Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

lingen, verb.

lingen, verb.
vorwärts kommen; ahd. lingan cessisse feliciter Schm. 1, 1492 Fromm., mhd. lingen; schon hier gegen gelingan, gelingen selten, im nhd. des 16. jahrh. verklingend.
1)
in der unpersönlichen formel einem lingen lassen, das vorwärtskommen angelegen sein lassen, etwas zu beschleunigen trachten, eilen, ist es in alten alemannischen quellen nicht unhäufig: rumpere moram, eilen oder im lingen lassen. Dasyp.; jhm lingen lassen, maturare, rumpere moram. ebenda; sie lassent inen nit lingen, algemach, das sie das milz nit stech. Keisersberg narrensch. 189ᵃ; nit also bruder, lasz dir lingen, bisz (sei) wol endlich, die zeit ist kurz. ebenda; land üch lingen, ir herren! N. Manuel s. 227 Bächtold;
zünd bald daʒ liecht! lâʒ lingen dir!
Boner edelst. 48, 34;
gnad, frow äptissin, lond üch lingen,
ir müssend mit mir umhar springen! (tod zur äbtissin).
N. Manuel s. 7 Bächtold;
louf hurtig buͦb, und lasz dir lingen,
du muͦst uns ring und weggen bringen!
s. 312;
far hin und lasz dir lingen.
trag. Joh. M 3;
herr, ich hab mir lassen lingen.
Haberer Abr. 1592 A 7ᵃ;
mein volk sol jm lassen lingen,
und euch ylentz wasser bringen.
C 5ᵇ;
mein lieber gsell nun lasz dir lingen
und sag dem fürsten er mög wol kon (kommen).
spil wie man die narren .. beschweren soll (1554) A 5ᵇ.
2)
in der formel etwas lingt, etwas lingt einem, glückt, gedeiht; nicht auf alemannische quellen beschränkt:
ich sprach: min heil, nu linge
also du dick hast getan!
Altswert 96, 4;
das dir sölchs basz zuͦ glaiben ling,
merk etlich ursach dj ich bring.
Schwarzenberg 155ᶜ;
mit einem genitiv des gegenstandes, in bezug auf den es glückt:
wer gan oder riten sol (im januar),
dem linget des weges nit gar woll.
monatreim in der Germania 8, 109;
im appenzellschen lebt noch das sprichwort:
wer will, dasz em ling,
der lueg selb zue sim ding.
Tobler 301ᵃ.
vgl. gelingen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1039, Z. 33.

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Zitationshilfe
„lingen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lingen>, abgerufen am 08.08.2020.

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