spaniens, der schönen Johanna. Arnim nov. 3, 12; die reiche erfindung meiner liebenden laune. 33;
liebet in lust,
tönet in fülle,
mir ist bewust
liebender wille.
kronenw. 2, 306;
wo die liebende zähre rinnt,
die des fliehenden geists trüberem aug entfiel.
Hölty 94 Halm;
zu personificationen: das strahlennetz der wärme, welches mütterlich liebend die luftschwimmende erde umspannt. Arnim päbstin Johanna 1;
jeder günstige augenblick,
den mich ein liebendes geschick
von grundaus läszt genieszen.
Göthe 1, 114;
erbarmt euch, ihr liebenden sterne!
Körner werke 2, 14.
c)
das part. des präteritums geliebt, zum ausdruck des passivs: wer aber der gerechtigkeit nachjaget, der wird geliebet. spr. Sal. 15, 9; wer mich aber liebet, der wird von meinem vater geliebet werden. Joh. 14, 21; wiewol ich euch fast seer liebe, und doch wenig geliebet werde. 2 Cor. 12, 15; welche aber gleubige herrn haben, sollen die selbigen nicht verachten (mit dem schein) das sie brüder sind, sondern sollen viel mehr dienstbar sein, dieweil sie gleubig und geliebt, und der wolthat teilhaftig sind. 1 Tim. 6, 2; wie verwöhnt ich bin, fühle ich erst jetzt, zehn jahre mit dir zu leben, von dir geliebt zu sein und nun in einer fremden welt. Göthe an frau v. Stein 3, 293;
er ist beglückt genug
dasz er sie lieben darf, und o! in jedem zug,
in jedem keuschen blick, dasz er geliebt ist, lesen!
Wieland 23, 99 (Oberon 8, 47);
und doch, welch glück geliebt zu werden!
und lieben, götter, welch ein glück!
Göthe 1, 76;
adjectivisch und substantivisch: weil ich .. einem wohlhabenden, nicht geliebten aber geehrten manne meine hand reichen muszte. Göthe 17, 9; du innigst und einzig geliebtes wesen. an frau v. Stein 3, 176; meine gedanken waren schon vielmals bei meinem geliebtesten wesen. 121;
die freud .. den väterlichen alten
und den geliebten mann in einem stand zu halten,
der von dem drückendsten der armuth sie befreit.
Wieland 23, 97 (Oberon 8, 45);
denn mit der freude feierklange
begrüszt sie das geliebte kind
auf seines lebens erstem gange.
Schiller glocke v. 50;
mit einem persönlichen dativ (wie das adj. lieb): vom Tigris zum Euphrat, vom Euphrat zum Nil sehen wir die erde bevölkert, und in diesem raume einen bekannten, den göttern geliebten, uns schon werth gewordenen mann mit heerden und gütern hin und wieder ziehen. Göthe 24, 207;
denn sehr war jener geliebt ihm
(ἐπεὶ μάλα οἱ φίλος ἦεν).
Ilias 1, 381;
beide ja seid ihr geliebt dem herrscher im donnergewölk, Zeus
(ἀμφοτέρω γὰρ σφῶϊ φιλεῖ νεφεληγερέτα Ζεύς).
7, 280;
substantivisch auch als neutrum für eine person, vgl. oben II, 3: lebe wohl, du stündlich geliebteres. Göthe an frau v. Stein 3, 32; donnerstag erwart ich das geliebteste. 34;
wie süsz ists, das geliebte zu beglücken
mit ungehoffter grösze glanz und schein.
Schiller braut v. Messina v. 627;
vgl. dazu der, die geliebte an alphabetischer stelle.
7)
lieben, von einer mehr oder minder tiefen neigung zu eigenschaften und dingen, in sehr manigfacher weise: recht, gesetz, heil, frieden lieben; er liebet gerechtigkeit und gericht. ps. 33, 5; die dein heil lieben. 40, 17; ich hasse die fladdergeister, und liebe dein gesetze. 119, 13; darumb liebe ich dein gebot, uber gold und uber fein gold. 127; wer weisheit liebt, erfrewet seinen vater. weish. Sal. 29, 3; ich bin der herr der das rechte liebet. Jes. 61, 8; hasset das böse, und liebet das gute. Amos 5, 15; allein liebet warheit und friede. Sacharja 8, 19;
ja, du verzeihest dem, den seine sünden kränken;
du liebst barmherzigkeit, und wirst auch mir sie schenken.
Gellert 2, 105;
