Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lispel, m.

lispel, m.
lispelnder laut, ein nach lispeln 2 im 18. jh. viel verwendetes dichterwort; von der gedämpften menschlichen stimme: verwünscht sei jedes wort, jeder lispel, jeder traumlaut vom künftigen! Klopstock 9, 340; (die) stimme Fiordimonens, die, möcht ich sagen, wie ein arm so stark aus ihrer kehle strömt mit aller geschmeidigkeit und mannichfaltigkeit, vom leisen lispel bis zum sturm. Heinse Ardingh. 2, 325;
lispel, entflohn jenem gesang der entflammten
söhne des heils, o, besuch oft die beladnen
erdewanderer.
Klopstock 1, 178;
er sprachs, und Abrahams stimme
hauchte mit leisem lispel ihn an.
4, 158;
und, wie abendluft, erfrischte
seiner liebe lispel mich.
J. M. Miller ged. 275;
bis die vertraute mit sanft warnendem lispel sie weckt.
J. H. Voss 3, 90;
im plur.:
hätt ich deinen sanften gang nicht vernommen,
nicht deiner lispel stimme gehört.
Klopstock 1, 121;
im weiten kreise der engel
und der erstandenen walleten leisere lispel, der freude
stimmen umher, da der cherub die krone dem duldenden brachte.
6, 20;
von den leisen tönen der harfe, der flöte (vgl. harfenlispel):
so schwebte der harfe
lispel auf ihm, und der hall der posaune.
5, 171;
melodieen, der süszesten wonne gespielinnen, stiegen
mit dem lispel empor der engelharfen.
6, 24;
göttin mit der flöte lispel,
mit der pauke donnerton!
A. G. Meiszner cantate: das lob der musik;
im plur.:
er sang in die lispel der goldenen harfe.
Klopstock 6, 227;
von dem leisen geräusch des windes, der von ihm bewegten blätter, der quelle, ebenfalls im sing. und plur.:
wenn von dem sturm nicht mehr die eich hier rauschet,
keine lispel mehr wehn von dieser weide.
Klopstock 2, 21;
quelle .. deinem leisen lispel entschlüpfen süsze
freuden der seele!
Stolberg 1, 35;
lispel des wankenden schilfes.
158;
leise, wie lispel im myrtenbusch.
4, 34;
säusle mit segnendem lispel,
himmelsluft!
15, 306;
jeder lispel des baums, jedes geräusch des bachs.
Hölty 75 Halm;
wie Blandusiens quell rausche der afterwelt
deine lispel, o bach, tanze der enkelin
silberblinkend vorüber.
103;
kann, gleich dem meer, dieselbe stimme brausen,
die einem west im leisen lispel gleicht,
wenn er sich sanft durch eine harfe schleicht?
Göckingk 1, 92;
kundige zeugen dem ruf, dasz oft im lispel des haines
und in des baches geräusch göttliche stimmen ihm wehn.
Voss 3, 128.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1061, Z. 71.

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Zitationshilfe
„lispel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lispel>.

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