Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sonntag, m.

sonntag, m.

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der erste tag der woche.
I.
herkunft und form.
1)
die benennung der wochentage nach den planeten ist wahrscheinlich babylonischen ursprungs und hat sich durch die astrologen nach dem abendlande verbreitet, während der orient (nach jüdischem vorgange) meist einfache zählung verwendet. auf griech. boden nur in beschränktem umfange und vorübergehend angewendet, ist sie in der römischen kultursphäre früh herrschend geworden. vgl. zeitschr. f. d. wortforschung 1, 150 ff. im griech. ist ἡμέρα Ἡλίου mit sicherheit erst im 2. jahrh. nach Chr. nachzuweisen (a. a. o. 169—171), lat. dies Solis schon im 1. jahrh. (s. 181. 184); aus ihm stammen die albanes. (s. 174) und kelt. - britannischen formen: kymr. dyw (dydd) Sul, corn. de sul, de zil, breton. diçcul, disul (s. 186 f.). die gewöhnliche bezeichnung im griech. ist dagegen die specifisch christliche κυριακή (s. 167 f.); seit dem 4. jahrh. wird das entsprechende dominicus (dies), dominica auch im lat. herrschend (s. 180 f. 184 f.); aus ihm stammen die roman. und inselkeltischen benennungen: ital. domenica, span. port. domingo, prov. dimenge, dimergue, franz. dimanche (Diez⁴ 122); altir. domnach, neuir. dia domhnaigh, gäl. di-dómhnaich, manx jy-doonee (zeitschr. f. d. wortf. 1, 189). innerhalb des germ. entspricht ihr altn. Dróttinsdagr (ahd. frôntag nur als übersetzung von dies dominicus gebildet, gl. zu Notker ps. 23, 1. Graff 5, 360). weitere benennungen s. das. und Schrader reallex. der idg. altertumsk. 963. vgl. auch Wachter 1544.
2)
sonst sind die germanischen namen dem lat. dies Solis nachgebildet, jedenfalls vor beginn des christlichen einflusses (nach Müllenhoff d. alterthumsk. 4, 644 im 3.—4. jahrh.), s. Kluge⁶ 368 (von demselben ist ein aufsatz über die germ. namen der wochentage in der zeitschr. f. d. wortf. angekündigt). sie finden sich in allen sprachen, nur im got. unbezeugt; doch nicht als feste zusammensetzungen, sondern als uneigentliche composita, zusammenstellungen mit dem genitiv, die erst in den jüngeren sprachstufen durch zusammenziehung das aussehen wirklicher composita gewonnen haben, vgl. Grimm gr. 2, 488. altn. Sunnudagr (aus dem westgerm., daher nicht sólardagr), altschwed. sunnudagher, norw. sundag, syndag, søndag Aasen 773ᵇ, schwed. dän. søndag (vgl. W. Grimm kl. schr. 2, 88. J. Grimm kl. schr. 6, 113); aus dem germ. stammen auch finn. sunnuntai, lapp. sodna-bæjvve und sodnu-peive, s. Thomsen einfl. 172. altengl. Sunnandæg Bosworth-Toller 936, engl. Sunday; altfries. sunnandi, -dei (pl. -dega), sunnen-, sonnendei Richthofen 1056, vgl. Siebs in Pauls grundr.² 1, 1345, 3, neu(west)fries. snæin (snān, snōn) 1415, sænde 1420, snāun 1430. alts. sunnun-, sunnondag (s. unten), mnd. sunnen-, sun-, sondach Schiller - Lübben 4, 475ᵃ, mnl. sonnendach, später sondagh dies solis Kilian, holl. zondag, vgl. Franck 1213 f. ahd. sunnûn dag, tag, sunnon dag, dies dominicus Graff 5, 361 f., mhd. sunnen-, sunne-, sun(n)-, sonnen-, son(t)tag (-tach, -dach), vereinzelt sunnuntag, sungtag Lexer handwb. 2, 1318: dies dominica son-, hd. sun-, sunnen-, sonnen-, sunnetag, sontthag Dief. gloss. 180ᶜ; sondach nov. gloss. 134ᵃ. besonders volle formen bietet das alemannische: diz bi shach ... do nauch gotis geburte waʒ zwelph hundert iar niunzich iar in dem ahtoden iar an dem sunnun tage so man singet judica me. urk. des St. Mich. klost. in der Wengen bei Ulm s. Mones zeitschr. 23, 61; die (sünde) han ich getan an dem sunnontage. Grieshaber pred. 2, 72;
swaʒ man dem sunnuntage birt
lobes unde wirdecheit.
Konrad v. Würzburg Silv. 650.
sonst gehen im mhd. sunnen- und suntac(h) seit dem 12. jahrh. gleichberechtigt neben einander her, während sunnetac nur vereinzelt vorkommt. formen mit o kommen erst im 15. jahrh. mitteldeutsch auf, so sonnentag d. städtechron. 3, 355, 16 neben gewöhnlichem suntag in den Nürnberger chroniken, köln. sondach s. Frommann 2, 453ᵃ. Scherz-Oberlin 1522 belegt jedoch uf den naechsten sonnentag bereits aus einer urk. v. 1351. ganz ausnahmsweise und sehr auffällig ist schwache flexion:
des suntagn morgens fruo ich reit
von dan zwô mîl.
Ulr. v. Liechtenstein 329, 25.
vgl. zum ganzen Weigand 2, 739.
