Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

liebäugeln, verb.

liebäugeln, verb.
etwas liebes durch äugeln ausdrücken, eine zusammenrückung wie liebkosen, seit dem 16. jahrh. oft belegt; theils absolut: sein sie (die groszen herren) schwarz und heszlich, spricht man sie sein bräunlich; schel, so liebäugeln sie. Kirchhof wendunm. 51ᵃ (vgl. dazu unten liebäugler); diese aber nicht weniger als jene Venus hat in den sanft geöffneten augen das schmachtende und das liebäugelnde, welches die Griechen τὸ ὑγρόν nennen, gebildet, welches sonderlich das untere in etwas gehobene augenlied verursachet. Winkelmann 4, 114;
so lasz uns zur arznei liebaugelend anblickelen.
Weckherlin 768;
theils mit accusativ oder dativ: einen liebäugeln, oculis paetis adspicere aliquem. Hederich 1530; schilcht sie (eine geliebte), sie liebäugelt jhm (dem verliebten). hat sie einen hofer, es steht jr das böghälslin wol an. Agr. spr. 61ᵇ;
jhr auch (augen) liebäugleten mir sehr.
Weckherlin 801;
mit nach, um oder mit: eine person weiblichen geschlechts, die in den andächtigen erquickungsstunden nach trost liebäugelte. Hippel 2, 86; schon kenne ich diese verwünschte gesellschaft, wo die alten weiber verlangen, dasz man mit ihnen spielen, die jungen, dasz man mit ihnen liebäugeln soll. Göthe 16, 215; wie du das treibst, magister, mit jeder zu liebäugeln. Arnim Halle u. Jerusalem 15; im kerker .. wo die nacht mit der hölle liebäugelt. Schiller kab. u. liebe 2, 6;
nur herr von Baum manchmal liebäugelt nach der kunst
bald um Belindens herz, bald um Clorinnens gunst.
Zachariä bei Campe;
verhüllend wird auch für das schielen liebäugeln verwendet (vgl. dazu oben die belege aus Kirchhof und Agr.): aus liebe oder höflichkeit, oder im scherz sagt man lieb-äugeln auch von den schielenden. Frisch 1, 612ᶜ; sie liebäugelte entsetzlich. irrgarten 214. s. dazu unten liebäugig, liebäuglig. Für liebäugeln auch liebeäugeln:
trunken bin ich, liebeäugelnd,
ja gekommen von verstande.
Platen 160;
und für das gewöhnliche particip geliebäugelt auch liebgeäugelt:
bis mit den sternen sie (die sonne) nicht satt
gebuhlt und liebgeäugelt hat,
eh pflegt sie ihren grauen (den mond)
nicht einmal anzuschauen.
Blumauer 1, 109.
vgl. auch liebesäugeln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 913, Z. 22.

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Zitationshilfe
„liebäugeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lieb%C3%A4ugeln>, abgerufen am 04.08.2020.

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