Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

link, adj.

link, adj.
sinister, laevus.
1)
von gliedmaszen oder körpertheilen, die auf der herzseite liegen.
a)
linke hand: abir wan du gibes dîne almûsen, dîne linke hant insal nicht wiʒʒen waʒ dîn rechte hant tuͦt. Behaims evang. buch, Matth. 6, 3; wenn ein rabin sagt die rechte hand ist link, so ist sie link, sagt er die linke hand ist recht, so ist sie recht. Luther 8, 115ᵇ; sie hielten aber die fackelen in jrer linken hand, und die posaunen in jrer rechten hand das sie bliesen. richter 7, 20; und wil dir den bogen aus deiner linken hand schlahen, und deine pfeile aus deiner rechten hand werfen. Hes. 39, 3; und satzt den zeiger der rechten hand mitten in die linggen hand und sprach: als wenig wird der buͦb lärnen, als ich den finger do durchin mag stoszen. Th. Platter s. 13 Boos; das scepter in der rechten, den reichsapfel in der linken hand. Eichendorff leben eines taugenichts s. 121;
gesell, mir will das herz
bis uff den grunt versinken,
die rechten handt, noch linken
kan ich nicht uff gehaben.
Altswert 217, 32;
für die freiheit flosz das blut
seiner rechten! Rudolfs muth
that mit seiner linken hand
noch dem Franken widerstand!
Stolberg 1, 45;
die eine hielt den rechten arm erhoben,
hindeutend auf gebirg und strom und aue,
die andre hielt, damit sie besser schaue,
die linke hand der sonne vorgeschoben.
Uhland ged. 135;
mit flinkem hiebe schlug Roland
ihm unterm schild die linke hand
dasz hand und schild entrollten.
342;
die linke an die scheide, die rechte hand ans heft!
die linke an die gurgel dem sklaven und dem schuft,
die rechte mit der klinge ausholend in der luft!
Freiligrath dicht. 3, 176.
die linke hand ist die weniger gebrauchte, ungeschicktere, weniger geltende, vgl. die ausführungen unter hand theil 4², sp. 337 fg.; die ehe zur linken hand, s. ebenda; die linke hand bei ortsbestimmungen die nach den händen gegeben werden, vgl. unter hand theil 4², sp. 338 fg.: das haus liegt linker hand; zu deiner linken hand steht ein stock, den bringe; sprich daʒ dise mêne zwêne sune sitzen einer zuͦ dîner rechten hant und der andere zuͦ dîner linken in dîme rîche. Behaims evang. buch, Matth. 20, 21; zuͦ sitzen zuͦ mîner rechten hant und zuͦ der linken hand. v. 23 (bei Luther beide male substantivisch zu deiner rechten — zu deiner linken .. zu meiner rechten und linken); die stube linker hand, worin sie ihre familienurkunden aufbewahren. Immermann Münchh. 2, 116; zur linken hand geht der gesellschaftlich weniger geltende: die ehrerbietung ward augenblicklich zwischen beiden so grosz, dasz der commissarius abstieg und zu fusz mit meinem herrn gegen seinem losament fortwanderte; da wolte jeder die linke hand haben. Simpl. 1, 125 Kurz;
(der sinn der weiber) stellt die klugheit und verstand
dem reichthum an die linke hand.
Günther 560;
die linke hand bezeichnet auch die seite des verderbens (vergl. Matth. 25, 33):
wer nach der werlde glanz trahtet,
und gotes liebe lüzzel ahtet,
des muot, des guot, des êre und wort
sint geneiget ûf ein ort
daʒ gegen der linken hant sich lenket
unt lîp und sêle gen helle senket.
Renner 8194;
obschon man zu ihrer ehrenrettung die lage an der herzseite geltend macht: die linke hand geht von herzen. sprichwort;
her die hand, dieweil ich trinke.
doch von herzen geht die linke,
wie man itzt will sein getraut.
