Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lobetanz, m.

lobetanz, m.
eine art öffentlichen tanzes; mhd. lobetanz Lexer handwb. 1, 1948 (belege seit der 2. hälfte des 13. jahrh.). der deutung des wortes als preis- oder ehrentanz (vgl.lobtanz, coraula, est corea laudabilis et specialis. voc. inc. theut. n 1ᵇ) steht die form gelobtänz, die da geschehen auf der gassen. Schmeller 1, 611. 1417 Fromm., doch wol entgegen, die an geloben vovere anknüpft, für die form lobetanz daher auf loben gleicher bedeutung (oben sp. 1082) hinweist, und bei der man zwar nicht an ein gelübde, wol aber an ein verbündnis von leuten gleichen standes (von gesellen) zu einer gemeinschaftlichen lustbarkeit zu denken hat. eine form lobentanz: lobentantz coraula, neben saitenspil Dief. 150ᵇ ist nach art imperativischer eigennamen gebildet. der lobetanz ist ein tanz mit umzug, daher mhd. der grôʒe, wîte lobetanz:
ich pin ein hêrre grôʒ ob allen tieren (sagt der ochse),
und het ich einen grôʒen, wîten lobetanz,
daran nêm ich ein ungefugen umbeswanz.
H. v. Müglin, Germania 5, 288, 4;
mit besonderen figuren: man wais, wie jarlich uf sant Lorenzen tag ein sonderlich tanz zum hof in der Voitlant gehalten, zu wölichem vill hüpscher frauen, junkfrauen und gueter gesellen kumen. Wilwolt füget sich auch dahin, den lobtanz zu schauen. im wart ein tanz gegeben .. Wilwolt aber, der sich sein tag mer reuterei, den tanzens, geflissen, was der krumen tenz nit ganz wol bericht. Wilw. v. Schaumb. 68; auf freiem plane: darumb pflegen die megde auf den dörfern zu sagen, ich mag nicht auf der pfarre dienen, denn da darf eine weder zu plane, das ist, uber feldt zun lobetänzen, noch in die spinnestuben zum rocken gehen. Peter Glaser gesindteufel (1564) B 8ᵃ; zu dem man sich schmückt:
ein ameiʒ hât sich schone bereit
wol in der êren kranz:
si wil sich zieren an den lobetanz.
Kolmarer meisterl. no. 190, 61;
ich brach mir die röslein abe
zu einem kranze,
ich schickt sie meinem feinen lieb
zum lobetanze.
Uhland volksl. 70.
der lobtanz wird gemacht, geführt, gehegt:
nu kompt her aus holze und aus felden,
eher, denn ich euch begin zu schelden,
alle meine liebe hellekint,
die mit mir in der helle sint, ..
und machet mir ein lobetanz!
fastn. sp. 901, 10;
ihr nymfen windet kränze,
hegt schöne lobe-tänze,
kompt kühnlich in den wald:
singt, dasz die heid erschallt.
Opitz 1, 71;
(du wirst) nicht nach der krummen flöt im Phryger tempel zieren
den alten lobetanz.
235 (Senecas Trojanerinnen),
mit der anmerkung: da sie den sohn zum letzten gesegnet, da ihn der feindt ihr ausz der handt reiszet, ... da beklagt sich das weib, dasz ihr sohn nicht jagen, nicht bei dem trojanischen freudenfeste rennen, nicht den lobetanz hegen solle. 274, wo aus der fassung der stelle hervorgeht, dasz lobetanz hegen eine geläufige formel ist;
pflocket blumen, windet kränze,
führet liebe lobetänze.
Fleming 371.
der lobetanz scheint vorzugsweise im Meiszner lande gepflegt worden zu sein: alz bis her eine gewonheit gewest ist, daʒ man undir den linden bie dem dorfe czu Russin in der pflege czu Miszin an der mittewochin nach pfingistin czu lobetenczin wyn, bir adir mete geschangkit hat. urkunde des markgrafen Wilhelm von Meiszen von 1400, im bericht der deutschen gesellsch. an ihre mitglieder 1841 s. 80; unsre vorfahren haben solche offentliche tänze auch darumb gehalten, damit ihre kinder von den nachbauern mochten gesehen werden, ehestiftungen fürzunehmen. daher in Meiszen und anderswo, jährlich zu gewissen tagen jetzt auf diesem, dann auf dem andern dorf, durch der oberkeit verordnungen die lobetänze gehalten werden. Cyriakus Spangenberg ehespiegel (Straszburg 1578) in Scheibles kloster 6, 414; 1541 ward der öffentliche lobetanz (zu Döbeln) durch hohe verordnung allhier untersaget. doch anno 1548 wieder erlaubet. Mörbitz chronica Doebelensia s. 176; beim jahrgericht zu Götzschin den 16. sept. 1601 ruget die gemeine, dasz Hannsz Petsch einen offendlichen lobetanz gehalten, darinn hader und schlegerei vorgegangen. Leipziger actenstück bei Haltaus 1273. noch heute ist wenigstens der name dort nicht ausgestorben, für den 18. juni 1865 kündigte der gasthofswirt auf der Köhra, zwischen Leipzig und Grimma den sogenannten lobetanz an und ladete dazu ein. in der gegend von Roszwein kommt der lobetanz als ein rundtanz mit solo bei hochzeiten und kindtaufen vor; auch in einem Bayreuther mandat von 1712 wird er mit letzteren zusammen gestellt: hochzeiten, kindtaufen, kirchmessen, lobetänze u. dergl. convivien. Schm. 1, 1417 Fromm. sonst ist Lobedanz auch als nhd. eigenname noch vorhanden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1084, Z. 75.

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Zitationshilfe
„lobetanz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lobetanz>.

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