3)
im nhd. ist von anfang an son(n)tag herrschend, so auch bei Luther. doch finden sich im 16. jahrh. noch zuweilen nebenformen.
a)
suntag: das si an sunttagen zu gepürlicher und rechter zeit ... aufsteen. tir. weisth. 1, 226, 7 (handschr. v. 1547); uff ein suntag was es. Frey gartenges. 122, 8 Bolte (cap. 106). s. auch H. Sachs unter II, 1, b. ganz ungewöhnlich dagegen: an santag Reminiscere in der fasten. tir. weisth. 4, 605, 13 (quelle von 1596, abschr. v. 1721).
b)
die vollere form sonnentag herrscht bei Geiler v. Keisersberg; ferner: nun hat der predicant auff nechstkünfftigen sonnentag ein sunderlich zusag gethon. Wickram rollwagenb. 149, 20 Kurz. sonst wird jetzt sonnentag von sonntag unterschieden, vgl. jenes, sp. 1687. daher wortspielend:
das ist der rechte sonnentag,
str. 3 des liedes:
gott lob, der sonntag kommt herbei.
s. hannov. gesangb. 7.
c)
auffällig ist sumptag, somptag, die gewöhnliche form in der (Augsb.) chronik von Clem. Sender (bis 1536), s. d. städtechron. 23, glossar, z. b.: an dem sumptag nach sant Tyburtii tag. 26, 12.
d)
in den tiroler weisthümern wechseln im plur. umgelautete formen mit den unumgelauteten, z. b.: alle sonn- und feirtäg gebihrend heilligen. 1, 43, 13; an sonntägen vor der kirchmenig öffentlich verruefen. 177, 34; weder an den sontegen, noch andern feirtagen und festen. 4, 265, 4. auch sonst vereinzelt umlaut, wol mundartlich: heute, und so viele, viele sonntäge noch! Holtei Lammfell 1, 74 (in oberd. mundarten ist der umlaut jetzt theilweise in den ersten theil eingedrungen, s. 4).
4)
formen lebender mundarten: schweiz. sùndìg Hunziker 267, sònnti(g), pl. sönnti(g) Tobler 426ᵇ; bair. suntə' Schm. 2, 297, österr. sundaͦh Castelli 257, sunntig Schöpf 730, suntak cimbr. wb. 238ᵇ; fränk. (Handschuhsh.) suntaak Lenz 66ᵃ, (würzb.) sunntag Sartorius 122, westerw. sonnig (selten) Schmidt 220. Kehrein 1, 378, unterfränk. sunntog Ruckert 179, henneb. sonntig Spiess 235, sunntig, -ta, -te, sonntig, -te Frommann 3, 224, 5, luxemb. sonndeg (gen. sonndes) Gangler 419; hess. Vilmar 388 f.; thür. sunntag Kleemann 23ᵃ, sunntig, auch in der litteratur: aber der herr vicares hat erst den letzten sunntig noch gepredigt, man soll nicht ansehn, was ein mensch thut. Ludwig 2, 67, sunntich 484, s. unten; lausitz. suntg Anton 4, 15, erzgeb. suntch Göpfert 115ᵃ, ebenso in Posen (auch sountich, suntig) Bernd 302. — im heutigen nd. meist sun(n)dag brem. wb. 6, 355. Schambach 218ᵇ. Woeste 263ᵃ, oder (im osten) mit umlaut sün(n)dag Dähnert 474ᵃ. Danneil 216ᵇ. Mi 89ᵇ. nd. korrespondenzbl. 14, 18, 13, preusz. sinndag Frischbier 2, 345ᵃ, nur ostfries. sön(n)dag (gegen sünne) Stürenburg 248ᵇ (alt sondi, saundi). ten Doornkaat Koolman 3, 257ᵇ.
5)
in den zusammensetzungen mit tageszeiten (abend, nachmittag u. s. w.) überwiegt die form der echten composition (ohne s), sonst findet sich diese nur ganz vereinzelt (bei J. Paul), während die genitivische bildung (sonntags-) die regel ist. im folgenden ist diese letztere der übersichtlichkeit wegen überall der anordnung zu grunde gelegt.
II.
bedeutung und gebrauch.
1)
sontag, dies dominica, dies prima. Dasypodius; dimenche Hulsius 300ᵇ; dies dominica, desz herrn (Christi) tag, i. e. der sontag. Corvinus fons lat. 213ᵇ; sonn-tag, giorno, di del sole cioè (di) domenica, giorno del signore. Kramer dict. 2, 840ᶜ, vgl. Jablonski 730ᵇ. in zeitbestimmungen:
a)
von dem, was regelmäszig wiederkehrt oder allgemein gilt: am sonntag, alla, nella Domenica. morgensegen, abendsegen etc. am sonntag. Kramer dict. 2, 840ᶜ; bestimmter: ain ieder pfarrer soll der herrschaft diener an aim ieden sonntag ... ain suppen und trinken geben. tirol. weisth. 4, 765, 18; unbestimmter, von häufig wiederkehrenden ereignissen: gibt es etwas trunkneres, als wenn er damals an schönen sonntagen, sobald durch den weiten himmel nichts als die schwere sonne schwamm, zum glockenstuhle des thurms aufstieg und überdeckt von den brausenden wellen des geläutes einsam über die tiefe erde blickte? J. Paul Titan 1, 141. mit näherer bestimmung am sonntag abend, schweiz. am sundig z'obe, am morge. Hunziker 267. für an auch auf: das uff den sontagk zu abendt, wen die beteglocke zu S. Moritz geschlagen ist, die wircker in der halle underbussen (heizen) solten. Spittend. 182. — sehr gewöhnlich ist in diesem sinne der gen., mit oder ohne artikel: gar bald wurden unsere zusammenkünfte, die man seit mehreren jahren sonntags ununterbrochen fortgesetzt hatte, gestört. Göthe 24, 70, im wechsel mit: als ältester enkel und pathe hatte ich seit meiner kindheit jeden sonntag bei den groszeltern gespeist. 71; ich wünsche, dasz sonntags jeder bauer sein huhn im topfe hat, auf eine äuszerung Heinrichs IV. von Frankreich zurückgeführt, s. Büchmann²⁰ 497;
des sonntags in der morgenstund
wie wandert's sich so schön.
Reinick sonntags am Rhein.
mundartlich die sunntiges, an den sonntagen Schöpf 730, sonndes Gangler 419. der acc. besonders in der verbindung alle sonntag(e) tutte le domeniche. Kramer dict. 2, 840ᶜ: der legat Bernhardinus ... fragt es, wie offt sie das hochwirdig sacrament enpfieng; sagt sie: 'alle sumptag'. d. städtechron. 23, 117, 3; verkaufen sol nicht beschehen zu weinachten vierzehen tag vor und auch vierzehen tag hinnach; ... noch alle sunntag. tir. weisth. 4, 484, 42; mhd.:
mîn herre Geôri, seht ir stân
die sûl wunneklîche?
allersunnetegelîche
spricht her ûʒ der sunne got.