Fleming 460.
b)
linker arm, linke achsel; linker fusz, linkes bein; linkes auge, linkes ohr; linke seite, linke brust; er setzt seinen rechten fus auf das meer, und den linken auf die erden. offenb. 10, 2; du solt dich auch auf deine linken seiten legen. Hes. 4, 4; das linke bein aufheben wie ein hund, der an eine ecke brunzt. Simpl. 1, 98 Kurz; ob er nicht gehöret hätte, dasz derselbige obriste einen hirsch durch das linke ohr und durch die rechte pfote mit einer kugel zugleich geschossen hätte. Chr. Weise erzn. 101 Braune; streifte den strumpf vom linken beine. Immermann Münchh. 2, 33; mit dem letzten bissen im munde wieder auf die linke seite gefallen und weiter geschnarcht. 3, 122; ich habe einen schlag mit einem knüppel über den kopf und einen stosz in das linke auge weg. 4, 24; kein maal unter der linken brust. 1, 66; das glück auf dem linken ohre taub zu sein. J. Paul Katzenbergers badereise 2, 98;
(Engelhard) traf nâch sînes herzen wal
den Schotten ûf die linke brust.
Engelh. 2621;
der schrîber was niht ze laʒ,
der juncfrouwen er gesaʒ
ûf ir linken rücke.
ges. abent. 3, 120, 352;
uf meiner linken achsel, da gehn bie 1000. läus,
und auf der rechten noch viel mehr.
Simpl. 1, 220 Kurz;
und das, was in der linken brust von blut- und ehrbegierde schläget.
Günther 426;
der eine brach die linke zeh.
166.
auch hier ist link in beziehung zu unglück gebracht: ein neugebohren kind soll man nicht zu erst auf die linke seite legen, es wird und bleibet sonst sein lebtage linkisch. rockenphilosophie 2. hundert, no. 45; wenn man des morgens mit dem linken fusze zuerst aufsteht, so hat man den tag zank (oder unglück). Curtze volksüberlieferungen aus Waldeck s. 415, no. 217; man darf das linke ohr, oder die linke hand nicht zuerst waschen, sonst ist man den tag über übeler laune. no. 219; wenn einem das linke ohr klingt, so wird von ihm übel gesprochen. das klingen des rechten ohres bedeutet gute nachrede. wer morgens das kreuzzeichen mit der linken hand macht, hat den tag über zank und hader. Zingerle lusern. wörterb. s. 78, 22. 23;
min lingges or mir immer singt:
gwisz mir min bott nit guotes bringt.
trag. Joh. L 3;
und in beziehung zu zauberei: wer frühlingszeit die erste schwalbe siehet, der stehe alsbald stille, grabe mit einem messer in die erde, und zwar unter den linken fusz, so findet er eine kohle, die ist das jahr gut vor das kalte fieber. rockenphilosophie, 3. hundert, no. 32; wem etwas ins auge fället, der speie dreimahl über den linken arm, so kömmt es heraus. 4. hundert, no. 40.
2)
das substantive die linke meint die linke hand: seine linke liget unter meinem heubte, und seine rechte herzet mich. hohel. 2, 7; weil ich ihrer rechten nichts geben mag, was ich aus ihrer linken nehmen müszte. Lessing 1, 451; damit ich ihm nichts vorzuwerfen habe, so nimmt er mirs mit der rechten, und giebt mirs mit der linken wieder. 583; erze .. die er mit der linken in den tiegel warf, denn mit der rechten hielt er mich liebreich gefaszt. Immermann Münchh. 3, 76;
wägt in der schreckenden rechte dann den mond und die sonne,
in der linken die morgensterne!
Klopstock 3, 80;
die liebende mutter
stützt auf die bebende linke sich, zeigt mit der rechte der menschen
vater die kinder, die christen.
4, 129;
ganz von diesem gefühl durchdrungen, stützet sich Henoch
auf ein grab mit der linken, und streckt die rechte gen himmel.
228,
(die ausgaben von 1760 und 1780 lesen, indem sie das wort in die substantivdeclination ziehen,
stützte sich Henoch
mit der link auf ein grab, und streckte die rechte gen himmel);
gebt mir die rechte, gebt mir die linke.
Stolberg 1, 335.
bei ortsbestimmungen zur linken: lieber scheide dich von mir, wiltu zur linken, so wil ich zur rechten, oder wiltu zur rechten, so wil ich zur linken. 1 Mos. 13, 9; das ich mich wende zur rechten oder zur linken. 24, 49; die kinder Israel giengen hin ein, mitten ins meer aufm trucken, und das wasser war jnen fur mauren, zur rechten und zur linken. 2 Mos. 14, 22; alles volk und alle gewaltigen waren zu seiner rechten und zur linken. 2 Sam. 16, 6; und wird die schafe zu seiner rechten stellen, und die böcke zur linken. Matth. 25, 33; zur linken das meer. Herder z. litt. 3, 53; gehet hin zur rechten und linken — wir wollen ewig niemals gemeine sache machen. Schiller räuber 5, 2;
zur linken stieg die herrscherinn der nacht,
der volle mond, in silber-weiszer pracht ..
allmählich in die blaue luft.
