Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

liebde, f.

liebde, f.
liebe.
1)
dem hochdeutschen subst. liebe gegenüber steht, mit anderem bildungssuffix liefte (so grote liefte ic tot hem draghe Reinaert 5108), niederrhein. liefte, liefde (caritas lieffte Dief. 102ᵃ, kölnisch, von 1507), mitteld. leift (Lexer 1, 1902), niederd. leefte neben leve liebe (brem. wb. 3, 59), fries. liafte (Richthofen 898ᵃ); in rheinischen quellen bis ins 16. jahrh. öfters bezeugt: keiser Otto .. hadde ein geil unkuisch wif, die gesan (richtete ihr augenmerk auf) einen mechtigen greven an leifden ind boilschaf. deutsche städtechron. 13, 473, 17; liefde is ein tzoneigunge eines dinges zo dem anderen, da by zo syn, des selvigen gegenwordicheit zo haven. ein christliche underrichtunge (1533) A 2ᵃ; dat die älders durch geckliche liefden zo jren kinderen die nit enhalden in der früchten gots. A 4ᵃ; dysse unrein böse süntliche liefde. A 5ᵈ.
2)
wol nach dem vorbilde rheinischer kanzleien wird das wort als titel und anrede seit dem 15. jahrh. auch in hochdeutschen gegenden und in der hochdeutsch gemachten form liebden verwendet, wo sonst liebe, ew. liebe in gleicher weise gebraucht wird (s. unten unter liebe): bedeüchte es dann ewrer liebde geraten sein. d. städtechron. 3, 382ᵇ (brief des rates von Nürnberg an den von Augsburg vom 2. dec. 1443); und es hält sich dieser gebrauch unter nahe verwandten fürsten und standesherren bis in die heutige zeit: ich kenne ein vornehmes fürstliches hausz in Teutschland, darinn einsmals ein abgetheilter herr an seinen ältesten herrn bruder geschrieben hatte, er könne nicht zurecht kommen, es mangele ihm in küchen und keller, im marstall, in der rentcammer und allenthalben. darauf hatte ihm der älteste herr bruder geantwortet. es sei ihm leid, dasz es seiner liebd. also ergehe. allein er wolle seiner liebd. sagen was die ursach sei. es sei an ihrer liebden hof ein weiszer sperling .. so lange diese weisze spatz an ihrem hof bleiben werde, werde kein glück in ihrer hofhaltung sein. darumb rathe er ihrer liebden, sie wollen alle tag einmal in ihre küche, in ihren keller .. gehen und sehen, ob sie die weisze spatz fangen könnten. Schuppius 32; wollen ihr liebden so gnädig sein, und die personen reden lassen (prinz zur prinzessin). Chr. Weise comöd. 7; der besuch, den ich ew. gnaden und liebden zugedacht habe. Göthe 20, 222; in der schreibung auch e. l. abgekürzt: landtgraf Wilhelm war ein sehr kurzweiliger herr. als er auf einem reichstag neben einem andern fürsten vor keiser Maximiliani gemach aufwartete, und seiner natur nach, als ein junger herr, vil scherzreden triebe, sagte der ander zu jhm: herr oheim, e. l. wehren gut zu meinem löwen, dann jhr habt vil kalbfleisch. Zinkgref apophth. 2, 23. in der anrede eines narren an seinen gräflichen herrn:
(die ehe ist) ein wildes meer, eur liebden,
ein höllisch meer von scyllen und charybden.
Uhland ged. 432.
scherzhaft auch im verkehr anderer personen: Goethe will auch ein paar worte mit ew. liebden sprechen. Wieland in Mercks briefs. 1, 83; nun, lieber, binnen 3 wochen a dato gewärtige ich von ew. liebden folgendes. 86; denn zu niemanden weniger, als zu deiner liebden hätte ich michs versehen, dasz du Forstern für einen philosophen vom ersten rang erklären würdest. 419; desto besser für euer liebden! 2, 64.
3)
liebde, die geliebte: dieser erhebt die seltsame schönheiten seiner liebden und bulin. esels adel (1617) vorrede 1ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 916, Z. 26.

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Zitationshilfe
„liebde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/liebde>, abgerufen am 04.08.2020.

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