Reinbot v. Durne Georg 3302.
b)
von einmaligen ereignissen, unbestimmt: an (auf) einem sonntag, in una domenica. Kramer dict. 2, 840ᶜ; von bestimmten sonntagen: anno domini 1528 an ainem sumptag am 12. tag januari hat man under dem ampt 11 bauren und 1 frauen von Bayren gefangen. d. städtechron. 23, 194, 6;
Saxenlandes ungeval,
dher uf eynen sunnentach,
an sente Sixtus tach gescach.
Braunschw. reimchron. 4678.
mit bestimmendem zusatz: so sol man vor dem dritten suntag und auf dem dritten, wenn er will. tir. weisth. 4, 358, 35; des ersten soll ain ieglicher richter ... alle jar an sant Gedrauten tag ... zu Schanzen lantsprach halten, und die des suntags vor durch all drei fronpoten ... offenlich verkunden. 3, 167, 24; am sumptag darnach hat der kaiser in der kirchen zuͦ unser liebe Frauen Hansen Freyburger, burgermaister zuͦ Überlingen, und Caspar Dorensperger, zunftmaister daselben, zuͦ ritter geschlagen. d. städtechron. 23, 292, 15;
als nuͤn aüf den suͦntag hernach
der paüren knecht sein kittel sach.
H. Sachs fabeln 1, s. 429, 53 neudr.;
des næhsten suntages fruo
der bischolf von Gran
des amtes began.
Ottokar reimchron. 41216;
sanctus Mattheus sprach zuͦ jm, er solt eins thuͦn, und solt am nechsten sonnentag in die kirch kommen. Keisersberg post. 4, 21ᵃ; käm er daher am montag oder in der wochen, wann es wär, so soll im der richter auf den nägst kumenten suntag darnach ain recht besezen mit dreien geschwornen. tir. weisth. 4, 203, 32; auff nechstkünfftigen sonnentag. Wickram, s. unter I, 3, b. der nächste, nächstfolgende sonntag ist auch gemeint, wo eine ausdrückliche angabe fehlt: auf den sonntag wird Palmira gegeben. Göthe 43, 23; ich kumm ufn sunntich weär (wieder) un frahe weär nach. Ludwig 2, 484; mhd. auch ohne artikel:
du salt nu zu suntage
mit mir zu dem clostere kumen.
pass. 299, 68 Hahn.
ebenso nach bis, ahd. unz:
erda hialt uns thô in wâr   scazzo diurôston thar,
dreso thâr giborgan,   unz sunnûn dag in morgan.
Otfrid 4, 35, 42;
wen wir die fasnacht nit frölich fünden,
die wolt wir pis suntag in pan künden.
fastn. sp. 2, s. 734, vgl. s. 745 u. 773;
macht mir ain kittel! doch darpey,
das er pis süntag fertig sey!
H. Sachs fabeln 1, s. 429, 20 neudr.
jetzt steht gewöhnlich der einfache acc.: er kommt sonntag oder nächsten sonntag, sonntag früh, sonntag abend:
Petr. und kurz und gut: wir stimmen so zusammen,
dasz nächsten sonntag unsre hochzeit ist.
Cath. eh will ich nächsten sonntag dich gehängt sehn.
Shakespeare der widersp. zähmung 2, 1.
in der erzählung vom letztvergangenen sonntage: er kam sonntag (abend) u. s. w. der acc. auch bei wiederholten geschehnissen: darnach auf ain suntag soll er die phant dem fronpoten antworten und der fronpot soll si fail furen drei suntag an ainander. tirol. weisth. 4, 202, 35 (jetzt nach einander); ob ainer wär der do wolt versetzen oder hingeben, der sol es drei sontag vor der kirchen den poten verrüefen lassen. steir. taid. 516, 19.
2)
benennungen der einzelnen sonntage im jahre.
a)
einige werden gruppenweise zusammengefaszt, so:
α)
die sonntage in der fasten, fastensonntage, zwischen fastnacht und ostern: alle thie sunnondage. an thero vaston. Wadstein klein. alts. sprachdenkm. 42, 11 (Freckenhorster heber.); sie werden als erster, zweiter u. s. w. sonntag in der fasten gezählt: der drite sunnetach in der vasten. zeitschr. f. d. alterth. 16, 284, 102, oder auch rückwärts erster, zweiter sonntag vor ostern u. s. w.
β)
die 4 sonntage vor weihnachten heiszen advent(sonntage), nach Campe veraltet kunftsonntage: nach solichem haben die Lutherischen am ersten sumptag des advents ... auch gesungen. d. städtechron. 23, 245, 10; am andern sumptag im advent. 249, 5; am ersten sonnentag des advents. Keisersberg post. 1, 2ᵃ.
b)
von den übrigen sind zunächst die groszen feiertage benannt, s. oster-, ↗pfingstsonntag (theil 7, 1379. 1702). die andern haben officiell lat. benennungen, die von darauf fallenden festen oder dem anfang von früher an ihnen gesungenen liedern und messen genommen sind. als feste werden gefeiert der sonntag epiphanias (fest der erscheinung Christi), der erste nach neujahr, und trinitatis (deutsch dreifaltigkeitssonntag, theil 2, 1380), der erste nach pfingsten. nach diesen werden gewöhnlich die nicht festlichen sonntage gezählt und benannt, soweit sie nicht unter a fallen: erster, zweiter sonntag nach epiphanias (bis fastnacht), nach ostern, nach trinitatis (auch nach pfingsten, kann bis 27 gehen): hye vohet an die ordenung der sonnentag noch pfingsten noch der zal, bisz zuͦ dem advent. und nammlich der erst sonnentag vohet an, noch dem sonnentag der heyligen dryheit, oder noch dem achtesten tag der pfingsten. Keisersberg post. 3, 39ᵃ. doch sind für die sonntage vor und nach ostern auch die lat. sondernamen üblich, die Göthe in den bekannten 'versus memoriales' (2, 285) in reime gebracht hat. die 6 fastensonntage heiszen: invocavit, reminiscere, oculi, laetare, judica, palmarum, die 6 ostersonntage: quasimodogeniti, misericordias (domini), jubilate, cantate, rogate, exaudi, s. Campe. sie sind besonders in ältern quellen üblich: am sumptag reminiscere um die 12 ur ist hertzog Cristoff zuͦ Augspurg mit 60 pferden ausgeridten. d. städtechron. 23, 45, 15; hetten etlich zuͦ inen geladen am sumptag letare. 94, 11;
des suntages judica
sîn êrste mess er sanc.