Brockes 1, 193;
so stand er zur linken.
Klopstock 4, 86;
Pontius gebot zu der rechten und linken.
94;
die böcke zur rechten!
die ziegen zur linken!
Göthe 57, 269;
zur rechten sieht man wie zur linken
einen halben Türken heruntersinken.
Uhland ged. 330;
an der linken: du sollst der erste an meiner (des königs) linken sein. Lessing 2, 467;
du schwert an meiner linken.
Körner werke 1, 143.
3)
link ist der, welcher mit der linken hand das verrichtet, was gewöhnlich mit der rechten gethan wird (verschieden von no. 7 unten): linker, der die linke hand für die rechte braucht, scaeva, Scaevola Dasyp.; und der herr erwecket jnen einen heiland, Ehud den son Gera, des sons Jemini, der war link. richter 3, 15; und unter allem diesem volk waren sieben hundert man auszerlesen, die link waren, und kunden mit der schleuder ein har treffen, das sie nicht feileten. 20, 16; der riesz schlug gegen Goffroys rechte handt, denn der riesz link was. b. d. liebe 278ᵇ; man kan sich vor dem streich desz der lingk ist, nit hüten, non est observabilis ictus sinistrae. Maaler 273ᵈ; habend guͦt sorg das die kind nit lingg wärdind. Diog. C 8ᵇ; link und recht, beiderhändig: link und rechts, ambidexter Dasyp.; alleine die Römer, welche wegen der in linken armen hängender schilde die Deutschen auf der seite zu blöszen, und ihnen einen besondern vortheil abzujagen vermeinten, befunden sich merklich betrogen, weil der feldherr in seinem linken flügel alle die, welche linkisch, oder link und recht waren, gestellet hatte; welche ihre schilde alle in rechten arm nahmen, und dadurch die Römer in ihrem ganzen gefechte verwirreten. Lohenstein Arm. 1, 37ᵇ. vergl. dazu links und linktatz.
4)
link, von bekleidungsstücken oder theilen solcher für die linke seite eines menschen: der linke schuh, der linke handschuh, das linke vordertheil eines rockes, der linke ärmel; auf den ermeln, absonderlich auf den linken, der von herzen geht, war ein ganzer kram von allerhand liederlichen bändergen aufgeheft. Chr. Weise erzn. 32 Braune; da war, als es hinabsprang. der linke pantoffel des mädchens hängen geblieben. Grimm k. u. hausmärchen no. 21; mein vater pflegte auch sein frühstück in die linke rocktasche zu senken. Immermann Münchh. 2, 59.
5)
link, von dem, was zur linken hand sich befindet.
a)
ohne nähere bestimmung durch ein substantiv: menschen, die nicht wissen unterscheid, was recht und link ist. Jona 4, 11; schulknaben, die nicht wissen, was recht und link ist. Liscov 53. vgl. dazu links.
b)
mit substantiven: und setzt fünf gestül an die rechten ecken des hauses, und die andern fünfe an die linken ecken. 1 kön. 7, 39; und stellet alles volk .. von dem rechten winkel des hauses bis zum linken winkel. 2 chron. 23, 10; kam er zu dem groszen gebirge Ange, an der linken seiten Cilicien. Judith 2, 12; an der straszen zur linken seiten gegen dem meer. Tob. 1, 1; indessen ist der schwedische rechte flügel, welchen der könig selbsten führete, auf den kaiserl. linken flügel angefallen. unw. doct. 533; (ein baumeister der) die rechte seite kürzer als die linke, oder das vorhaus gröszer machte als das wohnhaus. Wieland 36, 42; der sohn zur linken seite (in der Laokoongruppe). Heinse Ardinghello 2, 76; was zuerst die pforte betrifft oder betraf, so standen ... deren beide steinerne pfeiler noch, und auf dem rechten hatte sich sogar der statuarische löwe als wappenhalter zu behaupten gewuszt, während sein partner von dem linken pfeiler hinab in das hohe gras gesunken war. Immermann Münchh. 1, 50.
c)
link, auch von personen, die zur linken jemandes weilen:
jagt zu, jagt zu, mein edler herr!
fiel rasch der linke ritter drein.