unrecht, laster, sünde, den tod lieben; wer aber an mir sündiget, der verletzt seine seele, alle die mich hassen, lieben den tod. spr. Sal. 8, 36; wer zank liebt der liebt sünde. 17, 19; die mehr lieben wollust, denn gott. 2 Tim. 3, 4;
freund, wer ein laster liebt, der liebt die laster alle.
Gellert 1, 164;
den reichen geist, das grosze herz eines menschen lieben; ich liebe die unabhängigkeit seiner gesinnung; wir müssen seine geradheit lieben, auch wenn sie verletzt;
denn selber der (Herodes), der jede pflicht gebrochen,
wird durch ein herz gereizt, das gott und tugend ehrt;
ein heimliches gefühl heiszt ihn diesz herz noch lieben,
und sich, dasz ers nicht hat, noch hassen kann, betrüben.
Gellert 1, 167;
das leben und seine freuden, künste, vergnügen, feste, einsamkeit lieben: wer klug ist, liebet sein leben. spr. Sal. 19, 8; ein kunst lieben und sich darauf gäben, amplecti artem aliquam Maaler 271ᵈ; dasz wir die edlen künste, deren die poeterei nicht die geringste ist, nicht schänden und lästern, sondern viel mehr ehren, lieben und loben sollen. L. Sandrub kurzweil 88; ich musz ihnen bekennen, dasz ich gleichfalls das spiel sehr liebe. Lessing 1, 568;
wer sich auf ruhm begiebet,
und freie tagen liebet,
der liebet auch dein liecht,
Aurora.
Opitz 2, 209;
dein klug und aufgeweckter geist,
der sich aus allen worten weist,
macht, dasz ich deinen umgang liebe.
Günther 266;
du fliehst, geneigt zu ruh und stille,
die welt, und liebst die einsamkeit.
Gellert 2, 110;
ein herz das freude liebt, die klugheit leicht vergiszt.
Wieland 9, 29;
wenn du mein,
wenn du der tochter leben liebst, so duld es!
Schiller Turandot 2, 4;
musik, gesang lieben; das spiel auf einem instrumente lieben; für das spiel ist kurzerhand das instrument selbst genannt, einer liebt das klavier, ein anderer streichinstrumente;
ich höre
auf einer laute jemand spielen ..
und laute, das weisz gott im himmel, laute,
die lieb ich bis zur raserei.
Schiller don Carlos 2, 8;
schätze, besitz, geld lieben; wer gelt liebt, wird gelts nimer sat, und wer reichthum liebt, wird keinen nutz davon haben. pred. Sal. 5, 9; wer wein und ole liebt, wird nicht reich. spr. Sal. 21, 17;
die rosen, lilien und narcissen
liebt ich für alles auf der welt.
Opitz 2, 205;
denk an den tod, wenn ruhm und ehren,
wenn deine schätze sich vermehren,
dasz du sie nicht zu heftig liebst.
Gellert 2, 114;
wohl dem, der beszre schätze liebt,
als schätze dieser erden!
209;
der kinderding liebet und darmit umbgadt, ... amatorculus Maaler 271ᶜ; kürze, weitschweifigkeit, ausflüchte lieben; ihr habt eine weibische art zu erzählen, und ich liebe die kürze. Klinger 1, 315; du liebst schwierigkeiten, um deinen verstand zu zeigen. 363; mit allgemeinem object (unterschieden von oben II, 3): ob wir durch ihn (den künstler) den groszen mustern und allem was wir an ihnen schätzen und lieben, näher kommen. Göthe 38, 22; alles lieb ich an dir und alles macht mich dich mehr lieben. an frau v. Stein 3, 69; der zeit, die immer nur weniges zu lieben versteht, alles aber fürchten lernt. Arnim kronenw. 1, 5;
wer nicht etwas hat zu lieben,
hat nichts, was man hassen mag.
Fleming 469;
ich lieb und lobe das, was lieb und lob verdient.
Günther 463;
weg ist alles, was du liebtest,
weg warum du dich betrübtest.
Göthe 1, 77;
etwas nicht lieben: liebe den schlaf nicht, das du nicht arm werdest. spr. Sal. 20, 13; laute feste lieb ich nicht. Göthe 17, 105;
nur thoren suchen im gewimmel
die freude, die den lärm nicht liebt.
Stolberg 1, 437;
die freundschaft liebt keine grenzen. Klinger 1, 343.
8)