Ottokar reimchron. 23609,
geben an Meran an eritag nach dem suntag quasimodogeniti (1407). tirol. weisth. 4, 31, 34; am freitag nach dem sonnentag misericordia domini (1442) kam sein gnad gen Auszpurgk. d. städtechron. 3, 355, 16. — weniger fest sind bezeichnungen wie: van der ersten weken in der vasten wante an den sunnendach vor palmen. deutsche chron. 2, 186, 39; als du hören würst ob got wil an sonnentag von der letsten empfencknisz. Keisersberg Marie himelfart 11ᶜ.
c)
daneben sind volksthümliche bezeichnungen in gebrauch; besonders üblich die mit farbennamen gebildeten:
α)
der weisze sonntag, in verschiedenem sinne:
aa)
im oberd. der erste sonntag in der fasten, invocavit, so schon mhd., s. Lexer handwb. 2, 1318 (in urkunden von 1291 und 1298): sô sol er mit im bûwetædingen zwischan der liehtmesse und dem wîʒʒen sunnen tag. Schwabensp. 415, 3 Wackernagel; Kristein mein tochter ward geborn anno domini 1372 die 8 marcij, waz der weiss suntag. d. städtechron. 1, 67, 13 (vgl. indessen die anm.); desselben jars auf den weissen suntag ein der vasten heten etlich fürsten einen tag gen Nürmberg gelegt. 10, 260, 17; an dem weissen suntag in der vasten. 348, 19; das von des Hanns Feders ... wegen sind geladen auf den weissen sontag für den bischof von Freising hundert und vier mann. 22, 153, 18; in Sontheim ... zogen die bursche am weiszen sonntag abend ... hinaus auf die benachbarten höhen. ... weiszer sonntag = funkensonntag. Birlinger volksthüml. 2, 72, 85. vgl. jedoch cc.
bb)
dagegen im nd. der fünfte fastensonntag (vgl.β): des sondages vor Palmen, den man nennet den witten sondach (12. febr. 1402). Sudendorf urkundenb. 9, nr. 152, vgl. Schiller-Lübben 4, 475ᵇ. 5, 746ᵇ.
cc)
doch auch der sonntag nach ostern, quasimodogeniti, vgl. ebenda: also scholde dusse jegenwordighe nige upsate anghan, des mandages na dem witten sondage, achte dage na passchen. d. städtechron. 16, 393, 31; witten-son-dagh, vetus sicamb. dominica in albis: octava paschae; a candidis vestibus quibus veteres octo diebus a sabbatho paschae usque ad sabbathum sequens solent post baptismum uti. Kilian. so nhd. gewöhnlich: der weisse sonntag, la domenica in albis, la quasimodogeniti. Kramer dict. 2, 840ᶜ. Frisch 2, 287ᵇ; 'der weisse sonntag, eine noch im oberdeutschen übliche benennung des sonntags nach ostern, oder quasimodogeniti, welcher in den mittlern zeiten auch dominica in albis genannt wurde, von den weiszen kleidern, welche man in den ältesten zeiten in den ersten acht tagen nach ostern zu tragen pflegte.' Adelung. Höfer 3, 148; der erste sonntag nach ostern heiszt der weisze sonntag. Leoprechting aus dem Lechrain s. 176. österr. da waissi sundaͦh Castelli 257, nd. de wite sunndag Schambach 218ᵇ.
dd)
witten-son-dagh, vetus fland. dominica pentecostes. Kilian. sonst nicht bekannt.vgl. auch unter weisz.
β)
der schwarze sonntag, der fünfte fastensonntag, judica, an dem die altäre schwarz verhüllt werden. Höfer 3, 147 f. schon mhd., s. Lexer handwb. 2, 1318 (häufig in urkunden); der gemeine mann nennet den sonntag judica den schwartzen sontag; denn in der historia von des herrn Jesu leiden wird gemeldet, wie die unbarmhertzigen Juden den herrn ins schwartze register und todtenbuch geschrieben haben. Herberger hertzpostille 1ᵇ, 313 bei Wander 4, 630, 61; 'der schwarze sonntag, bey dem groszen haufen, der sonntag judica, weil derselbe vorzüglich unglücklich seyn soll' (?). Adelung; österr. da schwoaʳzi sundaͦh Castelli 257, tirol. der schwàrzsunntig Schöpf 730.
γ)
goldne, güldne sonntage, die zunächst auf die 4 quatember folgen und nach verbreitetem aberglauben glückbringend sind. Adelung: item da ward pabst Baulus gekroͤnt am gülden suntag Michahelis. d. städtechron. 10, 289, 8, vgl. d. anm. noch im fuldaischen. Vilmar 388. — der goldene sonntag 'ist an einigen orten dominica trinitatis'. Höfer 3, 148; das salcz. musz am gulden suntag geweicht sein, ein ander suntag geh nit. quelle bei Schm. 1, 896.
d)
mit andern adjectiven sind gebildet:
α)
der namenlose sonntag, judica, so mhd., s. Lexer handwb. 2, 1318, und mnd.: dhes brif is gheven ... dhes sonnavendes vor dhem namelosen sonendache (1305). mekl. urkundenb. 5, nr. 2979, s. Schiller-Lübben 4, 475ᵃ und Koppmann nd. korrespondenzbl. 2, 67; (der sonntag,) den man heiʒsit den namenlosen suntag, als Frankinfurter nuwe merkit uʒ geit (die fastenmesse, woraus sich die zeitbestimmung ergiebt). s. Mones anz. n. f. 16 (1869), 148.
