Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

linie, f.

linie, f.
linea.
1)
das lat. linea, soweit es den mit farbe oder griffel sorgfältig gezogenen längeren strich bedeutet, geben ahd. glossen meist durch einheimische wörter (zîla, reiʒa, rîʒʒa, spratta u. ähnl., vergl. Steinmeyer u. Sievers glossen 1, 436, 9. 506, 42. 609, 59), aber auch durch das für die deutsche sprache entlehnte fremdwort wieder, von dem sogar das diminutiv sich einzubürgern strebt: lineas linnolâ, linnin, linnen, linen Steinmeyer a. a. o. 1, 656, 6. aus den schreibstuben der klöster heraus hat sich linie sodann eingang in die sprache des gemeinen lebens zu verschaffen gewuszt, unter manigfachen versuchen, seine gelehrte form mehr zu verwischen, welche versuche schon ahd., wie eben gezeigt, auftreten: es begegnen in der ältern sprache, und bis ins 17. jahrh. auszer linee und linie die schreibungen linge, ling, linig, lynige, lenie, lenge Dief. 331ᵃ; lini, linea. voc. inc. theut. n 1ᵃ (mit linial, lineale, jetzt lineal); lini et linie, linea Stieler 1138; eine blinde lini, ist eine lini, die aus lauter puncten bestehet, und darmit von andern linien, die mit der feder gezogen sein, unterschieden werden. jagts-ergötzungen (Augsburg gegen 1696) 1, 11. indes hat die schon mhd. in edler sprache bevorzugte form linie:
der den zirkel tihte,
sinewel alümbe,
und die linie durch die rihte,
sunder alle krümbe ...
minnes. 2, 368ᵇ Hagen;
in den letzten jahrhunderten für die schrift die alleinherrschaft erhalten, andere formen den mundarten überlassend, z. b. lingla linie Tobler 300ᵇ in Appenzell; lîn und linig linie Danneil 127ᵇ in der Altmark.
2)
aber nicht blosz in schreiberkreisen, sondern selbständig auch in anderen und in anderer bedeutung scheint linea frühe entlehnt zu sein; schiffer, fuhrleute u. a. nahmen das lat. wort in der bedeutung der langen schnur oder des dünnen seils herüber, deutsche wie angelsächsische, mit anderer behandlung des auslautes und verlängerung des stammvocals: so wird ahd. lîna, ags. mhd. lîne, nhd. leine entstanden sein, vergl. sp. 704; der zusammenhang zwischen diesem lîne und lat. linea zeigt sich noch im niederdeutschen durch eine doppelform, neben line schnur, dünner strick brem. wb. 3, 74 geht linie in derselben bedeutung: tüglinig, leine zum aufhängen der wäsche Danneil 127ᵇ; von niederdeutschen schriftstellern auch in der schriftsprache verwendet: dasz sich kinder von 8 bisz 10 jahren auf der schweng-linie dermaszen geschwengt, bisz die armen als wieten gedrehet waren. Wiedemann märz s. 47 (vorher: ein bret auf die leine gelegt); ihre schmutzige wäsche untersuchte sie alle sonnabende, und hing solche des winters einige tage auf linien, damit sie nicht zu feucht weggelegt und stockigt werden möchte. Möser patr. phant. 1, 126; während der zeit, dasz der seiltänzer seine linien spannte. 3, 247. vgl. dazu auch unten 16, b.
