Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

liebreich, adj. und adv.

liebreich, adj. und adv.
1)
reich an angenehmem, anmutsreich: von denen leuten, die unterm antlitz bleichrot und also keine liebreiche lebhafte gestalt erzeigen, pflegte zu sagen, sie sehen ausz wie buxbaum. anm. weiszh. lustg. 656; er (Lucas Cranach) ist sonderbar sauber und liebreich im mahlen und reiszen gewesen. Sandrart academie (1675) 2, 231; die liebreiche harmonie der musik. Butschky Patm. s. 397; frage man nur das liebreiche frauenzimmer. unwürd. doctor s. 435.
2)
reich an liebe, einen hohen grad von wolwollen zeigend: obgenannte beide männer hatten auf eine liebreiche weise von mir kenntnis genommen. Göthe 26, 49; er aber machte seine liebreiche vaterschaft auf das beste gelten. das kind wirklich war am freundlichsten mit ihm. 28, 189; er erwartet den tod mit heitern, liebreichen augen. 39, 19; er .. bezeigte sich gegen alle anwesende gütig und beinahe liebreich. Rumohr nov. 1, 65;
ich aber danke dir,
allmächtger arzt, lieb-reicher gott, dafür.
Brockes 1, 506;
mensch! mache dich verdient um andrer wohlergehen;
denn was ist göttlicher, als wenn du liebreich bist!
Gellert 1, 103;
such deine lust in stillern freuden;
sei gütig, liebreich und bescheiden.
279;
sie bedrohte mich, obgleich noch immer liebreich genug, mit groszer gefahr. Göthe 23, 96; wenn es der wille der himmlischen ist, die seit einiger zeit gewaltsam liebreich über mich gebieten. an frau v. Stein 3, 280; suchte ihn um so liebreicher zu trösten, je lieber ich die geschichte vergessen hätte. Arnim kronenw. 1, 120;
ein harter general wird nicht so liebreich sprechen.
Gellert 1, 128;
nachdem sie neidscher freunde list
und strenger ältern zorn liebreich besänftigt hatten.
188;
ironisch: ein gewisser S. Croxal, um seinen eignen geburthen platz zu schaffen, bekam den liebreichen einfall, die fabeln des Lestrange, weil er sie nicht so grade zu für elend ausgeben wollte, als gefährlich zu verschreien. Lessing 5, 76.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 976, Z. 36.

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Zitationshilfe
„liebreich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/liebreich>, abgerufen am 04.08.2020.

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