β)
österr. der faiste sonntag, vor aschermittwoch. Höfer 3, 147, fasta sundaͦh Castelli 257. — hess. fetter sonntag für den weiszen, quasimodogeniti. Pfister 278.
γ)
der fröhliche sonntag in einigen österr. orten für lätare, mittfasten. Höfer 3, 147.
δ)
preusz. groszer sonntag für trinitatis. daneben aber auch für den (beliebigen) sonntag, an dem man das abendmahl nimmt. Frischbier 2, 345ᵃ. ferner: op em grôte sinndag, wenn twê ön ênem sön, als versprechen ins ungewisse. ebenda.
e)
andre namen werden durch zusammensetzungen gebildet:
bocksonntag
bock-sonntag '(im scherz) der zweite sonntag nach ostern, bis an welchen sündenböcke die österliche beicht verschieben'. Schm. 2, 297. —
freudensonntag
freuden-sonntag, 'der weisze oder erste sonntag nach ostern, an welchem seit fasnacht das erste mal wieder getanzt werden darf'. ebenda
funkensonntag
funkensonntag, s. theil 4, 1, 610. Schm. 1, 732. Birlinger oben c, α, aa; appenzell. funkasonntig Tobler 207ᵇ. —
herrensonntag
herrensonntag, estomihi, s. theil 4, 2, 1142, herrensunntig Schöpf 730. —
hutzelsonntag
hutzelsonntag, im fuldaischen, sonntag vor den fasten, quinquagesimae, wo die hutzeln (getrockneten birnen) eine rolle spielten. Vilmar 389. Schm. 1, 1196. —
kässonntag
kässonntag, in ältern tirolischen urkunden, der sonntag invocavit, an dem früher der sog. fastenmarkt abgehalten wurde (jetzt am sonnabend davor kæssamstag). Frommann 2, 34 f. 232 f. (heiszt jetzt in manchen gegenden holepfannsantig). —
liebbestättsonntag
liebbestättsonntag, in der gegend von Gmunden, lätare, 'wo die mädchen auf ihre liebhaber warten, und dann von denselben in das wirthshaus geführet werden', s. Höfer 3, 147. —
maisonntag maiensonntag
mai(en)sonntag, lätare, s. theil 6, 1479. 1483. —
palm-sonntag
palm-sonntag, als übersetzung von palmarum, sonntag vor ostern, s. theil 7, 1419; domenica delle palme (degli ulivi) gall. pâque fleurie. Kramer dict. 2, 840ᵃ; dominica palmarum. Frisch 2, 287ᵇ. —
rosensonntag
rosensonntag, lätare, s. theil 8, 1219;
sommersonntag
dasselbe meint sommersonntag Weinhold 90ᵇ, s.sommer II, 11, sp. 1515 unten,
speissonntag
speissonntag, s. das.,
totensonntag
totensonntag, 'weil das bild des todes auf eine feyerliche weise in das wasser geworfen wird'. Höfer 3, 117. vgl. dazu Hammer hist. roseng. 408 f.
mônatsonntag neusonntag
nicht eigentliche namen sind bair. mônatsonntag ('der erste oder zweite etc. sonntag jedes monats, an dem geistliche bruderschaften zu ihrer besondern andacht zusammenkommen') und neusonntag, sonntag im neumond, s. Schm. 2, 297.
f)
weitere bezeichnungen führt Scherz-Oberlin 1522 auf; sie sollen hier, zugleich mit den bereits behandelten, in der ordnung des kirchenjahrs zusammengestellt werden: septuagesimae (3. sonntag vor den fasten), übersetzt: nach dem sonntag des sibentzigisten, so man all frölich gesang hynlegt. Keisersberg schiff der penit. 63ᵃ, vgl. Scherz 1522; der tag uncz man das alleluja niderlegt, an welchem tag und monentz das alleluja verhalten wirt, von datz man leit alleluja untze usgonde der osterwochen. 1614; an dem suntage circundederunt, als men dye meyde verbutet. 1725. — quinquagesimae oder estomihi (letzter sonntag vor den fasten, s. oben faister, herren-, hutzelsonntag unter d, β und e), sonntag vor fastnacht und: an dem sonnentag esto mihi, oder quinquagesima genant, das ist der fünftzigest tag vor ostren, den all welt pfaffen fastnacht nennet. Keisersberg post. 1, 34ᵇ. — invocavit (s. oben weiszer, funken-, kässonntag, c, α, aa und e): sonntag in der ersten ganzen fastwochen, sonntag in den vier tagen, der befreyte sonntag. — reminiscere, sonntag so man zehn tag gefastet hat. — (lätare, s. fröhlicher, liebbestätt-, mai(en)-, rosen-, sommer-, speis-, totensonntag, d, γ und e.judica, s.weiszer, schwarzer, namenloser sonntag, c, α, aa. β und d, α.) — quasimodogeniti (weiszer, fetter, freudensonntag, c, α, cc. d, β. e): sonntag zuusgang der osterwochen; ferner: an dem sonnentag unnd achtesten der osteren, der do genant würt quasi modo geniti. und in teütsch der wiszsonntag, oder der sonntag der versünung. Keisersberg post. 3, 9ᵇ. — (misericordias bocksonntag, s. e.pfingsten der weisze sonntag, s. c, α, dd.trinitatis der goldne, grosze sonntag, s. c, γ. d, δ.) — sonntag ausgehender gemeinde wochen, dom. secunda post Michahelis. Scherz-Oberlin 1522.
