Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

liebling, m.

liebling, m.
von einem oder etwas vorzugsweise liebem. das wort erscheint erst in den wörterbüchern seit dem frühen 18. jahrh.: liebling, amasius, eines groszen herrn, quem princeps eximium habet, amicorum principis summus. Hederich (1729) 1533, und ist glaublich eine deutsche nachbildung des franz. favori, zunächst im sinne des günstlings eines fürsten, wie es auch in dem folgenden beispiele, einem der frühesten hier zu gebenden, die übersetzung jenes wortes bildet:
des fürsten liebling lauscht, dich heimlich zu berücken.
Drollinger 183,
nach: et dans le cabinet le favori te joue;
es verbreitet sich schnell, indem es den von einer höher stehenden oder auch angesehenen oder wert gehaltenen person vorzugsweise begünstigten schlechthin bezeichnet: der könig, der alle wünsche seines lieblings gern erfüllt. Klinger 1, 183; (Hercules) einen schönen liebling, den Hylas, an der seite. Göthe 39, 62; auf nichts mochte er sonst hören, jetzt hatte er mit dem liebling wieder auge und ohr in die welt gestreckt. Arnim kronenw. 1, 42; nun sagen auch die leute, ihr wäret des kaisers liebling. 232; sagt als ein treuer rath, pfalzgraf, als ein liebling meines verstorbenen vaters, was ihr mir ehrlich rathen könnt? nov. 3, 73; er war ein liebling des heeres. Freytag ahnen 5, 9;
wann sich auch einst ein liebling fände,
mit dem das glück sich fest verbände.
Haller schweiz. ged. 15 (in den ausg. seit 1743, vorher in anderer fassung);
Salvius, der liebling unserer frauen.
s. 98 (von 1731);
sein (des königs) liebling, dessen glück, so lang er treulich diente,
so, wie ein starker baum an frischen quellen, grünte,
verscherzte seine huld durch schnöden hochverrath.
Hagedorn 2, 6;
hier wohnt, und schwelgt ein trotziger dynast,
des armen landes reiche last,
der liebling eines herrn, dem oft-geschätzte horden
in treuer blösze zinsbar worden.
100;
der götter liebling sei nur er!
3, 25;
und Semnon ward, bei immer gröszerm glücke,
der liebling seiner königinn.
Gellert 1, 61;
allein sie wich des fürsten liebling aus.
251;
ihr (musen) gebt den sohlen flügel,
und treibt, durch thal und hügel,
den liebling weit hinaus.
Göthe 1, 26;
endlich schlug die augen ich auf, und sah dich, in ernste
stille betrachtung versenkt, über den liebling geneigt.
316;
er liebet mich; dann lieben mich die musen,
weil mich ihr liebling liebt.
2, 155;
dasz zwischen beiden schwestern nun Orest
der liebling wuchs.
9, 20;
dasz stets in der blüte dahinsinkt jugendlich,
wer der gottheit süszer liebling.
Platen 132;
selten zeigt sich einer, welchem jeder puls wie feuer schlägt,
weil ihn die natur als ihren liebling auf den händen trägt.
253;
von einem vorzugsweise gern gelesenen schriftsteller: man hatte Wilhelmen gesagt, dasz er ja gelegentlich des prinzen liebling, Racine, loben ... solle. Göthe 18, 287; kein dichter ... dürfte sich weniger zum liebling und zum begleiter durchs leben schicken, als gerade Klopstock. Schiller 1203ᵇ; von figuren eines romans: und wie er weder in ehre noch minne, gleich seinen lieblingen in den büchern, irgend etwas gethan. Arnim kronenw. 1, 145; von thieren:
der Argus, der dem wilde
so feurig nachgesetzt, der waldung und gefilde
wie seinen stall gekannt, und bei der jungen schaar
des jagdgewohnten hofs ein rechter liebling war.
Hagedorn 1, 41;
sein Hinz, der liebling junger katzen,
so glatt von fell, so weich von tatzen.
2, 68;
ferner, ohne dasz der sinn des bevorzugten besonders mehr hervortritt, von einem geliebten sohne:
schlaf, herzenssöhnchen! mein liebling bist du!
lied von F. C. Hiemer (1811);
von einem geliebten: mit wahrer leidenschaft verschwendete sie den ganzen reichthum ihrer liebkosungen, welche ihr die natur eingab, .. an ihren liebling. Göthe 18, 60;
er eilt Laurettens zimmer zu,
die auf des lieblings schoosze lauschet,
und itzt mit ihm, in sichrer ruh,
die allerbesten küsse tauschet.
Hagedorn 2, 90;
es ward kein liebling zum verräther,
und unsre jungfern freiten später.
3, 72;
(Röschen) band den weizen, welchen Wilhelm mähte,
band und äugelt' ihrem liebling nach.
Hölty 60 Halm;
von einer geliebten:
doch welch entsetzen! seine schöne,
sein liebling, war halb mensch, halb fisch.
Gellert 1, 257;
endlich von gegenständen (vgl. dazu die unten folgenden zusammensetzungen): genug, jene oben im allgemeinen erwähnten, ernsten und die menschliche natur untergrabenden gedichte waren die lieblinge, die wir uns vor allen andern aussuchten. Göthe 26, 218;
dies plätzchen
hab ich mir längst zum liebling auserlesen.
Schiller don Carlos 1, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 972, Z. 39.

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Zitationshilfe
„liebling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/liebling>, abgerufen am 08.08.2020.

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