3)
jenes schreiberwort linie (oben 1) bezeichnete zunächst und bezeichnet noch einen für schrift und zahlen, die darauf stehen sollen, zur richtschnur gezogenen längeren strich: ein linien oder langen strich ziehen oder reiszen, ducere lineam Maaler 273ᵈ; es heiszt mit der schrift auf der linie bleiben, unter die linie fahren; sorgsam waren die linien auf den pergament punktirt. Scheffel Ekkeh. 340; in der rechenkunst kannte man früher das rechnen auf linien: ein new kurz rechenbüchlin auf der linien und federn, den angehenden rechnern und allen kaufshendelern zu gut und nutz. titel eines in Frankfurt 1546 erschienenen rechenbuchs; mache (beim addieren) für dich linien, die teile in so vil feld als münz vorhanden. A. Ryse rechenung auf der linien und federn A 3ᵇ; die linie für die tausender stand über denen für die hunderter, zehner und einer. gerechnet ward mit zahlpfennigen: das sie viel mehr meinen, es (gottes wort) sei ein zalpfennig, der nach irem verdampten frevel müsse gelten, darnach sie jn auf den linien heben oder legen. Luther 7, 416ᵃ; die erinnerung an den dadurch bedingten wert der zahlpfennige scheint noch fortzuleben in der redensart: mit einem auf gleicher linie stehen, nicht auf gleicher linie stehen, gleichen wert haben, einen auf gleiche linie stellen: und mit diesem elenden wollte ein mann, wie sie auf gleicher linie stehen? Klinger 1, 176; jetzt stehen wir auf éiner linie; sie haben das verdienst ihrer reisen vor sich, ich das verdienst meines amts. 391; dasz ich aus zwei verschiedenen und einander entgegen gesetzten naturen bestehe: einer thierischen, die mich mit allen andern lebendigen in dieser sichtbaren welt in éine linie stellt; und einer geistigen, die mich .. unendlich hoch über jene erhebt. Wieland 3, 471; ferner etwas in die erste, in die zweite linie stellen, höher oder geringer werten: bei den verhandlungen wurde ein schadenersatz für erlittene unbill in die erste linie gestellt, alles andere kam erst in zweiter linie; er bat in erster linie um zuweisung seines erbtheils. In der musik stehen die noten auf linien: der cantus planus verwendete vier, der cantus figuralis fünf linien; die notenzeichen für die laute wurden auf sechs linien geschrieben.
4)
linie, in der zeichenkunst, in der mathematik: eine gerade, krumme linie; schneckenlinie, kreislinie; gerade durchgeende oder gleichteilende linien, diameter Maaler 273ᵈ; das magstu probiren, so du jm nit glauben geben wilt, mit dem cirkel, nim für dich ein lange linien, teile die in 32 teil. A. Ryse rechenung G vᵇ; die zeichnung war in groben linien auf das papier geworfen;
denn blosz aus roth und weisz allein
vermischt sich aller nelken schein,
ja ihre zeichnung und figur
sind nichts als linien, gerade striche nur.
Brockes 1, 243;
weite meere nach einer vorgezogenen linie zu segeln. Göthe 8, 219; in welcher schiefen linie die erde binnen jahresfrist die sonne umlaufen musz. Hebel 3, 160; wenn der mond und die erde einmal in schnurgerader linie von der sonne stehen. 165; dieser mann, tief in den fünfzigen, war eine personificierte grade linie. H. Heine 1, 51.
5)
von dieser bedeutung aus wird linie verwendet, um überhaupt das zeichnerische element eines gegenstandes oder einer bewegung, im gegensatze zum malerischen, auszudrücken: ein flusz läuft in gewundener linie; häuser einer strasze stehen in einer geraden, einer gebrochenen linie; Agathon .. wurde von den ersten strahlen geweckt, die in horizontalen linien an seiner stirne hinschlüpften. Wieland 1, 42; aber in dem augenblicke ward das schwebende wie in einem entschiedenen wirbel fortgerissen und drehte sich .. bald nach der einen, bald nach der andern seite, jetzt in kreisen, jetzt in ellipsen, oder nahm seinen schwung in graden linien. Göthe 17, 340; die linke seite (eines thores) hat lauter baraken, und die winkelrechte linie in der mitte des thores geht auf ein nonnenkloster zu, das nothwendig hätte niedergelegt werden müssen. 27, 61; warum gäbe sich denn der decorateur (bezüglich eines bühnenhintergrundes) die mühe, alle linien aufs genaueste nach den regeln der perspective zu ziehen, alle gegenstände nach der vollkommensten haltung zu mahlen? 38, 146; in steiler kecker linie trat ein felsiger bergrücken aus dem gehügel des ufers vor. Scheffel Ekkeh. 68; noch einen langen blick warf Bernhard auf die geschwungenen linien der hügellandschaft. Freytag ahnen 5, 19; das sah ich, weil ich auf der äuszersten linie des kreises stand (in einer versammlung). Immermann Münchh. 2, 88;
sie schleicht, indem sie behutsam nach allen seiten schielet,
in schlängelnden linien näher und immer näher heran.