3)
bedeutung des sonntags.
a)
er ist der erste tag der woche, mit dem sie beginnt.
gottlob, der sonntag kommt herbei,
die woche wird nun wieder neu.
hannov. gesangb. 7, 1.
vgl.: prima sabbati an der ersten des samʒtages daʒ ist des sunnentages. quelle bei Schm. 2, 297. — aber er gilt auch als der erste schöpfungstag, der erste tag überhaupt: die sundach was die irste dach, die ie gewart, unde wirt die leste, alse wie upirstan solen von deme dode. Sachsensp. 2, 66 § 2; in deme ersten dage ... sciet he dat licht van der diensternisse ... dit was de erste dach de ie gewart; dene hete we oc suͦndach. d. chroniken 2, 67, 10; er ist der erste unde der herste tac, den got îe gescuof. spec. eccl. 176; wann man den allerwürdigsten planeten, welcher die sonn ist, nimmet zur ersten stund der erschaffung der welt, von welcher her der sonntag von der sonnen noch den namen trägt. Fischart Bodin 156ᵇ; der sonntag ist der allererste tag gewest, dann an demselben hat der allmächtige gott das liecht erschaffen. Abraham a S. Clara Judas 3, 165. — in entsprechung dazu denkt man sich auch den letzten, 'jüngsten tag' als sonntag (s. oben Sachsensp.); meine christen, wie hart werdet ihr einmal rechenschafft geben am sonntag, wegen der sonntäg, dann am sonntag wird Christus Jesus im thal Josaphat richten die lebendige und die todte, ... an einem sonntag wird das jüngste gericht seyn. 168; aber doch wird sie der tag des herrn — — — ein sonntag, schwärzer als die mitternacht. Hamann 2, 301.
b)
auch sonst spielt der sonntag eine grosze rolle in der heilsgeschichte: des suntages wart unser herre Jhesus Christus gekündet von sant Gabriel unser frowen sant Marien; und des tages wurden wir versünet umbe Adames missetat, die er tet in dem paradise. Schwabensp. 206;
(als got) aller erst die werlt geschuf,
do firot er den sunnentac.
des sunnentages wart unser herre gitoufet,
des sunnentages do komen ime die drie chunege,
des sunnentages do machete er daʒ waszer ze wine,
des sunnentages chomer giriten ze Gerusalem,
des sunnentages do erstunder,
des sunnentages do chom der heilige geist uber die zwelf boten,
des sunnentages suln wir irsten an deme jungesten tage.
s. zeitschr. f. d. alterth. 32, 118,
s. auch Massmann denkm. 1, 8, und ferner kaiserchron. 9624 ff. spec. eccl. 177 u. ö.; am sonntag ist Christus der herr aus der unbefleckten jungfrauen Maria zu Bethlehem gebohren. Abraham a S. Clara Judas 3, 166; folgt eine lange aufzählung, s. 166—8, worin die erscheinung der heiligen 3 könige, taufe Christi, hochzeit zu Cana, speisung der 5000, auferstehung, erscheinung durch die verschlossene thür, ausgieszung des heiligen geistes und entsendung der apostel erwähnt werden.
c)
daher ist der sonntag zum christlichen feiertag geworden, an stelle des jüdischen sabbaths: was bey den Hebræern der sabbath war, das ist bey uns der sonntag. Abraham a S. Clara Judas 3, 169. doch genosz der sonntag bereits im ausgehenden heidenthum groszes ansehen als der tag des höchsten planeten, im zusammenhange mit dem vorherrschen der orientalischen sonnenkulte, und als solcher wurde er von Constantinus zum fest- und markttag für das gesamte reich erhoben, s. Müller kirchengesch. 1, 173. eine erinnerung daran bewahrt noch das mittelalter:
swenne in chom der sunnentach,
sô vlîʒte sich ze Rôme elliu diu stat,
wie si den got mahten geêren ...
dâ mit êrten si den sunnen.
kaiserchron. 75 ff.
damit stimmt genau überein deutsche chron. 2, 80, 19. — auch feiertag der Hindus: ihre feyer- oder sonntage haben sie (die Benjanen) mit uns gleich, die Mohren (Muhamedaner) aber des freytages. Mandelslo reisebeschr. 79ᵇ.
d)
als christlicher feiertag heiszt er tag des herrn (nach dies dominica): dirre hêre sunnentac ... ist genamet dominica, daʒ quît vroner tac, darumbe, wan er uʒgenomenlichen vor allen tagen Christes tac heiʒʒet. spec. eccl. 176; dasz auf lateinisch der sonntag dies dominica genennet wird, das ist der tag unsers herrn. Abraham a S. Clara etw. f. alle 2, 117; der sonntag gehört keinem andern zu, als gott dem herrn. Judas 3, 165. er heiszt der heilige sonntag: die gotes dienst an den hochen festen ... so woll als an heiligen sonntagen zu rechter zeit vleissig besuechen. tirol. weisth. 1, 15, 12; zu was brauchest du den heil. sonntag? wie pflegst du den sonntag zu heiligen? Abraham a S. Clara Judas 3, 165. vgl.: nach uszgange des sontags ader andern heiligen tags. Spittendorff s. 133.
e)
die hohe würde des sonntags und das attribut der heilige hat im mittelalter häufig zur personification geführt:
dû gâbe uns einen hêrren,
den scholte wir vil wol êren.
daʒ was der guote suntach:
necheines werches erne pflach.
Ezzos gesang III, 3, s. denkm.³ 1, 79, vgl. dazu 2, s. 169 f.;
umb die selben geschiht
wolt ich iu unwerde
vertilgen ab der erde,
wan durch die lienen muͦter min,
und durh minen engel cherubin und seraphin,
und durch minen heiligen suntach,
den nieman wol vol eren mach,
dem die ewarte
dienen mit vorchten.
vrone botschaft 571 (altd. bl. 2, 255);
grüesz dich gott du heilliger sontag,
ich sich dich dort her komen reiten,
jetzunder stand ich da mit meinem kindt,
und thuo dich bitten,
du wöllest ihm nemen sein gaist
und wöllest ihm wider geben bluott und flaisch.
segen 'den kindern für den ettikhen' (gegen hektik, schwindsucht), s. Mones anz. 6, 459;
west willekome, liber suntages (l. suntach) here, ich sende dich us czu eym boden czu dem aldermechte(ch)sten gode. segen (15. jahrh.), s. zeitschr. f. d. phil. 12, 143. vgl. Grimm myth.⁴ 2, 615. — in neuerer dichtung:
der sonntag ist gekommen,
ein sträuszchen auf dem hut;
sein aug' ist mild und heiter,
er meint's mit allen gut.
er steiget auf die berge,
er wandelt durch das thal,
er ladet zum gebete
die menschen allzumal.
