Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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litze, f.

litze, f.
schnur, aufzugsfaden. das wort scheint zunächst nichts als ein weberwort zu sein, entstammend dem spanischen lizo aufzugsfaden aus lat. licium, und vom spanischen in die nördlichen länder gedrungen, wie ja auch die kunst der feineren weberei von den spanischen Mauren sich verbreitet: altfranz. lice, lysse, neufranz. lice (Littré 2, 298ᶜ); niederl. lits und lis; hochdeutsch litze und litsche, wo es in der letzteren form auch die tuchleiste zu bezeichnen scheint: daʒ die burgere, die uszwendig irer (der weber) zunft sint, nit me gewandes sollent machen, danne sie bedorfent mit irme gesinde an sich zu cleiden, und dar zu viere duche im jare, die an der lenge vier elen sollent kurzer sin danne der ducher und wöber duche, und die selben viere duche sollent ouch nit litschen han. Mone zeitschr. 9, 167 (v. 1401). auszer beim weber gilt litze beim seiler, wo der plural die einzelnen schnüre meint, aus denen die taue gedreht werden. Brosenius technologie (1860) 2, 191 (niederd. lizz stück oder ende eines bindestricks, oder einer schnur Schütze 3, 45); und beim posamenter, wo unter litze eine übersponnene zierschnur für kleiderbesatz u. ähnl. verstanden wird: der grosze hut (der französischen soldaten), der in der quere aufgesetzt wird, ist mit sehr langen litzen aufgeheftet. Göthe 43, 57; besonders artig nehmen sich daran (an stühlen) hochrothe seidene litzen aus, mit denen die kanten der kissen bezeichnet sind. 108;
indem die platten spitzen (des getreides),
dem ansehn nach, geflochtnen litzen
von purpurnen von grün- und grauer seide
natürlich zu vergleichen stehn.
Brockes 2, 179;
gelöst wehn schnur und litze
um sein zerhaun collet.
Freiligrath dicht. 1, 50;
an der militärischen uniform sind litzen die auszeichnung des unteroffiziers, daher die litzen bekommen, unteroffizier werden; sich die litzen verdienen. mit dem mhd. litze schranke hat das wort nichts zu thun; jenes gehört zu dem sp. 800 aufgeführten letze landwehr.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1072, Z. 78.

litze, f.

litze, f.
für letze, die schlinge (sp. 802): amentum lizz Dief. 30ᵃ; niederl. litse, letse neben lace laqueus, laqueolus, nexus, vinculum, ansula Kilian. bei den webern heiszen litzen (verschieden von litze schnur oben) am webstuhl zwirnfäden, von welchen jeder in der mitte eine aus dem faden selbst geknüpfte schleife (auge) trägt. Karmarsch 2, 335.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1073, Z. 29.

litzen, verb.

litzen, verb.
etwas falten, zusammenlegen, ein alemannisches wort; vergl. wegen seiner etymologischen bezüge oben unter dem masc. litz: litzen, krämpen, falten Stalder 2, 175; litza falten, auch schneiden, dasz das geschnittene überschlägt. Tobler 298ᵇ; von kleidungsstücken: sage es deinem lieben schwesterli, es solle die schoosz überlitzen und die früchte des baumes darein sammeln. ebenda s. xiv; auflitzen, einen hut, mütze aufkrämpen, überlitzen die ärmel überschlagen u. ähnl. Stalder a. a. o.; von den augen, augenbrauen: lize die augen falten Seiler 192ᵃ; wenn jetzt (das heimatthal ist angeredet) der schnee von deinen bergen stürmt, und um und um stockfinstre nebel auf dich herunterhangen, wenn du aussiehst wie ein scheuszlicher alter mann, der seine zürnenden augenbrauen herunterlizt. armer mann im Tockenb. 241; vgl. mhd.
daʒ wîʒe an beiden ougen
begunde er ûʒ dâ litzen.
von nœten muoste er switzen
und als ein eber schumen.
troj. krieg 27277.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1073, Z. 36.

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Zitationshilfe
„litzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/litzen>.

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