Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

listlein, n.

listlein, n.
kleine, unschuldige, unbedeutende list. mit des listleins spielen bezeichnete das 15. 16. jahrh. eine art bretspiel mit hinterlistigen zügen: item, also digk als man zuo Baligou anheben wil zue spilen, so sol der wirt bi sinem geswornem eid ein bisz (büchse), die im zuo handen geben wirt, uf den disch stellen, darin sol ein ieder, der spiln wil, 2 D leigen. die so bocken oder listlisz spiln, und ob einer im spil gewun, solen in die andern manen, sol aber (noch einmal) nach bilcheit darin leigen. weisth. 5, 356 (Oberelsasz, von 1448); die hern verpietent, daʒ nu fürbaʒ chain burger hie ze Münchn .. mit würfeln nit spiln sol weder umb wenik noch umb vil und besonderlich lüstleins, abr recht pretspil mag man wol tun. Münchener magistratsverordnung von gegen 1440 bei Schm. 1, 1525 Fromm.; thun demnach zuvorderst alle falsche, wie auch die listlins- und glückspiele, die allein auf list, betrug .. bestehen, allerdings verbieten. Straszburger policeyordn. tit. 12 bei Moscherosch de exercitiis acad. s. 344. in sprichwörtlicher verwendung: wann man des listlins spilt, so darfestu keinn an eines weibes stat stellen. S. Frank sprichw. 1, 24ᵃ;
sie wird desz listles mit jhm spieln (die frau mit dem bulen).
H. Sachs 4, 3, 3ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1071, Z. 26.

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Zitationshilfe
„listlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/listlein>.

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