Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lobesam, adj.

lobesam, adj.
laudabilis.
1)
das mhd. lobesam, dessen gewöhnlicher adjectiver und adverbialer gebrauch sich im älteren nhd. lobsam (s. d.) fortsetzt, hatte auch eine formelhafte stellung hinter einem persönlichen substantiv, gleichsam als theil eines titels: si lachte fruntlich unde sach in an unde dankete dem rittere lobesam. Ködiz 26, 26;
dô huoben sich von lande   die snellen rîter lobesam.
Nib. 368, 4;
dô sprach der künec lobesam.
Engelh. 2412;
dô reit der fürste lobesam,
Dieterich, von dannen.
5028;
in der form lobesan, deren abgeschliffener schluszlaut auf das ausscheiden des wortes aus dem lebendigen wortvorrathe hindeutet, in welchem sonst die endung -sam sich hält:
wilkomen, Bîbunc, du werder man,
sprach der vürste lobesan,
her Dieterîch von Berne.
Virginal 803, 2;
es was ain graf gar lobesann.
von dem wil ich euch singen.
Keller erzähl. 168, 6.
in der angegebenen formelhaften anwendung bleibt das wort, obschon im 16. jahrh. es nicht immer mehr für ein gewähltes gilt: lobesan, non est satis apta vox pro laudato. Alb. Hh 3ᵃ, doch selbst noch in bezug auf fürsten:
das hat gebawet und volnbracht ..
zu Sachsen ein herzog lobesam
Johans Friderich heiszt sein nam.
Luther 8, 195ᵃ;
mit flexion:
wach auf in gottes namen
du werde cristenheit!
dank deim gspons lobesamen
der (für die) gnadenreichen zeit.
H. Sachs 1, 45, no. 14 Gödeke;
später mit ironischem oder alterthümelndem beigeschmack:
so sehen
die schwestern ihren papa, den sultan lobesam (: kam)
den zepter in der hand, leibhaftig vor sich stehen.
Wieland 5, 179 (neuer Amad. 18, 30);
nach standes gebühr, geliebte brüder, vettern
und söhne, auch schwestern, basen und töchter lobesam (: gram)
so sprach itzt Zeus vom thron zu den ringsum stehenden göttern.
222 (verkl. Amor 2, 2);
herr ritter lobesam, (: kam)
spricht er.
22, 136 (Ober. 3, 4 in früheren ausgaben, später in herr paladin geändert);
als einst zur morgenstunde
fürst Artus lobesam
an seiner tafelrunde
sein frühstück nahm.
18, 299;
als kaiser Rothbart lobesam
zum heilgen land gezogen kam.
Uhland ged. 328;
in der form lobesan:
wenn einen würdigen biedermann,
pastorn oder rathsherrn lobesan,
die wittib läszt in kupfer stechen.
Göthe 2, 281;
da sprach herr Gottfried lobesan (: an).
Uhland ged. 348;
da zog des wegs vorüber
ein ritter lobesan (: begann).
443;
und es wird fast wie einer von jenen für allgemeine verhältnisse ersonnenen eigennamen empfunden und demgemäsz auch in der schreibung behandelt:
licentiate Lobesan,
nehmt einen guten abend an!
Caniz 217;
ein junges weibchen Lobesan,
seit gestern erst getrauet,
gibt einen klugen einfall an.
Bürger 26ᵃ;
mein herr magister Lobesan (: an)
lasz er mich mit dem gesetz in frieden.
Göthe 12, 134.
2)
lobesam in gewöhnlicher adjectiver stellung ist nhd. selten, da in diesen fällen sonst lobsam steht: under disen sechs weisen oder stäten der künigin ist die erst weis und stat gut, tugendreich und lobesam. Keisersberg christ. künigin ee 6ᵃ; an den vorigen gebrauch (no. 1) rührt das folgende:
ich fand ain veiol lobesam,
zu hant ich meinen huot nam
und dackt in über das plüemelein.
fastn. sp. 412, 26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1083, Z. 59.

lobsam, adj. und adv.

lobsam, adj. und adv.
zu loben; ahd. lobesam und lobosam, ags. lofsum, mhd. lobesam. während sich diese letztere form bis in die neuere sprache gewöhnlich dann erhält, wenn das wort in formelhafter anwendung steht (vgl. sp. 1083), hat sich im ältern nhd. für die gewöhnliche bedeutung lobsam ergeben, ohne viel gebraucht worden zu sein: lobsam, laudabilis. voc. inc. theut. n 1ᵇ; doch diser ander berg Carmelus ist deszhalb wol lobsam. Frank weltb. 179ᵃ; sagten mir wunder von dem ehrbaren züchtigen und lobsamen leben, das sie mit den klosterfrawen geführt hetten. Bocc. (1580) 1, 100ᵇ; als adv.: etlich ander sint in widerwertigen dingen stark und lobsam endrunnen. N. v. Wyle transl. 109, 15.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1090, Z. 76.

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Zitationshilfe
„lobsam“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lobsam>.

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