Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

links, adv.

links, adv.,
der genitiv des adj. link, in vollerer form linkes: Jacob Sannazar, der gleichsam linkes und rechtes die herrlichsten wellschen und lateinischen carmina geschrieben hat. Opitz 1, vorr. 7ᵃ; in mischung mit dem adj. linkisch auch als ein adjectiv behandelt: links, sinister, et adverbium sinistre .i. deceptorie. voc. inc. theut. n 1ᵃ; vgl. nachher no. 4.
1)
links, zur linken, als adverb in örtlichem ruhendem sinne; häufig zu rechts in gegensatz gebracht: da ging ein heimliches rumoren und gewisper unter den jungen leuten rechts und links. Eichendorff aus dem leben eines taugenichts 42; rechts und links flogen dörfer, städte und weingärten vorbei (bei einer schnellen fahrt). s. 55; rechts (auf einem gemälde) sitzen schnitterinnen .. links kommen ebenfalls weiber mit fruchtgarben. H. Heine 11, 57;
der (wanderer) ändert oft den lauf;
bald rechts, bald vor, bald links.
Lessing 1, 124;
wie flogen rechts, wie flogen links,
gebirge, bäum und hecken!
wie flogen links, und rechts, und links
die dörfer, städt und flecken!
Bürger 15ᵃ;
stets ritten reiter rechts und links
zu beiden seiten neben an.
70ᵃ;
ein dämpfer kam von Biberich: stolz war die furche, die er zog!
er qualmt und räderte zu thal, dasz rechts und links die brandung flog!
Freiligrath dicht. 3, 124;
links hier des hellwegs goldene au!
und dort zur rechten, überm gestrüppe,
das ist meines Osnings dämmerndes blau!
193;
links liegen, etwas links liegen lassen, auch in bildlicher anwendung, vgl. unter liegen II, 10, b sp. 1011; links sein (verschieden von unten 4): ich bin zu weit links, etwa von einem einzuschlagenden wege; auch bildlich: da bist du weit links, von der richtigen meinung entfernt; mit verben der bewegung, wo links die bedeutung zur linken, nach der linken hin annimmt: links gehen, sich links wenden; wir müssen uns gleich von Linz links abwenden, so kommen wir noch bei guter zeit nach Prag. Eichendorff taugenichts s. 121;
er dreht sich links, er dreht sich rechts.
Chamisso in Wackernagels leseb. 2 (1876) 1688;
Herm. ging er? Eg. mich dünkte ja. er bog sich links.
H. v. Kleist Herrmannsschlacht 2, 2;
links blicken, links sehen; nicht rechts noch links sehen, auch bildlich von einem menschen, der ohne wanken bei seinem vorsatze bleibt: dieser, der seine frühe liebe zu Charlotten hartnäckig im sinne behielt, sah weder rechts noch links. Göthe 17, 21; links fliegen, von den vögeln (vgl. dazu andere beispiele vorher):
ob rechts die vögel fliegen oder links.
Schiller braut v. Messina 2391.
links durch zusätze näher bestimmt: der wirth ging links von seinem gaste; links von diesem hause führt ein weg in den garten; die Hoffnung besteigt die ruinen links des zuschauers, Glaube und Liebe die ruinen rechts. Göthe 13, 302. mit adverbien der bewegung links ab, links hin, links um, vgl. auch die zusammengerückten linkshin, linksum: links ab, deorsum ad sinistram Stieler 2; weil ein ring oder cräisz um den andern links, und die andere rechts herum tanzten. Simpl. 1, 176 Kurz; in substantiver anwendung: nun hat jeder finger sein rechts und links, sein hüben und drüben, welches zugleich der ganzen hand angehört. Göthe 50, 36.
2)
links, verkehrt, gewendet, vgl. link no. 4: der schneider hat das zeug links genommen; den strumpf links anlegen.
3)
links, verkehrt, unrecht, der art nach (vgl. link 9): wie ungeschickt übersetzt er ... wie links! wie sinnlos! Lessing 6, 95; sie übersetzen daher ganz links ... hier ist alles nur halb recht! 207; er hat es gern, dasz man über sein werk urtheilet; schaal oder gründlich, links oder rechts, gutartig oder hämisch, alles gilt ihm gleich. 7, 331.
4)
links sein wechselt mit link sein und mit linkisch sein, zumal die form linkisch selbst auch als linkes, links, linksch erscheint, vergl. oben unter linkisch; während Hederich 1536 aufführt der links ist, qui sinistra manu rectius utitur, der links und rechts zugleich ist, ambidexter, setzt der ihn ausschreibende Steinbach diese phrasen in: der linksch ist, der linksch und rechtsch zugleich ist um. links sein in mehreren beziehungen.
a)
in bezug auf den gebrauch der hände, vgl. link sein unter link 3: glücklicherweise (für das abfeilen eines ringes am rechten finger) war ich links, und ich hatte in meinem leben niemals etwas rechts gemacht. Göthe 23, 103; zufällig bin ich auch links, habe aber die rechte hand zu manchen arbeiten durch gewohnheit und übung gezwungen. Brandis ebenda 60, 55; rechts und links sein, mit beiden händen gleich geschickt; in freier verwendung: sie (die studenten) seind fein zutäppisch, auch links und rechts wie eine klosterkatze, die selbst in die töpfe kreucht. herrlicher triumphwagen 53; vergl. dazu die stelle aus Opitz oben im eingange.
b)
in bezug auf eine art und weise, vgl.link 9: so soll und musz es sein, sit pro ratione voluntas, es sei links oder recht. Schuppius 548; der hält ihm eine predigt, die nicht links ist. Fr. Müller 1, 277.
c)
in bezug auf das benehmen, vgl.link 10: links sein, sich links nehmen: ich habe darum nur schwache schritte gewagt, um irgend ein glück in der welt zu machen, und der versuch muszte mislingen, weil ich mich links dabei nahm. Sturz 1, 136.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1049, Z. 64.

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Zitationshilfe
„links“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/links>, abgerufen am 11.08.2020.

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