Wieland 4, 217 (n. Amadis 9, 30);
augenbraunen, die
auf einem scharfen oder stumpfen knochen
so oder so sich schlängeln; eine linie,
ein bug, ein winkel, eine falt, ein mahl (im gesicht) ..
Lessing 2, 202;
sanft, wie des reizes linien sich winden,
wie die erscheinungen um ihn,
in weichem umrisz in einander schwinden,
flieht seines lebens leichter hauch dahin.
Schiller die künstler v. 303.
6)
linie, auch der erste zeichnerische entwurf, der umrisz eines gegenstandes: linearis pictura, ein entwerfung oder anzeigung, vorgemäld eines werks durch linien. Dasyp.; (ein maler der) nun gegenwärtig ist, .. die grosze linie zu einem brutuskopfe zu finden. Schiller Fiesko 2, 17; Weisl. ich habe viel von ihrer schönheit gehört. Franz. gehört? das ist eben als wenn ihr sagtet, ich hab die musik gesehen. es ist der zunge so wenig möglich eine linie ihrer vollkommenheiten auszudrücken, da das aug sogar in ihrer gegenwart sich nicht selbst genug ist. Göthe 8, 49; der charakter erscheint nur noch in den allgemeinsten linien, welche durch die werke, gleichsam wie ein geistiger knochenbau, durchzogen sind. 38, 96.
7)
da die linie zugleich jede zeichnung begränzt: zwischen den zwei linien, die seinen (des thierkreises) rand bezeichnen. Hebel 3, 159; so rührt das wort an die bedeutung der gränze: dasjenige, sagt er, was in allen sittlichen dingen die grenzen des schönen und des häszlichen, des guten und des bösen, des rechts und des unrechts bestimmt, ist eine allzu feine linie, als dasz sie nicht alle augenblicke von der unwissenheit und dem leichtsinn übersehen, oder von den leidenschaften übersprungen werden sollte. Wieland 6, 284; jetzt gibt es eine gränze, an welcher die freiheit stille steht, eine ehrwürdige heilige linie, nach welcher alle streitende bewegungen des willens zuletzt einlenken müssen. Schiller 789ᵃ; warum sollte der körper, der doch sonst die seele in allen ihren veränderungen so getreulich begleitet, in diesem falle so zügellos über seine linien schweifen, dasz er ihren ton miszstimmte? 699ᵇ; (sie hatten) redlich mit ihm zusammengehalten bis hieher, bis an die letzten linien ihrer pflicht. 809ᵃ; ha! welche vorstellung, die den staunenden geist über seine linien wirbelt! Fiesko 3, 2; selbst die jüdische nation schwankte alle augenblicke über die schmale, schwer zu haltende linie hinaus. Hebel 3, 232;
verbänd er auch mit einem scharfen blick,
die linie des schönen nie zu fehlen,
das leiseste gefühl im prüfen und im wählen.
Wieland 21, 159;
der kühne riesengeist
wird unsrer staatskunst linien durchreiszen.
Schiller Carlos 2, 10.
8)
linie in der fläche der hand und an den fuszsohlen:
so nagt sie lächelnd sich die rosenfarbnen nägel,
besieht die linien in ihrer weiszen hand,
dreht ihren ring herum, und spielt mit einem band.
Wieland 17, 286 (Idris 5, 57);
aus ihnen wird gewahrsagt (vergl. über diese aus dem alterthume überkommene kunst die in Haupts ztschr. 3, 271 von Meusebach mitgetheilten stellen aus alten drucken, wiederholt in Haupts Erec, 2. aufl., s. 421): weil ich nichts mehr sage, als was mich die linien und merkmaale in den händen und im gesicht lehren. Gellert 3, 399; sie haben mir auch einmal gesagt, dasz die linien an den fuszsohlen ein groszes licht geben (in bezug auf die schicksale eines menschen). 419; was können sie für die linien und punkte, wenn sie sich zuweilen verstellen. daran ist die kunst (des wahrsagens) nicht schuld. 428;
beseht die flache handt, innwendig der jhr finden
werd manch verborgne kunst nit jedem zu ergründen ...
da stehet all mein glück und unglück uffgeschrieben,
da steht wie hoch ich sie, wie hoch sie mich musz lieben,
so manche lini sich allda entwerfen thut,
so manche tugent helt in sich jhr keuscher muth.
