Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lieblos, adj. und adv.

lieblos, adj. und adv.
ohne liebe (mhd. liebelôs Lexer 1, 1903).
1)
keine liebe habend oder in sich schlieszend: die welt ist in jrem got lieblosz, und kan nicht dan sich selbs lieben. S. Frank spr. 2, 26ᵇ;
die lieblose eh bringt frühe reue.
Kotzebue dram. sp. 1, 292.
2)
keine liebe bewährend, ohne rücksicht oder barmherzigkeit verfahrend: lieblos, amoris expers, immisericors Frisch 1, 613ᵃ; mangelt was, so darf man nicht erst zu der lieblosen welt laufen. Ettner gewissenh. medicus (anhang zum unwürd. doct.) s. 92; die mängel erkennt nur der lieblose; deszhalb, um sie einzusehen, musz man auch lieblos werden, aber nicht mehr als hiezu nöthig ist. Göthe 49, 36; lieblose anmerkungen, die er über schriften und gedichte dieses und jenes mit witz und laune vorzubringen wuszte. 25, 131; wenn unsere gäste nicht immer liebevoll mit den gemählden verfuhren, so will ich nicht läugnen, dasz wir dafür mit den beschauern ziemlich lieblos umgingen. 38, 125; jeder mensch hat augenblicke, wo ihm das leben recht freundlich begegnet, lichtmomente in dem lieblosen zwielichte seines schicksals, wo er hinaussehen kann in die frohere zukunft. Körner werke 4, 297;
ich bin nicht bös geboren; doch erst jetzt
erstaun ich, wie ich lieblos ihn gemartert.
Göthe 10, 298;
sich von den menschen fern zu halten,
verarg ich keinem menschenkind;
sie möchten uns die seele spalten,
so lieblos wie die meisten sind.
Platen 28.
vgl. liebelos.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 975, Z. 53.

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Zitationshilfe
„lieblos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lieblos>, abgerufen am 07.08.2020.

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