lieben mit infinitiv, durch zu vermittelt, darf schwerlich mit Adelung als eine nachahmung französisches sprachgebrauchs angesehen werden, da die fügung schon im 16. jahrh. auftritt: ein theil (der spinnen) lieben an ufern der wasser ihre netzlen auszuspannen. Wirsung arzneib. (1572) 619, wenn sie auch erst seit dem vorigen jahrhundert recht gewöhnlich geworden ist: um das alles leichter zu üben, liebte sie mit den knaben die kleider zu wechseln. Göthe 20, 272; allein Lavater war ganz anders gesinnt; er liebte seine wirkungen ins weite und breite auszudehnen. 26, 266; ich weisz, sie lieben, alles was sie umgiebt, mit rührung und gefühl zu betrachten. Freytag soll u. haben 1, 306;
viel lieben von dem strand auf einen hin zu schawen
der in gewitters noth die strenge see musz bawen.
Opitz Grotius' wahrh. s. 359;
durch falsche hoffnungen berückt,
womit mein krankes herz getäuscht zu werden liebte.
Wieland 9, 17;
dichter lieben nicht zu schweigen.
Göthe 1, 12;
es wäre zu verwundern, wenn die zauberkraft
der dichtung nicht bekannter wäre, die
mit dem unmöglichen so gern ihr spiel
zu treiben liebt.
9, 163;
es liebt die welt, das strahlende zu schwärzen,
und das erhabne in den staub zu ziehn.
Schiller das mädchen von Orleans;
der (erstgeborne sohn) liebte
von jeher, sich verborgen in sich selbst
zu spinnen und den rathschlusz zu bewahren
im unzugangbar fest verschlossenen gemüth!
braut von Messina v. 1451;
mit beigefügtem allgemeinem object es: die bauern lieben es, die letzten augenblicke einer festesfreude besonders gierig auszukosten. Immermann Münchh. 4, 13; mit abhängigem satze: besonders liebten sie, wenn ich in eigner person sprach. Göthe 24, 76; ich liebe es nicht, wenn man sich in meine angelegenheiten mischt.
9)
sich etwas lieben, neigung, lust zu etwas haben; diese verbindung mit reflexivem dativ wird von Göthe gepflegt:
am meisten lieb ich mir die vollen frischen wangen.
12, 24;
des menschen thätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,
er liebt sich bald die unbedingte ruh.
25;
liebt er sich gar über die maszen
seinen hof zu halten auf der straszen.
3, 119;
der edle könig, er liebt sich
ganz besonders leute, die bringen, und die nach der weise,
die er singt, zu tanzen verstehn.
40, 132;
ihr liebt euch die speise.
183.
10)
lieben von thieren und pflanzen, die einen zug nach etwas ihr gedeihen bedingendes haben: der nuszbaum liebet für allen dingen ein feiszten mürben grund. Sebiz feldb. 356; dise beide geschlecht (maulbeerbäume) lieben uberausz die warme luft. 354; diser baum liebet auch freien sonnenschein. Hohberg 1, 440ᵃ; steinichten grund lieben fenchel und pimpenell. 460ᵇ;
so liebt die lerche
gesang und luft,
und (so lieben) morgenblumen
den himmelsduft.
Göthe 1, 81;
von farben, die wol bei einander stehn: blau und grün lieben auch einander. Sandrart acad. 1675 1, 84.
11)
den hund lieben, in der jägersprache: den hund lieben oder ablieben heiszet: der jäger nimmt den leithund an sich, thut mit demselben freundlich, muntert in auf durch freudigen zuspruch, streichelt mit flacher hand ihm die augen brav aus dem kopf. .. Heppe leithund 7; so liebet er seinen hund .. streicht ihm die augen herfür. Meurer (1561) 876.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 931, Z. 68.

lieber, m.

lieber, m.
amator, amans, amasius, ambiens puellam, procus, neben liebhaber. Stieler 1155; ihre gunst müssen die lieber viel bitten. Rottmanns lust. poeta 278; lieber des gemeinen volks, publicola. Dasyp.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 941, Z. 26.

lieber

lieber,
vgl. lieb IV, 9, sp. 911.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 941, Z. 30.

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„lieb“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lieb>, abgerufen am 24.07.2021.

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