Zinkgref bei Opitz (1624) 217;
auch meine hand besah er, schüttelte
das haupt bedenklich, und es schienen ihm
die linien nicht eben zu gefallen.
Schiller Piccol. 3, 4.
9)
auf einem stammbaum werden durch eingezeichnete linien die einzelnen glieder eines geschlechtes verbunden; daher linie in genealogischer bedeutung: die frommen erzvätter so ausz der linien Seth und Enoch herkamen. Mathes. Sar. 82ᵃ; wie die .. helden auf die welt kommen, und unser Gurgelstrossa nach dierechter gerader lini von jhnen abgestigen seie. Garg. 25ᵇ; diejenigen, so dem verstorbnen am nechsten, dem geblüt nach, verwandt seint. erstlich die, so in absteigender, zum andern die, so in aufsteigender, und zum dritten, die in der seiten oder zwerch linien gefunden werden. Frankfurter reform., 5. theil, vorrede; wer durch hinlängliche urkunden darthun kann, dasz er in absteigender linie von dem weisen Partridge herkömmt. Rabener sat. 2, 390; welche die ehre haben, in gerader linie von dir abzustammen! 4, 14; er gehörte zu dem weitläuftigen geschlechte derer von Schnuck, welches .. sich in folgende linien, zweige, äste und nebenäste spaltete. Immermann Münchh. 1, 51; die vielfältige theilung des geschlechts .. hatte eine bedeutende theilung des stamm-erbes zur folge gehabt und namentlich in der jüngern linie, welche von jeher durch grosze fruchtbarkeit ausgezeichnet war, die güter in eines jeden erbherrn händen merklich gemindert. ebenda; (der) theil des klerus, der, von der älteren bourbonischen linie nichts mehr erwartend, sich der jetzigen regierung angeschlossen hat. H. Heine 9, 74;
ich zürnte mit dem schicksal,
dasz mirs den sohn versagt, der meines namens
und meines glückes erbe könnte sein,
in einer stolzen linie von fürsten
mein schnell verlöschtes dasein weiter leiten.
Schiller Piccol. 2, 3.
10)
linie, die zeile einer schrift, eines druckwerks, eines gedichts: versus, ein zeile, linien, ordnung. Dasyp.; linien oder zeil, gramma, linea, versus. ebenda; versus, eine zeile, linie in der schrift. Kirsch cornuc.; in dem gedruckten werden bei nahem in einer jeden lineen, drei oder mehr versalen gefunden. Sattler teutsche orthographei (1658) 18; wie mittelniederländisch:
eer die line wert ghelesen tende.
Reinaert 1079 Martin.
11)
linie, als ein masz.
a)
gewöhnlich der zehnte oder zwölfte theil eines zolles. mathemat. lex. 1, 810; auch in freier anwendung, als kleinstes längenmasz:
dasz .. seine nase
all augenblick in ihres halstuchs gase
behangen bleibt, und oft zwei linien blosz
den schönen mund von seinem rüssel trennen.
Wieland 18, 152;
es heiszt keine linie breit von seiner pflicht, von seinem rechte abweichen, wie sonst keinen zoll, keinen finger breit u. ähnl.
b)
als theil der fläche einer sonnenuhr: sihe, ich wil den schatten am sonnenzeiger Ahas, zehen linien zu rück zihen, uber welche er gelaufen ist, das die sonne zehen linien zu rück laufen sol am zeiger, uber welche sie gelaufen ist. Jer. 38, 8.
c)
linie, die länge des weiszen (lunula) an der wurzel des nagels am mittelfinger. Nemnich 3, 417.
