Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

liedlohn, m., n.

liedlohn, m. n.
1)
gesindelohn, dienstlohn an gesinde, mhd. litlôn in quellen seit dem 14. jahrh. (Lexer 1, 1939): welicher sich um lidlon beclagen lasset. weisth. 1, 126 (Zürich, v. 1472); renthen und gulten, liedtlohn und wirtzkost, darvor haben sie ihre meyer einem jeden da recht zu thun. 2, 274 (Obermosel, von 1642); dat die scholt were von weine, broit oder lidlone. 558 (Prüm, v. 1476); wer sich lât beklagnen umb lon, es si lidlon ald ander lon. 5, 187 (st. Gallen, von 1462); item, was liedlohn betrifft, soll, so der bekanntlich verdient ist, von zeit der clage bisz zum 3. sonnenschein uszgericht und bezahlt werden. 631 (rheinisch, v. 1497); die knecht fragen nach jrem liedlon. S. Frank sprichw. 2, 43ᵃ; dem tagwerker seinn lidtlon nit übernacht vorbehalten. Agr. spr. 213ᵃ; do was Myconius miner huszfrowen 14 Züricher gulden schuldig lidlon und entlent gelt. Th. Platter 113 Boos; er hab .. seinem knecht, magd, taglönern und arbeitern jr recht und liedlon nit gewegert oder abgewessert. Mathes. Sar. 19ᵇ; also macht es einen arbeiter lustig, wenn er seines liedlons gewisz ist. 126ᵇ; liedlohn deren knechte, mägde und in des meisters kost stehender gesellen. Mainzer landrecht 1755, xxii § 2;
sein sauren liedlohn greift er an (der knecht),
und verspilt oft in kurz fürwar
mehr dann er gwinnt ein viertheil jar.
Birk doppelspiler 8;
sprichwörtlich: liedlohn schreit zu gott im himmel. Simrock sprichw. 346; leret die fürsten der erden, wie sie zinn und silber, kupfer und gold verkehren können, damit der verdiente aber aufgehaltene liedlohn nicht so oft gen himmel schreie. Schuppius 704.
2)
auch arbeitslohn für einen, der nicht gesinde ist: merces, lidlon, besoldung für die arbeit. Dasypod.; lidlon, salarium, merces, praemium, manupretium Maaler 270ᵈ; und soll ihm geben zwei brodt, das soll sein des beckers lidlohn. weisth. 2, 808 (Hunsrück, von 1508); kriege solte man auch wegen wichtiger ursachen nicht anfangen, und würde deswegen des Hercules wieder den Laomedon und Augeas wegen vorenthaltenen liedlohns angesponnener krieg gescholten. Lohenstein Arm. 2, 378ᵇ; ehrensold eines arztes: nach dem ich hier bevor oftmals e. g. umb das liedlohn, so e. g. vorfahren seliger mir versprochen, durch mein selbst person schriftlich und mündlich anregung gethan .. mir solch versprochen liedelohn .. unvermindert zu vergnugen. schreiben eines arztes von 1534 bei Haltaus 1266; sie haben meine besoldung entzogen und mich meines liedlohns beraubt. Paracels. opp. 1, 132 A; lohn im himmel: o wie ein groszer lidlon wär by got wenn sy nit in dieser zyt einer belonung hofftend. P. Gengenbach pfaffenspiegel 326.
3)
liedlohn ist ein weit verbreitetes wort, es findet sich im Alemannischen, Bairischen, Fränkischen, auch in Obersachsen (der oder das liedlohn theil 2, 1129) und in Niederdeutschland: lîdlân, lîdlôn dienstlohn, gesindelohn, lohn der knechte und mägde Schambach 123ᵇ; in Westfalen liedlaun oder lietlaun. frühere erklärungsversuche des ersten theils in der zusammensetzung haben theils an lied für glied gedacht (liedlohn ein lohn, den man mit seinen gliedern verdiene), theils an ist. liđ, volk, kriegsvolk, familie, gesinde, hilfe, theils endlich an das in den altdeutschen gesetzen latinisirt vorkommende litus, lidus, lito diener. indes darf darauf aufmerksam gemacht werden, dasz liedlohn weder auf den begriff des lohnes für handarbeit, noch auf den eines gesindelohnes beschränkt ist, da ja der arzt auch sein honorar ein liedlohn nennt (oben 2). erwägt man ferner, dasz das wort auch ersetzt wird durch verdienter lohn, erarnter lohn: verdeenet loen der knechte ofte megede, off huyre. weisth. 3, 147 (Westfalen, von 1363 u. 1547); tho betalen .. vordeinet loin. 203 (von 1570); wo yemandt ainen beclagt umb gearneten lon, das lidlon ist, so sol der richter .. dem beclagten gepieten, das er den clager seines lidlons, wo er des bekennt, in vierzehen tagen entricht. reform. des bair. landrecht von 1518 bei Haltaus 1265; so kann ihm wol keine andere bedeutung innewohnen als die des lohnes, den man nach gethaner arbeit, bei beendigung einer dienstzeit oder einer beschäftigung empfängt. dann aber ist lied- das unter ledig sp. 497 aufgeweisene ahd. lid gang, wanderung, und liedlohn eigentlich der lohn, den man einem zahlt, wenn man ihn aus seiner stellung verabschiedet, gehen läszt. die nürnbergische form glidlôn (Schm. 1, 1442 Fromm.) fügt sich dieser deutung, da im ahd. galit, uʒ-gilit excessus ausdrücklich bezeugt wird.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 994, Z. 3.

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Zitationshilfe
„liedlohn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/liedlohn>, abgerufen am 13.08.2020.

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