Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

liedchen, n.

liedchen, n.
kleines oder kurzes lied, niederd. liedeken, ledeken:
ich wel zieren mynen lip (spricht Maria Magdalena),
want ich bin ein schones wip,
und wel auch gern reien
mit pfaffen und mit leien;
darumb wel ich springen
und ein gut litgen singen.
Alsfeld. passionsspiel in Haupts zeitschr. 3, 494, 26;
sie braucht der ammen kunst, singt beider kinder ohr
ein süszes liedchen vor;
diesz liedchen lockt den schlaf.
Hagedorn 3, 174;
wenn, beste, du dies liedchen siehst.
Stolberg 1, 80;
plur. liedchen und liederchen: vom letzten (Wieland) ist das liedchen: Ariels probe, oder vielmehr beide liederchen. Herder in Mercks briefs. 1, 13;
man lispelt leichte liedchen, man spitzt manch sinngedicht.
Uhland ged. 357;
sprichwörtlich: man singt auch nicht alle liedchen aus. wenn man das liedchen zu hoch anfängt, so erliegt man im singen. jedermann singt das liedchen dem loch unter der nase zu lieb. Simrock sprichw. 346; sein altes liedchen singen;
denn kaum
dasz man den nachtisch aufgetragen,
so stimmt er schon sein altes liedchen an:
wo bleibt mein zaum?
Wieland 18, 347;
er (der mensch) scheint mir, mit verlaub von ew. gnaden,
wie eine der langbeinigen cicaden,
die immer fliegt und fliegend springt
und gleich im gras ihr altes liedchen singt.
Göthe 12, 23;
ach! da weisz ich mein liedchen von zu singen! Lenz 1, 158. vgl. liedel und liedlein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 985, Z. 39.

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Zitationshilfe
„liedchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/liedchen>, abgerufen am 11.08.2020.

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