12)
linie, der aequator: die schiffenden zur see pflegen mit besonderen ceremonien unter der linie hinweg zu passiren, .. auch werden alle diejenigen getauft, welche die linie das erste mal passiren. math. lex. 1, 810; in sprichwörtlicher anwendung: man sagt auch von jemand, dem es im kopfe übergesprungen ist: er hat die linie passirt. Kant 10, 234; er hat die linie passiert, non est suae mentis. Serz 91ᵇ.
13)
linie, die verbindung zweier orte durch strasze oder eisenbahn: die kürzeste linie zwischen hier und Frankfurt geht über Karlsruhe; nach Mainz kann man so gut die Elsässer linie, als die badische linie den Rhein hinab benutzen; durch die eisenbahnen wird der raum getödtet .. in vierthalb stunden reist man jetzt nach Orleans .. was wird das erst geben, wenn die linien nach Belgien und Deutschland ausgeführt und mit den dortigen bahnen verbunden sein werden! H. Heine 10, 122; es haben sich nicht blosz für die ausführung der nordeisenbahn, sondern auch für die anlage vieler andern linien grosze gesellschaften gebildet. ebenda (von 1843).
14)
linie, linie im felde, die eintheilung einer in schlachtordnung gestellten armee. Jacobsson 6, 642ᵃ; namentlich die aufstellung der truppen nach der breite, im gegensatz zur colonne; bei den kriegsschiffen, die anordnung der schiffe hinter und neben einander. 2, 617ᵇ: er stellte seine armee, welche gewöhnlich nur eine einzige linie einnahm, in einer doppelten linie in schlachtordnung. Schiller 921ᵇ; unter den anhöhen gegen abend breitete sich der feind aus in einer langen unübersehbaren linie. 934ᵃ; die ganze armee stand in zwei linien. 963ᵃ; es heiszt die linien wanken, werden erschüttert, durchbrochen: wir drängten und schossen und hieben, dasz sie die mäuler verzerrten und ihre linien zuckten. Göthe 8, 173.
15)
daher linie, die soldaten, die zunächst für die armee des schlachtfeldes bestimmt sind, im gegensatz zur landwehr, die den häuslichen herd schirmt, überhaupt dann aber das stehende heer; auch die feldtruppen im gegensatz zu den garden: ich glaube, die nationalgarde und die linie werden uns heute cernieren. H. Heine 8, 92;
da naht zu fusz und naht zu rosz die königliche linie schon:
feuer! befiehlt der general.
Freiligrath dicht. 3, 130;
anrückt die linie: schusz auf schusz!
und immer frisch geladen!
157.
16)
linie, ein aufgeworfener graben mit einer brustwehr, wodurch verschiedene redouten und allerlei feldschanzen zur bedeckung an einander gehangen werden, um gegen die einfälle der feinde zu bewahren; auch zwei und dreifach hinter einander angelegt. Jacobsson 2, 617ᵇ; auch ein landstrich, der durch umfangreiche feldverschanzungen vertheidigt wird: in der schlacht selbst behauptete die geschwindigkeit und gegenwart Napoleons und die tapferkeit seiner truppen den besitzthum von Dresden und die linie an der Elbe. Hebel 3, 64.
17)
linie, mehrfach in der sprache der gewerke.
a)
die buchdrucker nennen so die gleiche höhe der lettern; auch die dünnen streifen mit denen sie die zeilen bei durchschossenem satze auseinander halten, endlich lange streifen die beim drucken von tabellen verwendet werden.
b)
linie, beim zimmermann die gefärbte schnur, mit welcher er bei einem zu behauenden balken die richtung des hiebes vorzeichnet. in dieser bedeutung findet berührung des wortes mit der bedeutung oben 2 statt; als richtschnur begegnet linie auch schon mhd.: si sprach: got weiʒ wol, ich tuon eʒ (nämlich dasz ich arm bleibe) niergent umbe wan der linien ze êren, diu mich geleitet hat zuo mîner êwigen sêlikeit. als unreht als diu linie ist gewesen in ir selber in der zît und in der êwikeit, alsus wil ich sîn in der êwikeit und in der zît. ir sult wiʒʒen, daʒ ich der linien unsers herren Jêsû Kristî niht wil abe gan. d. mystiker 2, 474, 9.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1039, Z. 79.

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Zitationshilfe
„linie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/linie>, abgerufen am 08.08.2020.

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