Bürger 70ᵃ;
der rechte ritter sprengt heran,
und warnt den grafen sanft und gut.
doch basz hetzt ihn der linke mann
zu schadenfrohem übermuth.
70ᵇ.
d)
das linke ufer eines flusses ist das, welches dem stromabwärts fahrenden zur linken hand ist: das linke ufer des Oberrheins ist schweizerisch, das rechte deutsch; das linke Rheinufer war früher französisch; die beiden eisenbahnen, welche, die eine dem rechten Seineufer, die andere dem linken ufer entlang, nach Versailles führen. H. Heine 9, 84;
dasz dich der vaterländsche geist begleite,
wenn dich das schwanke brett
hinüberträgt auf jene linke seite,
wo deutsche treu vergeht.
Schiller 101ᵃ ('dem erbprinzen von Weimar, als er nach Paris reiste');
bildlich: das napoleonische kaiserthum .. war eine nützliche brücke für leute, die sich aus dem strome der revolution darauf retteten und zwanzig jahre lang darauf hin und her liefen, unentschlossen, ob sie sich auf das rechte oder das linke ufer der zeitmeinungen begeben sollten. H. Heine 9, 117.
e)
link im parlamentarischen und politischen leben, aus dem französischen der restaurationszeit übernommen, wo in den kammern die oppositionspartei ihre sitze zur linken des präsidenten wählte, vgl. Littré 1, 1844ᵃ. es heiszt die linke seite des hauses; die linke; die führer der linken; die äuszerste linke, franz. l'extrême gauche: er (der thronfolger) solle sich nicht von den theoretikern verleiten lassen, das bürgerkönigthum in der volkssouveränetät zu sehen, noch viel weniger in der aufrechthaltung der charte; er solle sich weder an das geschwätz der rechten noch der linken kehren. H. Heine 8, 375 (von 1832); bekanntlich hat die fraktion der republikaner, die durch den 'national' repräsentiert wird, den gesetzvorschlag der befestigung am wirksamsten verfochten. eine andere fraktion, die ich die linke der republikaner nennen möchte, erhebt sich dagegen mit dem wildesten zorn. 9, 240; wie jüngst die äuszerste linke in Frankreich gegen Cousin eiferte. 10, 217; vormittags fiel er mit der äuszersten linken die minister an, nachmittags war er absolutistisch gesinnt, abends wuszte er nicht, wo ihm der kopf stand und ging als juste-milieu zu bette. Immermann Münchh. 1, 71.
6)
link, von gegenständen, die gewendet werden können, und deren rechte die eigentlich gebrauchte oder schöner aussehende ist (vgl.letz 2, sp. 794): das tuch hat eine rechte und eine linke seite; wenn man etwas von wäsche link oder verkehrt anziehet, wird man nicht beschrien. rockenphilos., 1. hundert, no. 3;
wir kehren, frank und froh,
den strumpf auf die linke seite
und tragen ihn so.
Göthe 3, 278;
von den lettern:
sonderlich dem Mäntelein
sollte man gedächtnus-stein
und vil ehren-kränze schenken,
der die kunst (des buchdruckens) erfunden hat
durch die linken truck-buchstaben.
Rompler 63.
7)
link, dem rechten in sittlicher beziehung entgegengesetzt: sinistrum ein links (d. i. linkes) ł bosz ding Dief. 537ᵃ; ich empfinde Ovidium .. wǎr gesagt haben da er sprich werlich linkge und unselige ding koment selten ainig. Wyle 176, 15 Keller; es wird wunder sein, wenn ich (am tage des gerichts) in der zahl derjenigen bin, die zur rechten stehen, denn ich habe in meinem leben mehrentheils linke werke gethan. pers. baumg. 10, 5;
ich saʒ ûf einer grüene
unt dâhte an maneger hande dinc,
wie ich die werlt behielte
und ouh gen gote iht wurde linc.
Frauenlop sprüche 263, 4;
er (der neidische) spricht zuͦ dir, fründt ysz und trink,
doch ist syn herz an dir ganz link,
als ob er sprech, wol günd ichs dir
als hetts ein diep gestolen mir.
Brant narrensch. 69, 30.