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 212.
f)
es ist kirchliches gebot, den sonntag zu feiern, heiligen, in älterer sprache auch behalten, êren: thena hêlagon sunnûndag endi thia hêlagun missa ne fîrioda endi ne êroda so ik scolda. Wadstein kl. alts. sprachdenkm. s. 16, 23 (beichtsp.); dirre hêrre sunnentac, der ist uns wol zerenne und zevirenne! spec. eccles. 176; dieweil alle cristglaubige mentschen ... vermüg der policeiordnung alle sonntag und heilige gebotne feiertagen nit allain mit eisserlichen werken, sonder mit gueten cristenlichen, alten loblichen catolischen satzungen und gebreuchen zu heiligen, zu feiern und geen kirchen zu geen schuldig. tirol. weisth. 2, 109, 21; ein bleyweiszschneider soll fleissig den sonntag heiligen. Abraham a S. Clara etwas f. alle 2, 120;
den sunnentak mit fire ere.
Roth denkm. 47, 19, 4;
behaltet ir niht minen suntach,
den niemen wol vol eren mach.
vrone botschaft 209.
jetzt auch sonntag halten, ohne artikel, nd. sunndag hâlen Schambach 218ᵇ. — daher in stehender, fester verbindung sonn- und feiertage u. ähnl.: sollen auch die kirchprobst alle sonn- und feirtäg ... unter werender predig in der kirchen für die armen leit samblen. tirol. weisth. 1, 17, 5; sontags oder feirtags. 4, 267, 26; luxemb. sonn- a' feierdeger. Gangler 419. vgl. auch: sonntag hin, feyertag her, mein calender schreibt, es seye heut gut jagen und hetzen. Abraham a S. Clara etwas f. alle 2, 117.
g)
das feiern besteht in gottesdienst, kirchenbesuch, beten u. s. w., vgl. oben: durch daʒ ist uns der suntag gesazt und andere heilige tage, daʒ wir necheine andere werk tun, wan daʒ wir zu predigete und zu kirchin und zu anderme gotis diniste gen und unsern herren got bitten und manen siner genaden. Schönbach pred. 1, 211, 11; als et nu sondach effte predigtag is. Heinr. Julius v. Braunschweig s. 27 Holland; am sonntag bet und sing, am werktag schaff dein sach. Simrock sprichw. 9595ᵃ. besonders aber in der enthaltung von dem, was ihn entheiligt, von sünden, s. unten spec. eccl. 62. daher wortspielend: da machst du schon aus einem sonntag ein sündtag. Abraham a S. Clara Judas 3, 166; sontag — sündentag. Herberger hertzpost. 1ᵇ, 739 bei Wander 4, 629, 24.
h)
der haupttheil der sonntagsfeier ist jedoch die ruhe von aller gewöhnlichen arbeit, woran man bei dem ausdruck feiern zunächst denkt: der sonntag ist pur und alleinig an- und eingestellt zu den diensten gottes, dahero geziemt es sich nit, dasz man denselben zu anderen sachen soll brauchen. Abraham a S. Clara Judas 3, 165; der sonntag ist in diesem sinne an stelle des jüdischen sabbaths getreten, von dem das arbeitsverbot erst nach und nach auf ihn übertragen ist: die judin die enwͦrhtin des samiʒtagis dehein diehlich (knechtisch) werch. da wider uurchen wir an dem suntage niht, der bezeichint die urstende, nehein diêlich werch. waʒ sint dielichiu werch? houpthafte sunte und anderiu lastir. spec. eccl. 62. er steht daher in gegensatz zu den andern 'wochen'- oder 'werk(el)tagen': wochen tage, die sint gesezzet zescalclichen werchen, der heil. sunnentac zerawe allen dienten und arbeitenten luten. 176; und der selb sabbath ist nu uns ynn den sontag verwandelt, und die andern tage heissen werck tage, der sontag aber heist ruge tag odder feyertag odder heilig tag. Luther 16, 480, 13 f. Weim. ausg.;
warum wird tag für tag geschütz gegossen, ..
warum gepreszt für werfte, wo das volk
den sonntag nicht vom sauren werktag trennt?
Shakespeare Hamlet 1, 1.
häufig und formelhaft zusammengestellt: daher sahe man noch zu unser zeit, des sontages so woll, als werckel-tages sie in ihren kram-buden und werckstäten handthieren und gewerb treiben. Olearius reisebeschr. 148ᵃ; unser eins hat so wenig zeit zu weinen, als leider zu beten. das geht sonntage und werkeltage. Göthe 10, 132 (Stella 1); an sonn- und werkeltagen schlenderte man keinen lustort vorbei, ohne daselbst einen fröhlichen haufen zum tanze versammelt ... zu finden. 25, 275. mecklenb. sprichwörtlich (scherzhaft) de döggt nicht sünndags edder warkeldags, taugt gar nichts. nd. korrespondenzbl. 14, 18, 13.
i)
der sonntag ist also ein ruhetag: ruͦwtag, der sibend tag an dem gott geruͦwet hat von allen seinen wercken die er gemacht hat, ist uns yetz der sonntag, sabbathum, feriae. Maaler 339ᵇ;
den suntach suln wir ruowen und êren
durch willen unsers hêrren.
kaiserchron. 9634;
süszer ruhetag der seelen.
sonntag, der voll lichtes ist.
hannov. gesangb. 12, 2.
daher symbolisch gedeutet: der suntag bezeichent die ewige genade, so wir virende werden von aller slachte arbeit immer mer und ledich von allin notin und angistin. Schönbach pred. 1, 212, 6. — arbeit am sonntage ist kirchlich, und meist auch polizeilich verboten: es soll auch kainem gestattet werden, ainiche unzimbliche, ungepürliche arbaiten an den sunttagen oder pottnen feirtagen zu treiben. tirol. weisth. 1, 226, 45; insbesondere: chains suntags ... sol man nicht verchauffen ân ainem gaste an geverde. 4, 384, 13; doch sollen die inlendische krammer ... an sonn- und feirtägen ire gewelber und läden des vormittags unter werendem gottsdienst zu und verschloszen lassen. 1, 33, 1. — auch gerichtlich drückt sich die vorzugsstellung des sonntags aus; er hat steten frieden: hilge dage ... sin allen lüden to vrede dagen gesat, dar to in iewelker weken vier dage: die dunresdach unde die vridach unde die sunavent unde die sundach. Sachsensp. 2, 66, § 2. es ist verboten, an ihm peinliche strafen zu erkennen, s. Brunner rechtsgesch. 2, 609, u. a.
k)
sprichwörter: es ist nicht alle tage sonntag. Wander 4, 628, 13—17; nd. alle dage is kien sonndag. Firmenich 1, 232, 28; wenn zwei sonntag in einer woche kommen (d. h. niemals). Simrock 9597. — was man des sonntags spinnt, geräth nicht. 9596 (vgl. sonntagsgewinn und: sünndagsgaorn hölt nich. Danneil 278. Wander 4, 631); was der sonntag erwirbt, schon am montag verdirbt. Wander 4, 639, 31, vgl. 33—37. 39—42;
sontags arbeit verlohren allzeit.
was man am fest- und sontag spint,
dasselb hilfft nicht, und all verschwint.
Zincgref apophthegm. 4, 395;
unserm herrgott ist nicht zu trauen, sagte jener bauer: da machte er heu am sonntag. Simrock 9599. — sonntag, kommst du morgen, wie gern wollen wir dich feiern! 9598, mundartlich: sonndag, kömste morgen, wie geern woll ek dech fieren ('man sagt dies zu mädchen, welche vorgeben, dasz sie nicht heirathen wollen'). Firmenich 1, 404, 259; 'wenn die glocke schlägt, ruft man: schlag zu, dass sonntag wird! wenn eine uhr vorgeht, sagt man: die rennt, dass es sonntag wird.' Albrecht 213ᵃ. diesen redeweisen liegt die vorstellung zu grunde, dasz der sonntag ersehnt und herbeigewünscht wird. — was weisz eine kuh, wenn's sonntag ist? Schmid 629; was versteht die kuh vom sonntag? was weisz ein solcher mensch von dieser sache? Spiess 235; was wees der ochse vom sonntag? (er frisst alle tage heu.) Albrecht 178ᵃ (citiert auch schwäb. was woisst e kuh, wanns sonntag ist, man geit ihr ja koi weiss hemmet); er versteht so viel, wie die kuh vom sonntag, er ist ungewöhnlich beschränkt, dumm. Vilmar 388; he denkt so veel drupp, as de koh up'n sündag, er denkt gar nicht darüber nach. Dähnert 474ᵃ.
l)
im volksaberglauben gilt der sonntag als glücklicher tag, s. Wuttke d. deutsche volksabergl.³ § 66 (vgl. das reg.). besonders ist es glückbringend, am sonntag geboren zu sein, s.sonntagskind: am sontage gebohren werden soll sonderlich gut seyn, und gibt man für diese kinder seynd glücklich für andere. Prätorius d. abentheuerl. glücks-topf (1669) 379;
andre riefen und lockten die kunden;
ich sah ruhig vor mich hin;
aber sie haben mich doch gefunden,
weil ich am sonntag geboren bin.
Fulda talisman s.8.
4)
übertragene gebrauchsweisen:
a)
in freier dichterischer übertragung: lasset mich zur wirkung dieser inkunabeln Lianens eilen, deren sonntagbuchstaben (zwei kurze notizen auf den 'final-pergamentblättern' eines gothaischen taschenkalenders) einen liebenden menschen mit lauter innern hellen sonntagen bedecken. J. Paul Titan 1, 138; der erste tag, mit dem begriff des hohen festes: die braut ... sagte nichts; — sie wollte vielleicht am hohen und sonn-tage der flitterwoche ihrem künftigen manne noch nicht widersträuben. leben Fibels 117.
b)
gewöhnlich bedeutet sonntag (von 3, h. i ausgehend) einen ruhetag, wo man 'feiert', nicht arbeitet: immer sonntag haben, otio indulgere. Dentzler 2, 266ᵇ; vgl.:
und wann er (der mensch) sonntag hat,
so haben wir (die pferde) ihn mit!
Gleim die berathschlagung der pferde, bei Muncker Anakreontiker 1, 296;
dafür werke 3, 340:
und wann er ruhetag nach seiner arbeit hat.
auch von einem längeren zeitraume: (Stumpf.) nun geht alles drunter und drüber, und ihr wollt allein feiern? Götz. ich hab einen langen sonntag. Göthe 42, 410 (Götz v. Berlichingen, bühnenbearb. 5, 2).
c)
der metzen sonntag, gelegenheit zur buhlerei: der guͦt gesell was der bottschafft fro; gedacht wol, der metzen sontag wer, dieweil die schoͤnen fraͤwlein nach im schickten. Montanus 103, 20 Bolte (wegkürzer c. 39).
d)
sonntag, für schön gebutzt, mundulus, qui nimia munditia utitur ut placeat puellis, jungfern - knecht, der mägde sonntag, dies festus hominis. Frisch 2, 287ᵇ (danach Campe als veraltet): du sonntag der mägde! Veit Weber sagen der vorzeit 1, 9, mit der anm.: hiesz bey den Deutschen des mittlern zeitalters ein mensch, der allen ersinnlichen fleisz auf seinen anzug wendet, damit er so sehr den weibern gefalle, als ihnen der sonntag gefällt.
e)
nordthür. sunntag bezeichnet die fettwürfel in der blutwurst und der sülze. Kleemann 23ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1710, Z. 17.

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Zitationshilfe
„liebbestättsonntag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/liebbest%C3%A4ttsonntag>, abgerufen am 11.08.2020.

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