8)
eine linke ehe heiszt im volke ein concubinat (verschieden ehe linker hand, oben 1, a); ein bruder, eine schwester von linker seite, nicht vollbürtig, unehelicher halbbruder, halbschwester; bei welchen wendungen eben so gut der gedanke an das sittlich (oben 7) als an das gesellschaftlich (oben 1, a) nachstehende zu grunde liegen kann:
du irrest nicht, erwiedert Pafia ..
sie (die Helena) ist mein schwesterchen (zwar von der linken seite)
ein kind von Zeus, der ihrer frau mama
zu lieb ein schwanenfell sich borgte,
und seinen vortheil einst bei ihr im bad ersah.
Wieland 10, 193.
9)
link, verkehrt, unrecht, dem rechten entgegengesetzt in bezug auf ein urtheil, ein thun, eine art: dann Paracelsus nicht so link gewesen, das er ein ding für ein oell beschriben het, das aber keins gewesen wer. Thurneiszer von wassern 109; auch das schaalste, linkste, hämischste urtheil ist ihm lieber, als kalte bewunderung. Lessing 7, 331; weil man zu bemerken anfängt, dasz dieser unreine geist meistens durch die linke erziehung der eltern in das kind fährt. K. Lessing ebenda 13, 615; die ganze parallele ist in vergleichung der alten link. Herder z. litt. 14, 180.
10)
link, unbeholfen, in bezug auf verfahren und benehmen, an die linke hand als die ungeschicktere, anknüpfend: seine (Victor Hugos) muse, trotz ihrer herrlichkeit, ist mit einer gewissen deutschen unbeholfenheit behaftet. ich möchte dasselbe von seiner muse behaupten, was man von den schönen Engländerinnen sagt: sie hat zwei linke hände. H. Heine 12, 205, steht nicht häufig, da es gewöhnlich durch linkisch ersetzt wird: (dichter, welche die regeln des dramas) auf eine so linke und gezwungene art beobachten, dasz es weit mehr beleidiget, sie so beobachtet zu sehen, als gar nicht. Lessing 7, 199; die linke art, wodurch er sich auszeichnete. Hippel 12, 53;
Astarte .. glaubt, sie lese
ganz klar in seinem gesicht, dasz nichts als falsche scham
die ursach sei, warum er sich so link benahm.
Wieland 10, 280.
11)
der alte hochdeutsche ausdruck für link winistar, mhd. winster wird nach und nach hauptsächlich durch zwei neu aufkommende wörter verdrängt, von denen das eine, tenk, dem Donaugebiete angehört und noch jetzt den dortigen mundarten geläufig ist (Schm. 1, 524 Fromm.), während das andere, link, im Rheingebiete heimisch, sich ausbreitung im norden und eingang in die spätere nhd. schriftsprache verschafft hat. link ist ein ahd. noch ganz seltenes wort, zuerst alemannisch bezeugt: leva lenk, lenka Steinmeyer u. Sievers ahd. glossen 1, 202, 28, neben sinistra uuinstra, es scheint als habe hier der glossator laeva in der bedeutung ungeschickt, langsam auffassen wollen, weil er gleich darauf zu sinistra das damals gewöhnliche deutsche wort für den begriff gibt. auch das angeführte tenk ist von dem sinne ungeschickt, langsam zu dem link gekommen, in Appenzell heiszt tengg langsam, schleppend, sich langsam und träge bewegend, zauderhaft, mauszlich Tobler 133ᵇ. zu link sind alte nebenformen lenk und slinc (Lexer mhd. wb. 1, 1924), von denen die letztere noch in dem bei Stieler 1855 verzeichneten adv. schlinks, oblique, transverse, sinistre fortdauert. musz bei der feststellung der eigentlichen bedeutung des wortes von der letzteren form ausgegangen werden, so bietet sich am nächsten zur vergleichung das ags. slincan kriechen und das zu diesem verbum gehörige, unnasalierte adj. sleac, släc, faul, nachlässig, träge; so dasz, die richtigkeit dieser vergleichung vorausgesetzt, auch durch sie erwiesen würde, wie link und tenk von éiner anschauung aus zu ihrer späteren bedeutung gelangt wären. Zu link ist nur ganz vereinzelt ein comparativ gebildet worden: er stehet wieder auf dem linkeren fusz. sprichwort bei Schottel 1118ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1044, Z. 63.

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Zitationshilfe
„link“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/link>, abgerufen am 12.08.2020.

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